8.2.10

Genuss im Museum

Ein echter Genuss ist die Ausstellung Koscher & Co. Über Essen und Religion im Jüdischen Museum in Berlin: der Genuss beruht auf einer spannenden Ausstellungsidee, die mit schönen Objekten kongenial umgesetzt wurde.

Doch von vorne: Am Eingang der Ausstellung bekommt man von der netten Dame einen Löffel in die Hand gedrückt. Mit diesem Löffel, so erklärt sie, kann man Rezepte einsammeln, in dem man ihn auf einen dafür bereitgestellten Teller streicht. Die Rezepte können zu Hause dann im Internet abgerufen werden. Das funktioniert und macht Spass, blinkt doch der Teller immer so schön auf, wenn der Löffel über ihn streift, so dass man bei der Sache bleibt, um ja nicht den nächsten Teller zu verpassen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Verhältnis von Essen und Religion. Warum essen Menschen so unterschiedliche Sachen und warum nicht? Warum gilt manche Nahrung, manches Tier als rein und warum nicht, sind die Hauptfragen.
Die jüdischen Speisegesetze, die Kaschrut, werden ergänzt um einen Blick auf christliche, hinduistische und islamische Traditionen. In zehn Gängen wird uns die Ausstellung serviert. Verbote wie Gebote spielen eine Rolle, hauptsächlich aber der identitätsstiftende Aspekt, den der Soziologe Georg Simmel hier so schön einmal beschrieben hat. Die Religion wird sozusagen mitgegessen. Die Ausstellung fängt bei der biblischen Schöpfungsgeschichte mit Adam und Eva an - visualisiert mit zwei Statuen, flankiert von einer Parade reiner und unreiner Tiere.


Dem Raum Eden folgen Gesetz, Opfer, Fleisch, Brot, Wein, "Mahl", Genuss und Verzicht, Brot des Elends und Identitäten - hier sind wir bei der Gegenwart angelangt.
Der Genuss, die sinnlichen Gaumenfreunden und Symbole in der Küche werden vielgestaltig präsentiert: der Bogen spannt sich dabei von Gemälden, Fotografien, rituelle Gegenständen, alltäglichen Küchenutensilien zu handlungsüblichen Nahrungsmitteln aus der Gegenwart. Es macht Spass, sich in die Inhalte zu vertiefen, weil die Texte gut geschrieben sind und auch in die Tiefe gehen. Viele Fragen werden beantwortet, auch die, die man sich so gar nicht gestellt hätte (- etwa wie sich das koscher essen mit den tierischen Ungeziefer im Salat vereinbaren lässt, eigentlich ein interaktive Station für Kinder...)
Die Ausstellung ist, (um bei den Begrifflichkeiten des Essens zu bleiben) keine leichte Kost, aber auch nicht zu schwer verdaulich.


Auch das Auge isst ja bekanntlich mit: Die 10 Räume haben alle ein eigenes Thema, das sich in Farben, oder in Ton- oder Bild installationen widerspiegelt. Sehr schön integriert sind die Medien: mal füllen Hör-Installationen einen ganzen Raum. Auf Monitoren, die zwischen die Vitrinen unauffällig eingepasst sind, kann man mit sich zum Beispiel Filmausschnitte ansehen. Sehr schön ist die Installation eines Tisches, an dem gemeinsam gegessen wird.
Besonders beeindruckend ist auch der schlicht gehaltene Raum, in dem es um die Einhaltung der Speisegesetze während der NS-Zeit geht - sichtbar gemacht vor allem mit damals ausgegegeben Essenskarten mit unvorstellbaren Streichungen.

Die Ausstellung ist noch bis Ende Februar zu sehen und unbedingt zu empfehlen. Es ist damit zu rechnen, dass Sie am Ende Appetit bekommen haben - vor allem wenn Sie sich noch die Videointerviews am Ende der Ausstellung anschauen, in denen die interviewten Personen die jüdischen Speisegesetze für ihr Leben und Glauben erläutern. Abhilfe tut dann das museumseigene Cafe, und auf dem Weg dahin kann man sich an koscheren Gummibärchen aus dem Automat erfreuen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, Projektleiter der Ausstellung ist Bodo-Michael Baumunk, die Gestaltung stammt von Norbert W. Hinterberger und Catarina Popp.
Hier und hier können noch Ausstellungsrezensionen gelesen werden.

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28.1.10

Figurinen im Museum XVII



Nein, das ist nicht nur einfach eine Figur, die wie ein Mensch aussehen soll, der vor über 27. 000 Jahren lebte und jetzt im Neuen Museum in Berlin rumhockt. Hierbei handelt nichts weniger als einen Eiszeitlicher Künstler, der gerade dabei ist, eine kleine Venus herzustellen.

