7.3.10

Sitzen im Museum XVII


Naturnahes Sitzen im Naturhistorischen Museum in Wien (2010)

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25.2.10

Sitzen im Museum XV


Stylisch: Mit dem biomorphen Gebilde von den Londoner Architekten Peter Cook und Colin Fournier im Rücken, kann die Besucherin im Kunsthaus Graz der Hör-Installation einer Straße lauschen.

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21.2.10

Im Zeughaus

Es ist kalt, es riecht leicht nach Ballistol, die Holzdielen knarzen und die Augen begreifen nicht so recht, was sie da eigentlich sehen: Vier Etagen voll mit Waffen, Harnische, Handfeuerwaffen, Helme, Kanonen, Stangen, Lanzen... rund 32. 000 Objekte, laut Beschreibung.
Wir sind im Landeszeughaus der Steiermark in Graz genauer in einer original erhaltenen Rüstkammer, die in diesem Gebäude (links ein Blick auf den Hintereingang) ab Mitte des 16. Jahrhunderts zur Verteidigung der Steiermark eingerichtet worden war.


Ende des 17. Jahrhundert war die Grenze nach Osten hin befriedet, Waffen und Rüstungen wurden überflüssig. Anstatt alles aufzulösen, verwandelte man dann einige Jahrzehnte später das Zeughaus mit den verbliebenen Restbeständen (das ist jetzt etwas abgekürzt) in ein Museum, das seit Ende des 19. Jahrhundert zum Universalmuseum Joanneum gehört.

Während die Rüstungskammer nahezu unverändert blieb, fügte man in den 1990er Jahren im Erdgeschoss eine Dauerausstellung hinzu, um die Notwendigkeit der Waffen für die Steiermark zu erklären und Situationen aus dem Alltag eines Soldaten aus dem 17. Jahrhundert zu visualiseren.

Trotz der didaktischen Einführung ist eine Mischung aus Faszination und Voyeurismus, die einem beim Durchqueren der langen Gänge mit den vielen Waffen begleitet, nicht von der Hand zu weisen. Viele der ausgestellten Objekte sind einfach schön: die kunstvoll verzierten Harnische oder die sorgfältig verarbeiteten Kuhhörner für Schießpulver eignen sich gut für eine Ästhetisierung.

Ein interessantes Kulturerbe, aber auch ein schwieriges - denn wie setzt man so etwas in Szene, ohne Gewalt zu verherrlichen?


Hier ein Video vom ORF für einen ersten Eindruck.

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28.1.10

Figurinen im Museum XVIII




Volkskundemuseum Graz. Trachtensaal

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3.12.09

Jüdisches Museum der Stadt Wien. Ein Opfer populistischer Kulturpolitik?

Das Jüdische Museum in Wien hat eine neue Leitung. Beworben haben sich unter anderem Hanno Loewy und Bernhard Purin, beide als Wissenschafter und Museumsleiter hervorragend qualifiziert. Die Stadt Wien hat sich für eine Nachrichtensprecherin des ORF Fernsehens entschieden. Aus den Zeitungsberichten war nichts über eine Qualifikation für den Job einer Museumsdirektion herauszulesen. Keine Managementerfahrung, keine mit dem Ausstellen, keine einschlägige wissenschaftliche Qualifikation.


Worum es geht, wurde in den ersten Äußerungen auf der Pressekonferenz klar, in der Frau Spera vorgestellt wurde. Es geht um Popularisierung, um mediale Präsenz, um bessere 'Quoten'. Das Museum hat etwa 80.000 Besucher im Jahr und das scheint den Kommunalpolitikern zu wenig zu sein.

Das Museum hat eine der innovativsten Dauerausstellungen, die ich kenne. Es gab hier zahlreiche Ausstellungen, die nicht nur durch die Themenwahl interessant waren, sondern durch ihre Reflexivität. Was theoretisch unter diesem Schlagwort so oft gefordert wird, daß Museen sich der Bedingungen ihrer komplexen Arbeit bewußt werden sollen, ihrer 'Hybridität', um damit praktisch neue Repräsentationsformen zu entwickeln, das galt für viele der Ausstellungen des Jüdischen Museums.

Also warum mißt man Museen immer und immer wieder nur an der Zahl der Besucher und nicht an der - in diesem Fall - überragenden Qualität? Warum kann man nicht ertragen, daß es unter hunderten ein Museum gibt, das intelligente, nachhaltige und innovative Arbeit macht? Warum respektiert man nicht die über viele Jahre hin bewährte kuratorische Professionalität und Erfahrung?

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14.9.09

Man spricht Deutsch

Während der kommende dgv-Kongress ("Mobilitäten", 27.-30.9.2009 in Freiburg im Breisgau) unter anderem von den zögerlichen Versuchen volkskundlicher (im weiten Sinne) Museen, moderne Migration darzustellen berichten wird, hat das Österreichische Museum für Volkskunde ein originelles und intelligentes Projekt entwickelt.
Migranten sind dabei nicht das Objekt einer Ausstellung oder passives Publikum sondern aktive Teilnehmer. Nicht über sie sondern mit ihnen wird gearbeitet, das Museum wird für sie zum Erlebnisraum, zum Tor in eine - eventuelle - neue Heimat.