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15.9.09

Ausstellungswürdig?

Was ist guter Geschmack? Spätestens seit Pierre Bourdieu wissen wir ja, wie sich Geschmack ausbildet. Doch wie sehen die Dinge des schlechten Geschmacks aus? Dieser Frage geht das Werkbundarchiv im Museum der Dinge in der Ausstellung Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks in Berlin nach.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die Geschmacks-Kategorien von Gustav E. Pazaurek, Museumsdirektor im Landesgewerbemuseum in Stuttgart, der 1909 dort die "Abteilung der Geschmacksverirrungen" einrichtete.
Dinge zeugen nach Pazaurek entweder von gutem oder schlechtem Geschmack. So heisst es auf der Ausstellungsseite des Museums der Dinge:
"Die strafrechtlichen Kategorien, mit denen Pazaurek die Dinge etikettierte, lesen sich wie eine Metaphorik des Bösen. Die Bösartigkeit der Dinge bezieht sich dabei nicht auf Taten, die mit ihnen ausgeführt werden könnten, nicht auf ihren Zweck oder ihren Zeichencharakter, sondern auf das Böse bzw. Schlechte, das sich in ihrer Ausführung, Gestaltung und in ihrer Funktionsfähigkeit manifestiert."
Der Werkbund stellte einige der von Pazaurek gesammelten Stücke zeitgenössischen Stücken gegenüber, verlängert also die Geschmacksverirrungen bis in die Gegenwart. Freilich setzt man nun auf andere Prämissen. Verwies für Pazaurek ein "böses" Ding etwa auf ästhetische oder materielle Mängel, so liegt das Böse heute eher bei "sozialen, ökonomischen und ökologischen Faktoren", wie es im Ausstellungstext heisst. Wie etwa das mit Schmucksteinen verzierte Handy, das es sogar zum Ding des Monats schaffte.

Besucherinnen werden gebeten, solche Dinge von zu Hause mitbringen; sie werden dann ausgestellt. Oder zerstört: Wohl nur Ende August war die Destruktionsmaschine von Antoine Zgraggen zu Gast, die eine radikale Lösung für das eine oder andere Stück anbot.

Interessant ist auch, dass sich die Einrichtung, die in Deutschland für die guten Dinge schlechthin steht, Sorgen macht, man könne etwas aus ihrem Sortiment in die Ausstellung bringen: so fordert Manufactum in den letzten Hausnachrichten dazu auf, diese Stücke doch bitte zu melden.

Die Ausstellung ist noch bis zum 11. Januar 2010 zu sehen. Hier ein Einblick zum Hören in Deutschlandradio Kultur und hier etwas zu lesen in der taz und hier auf Fr-online.

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6.7.09

Jüdische Sportlerinnen in der NS-Zeit

In Berlin finden demnächst die Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt. Wie es mittlerweile zu sportlichen Großereignissen gehört, sind darüber hinaus zahlreiche (kulturelle) Events geplant. Dafür stehen 2 Millionen Euro bereit - selbstverständlich können damit nicht alle Projekte unterstützt werden. Auch das Ausstellungsprojekt über jüdische Sportlerinnen, das im Arbeitsbereich Zeitgeschichte des Sports an der Universität Potsdam entstand, erhielt anscheinend keine finanzielle Unterstützung - vielleicht weil es nur zu deutlich macht, dass es den unpolitischen Sport nicht gibt?

Finanziert hat schließlich die Ausstellung die Alfried Krupp von Bohlen Halbach-Stiftung. Nun ist Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933, im Centrum Judaicum in Berlin zu sehen und auch im offiziellen Kulturprogramm der WM aufgenommen.

Anhand der Biographie dreier jüdischer Sportlerinnen - Gretel Bergmann, Lilli Henoch, Martha Jacob -, die in den 1930er Jahren sehr erfolgreich waren, wird gezeigt, wie die Ausgrenzung jüdischer Athleten in den Sport-Vereinen auf allen Ebenen durchgesetzt wurde. So wurde für die Olympiade 1936 in Berlin die Hochspringerin Gretel Bergmann aus dem Exil zurückbeordert, für Olympia nominiert, dann wieder ausgeladen - aufgrund ungenügender Leistungen, wie es hieß - dabei war sie die deutsche Rekordhalterin gewesen! Lili Henoch überlebt das Nazi-Regime nicht - sie wird in einem Lager ermordet.

In Deutschlandradio Kultur erzählen Hans Joachim Treichler und Jutta Braun von der Genese der Ausstellung und auch darüber, wie wenig die Vereine ihre eigene Vergangenheit reflektieren. Die ZEIT von der letzten Woche widmet sich dem Leben von Gretel Bergmann.
Die Taz berichtete im Vorfeld über die Ausstellung, hier der taz-artikel als Pdf.

Die Publikation zur Ausstellung: Bahro, Berno, Jutta Braun, Hans Joachim Teichler (Hg.): Vergessene Rekorde – jüdische Athletinnen vor und nach 1933, Berlin 2009. (16,90€)
Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert.

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25.3.09

Hängende Soßentropfen und Wurstsofas

Ein Artikel auf Spiegel online, vor Tagen überflogen, geht nicht mehr aus dem Kopf und deswegen landet der Inhalt jetzt hier: es geht um die Wurst bzw. um die Currywurst. In Berlin soll im August ein solches Museum geöffnet werden. Die Gründung geht natürlich darauf zurück, dass in Deutschland so viele Currywürste gegessen werden und Berlin als Erfinder der Wurst gilt (was Hamburg aber nicht so sieht). Warum man deshalb gleich ein Museum bauen muss bzw. eine übergroße Imbissbude mit historischen Ecken Museum nennen muss, leuchtet nicht wirklich ein.
Das sogenannte Museum soll beim Checkpoint Charlie stehen und auf über 1000 qm eine Art "begehbare Imbussbude" darstellen: "An Stehtischen sind Hörstationen in Form von Ketchup-Flaschen aufgebaut, an denen Prominente ihre Liebe zur Currywurst erklären". Natürlich soll die Geschichte der Erfindung gezeigt werden, es werden Wurstsofas rumstehen und Soßentropfen hängen von der Decke. "Das Geheimnis der Currywurst liegt in der Soße, das haben wir als Leitmotiv genommen", erklärte einer der Macher. Bei so viel Einfallreichstum wundert es nicht, dass man hier auch Currywürste aller Art - von Sterneköchen gemacht - probieren kann.
Was die Besucherzahlen anbelangt, geben sich die Macher bescheiden: 350.000 BesucherInnen im Jahr sind anvisiert. "Wir nehmen das eher sportlich", sagt der Kurator Martin Löwer. "Es ist ein witziges Thema und ein interessantes." So steht es im Spiegel. Was der Spass kostet, auch. Ein paar Freunde haben zusammengelegt und mal eben so 50 Millionen Euro locker gemacht. Bei so einer Summe muss man wohl wirklich nicht so genau hinschauen.
50 Millionen - was man damit alles machen könnte, und das im notorisch armen Berlin, in dem es wirklich genug kulturelle Projekte und Museen gäbe, die förderungswürdig sind - die sich aber als Museum nicht so gut vermarkten lassen, weil unter Umständen Objekte in Vitrinen liegen oder Bilder an der Wand hängen, also keine Soßentropfen von der Decke hängen.
Also ich gehe in Berlin lieber zu meinem bevorzugten Currywurst-Stand und lese das Buch von Uwe Timm. Diejenigen, die nachlesen möchten, was Museum ist bzw. sein kann, verweise ich wieder einmal auf das spannende Glossar von Gottfried Fliedl.

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17.3.09

Hinter den Kulissen




Das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel ist fertig, war Anfang März ein Wochenende für die Öffentlichkeit zugänglich und wird nun bis Oktober 2009 eingerichtet. Natürlich waren alle Augen dabei auf den Architekten David Chipperfield gerichtet, der den Wiederaufbau bzw. den Umbau des Neuen Museums entworfen hat.
Nun kann man auch hinter die Kulissen blicken bzw. hören: Die Leiterin der Bauabteilung bei den Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin, Gisela Holan, erzählt auf Hr2, wie die Arbeiten im Hintergrund abgelaufen sind. Sie erzählt aber nicht nur über ihre Tätigkeiten bei den Staatlichen Museen, sondern auch darüber, wie sie dazu gekommen ist - eine spannende Ost-West-Karriere.

Hier kann man sich die Sendung der Reihe Doppelkopf als Podcast herunterladen.
Die Bilder wurden letztes Jahr auf der Museumsinsel aufgenommen.

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6.12.08

Sitzen im Museum XI


Aufrecht sitzen im Pergamonmuseum in Berlin, dafür mit Ansicht.