Neue, immer striktere, Einwanderungsbestimmungen verlangen heutzutage in den meisten Ländern Europas dass Kandidaten für Aufenthaltsgenehmigungen Kenntnisse über das Aufnahmeland und dessen Sprache nachweisen müssen. Und wo kann das besser geschehen als im Museum, fragte sich Katharina Richter-Kovarik, Kulturvermittlerin am ÖMV und Sprachtrainerin. Sie entwickelte in der Folge spezielle Rundgänge sowie Begleitmaterial das zusätzliche Informationen und ein Glossar bietet.


Die Teilnehmer müssen beispielsweise verschiedene Objekte in der Schausammlung finden, Fragen dazu beantworten und sie dann den anderen Gruppenmitgliedern vorstellen. "Es ist uns wichtig, alle vier sprachlichen Fähigkeiten, nämlich Sprechen, Schreiben, Lesen und Hören zu schulen", betont Katharina Richter-Kovarik.
Senioren, eine andere Zielgruppe aktiver Museumsintegrierung, nehmen ebenfalls an den Kursen teil, um diverse Objekte des täglichen Lebens aus eigener Erfahrung zu erklären. Land und Leute, Geschichte und Sprache, Eigenes und Fremdes, all dies fliesst ein und ermöglicht ein besseres gegenseitiges Verständnis.
Das Programm wurde 2008 für den Österreichischen Staatspreis für Erwchsenenbildung im Rahmen des "Interkulturellen Jahres" nominiert und es wäre zu hoffen, dass es in Zukunft auch von anderen Museen aufgenommen wird.
Mehr dazu in der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde LXIII/112, 2009, p.98-102 und auf der website des ÖMV



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26.8.09

Es darf gelacht werden

Linz in Oberösterreich, einst vor allem für seine Stahl- und Chemieindustrie bekannt (berüchtigt) ist heuer europäische Kulturhauptstadt. Gelegenheit also, mit dieser von Touristen bisher eher links liegen gelassenen Stadt Bekanntschaft zu schliessen.
Die frühere übel riechenden Abgaswolken aus den Fabriksschloten sind ja bereits seit längerem von der "Klangwolke" abgelöst worden und der niedergehenden Schwerindustrie hat die Stadt mit zukunftsträchtigen Techniken und Hinwendung zum zeitgenössischen Design gekontert. Die "ars electronica" wurde zu einem internationalen Begriff.
Im Umfeld des Kulturhaupstadtjahres wurde nicht nur viel restauriert (barocke Innenstadt) und neu gebaut (Lentos Museum, ars electronica Zentrum, neuer Ausstellungsflügel im Schloss...) sondern ein reichhaltiges Programm möchte neue Besucher für die Stadt gewinnen aber auch den Einheimischen einen neuen Blick auf ihre Umgebung und ihre Geschichte bieten (dies auch durchaus kritisch mit Inschriften am Strassenpflaster die an Ereignisse der Nazizeit erinnern die eben an diesem Ort stattgefunden haben).
Das offene Kulturhaus, OK, hat drei Kunstrundgänge organisiert. Für "Schaurausch" stellten Geschäfte ihre Vitrinen Künstlern zur Verfügung, in "Tiefenrausch" wurden die Besucher durch Keller, Trinkwasserreservoirs, Krypten und Tunnels ins unterirdische Linz geführt während man im "Höhenrausch" auf den Dächern wandelt. Über hölzerne Stege, Treppen und Wege gelangt man vom Kunsthaus hinauf in luftige Höhen. Kunstwerke (Installationen, Videos, Graphik, Skulpturen etc.) begleiten den Besucher, der sich auch von Zeit zu Zeit in einem Liegestuhl vor einer Kinoleinwand ausruhen ("Respect the Dead" von Pierre Bismuth), eine Tour im Riesenrad von Maider Lopez machen oder sich über chinesische Heilkunde ("Paradiesgarten" von Mali Wu) informieren kann. Der österreichische Künstler Werner Pfeffer stellt mit "Stadtmensch" eine Verbindung zwischen Besuchern und "normalen" Linzern her: man wird etwa aufgefordert seinen Geruchssinn zu mobilisieren um die Düfte aus der Backstube eines Linzertortenbäckers zu erschnuppern, seine Ohren zu schärfen um dem Domorgelspieler zu lauschen, die verschiedenen Glocken der Linzer Kirchen zu erkennen oder die Geräusche der Strassenbahn im Verkehrslärm auszumachen...
Ein köstlich absurdes Video von Erwin Wurm zeigt ein Paar in einem Auto das über die Möglichkeit als I-Pod wiedergeboren zu werden, die Menschlichkeit der Banane und grossmütterliche Zehen philosophiert und, als wäre es das normalste der Welt, dabei eine Hauswand hinauffährt. Der Russe Leonid Tishkov filmt sich beim Skifahren auf dem Dach seines Moskauer Wohnhauses oder bei seinen Gesprächen mit dem Himmel, der Amerikaner Paul DeMarinis verwandelt banale Regenschirme in Resonanzkörper aus denen Wassertropfen bekannte Melodien erklingen lassen, während der Schweizer Roman Singer "Kunst mit Knallkörpern" herstellt. Gegenwartskunst kann durchaus amüsant, unterhaltsam und lustig sein, poetisch und intelligent und für "Normalbürger" jeden Alters zugänglich. Der grosse Besucherandrang bei "Höhenrausch" bestätigt dies!