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26.8.08

Eissenhauer in Berlin

Der Kunsthistoriker und Möbelschreiner (laut Wikipedia), Michael Eissenhauer, ist ab 1. November Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Heute hat er im Deutschlandradio Kultur Stellung bezogen zur Problematik der Provenienz und Restitution in deutschen Museen und sich dazu geäußert, was er in Berlin verwirklichen möchte, nämlich die Erfolgsgeschichte der Museen weiter fortzuschreiben.
Das Interview auf DeutschlandRadio Kultur kann man sich hier nochmals anhören

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31.7.08

Wenn die Dinge tanzen

Mit bunt arrangierten Dingen, die sich (nicht maßstabsgetreu) auf dem Umschlag tummeln, lockt das Buch schon von außen, es doch so schnell wie möglich aufzuschlagen. Innen geht es vielversprechend weiter. Das einfallsreiche Layout bewirkt, dass man gerne blättert und sich dann festliest.
Der Titel "Kampf der Dinge" bezieht sich auf die gleichnamige neue Präsentation der Dauerausstellung, die letztes Jahr im Museum der Dinge in Berlin eröffnet wurde. In dem Begleitheft thematisiert sich das Museum bzw. das Werkbundarchiv in kürzeren Beiträgen sich selbst, seine Sammlungen, seine von ihm geprägten Begriffe und reflektiert historische wie aktuelle Einflüsse. Gleichzeitig sollen Fragen formuliert werden, mit denen Museum sich künftig beschöftigen möchte. Manufactum, Ikea oder der Kunsthistoriker Gustav E. Pazaurek sind gleichberechtigte Themen.

Werkbundarchiv - Museum der Dinge: Kampf der Dinge. Der Deutsche Werkbund zwischen Anspruch und Alltag. Leipzig 2008. Das Buch ist im Koehler & Amelang Verlag erschienen und kostet 16,90.

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12.6.08

Sitzen im Museum II

Ich glaube, das Pergamonmuseum ist deswegen so beliebt (1,3 Mill. Besucher 2007 ), da die Treppe des Pergamon-Altars ein gigantisches Sitzmöbel bietet. Auf der Treppe sitzend, langweilt man sich keine Minute. Dafür sorgen die Schulklassen und man vergisst, dass man sich eigentlich in einem Musentempel befindet.

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29.4.08

Verschmitzte Vielfalt



Für das Museum für Naturkunde in Berlin sollte man etwas Zeit mitbringen, gibt es doch viel zu entdecken. Teile der Dauerausstellung wurden im letzten Sommer umgestaltet, so auch der Saal mit den Dinosauriern. Hier kann man etwa durch das Fernglas die großen Saurier durch den Wald laufen sehen - und der virtuelle Saurier zwinkert einem dann auch noch verschmitzt zu. Das Augenzwinkern ist so etwas wie das Leitmotiv des Museums: Evolution und Biodiversität des Lebens sollen unterhaltsam und ansprechend vermittelt werden.
In der Abteilung "Evolution in Aktion" empfängt die Besucherin eine Art Riesen-Setzkasten, bestückt mit vielen wundersam wirkenden Exponaten, dessen Vielfalt sich erst nach längerem Betrachten vermittelt. Und warum hat mir niemand im Biologie-Unterricht diesen hübschen Spruch beigebracht: "Alles was sich schart und paart, gehört zu einer Art". Also: Hingehen und sich viel Zeit dafür nehmen.

Das Pressecho auf die Wiedereröffnung des Museums im Sommer 2007 findet sich hier.

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17.3.08

Mit Kindern unterwegs



Und wenn man schon einmal in Berlin-Dahlem ist, dann sollte man auch die Ausstellung KinderMobil - Kleine Helfer für kleine Helden im Museum Europäischer Kulturen anschauen. Wie kamen Mütter und Väter mit ihren Kindern zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten vorwärts? Hier sieht man auf zeitgenössischen Fotos, dass in den 1950er Jahren schon Frauen in Thüringen mit Tragetücher spazierengingen, man kann eine Kinderwagenparade bewundern oder endlich einmal erfahren, was es mit dem Gängelband auf sich hat. "Tragen, schieben, wuchten" so fasste der Tagespiegel die leichte und beschwingte Ausstellung zusammen. Interessant ist die Ausstellung auch, weil sie so ganz nebenbei vorführt, wie man mit guten Ideen vorhandene Ausstellungsarchitekturen wiederverwertet.
Noch bis zum 31.8.2008 ist Zeit, sich die Ausstellung anzusehen.

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14.3.08

Was schauen wir an?


In Paris im Musée du quai Branly, bin ich etwas achtlos an der Ausstellung vorbei gegangen, so langweilig fand ich sie inszeniert. Die vom Wiener Museum für Völkerkunde kuratierte Schau Benin – 600 Jahre höfische Kunst aus Nigeria macht nun in Berlin-Dahlem im Ethnologischen Museum Station. In Berlin hatte ich nun auch leider keine Zeit, was schade war, machte die Inszenierung doch einen frischen und spannenden Eindruck auf mich.
Aber nicht nur wegen der Verpackung sollte man solchen Ausstellungen doch mehr Zeit widmen, geht es hier doch um ganz wichtige Fragen - nämlich die, wem die Stücke eigentlich gehören und ob man nicht eher eine Ausstellung über Kunstraub anschaut - so lautete der Vorwurf bei der Eröffnung letztes Jahr in Wien. Also: nicht immer nur ins Pergamonmuseum gehen (das meistbesuchteste Museum in Berlin), auch wenn es genauer betrachtet hier um ähnliche Gemengelagen geht, sondern auch einmal den Weg nach Dahlem auf sich nehmen; die Sache ist es wert.

Eine gute Ausstellungsrezension hier im Tagesspiegel, und hier noch mehr Infos zu Rückgabeforderungen auf dem vorzüglichen anthropologi.blog.

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11.3.08

Immer an der Wand lang


Ab morgen ist diese Ausstellung im Pergamonmuseum in Berlin zu sehen. Vorher musste noch ein bißchen geklettert werden.
Die Ausstellung tourt übrigens seit 2006 durch Deutschland; hier gibt es mehr darüber zu lesen.

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21.2.08

Erleben statt Event

Auf Spiegel online wird der Archäologe Hermann Parzinger, der künftige Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin vorgestellt. Als Nachfolger von Klaus-Dieter Lehmann ist Parzinger künftig für die 16 staatlichen Museen und die Staatsbibliothek verantwortlich. Er verrät, was den Besucher künftig in den Berliner Museen erwartet:
"Wir wollen den Besucher einfach in den Bann ziehen, und der Nachbau eines Skythengrabes veranschaulicht vielleicht mehr als ein langer Text an der Wand. Es geht darum, Kultur zu erleben, sich verführen zu lassen, mehr wissen zu wollen. Das gilt doch oft auch für die zeitgenössische Kunst. Wenn Sie es schaffen, die Leute zu faszinieren, wollen die automatisch mehr lernen. Ich kann mir auch vorstellen, die Sammlungen unserer Museen stärker miteinander ins Gespräch zu bringen; warum nicht einmal unterschiedliche Epochen, Kulturen und Kunstgattungen in Ausstellungen verknüpfen?"

Eine Ergänzung: in der aktuellen ZEIT unterhalten sich Hanno Rauterberg und Heinrich Wefing mit Hermann Parzinger, leider nicht online.

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6.2.08

Berliner Museen im Internet

Schön frisch und grün präsentiert sich das Museumsportal Berlin. Hier kann man sich schnell über die laufenden Ausstellungen informieren, nach Öffnungszeiten schauen, Führungen buchen oder Produkte der Museumsshops online kaufen. In der Rubrik Besucherdienste erfährt man beispielsweise, welche Berliner Museen Montags geöffnet sind oder wo man gut mit Kindern und Jugendlichen hingehen kann. Was hier aber komplett fehlt, ist das Thema Barrierefreiheit bzw. Angebote für Menschen mit Behinderungen. Hierfür muss man sich mühsam durch die Infos zu den einzelnen Museen klicken, allerdings erfährt man dann nicht immer unbedingt etwas. Schade, denn das Museumspublikum wird ja nicht jünger, sondern älter.

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25.1.08

Hingehen

Aus einer Rezension "Die Logistik des Holocaust" der NZZ zur Ausstellung "Sonderzüge in den Tod" in Berlin:

"In den Eröffnungsreden wurde der heftige Konflikt zur Frage, ob eine solche Ausstellung auf Bahnhöfe gehört, stillschweigend übergangen. Man gratulierte sich gegenseitig dazu, dass es überhaupt zu einer solchen Ausstellung kommen konnte. Und doch war zu spüren, dass die Deutsche Bahn diese Ausstellung nicht wollte. Mit Publikumsandrang war offensichtlich nicht gerechnet worden, und so reichten die Plätze nicht einmal für die aus Paris angereisten betagten Vertreter des Verbandes «Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs». Der Presse wurde kaum eine halbe Stunde Zeit eingeräumt, um sich die vierzig Stellwände anzuschauen, und diese wiederum sind so eng angeordnet, dass man sich gegenseitig auf die Füsse tritt. (...) Aus unerfindlichen Gründen wurde die Ausstellung in die hinterste Ecke einer riesigen unterirdischen Halle gedrängt. Überdies ist der Bahnhof Potsdamer Platz zwar zentral gelegen, hat aber als Regionalbahnhof in Berlin keine Bedeutung und ist entsprechend menschenleer."

Deswegen: hingehen.
Berlin, Regionalbahnhof Potsdamer Platz, bis 11. Februar. Man muss ein bißchen suchen.

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23.1.08

Und sie kommt doch!