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10.6.09

Kommt hier zusammen, was zusammengehört?



In Wien gibt es Neues zu vermelden: das Museum für Völkerkunde und das Museum für Volkskunde fusionieren. Laut Wiener Standard vom 6. Mai wird "die Zusammenlegung der beiden Museen" immer wahrscheinlicher. Geredet wurde ja schon lange darüber und hinter den Kulissen agierten die Beteiligten. Nun soll eine Museumsreform Klarheit bringen.

Zum Vorschlag der Zusammenlegung der beiden Museen war es u.a. gekommen, als sich abzeichnete, dass das Museum für Volkskunde die Sanierung für den wunderbaren Schönbornpalast in der Laudongasse alleine nicht leisten kann und die Stadt dafür nicht aufkommen möchte...

Die zuständige Kulturministerin Claudia Schmied kann der geplanten Fusion einiges abgewinnen:
"Einem solchen 'neuen Museum' läge ein ganz neues museumspolitisches Konzept zugrunde, wonach die im 19. Jahrhundert zwischen 'eigen' und 'fremd' (europäische und außereuropäische Ethnologien) unterschiedenen Sammlungs- und Vermittlungsansätze erstmals weltweit zu einem integrativen Gesamtansatz entwickelt würden."

Es sei jetzt einmal dahingestellt, ob es sich wirklich weltweit um den ersten integrativen Gesamtansatz handelt - es wäre zumindest eine neue Option, mit zwei herausragenden Sammlungen neue Positionen im 21. Jahrhundert zu entwickeln.
Das Museum für Völkerkunde, von dem nur ein kleiner Teil der Sammlung in der Neuen Hofburg zu besichtigen ist, (hier im Museumsblog) wird dann wahrscheinlich wieder aus dem Verband des Kunsthistorischen Museum (KHM) ausscheren, in den es 2001 eingebunden worden war. Es sind noch einige Fragen zu klären: Wo soll das neue Museum künftig seinen Standort haben? Wie wird es heißen? Was soll gezeigt werden? usw. Die beteiligten Museen stehen der Entwicklung positiv gegenüber.

Bedenken wurden von deutscher Seite geäußert. Schon im Dezember 2008 konnte sich der Ethnologe Karl-Heinz Kohl nicht mit der Idee anfreunden. So hieß es im Falter:
"Von der geplanten Fusion von MVK und Volkskundemuseum hält Kohl übrigens nichts. Die Aufteilung von Kunst und Volkskunst folge der Hierarchie der europäischen Feudalgesellschaft; stets sei die Kunst des Volkes stark von der Hochkultur beeinflusst worden.
Außereuropäische Kulturen dagegen hätten sich autonom entwickelt, brachten eigene Stile hervor, die keine Klassenabstände widerspiegeln. „Ich fände eine Zusammenführung herabsetzend.“

Auf den Seiten des bm:uk (Bundesministerium für Kunst und Kultur) kann man alles über die geplante Museumsreform in den österreichischen Bundesmuseen nachlesen.

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3.6.09

Figurinen im Museum X



Fast meint man, sie stehen von ganz alleine, die vielen Harnische im Wien Museum, dem historischen und stadtgeschichtlichen Museum von Wien. Die Rüstungen stammen aus dem Bürgerlichen Zeughaus von Wien, dessen Bestand einst den Grundstock des Wien Museums bildete.

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18.4.09

Figurinen "völkischer" Art


Anklässlich der Neuaufstellung (2003; weitere Erneuerung 2008) hat das Grazer Volkskundemuseum im  "Joanneum" einige Vitrinen des sogenannten Trachtensaales übernommen, als eine Art von "Museum eines Museums". Diese Figurinen wurden in den 30er Jahren geschaffen und der Schnitzer hat sich, im Auftrag des damaligen Museumsleiters Viktor von Geramb, an "echten" Bauern inspiriert.

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10.3.09

Fotografie braucht Text

„Nicht der Schrift-, sondern der Photographie-unkundige wird, so hat man gesagt, der Analphabet der Zukunft sein.“ - so Walter Benjamin. Es heisst aber in der "Kleinen Geschichte der Photographie" weiter: „Aber muss nicht weniger als ein Analphabet der Photograph gelten, der seine eigenen Bilder nicht lesen kann? Wird die Beschriftung nicht zum wesentlichsten Bestandteil der Aufnahme werden?“

Dass die Bildunterschrift eng mit der Fotografie gekoppelt ist, da sich ein Bild nicht immer von selbst erklärt, darauf verweisen gleich zwei Fotografie-Ausstellungen - allerdings aus zwei ganz verschiedenen Richtungen.