Lange weigerte sich die Deutsche Bahn bzw. Herr Mehdorn, die in Frankreich auf Bahnhöfen gezeigte Ausstellung "Elftausend Kinder" über die Transporte der französischen Bahn in die deutschen Vernichtungslager auch auf deutschen Bahnhöfen zu zeigen. Nun hat Herr Mehdorn auf Weisung von Minister Tiefensee eingelenkt: die veränderte Ausstellung mit dem Titel "Sonderzüge in den Tod - Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn" ist ab heute in Berlin am Potsdamer Platz zu sehen und thematisiert die Rolle der Reichsbahn bei den Todestransporten. Das Protestieren hat also genutzt; allen voran hatte sich die Initiatorin Beate Klarsfeld immer wieder dafür eingesetzt. Bis zum 11. Februar ist die Fotoausstellung in Berlin zu sehen; danach sollen andere Städte wie Frankfurt am Main und Stuttgart angefahren werden.
Eine andere Ausstellung mit ähnlicher Thematik, "Zug der Erinnerung" hat hingegen immer noch Probleme mit der Deutschen Bahn. Laut taz-Bericht tun die Entscheidungsträger der DB alles, um den Gedenkzug durch Deutschland zu verhindern.
Bilderserie hier auf n-tv.
Meldung hier auf Spiegel-online; der ausführlichere Artikel steht hier.

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15.11.07

Straße, ausgestellt

Klingt interessant: Das Projekt "Sensing the street. Eine Straße in Berlin." Die "multisensorische Straßenethnographie" ist ein Studierenden-Projekt des Instituts für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und des Studio für Klangkunst und Klangforschung an der UdK. Drei Berliner Straßen - Ackerstraße, Adalberstraße und Karl-Marx-Straße - wurden erforscht bzw. mit allen Sinnen kartiert. An drei Orten, also in dem Stadtteil, wo sich die erforschte Straße befindet, wird ausgestellt. Was, ist mir noch nicht so ganz klar. Vielleicht auch das, was so auf Berlins Straßen herumliegt? (Möchte man intensiver darüber nachdenken?) In der Einladung zur Ausstellungseröffnung zur Ackerstraße (Mitte Museum) heißt es: "Farben, Töne, Gerüche - Sinneseindrücke, Stimmungen und Empfindungen werden beim Gang durch eine Strasse ausgelöst. Um diese sinnliche Wahrnehmung städtischer Räume geht es in der Ausstellung Sensing the street. Eine Straße in Berlin." Im Kreuzberg Museum und in der Galerie im Saalbau in Neukölln sind die beiden anderen Straßen zu sehen/riechen/hören.
Spiegel-Online hat schon mal den Ackerstraßen-Cocktail probiert. Und die taz riecht Laub mit Pizza.

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28.9.07

Deutsche und französische Wissenschaftsmuseen im Dialog II

Die Tagung war schon einmal für Mai angekündigt, wurde dann vertagt und findet nun wirklich zwischen dem 14. und 16. Oktober statt:
Wissenschaftsmuseen im deutsch-französischen Dialog
Dritte Tagung von Expertinnen und Experten der Wissenschaftsmuseen
Berlin, 14.-16. Oktober 2007
Tagungsort ist das Deutsche Technikmuseum in Berlin und man kann sich noch bis zum 30. September anmelden.

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13.7.07

Das DHM in der Kritik

Das Portal Zeitgeschichte online hält einen neuen Service bereit: Ausstellungsrezensionen zur Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Zusammengestellt wurden die Artikel von Jan-Holger Kirsch und Irmgard Zündorf, die die Eröffnung der Dauerausstellung nicht als Endpunkt einer Kontroverse verstanden wissen wollen, sondern als "Zwischenstation für die Beschäftigung mit (Zeit-)Geschichte im Museum". Die Rezensionen wie zum Beispiel von Jürgen Kocka oder Olaf Hartung können alle als PDF heruntergeladen werden. Auch dem DHM wurde die Möglichkeit gegeben, Stellung zu beziehen: Burkhart Assmus, zuständig für den Ausstellungsbereich Nationalsozialismus, gibt über die Genese der Dauerausstellung Auskunft. Wer noch keine Gelegenheit hatte, die Dauerausstellung zu besuchen, kann sich auf den Seiten des DHM die Panorama-Bilder ansehen. Hier schon einmal ein Bild aus meiner Kamera aus der Abteilung "Nationalsozialismus".

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2.7.07

Museum der Dinge geöffnet

Seit letztem Wochenende kann geprüft werden, ob das Museum der Dinge zu Recht zu den Lieblingsmuseen gezählt werden kann. Mit der Ausstellung "Kampf der Dinge" stellt sich das Museum an seinem neuen Standort in Berlin-Kreuzberg vor. Der Deutsche Werkbund wird dieses Jahr 100 Jahre alt. In der neuen Dauerausstellung werden Produkte aus dieser Zeit einander gegenübergestellt, "positive und negative Pole der Argumentationslinien" nennt es die Kuratorin Renate Flagmeier, schön oder hässlich der oder die Ausstellungsbesucher/in.
Über die neue Dauerausstellung im Tagesspiegel und in der Frankfurter Rundschau online.

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30.3.07

Stopfpilz und Joghurtbecher im Museum

Im Deutschen Historischen Museum in Berlin ist eine neue Ausstellung aus der Reihe "Aus den Sammlungen des DHM" zu sehen: In "Parteidiktatur und Alltag in der DDR" geht es um den Einfluss der SED auf das tägliche Leben der DDR-Bürger und darum, wie die Partei dieses Leben dominierte bzw. wie sich die Bürger der SED entziehen konnten und wie die SED letztendlich scheiterte.
Viele Exponate stammen aus der Zeit, als 1990 das DHM die DDR-Bevölkerung aufrief, Dinge des Alltags ins Museum zu bringen. Viel kann das nicht gewesen sein, laut der Kritik in Deutschlandradio Kultur:
"Privates wird festgemacht an Fleischbrühpaste, einem Fernseher vom VEB Rafena, einem DDR-Stopfpilz, worin da das Typische besteht - unklar. Auch gehören Bestecke, Vitaminpräparate, Joghurtbecher und eine Schrankwand zu den Alltagsauslagen."
Insgesamt, so das Fazit von Deutschlandradio Kultur, bleibt "das Deutsche Historische Museum leider mit dieser neuen Sonderausstellung hinter eigenen vorangegangenen Ausstellungen zurück." Das Begleitprogramm klinge dafür vielversprechend.
Ich rätsele immer noch über das Wort "Gedenkobjekt", mit dem die Kuratorin Carola Jüllig im Interview die Skulptur einer Fischwerkerin und die Jacke einer politischen Aktivistin bezeichnet.

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1.3.07

Deutsche und französische Wissenschaftsmuseen im Dialog

Im Mai treffen sich Experten aus deutschen und französischen Wissenschaftsmuseen in Berlin zum Dialog. Das dritte Treffen dieser Art findet im Technikmuseum statt:
Laut Ankündigung geht es um folgende Fragen:

Welche Wege der Wissenschaftskommunikation und –didaktik lassen sich in Frankreich und Deutschland beobachten? Welche Rolle spielen dabei Museen, Science Center, Forschungseinrichtungen und Wissenschaftsjournalismus – insbesondere vor dem Hintergrund der Vermittlung an Kinder und Jugendliche? Zusätzlich im Blickpunkt stehen Neuheiten aus der Museums- und Science-Center-Landschaft beider Länder.

Ein besonderer Aspekt der Tagung wird sein, dass neben ausgewiesenen Experten auch die jüngere Generation zu Wort kommen soll.

Die Tagung findet vom 13.-15. Mai in Berlin statt und wird vom "Office de Coopération et d'Information Muséographiques" in Frankreich (OCIM) und dem "European Network of Science Centres and Museums" in Deutschland (ecsite-d) ausgerichtet. Auf der Seite des Technikmuseums kann man sich informieren und anmelden.

Den Tagungsband (auf deutsch und französisch) von Dijon 2005 kann man sich hier herunterladen.

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22.2.07

Wie Berlin die Expansionspläne des Louvre sieht

In der Süddeutschen Zeitung vom 22.2. äußert sich Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu den Plänen der französischen Regierung, einen Ableger des Louvre in Abu Dhabi zu eröffnen:
"Die Jetset-Touristen werden die Besucher in Abu Dhabi sein, die nach dem Spektakulären, dem Besonderen suchen. Und da ist die hochwertige Kunst gerade recht. Die einheimische Bevölkerung wird den geringsten Besucheranteil ausmachen. Derart aufbereitete Kunst wird wohl oder übel zu einem Bestandteil des Lifestyle. Sie wird ihren Gesetzen unterliegen, wird auswechselbar, beliebig werden. Es steht zu befürchten, dass der schnelle Erfolg des Geldes die Museen verändern wird. Sie sind dann nicht mehr das geistige Tagebuch eines Landes und einer Epoche, sie büßen ihre Aura ein, werden zu einer frei floatenden Ware."
Der "Wüstenlouvre" im Museumsblog: hier, hier und hier.