In Paris zeigt die Ausstellung Controverses in der Nationalbibliothek, die aus dem Musée d'Elysée in Lausanne kommt, mehr oder weniger eindeutige Bilder. Kontroversen erzählt die Skandale, die mit den Fotografien vermittelt wurden, - also Fotografien, die angeeckt haben, die verboten wurden und über die man sprach. Dies wird von den Anfängen der Fotografien bis in die Gegenwart abgehandelt. Es sind viele bekannte Fotografien dabei - wie der Kuss am Hotel de Ville von R. Doisneau, der Soldat von Capa oder die küssende Nonne vom Werbefotografen Toscani. Während beim letzten Foto der Konflikt offensichtlich ist, braucht man bei den anderen Informationen - und Bildtexte bekommt man wohl zu Genüge.
In Paris kamen noch weitere Fotografien hinzu: etwa ein Propaganda-Foto aus der Zeit der Besatzung von André Zucca (der Museumsblog berichtete hier darüber), oder ein Foto-Porträt von Sartre, aus dem man die Zigarette wegretuschiert hatte. Das stammte im übrigen aus einer eigenen Ausstellung der Nationalbibliothek...
Dem Rezensenten in Le Monde hat es auf alle Fälle gut gefallen. Hier kann man sich einige der Fotos anschauen.

Die andere Ausstellung wird gerade in Wien, in der Albertina gezeigt. Die Fotografie und das Unsichtbare, eine Ausstellung, die vom San Francisco Museum of Modern Art stammt, geht auch bis in die Anfänge der Fotografie zurück und zeigt das, was das menschliche Auge sonst nicht sehen kann. Zum Beispiel eine männliche Krätzmilbe, die Auguste-Adolphe Bertsch in den 185oer Jahren aufgenommen hat, Pflanzenquerschnitte oder Mikrodaguerreotypien von W. H. Fox Talbot. In der Bildergalerie kann man sich einige der Fotografien anschauen, auf Ö1 Inforadio kann man ein Interview mit der Kuratorin Monika Faber anhören.

In beiden Ausstellungen bleibt letztendlich die Frage offen, ob man seinen Augen trauen kann. Es wäre bestimmt interessant, die beiden Ausstellungen gleich hintereinander anzusehen. Zwischendurch könnte man im jeweiligen Katalog blättern....

Controverses, Bibliothèque nationale de France
58, rue de Richelieu, 75o02 Paris
Di- Sa 10-19, So 12-19 Uhr
bis zum 24. Mai

Die Fotografie und das Unsichtbare
Albertinaplatz 1, 1010 Wien
täglich 10- 18 Uhr, Mi 10 - 21 Uhr
ebenfalls bis zum 24. Mai

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3.3.09

Volkskundliches in Vorarlberg

Richard Beitl war in verschiedenen Welten zu Hause: er lebte in der Großstadt und auf dem Land, er war Wissenschaftler und Professor für Volkskunde in Berlin, zugleich auch noch Dichter und Schriftsteller. Vor allem war er auch aus dem Montafon und im kleinen Städtchen Schruns beheimatet, in dem er auch eine Zeitlang als Kulturreferent tätig war. Was klingt wie eine Patchwork-Karriere eines Geisteswissenschaftlers aus der Gegenwart, verweist indessen auf ein bewegtes Leben im letzten Jahrhundert.

Das Montafoner Heimatmuseum widmet den vielen Facetten von Richard Beitl nun die Ausstellung Schruns - Berlin, die wirklich interessant zu sein verspricht. Es geht hier natürlich um Biografisches, um Dichtung und Wissenschaft, wie der Untertitel sagt und um die Heimat - das Montafon.

Beitl fand über die Germanistik zur Volkskunde, studierte in Wien und Berlin. In Berlin fand er auch seine erste Anstellung bei der Zentralstelle des Atlas für deutsche Volkskunde, dem volkskundlichen Großprojekt, dessen Geschichte demnächst in einer Untersuchung erscheint. Aus diesem Themenkreis stammte auch seine Habilitationsschrift Untersuchungen zur Mythologie des Kindes über Korndämonen - die posthum veröffentlicht wurde. Den wissenschaftlichen Aktivitäten fügte er noch viele weitere hinzu; er sammelte etwa Sagen aus Vorarlberg und publizierte sie in Standardwerken und er schrieb erfolgreich Romane, die heute noch in jedem Vorarlberger Bücherregal stehen. Seine Wege führten ihn oft von Schruns nach Berlin und wieder zurück, aber auch weit darüber hinaus.

Die Ausstellung ist noch bis zum 18. April zu sehen.
Im April erscheint dazu noch ein Begleitbuch.

Montafoner Heimatmuseum Schruns
Kirchplatz 15
A-6780 Schruns
Dienstag – Samstag, jeweils 16-18 Uhr