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8.2.07

Das DHM kündigt eine Tagung an

Im Deutschen Historischen Museum in Berlin findet zwischen dem 14. - 16. März 2007 das Internationale Symposium "Gedächtnis der Nationen? Neue nationale Geschichts- und Kulturmuseen: Konzeptionen, Realisierung und Erwartungen" statt. Geladen sind illustre Gäste aus Japan, Neuseeland oder Frankreich. Es soll herausgearbeitet werden, so die Ankündigung, "ob und wie es den neukonzipierten Museen gelingt, Gedächtnis der Nation zu sein, um in diesem Sinne von den Besuchenden angenommen zu werden". Besucher kommen aber, glaube ich, hier nicht zu Wort.

Das Programm kann man sich hier als PDF herunterladen.
Um sich die Gründung des DHM wieder ins Gedächtnis zu rufen, empfehle ich die Lektüre von Moritz Mälzer: Ausstellungsstück Nation. Die Debatte um die Gründung des Deutschen Historischen Museums in Berlin (Reihe Gesprächskreis Geschichte 59). Bonn 2005. Dieses Buch kann bei der Friedrich-Ebert-Stiftung als PDF oder altmodisch als Buch bezogen werden.

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26.1.07

Berliner Werkbundarchiv

Ein Museum, das mit Sicherheit ein Lieblingsmuseum wird, ist leider schon längere Zeit nicht zu besuchen, da es kürzlich in die Oranienstraße umgezogen ist, bzw. der Umzug der Sammlung noch bevorsteht. Bis dahin muss man sich mit der anregenden und unschlagbaren Website des Berliner Werkbundarchivs begnügen, die immer wieder zu einem virtuellen Museumsbesuch einlädt. Man entdeckt dort so viele wunderschöne Dinge wie Wundertüten, Sondersammlungen, die Sammlung der Superlative oder das Ding des Monats (im Januar ist es eine Prunkkanne im Stil der Neo-Renaissance, und ich bin schon sehr auf das Februar-Ding gespannt). Und am Ende verlässt man die Seite mit dem dringlichen Wunsch, Dingpfleger zu werden und die Pflegschaft für einen Stuhl, einen Wachpostenstiefel oder die Kanne “Lebensgefahr“ zu übernehmen. Grund zur Freude besteht: Ende 2007 wird das Museum mit einer Ausstellung zum einhundertjährigen Jubiläum des Deutschen Werkbunds endlich wieder eröffnet.

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4.10.06

Was ist das? Die Auflösung


Eine Tondusche, von unten aufgenommen. Herzlichen Glückwunsch, Herr Borchert!
Aufgenommen im Deutschen Historischen Museum - in dem ich bestimmt 20 solcher Klangduschen gezählt habe. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie es eigentlich nicht sein sollte: Leider hängen die Klangduschen so hoch, dass in den Räumlichkeiten der Dauerausstellung (Abt. Weimarer Zeit bis Gegenwart) ein grauenvoller Klangwirrwarr herrscht. Und wenn dazu wie hier auf dem Bild noch viele Duschen nebeneinander hängen, hört man gar nichts mehr. Eine andere Frage ist die der Ästhetik: Vielleicht fällt es auf dem Foto nicht so auf, aber diese Duschen wirken, mit Verlaub gesagt, sehr hässlich und geschmacklos. So gesehen passen sie aber wiederum zur Ausstellungsarchitektur der Etage, die sich durch Langeweile und Behäbigkeit selber disqualifiziert.

Zum Nachlesen auf dem Museumsblog: Erfahrungen mit Klängen im Museum, von Thomas Rößler.

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2.10.06

Mein neues Lieblingsmuseum

Es ist klein, liegt verborgen in einem schönen Hinterhof mit Garten und sehr charmant: Das Heimatmuseum Neukölln, von dem ich zwar schon viel gehört und gelesen, das ich aber schändlicherweise nie besucht hatte. Nun habe ich dort die Ausstellung "Reisefieber" gesehen: eine liebevoll inszenierte Schau mit witzigen Objekten und sehr schönen, prägnanten Texten, die sich um das Thema Reisen (in die Nähe und in die Ferne) dreht. Viele der Geschichten haben mit Neuköllner Bürgerinnen und Bürgern zu tun, spiegeln aber gleichsam die deutsche Geschichte - eine inhaltlich runde Sache. Die Ästhetik der Ausstellung ist schlicht, wirkt aber durchdacht und gut umgesetzt und fügt sich adäquat in die Struktur des ehemaligen Lesesaals der Neuköllner Stadtbibliothek ein. Im Vorraum, oder wenn schönes Wetter ist, im Garten, kann man bei einem Kaffee in den Publikationen schmökern. Und: der Eintritt ist frei - "wir sind doch ein staatliches Museum", sagte der nette junge Herr an der Kasse. Ich kann nur sagen: hingehen, anschauen, Bücher kaufen und auf diese Weise ein vorbildliches staatliches Museum unterstützen. Es war das beste, was ich in meiner Berlinwoche gesehen habe.

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