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9.1.09

Warum man sich diese Ausstellung anschauen sollte

RECOLLECTING. Raub und Restitution - so heißt die Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst MAK in Wien, die man sich unbedingt anschauen sollte. Der Titel macht es schon deutlich: es geht um das Hab und Gut, das jüdischen BürgerInnen in Österreich zur Zeit des Nationalsozialismus auf unterschiedliche Art und Weise geraubt wurde und welches ihnen oder ihren ErbInnen auch noch lange Zeit nach 1945 vorenthalten wurde. In der Ausstellung sind nicht nur hochkarätige Kunstobjekte zu sehen, sondern auch Gegenstände des Alltags, etwa ein Auto, Bücher oder Möbelstücke. Die Geschichte jedes der rund 100 Exponate wird sorgsam beleuchtet; offizielle Briefe oder Listen offenbaren, wie die Enteignung durchgesetzt wurde, wie die BesitzerInnen darauf reagierten und was mit den Gegenständen geschah - und welches Schicksal die BesitzerInnen erfahren mussten. Wertvolle Provenienzforschung wird hier transparent gemacht und zeigt aber zugleich auf, wie viele Lücken noch vorhanden sind. Nicht für alle Objekte konnten Erben ausgemacht werden. Erschreckend ist auch zu sehen, wie die Bürokratie nach 1945 nahezu reibungslos weiter funktionierte und die Ansprüche der rechtmäßigen BesitzerInnen einfach abgeschmettert wurden.
Ergänzt werden die Geschichten der Gegenstände und ihrer BesitzerInnen durch zeitgenössische künstlerische Positionen, die nochmals einen völlig anderen Blick erlauben.
Eine höchst aufwühlende, notwendige und auch sehr gut gemachte Ausstellung. Bis zum 15.02.2009ist sie noch in der MAK-Ausstellungshalle zu sehen.

Eine Ausstellung mit demselben Titel, Raub und Restitution, läuft gerade im Jüdischen Museum in Berlin.

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9.12.08

Die andere Art, außereuropäische Kulturen auszustellen


Die Kisten im Völkerkundemuseum in Wien sind ausgepackt - seit 19. November bietet das Haus Einblicke, wie ein Völkerkundemuseum in der Gegenwart ausstellen kann. Einblicke in die Sammlung vermittelt der neue Teil der Schausammlung. In 21 Vitrinen wird religiöse Kunst aus Süd-, Südostasien und Himalayaländer gezeigt; jede Vitrine steht für sich und bindet neben den Objekten, Texte, Fotografien oder andere Medien mit ein. Ganz deutlich beziehen die Kuratoren damit gegen das ästethisierende Prinzip Musée du quai Branly Stellung:
So heißt es auf der Internetseite zur Ausstellung:
"Obwohl die gezeigten Objekte dem Bereich „religiöse außereuropäische Kunst“ zugeordnet werden können, steht in ihrer Darstellung im Museum für Völkerkunde nicht die Ästhetisierung fremdkultureller Objekte und deren Verwandlung in Werke „nicht- europäischer Kunst“ im Vordergrund, sondern ein Verständnis der durch sie repräsentierten Inhalte und kulturellen Zusammenhänge."
Ich habe selten bei einer Ausstellunsgeröffnung so viele interessierte BesucherInnen gesehen. Warum es mehrfach lohnt, sich diese neue Präsentation der Schausammlung anzusehen, sind die anderen Ausstellungen, die noch weitere Einblicke in die außereuropäischen Kulturen in Vergangenheit und Gegenwart bieten: Das ist die Ausstellung "Zeitreise Tibet" mit Fotografien von Barbara Krobath; die Ausstellung "Kunstvoller Widerstand" mit zeitgenössischer Kunst aus Sri Lanka und die monographische Ausstellung sowie die objekt-monographische Ausstellung Straps & Bands - die Privatsammlung eines Arztes, die nun zum Museum gehört.

Das Museum in der Presse:
Im Kurier, im Orf-Magazin und bei APA Zukunftswissen

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10.11.08

Junggeblieben

Nicht nur ideenreich, sondern auch junggeblieben: Themen und Museographie sind zeitgebunden; diese Erfahrung kann man immer wieder machen, wenn man Museen nach längerer Zeit wieder aufsucht. Doch manches Museum altert erstaunlicherweise nicht: das Österreichische Museum für Volkskunde gehört für mich dazu. Die Dauerausstellung ist nun um die 15 Jahre alt - jung kann man sagen.
Denn sie ist überhaupt nicht gealtert, weder was der Zugang noch die Inszenierung betrifft. Denn wie kann man die Objekte des "Volkes" präsentieren, ohne zugleich den Blick von den anderen, von ForscherInnen, von Museen, von der Stadtbevölkerung zu erwähnen? Es geht hier auch um Klischees und Stereotypen, um Vorstellungen des anderen, um Kulturgeschichte und um eine geschickte Verflechtung mit der Museumssamlung. Die Ausstellungsarchitektur ist schlicht und zurückhaltend, und bringt manches auf den Punkt - zum Beispiel mit auf Podesten präsentierten Möbeln. Und von den klugen, pointierten Texten könnten manch andere Museen lernen.

Der Besuch lohnt sich, denn zur Zeit sind gleich noch zwei herausragende Fotoausstellungen zu sehen: Die Ausstellung "Places of Worship. Interreligiöse Gebetsräume auf Flughäfen" mit den schönen Fotografien von Andreas Duscha beschäftigt sich mit einem klassischen volkskundlichen Thema - in der Gegenwart (nur noch bis zum 16.11.).
Die zweite Fotoausstellung, Prag 1968 - Fotografien von Heinz Hosch widmet sich einem Pressefotografen, der das Ende des Prager Frühlings 1968 fotografisch festgehalten hat. Schön deutlich wird hier die Verschränkung von weltpolitischem Ereignis und individuellen (Berufs-)Alltag. Kommentiert wird das Fotoarchiv von einer szenischen Installation mit Tönen aus dem aktuellen Prag von Paul Divjak. Unbedingt hingehen!

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7.11.08

Ideenreich

Das österreichische Volkskundemuseum hat bekanntlich - wie zahlreiche andere Museen dieses Sektors - seit Jahrzehnten mit Finanzschwierigkeiten zu kämpfen. Was an Geld fehlt wird in diesem Museum aber durch Ideen reichlich wett gemacht. Jüngstes Beispiel: die Ausstellung kommt zu den Besuchern. Ausgehend von der Überlegung dass ein Grossteil des interessierten und treuen Museumspublikums SeniorInnen sind und dass viele ältere Menschen körperlich und gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, ein Museum zu besuchen eröffnet das ÖMV am 19. November eine Krippenausstellung im Pensionistenwohnheim Türkenschanze. Direktion und Bewohner zeigten sich begeistert von dieser Initiative.

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22.10.08

Kisten auspacken

Was wird da wohl ausgepackt? Oder eingepackt? Gesehen in Wien, in der Neuen Burg, in der sich zum Beispiel das Völkerkundemuseum befindet, dessen Dauerausstellung gerade umfassend saniert wird.

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23.9.08

Museum Liaunig





Kärnten hat Gott sei Dank noch anderes zu bieten als Jörg Haider! Am 29. August eröffnete ein neues Privatmuseum das in erster Linie der österreichischen Kunst nach 1950 sowie einer einzigartigen Sammlung afrikanischer Goldobjekte gewidmet ist. Der Sammler Dkfm. Herbert Liaunig plant vorderhand nur Werke aus der eigenen Sammlung zu zeigen und auf Sonderausstellungen zu verzichten. Der von querkraft konzipierte Bau aus Sichtbeton, Stahl und Glas besteht aus einem Schaudepot (600 m2), einem 160 Meter langem, 13 Meter breitem und 7 m hohem tunnelförmigen "white cube", einem Graphikraum (500m2) und einem unterirdischen Kubus in dem das "Gold der Akan" gezeigt wird. Nur der lang gezogene Galerietrakt ist von aussen sichtbar und bietet von seinen Terrassen Ausblick auf die umliegende Landschaft. Unter den über 2000 Werken österreichischer Gegenwartskunst (Malerei, Plastik, Graphik aber auch Architekturentwürfe) finden sich Arbeiten von Erwin Wurm, Moldovan, Brus, Pichler, Wotruba, Prantl, Staudacher etc. aber auch Werke ausländischer Künstler wie Soulages oder Mullican.

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21.7.08

Zum Aha- und Wiedererkennungseffekt

Dass die Kunsthistorikerin Sabine Haag Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums Wien* wird, hat der Museumsblog bereits begrüßt. Und hier ist ein Interview mit Frau Haag in der Frankfurter Rundschau. Haag hat vor, vor allem der "Qualität und Substanz der Sammlungen des Kunsthistorischen Museums" zu vertrauen und nicht so sehr auf Blockbuster-Ausstellungen von außen zu setzen. Sie möchte die wissenschaftliche Qualität fördern und jüngere KuratorInnen zum Zuge kommen lassen. Ihr Rezept für eine erfolgreiche Ausstellung:
"Für einen erfolgreichen Museumsbesuch braucht es von allem ein bisschen: den Aha-Effekt und den Wiedererkennungswert, der Sicherheit gibt. Wenn es gelingt, diese Mischung zu generieren, dann hat man eine fantastische Ausstellung."
Aufschlussreich war neben den inhaltlichen Vorstellungen auch die Antwort auf folgende Frage der FR:
"Zu Ihrer Bestellung hat die Hälfte der befragten Museumsdirektoren gesagt: "Tut mir leid, ich kann dazu nichts sagen. Ich kenne Sabine Haag nicht."
Frau Haag meinte dazu:
"Ich nehme das zur Kenntnis. Da geht es offensichtlich um Hierarchien. Viele der Museumsdirektoren, die sagen, sie kennen mich nicht, waren sehr wohl bei meinen Ausstellungseröffnungen. Es zeigt mir einfach, in welchen Bahnen da gedacht wird."

*Das KHM Wien umfasst u.a. die Gemäldegalerie, die Antikensammlung, die Wagenburg und das Monturdepot, das Museum für Völkerkunde, das Münzkabinett und die Kunstkammer.

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11.6.08

Mut zur Frau

Nach langem Suchen im In- und Ausland, Gerüchten und Vermutungen, Ausschreibung und weiterem Gemunkel hat das Wiener Kunsthistorische Museum nun einen neuen Direktor - und es ist eine Direktorin. Die 46 jährige Sabine Haag, Leiterin der Kunstkammer wurde von Kulturministerin Claudia Schmied zur wissenschaftlichen Generaldirektorin bestellt. Ihr zur Seite steht ein kaufmännischer Direktor, Paul Frey. Diese Ernennung überraschte, Hausbesetzungen sind ja heutzutage selten geworden und die als Seipel Nachfolger gehandelten Kandidaten waren "Stars" der internationalen Museumsszene - und ausschliesslich Männer!
Mehr dazu im "Standard"

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29.5.08

Körpersäfte


Bis 26. Oktober zeigt das Volkskundemuseum Joanneum in Graz eine Ausstellung mit dem Titel "Blut, Schweiss und Tränen. Botschaften des Körpers". Diese "Säfte" sind nicht nur eine physiologsche Notwendigkeit, sondern werden als ausdrucksstarke Metaphern und Symbole in Wort und Bild immer wieder heraufbeschworen. Im Gegensatz dazu, werden sie aber im realen Leben verborgen, widersprechen sie doch dem Ideal des heilen, sauberen und schmerzfreien Körpers. Die Ausstellung, kuratiert von Eva Kreissl, folgt den Spuren dieser Körperflüssigkeiten durch die Kulturgeschichte, in Kunst, Mythologie und Religion und eröffnet so ungewohnte Perspektiven.

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3.4.08

"Leben!"










Unter diesem Titel zeigt das Jüdische Museum Wien bis zum 22. Juni mehr als 3.500 Fotos. Sie zeugen vom unerwartet schnellen Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde Wiens nach 1945. Die 1956 aus Ungarn geflüchtete Fotografin Margit Dobronyi, hielt mit ihrer Kamera Hochzeiten, Bar Mizvahs, Sommerfrische, Geburtstagsfeste und andere Szenen aus dem Alltagsleben fest. 150.000 Negative umfasst ihr Archiv das 2004 vom jüdischen Museum angekauft wurde und aus dem die Kuratorin Ruth Beckermann ihre Auswahl getroffen hat. Die Fotos spiegeln Lebensfreude wider, eine Lebensfreude wie sie in Ausstellungen über die jüdischen Gemeinden im 20. Jahrhundert selten ist. Die Zeit nach der Schoah darzustellen, sei "Neuland" sagte Karl Albrecht-Weinberger, Direktor des Museums.

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28.3.08

Ein Fenster schliesst sich...

So titelt Matthias Beitl, stellvertretender Direktor des Österreichischen Museums für Volkskunde einen Bericht über die Schliessung des Ethnografischen Museums Schloss Kittsee, nachdem jahrelange Bemühungen um eine ausreichende Finanzierung keinen Erfolg gezeigt hatten. Mit Bitterkeit kommt er auf die visionäre Rolle dieses Hauses zurück: "Es (das Museum) sah sich immer als 'Fenster in den Osten' und hat diese Idee auch Jahr für Jahr über den Eisernen Vorhang hinweg umgesetzt". Vor wie nach der Wende war das EMK Ort für zahlreiche Ausstellungen, Tagungen und Initiator von EU-Projekten. Reinhard Johler (Tübingen) nennt das Museum eine "'contact zone' wie sie quer durch Europa geschaffen und nicht geschlossen werden sollte".
Weder die österreichische Bundesregierung, noch das Land Burgenland oder die Stadtgemeinde Kittsee haben sich diesem Anspruch gewachsen gezeigt. Und so wurde eine weitere wichtige und aktive Kulturinstitution bedenkenlos finanziell ausgehungert!
Der Bericht von Matthias Beitl erscheint im Magazin des Institutes für den Donauraum und Mitteleuropa.

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21.3.08

Kultur und Küche

Das Wiener Naturhistorische Museum bietet seinen Besuchern jeden Mittwoch ein exlusives Muschel-Dinner kombiniert mit einer Abendführung durch seine Sammlungen. Dieses Angebot wird nun jeden 2. Sonntag im Monat um ein "Kulturfrühstück" erweitert. Nach einer kurzweiligen Themen-Führung kann man es sich bei einem Lachsfrühstück mit Sekt (Lachs, Bagel, Sekt, Kaffee oder Tee) genüsslich gut gehen lassen. Morgenmuffel haben keine Ausrede mehr, einen Museumsbesuch auszuschlagen!
Preis des Frühstücks inclusive Eintritt und Führung: 29 €. Treffpunkt 9.oo in der Eingangshalle des Museums.
Voranmeldung per e-mail (waswannwo@nhm-wien.ac.at) oder Telefon (521 77 / 276) erbeten.

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12.3.08

Repräsentation und Museum

Was sehen wir eigentlich in Museen und Ausstellungen? Wie werden bestimmte Themen repräsentiert? Wie ist es um die Kategorien Mann-Frau, das Eigene - der Andere bestellt?
Solchen und anderen Fragen gehen Roswitha Muttenthaler und Regina Wonisch anhand der Dauerausstellungen dreier Wiener Museen nach. Es ist höchst interessant, nach der Lektüre dieses Buches selbst wieder in Ausstellungen zu gehen und plötzlich anders zu sehen. Sehr anregend und überzeugend!

Roswitha Muttenthaler/Regina Wonisch: Gesten des Zeigens. Zur Repräsentation von Gender und Race in Ausstellungen, Bielefeld: transcript, 2007. Kart.,268 S., zahlr. Abb., ISBN: 978-3-89942-580-2, EUR 26,80.
Jennifer John hat hier das Buch der beiden Wiener Museologinnen rezensiert.

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6.3.08

Wien Museum

In seiner Ausgabe vom 5.3. berichtet der "Standard" dass der Vertrag des Direktors des Wien Museums um weitere 5 Jahre verlängert wurde. Wolfgang Kos war nach dem Studium von Geschichte und Politologie Journalist und leitender Redakteur des Österreichischen Rundfunks (ORF). Ein Aussenseiter also auf dem Posten des Direktors des ehemaligen Historischen Museums der Stadt Wien! Während seiner Amtszeit hat sich das Museum vom eher langweiligen Stadtmuseum zu einem lebendigen Gesellschaftsmuseum gewandelt mit Ausstellungen wie "Die Sinalco-Epoche. Essen, Trinken, Konsumieren nach 1945" (2005), "Männerwelten, Frauenzimmer. Interventionen in der Dauerausstellung" (2006), "Im Wirtshaus. Eine Geschichte der Wiener Geselligkeit" (2007), "Ganz unten. Die Entdeckung des Elends, Wien-Berlin-London-Paris-New York" (2007), "Baby an Bord. Mit dem Kinderwagen durchs 20. Jahrhundert" (2007/08). Nächste Etappe sind die Sanierung der Depots und die Neuadaptierung der ständigen Schausammlung. Neben dem Haupthaus am Karlsplatz "bespielt" das Wien Museum vor allem die Hermesvilla im Lainzer Tiergarten, das Pratermuseum, das Uhrenmuseum, diverse Musikerwohnstätten und Ausgrabungen.
Gut gemacht auch der monatliche newsletter per e-mail mit Angaben zu aktuellen Ausstellungen und Veranstaltungen, Gewinnspiel und links zum Museum.

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22.2.08

Gelitin im Pariser Musée d'Art Moderne

3000 Werke der österreichischen Künstlergruppe Gelitin sind unter dem Titel "La (sic!) Louvre - Paris" vom 29. Februar bis 20. April im Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris zu sehen. "Materialien von Karamell bis Wolle, von Käse bis zu Toilettenpapier" benützen die vier Künstler der Gruppe für ihre oft Aufregung erregenden Arbeiten. Bei der Expo 2000 in Hannover mussten etwa die Besucher in ein 5 Meter tiefes Wasserloch tauchen um in die "Grotte des Glücks" zu gelangen... In Österreich sorgten sie 2003 mit der Skulptur "Arc de Triomphe" für Aufregung . Diese Darstellung eines nackten Mannes mit erigiertem Penis musste nach nur eine Woche und einer Klage der Stadt Salzburg wieder abgebaut werden und 2006 sorgte die Ausstellung "Chinese Synthese Leberkäse" im Kunsthaus Bregenz für Diskussionen.
Neben provokanten Installationen in der Tradition des Wiener Aktionismus werden in der Ausstellung jedoch auch "klassischere" Objekte zu sehen sein (Plastilin, Malereien, Bilder der Künstler in Frauenkleidern etc.).
Pariser Museumsbesucher werden wohl ihr Österreichbild revidieren müssen...

Quelle: Der Standard

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11.7.07

Museum, nach außen gestülpt

Auf ein sehr spannend klingendes Projekt hat mich Matthias Beitl vom Wiener Volkskundemuseum hingewiesen. Um den BesucherInnen einen Eindruck davon zu geben, was Museumsarbeit eigentlich alles beinhaltet, können BesucherInnen von Mittwoch bis Freitag den MuseumsmitarbeiterInnen bei der Arbeit über die Schulter schauen. Das Projekt nennt sich Museum inside out und auf der Internetseite heißt es dazu:

"Die Ausstellungsräume verwandeln sich in multifunktionale Arbeitsplätze: temporäres Depot, Registraturstelle, Inventarisierungsterminal, Photolabor, Restaurieratelier, Bibliothek, Studierplatz. Publikum und Besucher sind so nah am Museum wie nirgendwo sonst. Bei jedem Museumsbesuch in diesem Jahr etwas Neues entdecken, jede Woche ein anderes, frisches Museumserlebnis. Ein Museum erfindet sich neu. Mit dem Projekt "museum inside out" stellt sich das Volkskundemuseum zur Diskussion, macht Museumsarbeit öffentlich, stülpt sich von innen nach außen und denkt sowohl intern als auch mit unterschiedlichen Öffentlichkeiten über seine Inhalte und möglichen Zukunftsperspektiven nach. Die jeglicher Museumsarbeit inhärente Arbeit am Gedächtnis wird so einerseits am Gedächtnis der eigenen Institution geleistet und andererseits dem Publikum als öffentliche Aufgabe für das kollektive Gedächtnis bewusst gemacht."
Parallel dazu finden Veranstaltungen und Expertenrunden statt. Am Donnerstag geht es etwa in der Rubrik "Geschichten aus dem Museumsalltag" um "Tabus" im Museum, am Samstag um Fototechniken und Restaurierung. Der Aspekt der musealen Selbstreflexion gefällt mir gut. Wer zufällig in Wien weilt, sollte unbedingt vorbeigehen, denn ein Besuch im Palais Schönborn lohnt immer; vor allem in den Sommermonaten kann man sich mit einem Cafe im wunderschönen Gastgarten belohnen. Bis zur nächsten Wien-Reise kann man sich auch auf dem Blog von Museum inside out vergnügen - natürlich ersetzt das nicht den Museumsbesuch.

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