21.1.10

Die schöne Industriebrache

Manchmal öffnen die Banken in Frankfurt ihre Türen und lassen die Öffentlichkeit teilhaben an ihren Kunstschätzen. Was die DZ-Bank nun zeigt, ist ein fotografisches Juwel: über 50 Werke der Frankfurter Fotografin Inge Rambow. Die Retrospektive mit dem Namen Niemandsland ist als Hommage zum 70-sten Geburtstag der Fotografin gedacht. Die Fotografien reichen über einen längeren Zeitraum und zeigen verschiedene Aspekte der Schaffensperiode.

Mit Niemandsland sind die leeren Deponien und Industriebrachen gemeint, die die Fotografin seit den 1990er Jahren so unglaublich ästhetisch einfängt. Sie erstellt nicht Schnappschüsse, sondern Fotografien, die an Landschaftsmalerei erinnern - so durchdacht erscheint die Konstruktion. Die Werke aus der Serie Luna Baedeker Buna sehen von weiten aus wie schöne Landschaften: die Farben leuchten warm und sinnlich. Erst dann sieht man, dass es sich um Deponien handelt, um Abbruchstellen, in denen der Mensch zwar nicht mehr da ist, aber doch reichlich Spuren der Verwüstung hinterlassen hat.
Auch Fotografien aus ihrer bekanntesten Serie Wüstungen sind zu sehen - Aufnahmen aus ehemaligen Braunkohleabbaugebieten in Sachsen.

Die Werke reichen zurück zu Beginn bis in die 1970er Jahren, als Rambow in schwarzweiss ihre nächste Umgebung im heimischen Taunus fotografierte - mit dem Blick für's Detail und ungewöhnlichen Sujets.
Insgesamt eine sehr anregende Ausstellung, schön und luftig gehängt in angenehmen Räumlichkeiten.

Über die Ausstellung hier nachzulesen in der Frankfurter Rundschau, auf hr-online und auf dem Kulturportal Hessen.
Die Ausstellung ist im Art Foyer der DZ BANK, Platz der Republik bis zum 17. April zu sehen, von Di – Sa 11 bis 19 Uhr.

Die Fotografien von Inge Rambow bei der Deutschen Börse.

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15.1.10

Ein (fast) vergessener Architekt

Wer an das moderne Frankfurt der 1920er denkt, denkt an Ernst May und an die Frankfurter Küche von Magarethe Schütte-Lihotzki. Das es da noch andere ambitionierte Architekten gab, scheint kaum möglich. Erst mit dem Streit um die denkmalgeschützten Großmarkthalle, in die die Europäische Zentralbank ziehen wird, tauchte verstärkt sein Name auf: Martin Elsässer.

Dabei hätte man den Architekten längst kennen können, stehen doch außer der Großmarkthalle noch zahlreiche, wenn auch zum Teil veränderte Gebäude - nicht nur in Frankfurt, sondern etwa auch in Stuttgart und Hamburg.


So hat die Ausstellung über Martin Elsässer, die gerade im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt gezeigt wird, mehrere Ziele: seine überragende Verdienste als Architekt bekannt zu machen und vor allem die Frankfurter Zeit zu würdigen. Martin Elsässer war zwischen 1925 und 1932 künstlerischer Leiter des Hochbauamtes in Frankfurt. Die Nazis wollten ihn nicht mehr beschäftigen, und auch nach dem Weltkrieg konnte er in Deutschland nicht mehr so richtig Fuß fassen.
Die Ausstellung stellt ein abwechslungs- und spannungsreiches Architektenleben dar, realisierte und wie unrealisierte Projekte werden präsentiert. Natürlich sind viele Modelle zu sehen. Die Ausstellung ist klassisch inszeniert und geht chronologisch vor: man liest viel und schaut Fotos an, was aber nicht langweilig wird.
Das Kernstück der Ausstellung bildet die Großmarkthalle, mit Modellen, Entwürfen und Plänen. Sie zeigen, wie umsichtig Elsässer geplant hatte, um alle möglichen Funktionen unterbringen zu können und mit welcher Aufmerksamkeit Elsässer sich auch Details wie Türgriffen widmete. Im Lichthof rührt ein kleines musée sentimental mit Relikten aus der Großmarkthalle an.
Auch die neue Plänen der EZB durch Coop Himmelb(l)au werden präsentiert.

Wer sich etwas für Stadtgeschichte und Architektur interessiert, sollte sich die Ausstellung ansehen. Bis zum 14. März ist dazu noch Zeit. Auf keinen Fall sollte man es auch versäumen, sich die Großmarkthalle nochmals anzusehen, die Annexbauten sind allerdings schon abgerissen.

Am 11. und 12. Februar 2010 findet im DAM das Symposium Martin Elsaesser und seine Zeit(en)
statt.
Noch einige links: Über die Ausstellung in der Frankfurter Rundschau und hier geht es zur Stiftung, die die Erben eingerichtet haben. Hier geht's zum Dossier von der Frankfurter Rundschau über die Großmarkthalle.

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27.10.09

Alles über Sonnemann

Die Eröffnung der Woche: die Ausstellung
Frankfurts demokratische Moderne und Leopold Sonnemann
Jude - Verleger - Politiker - Mäzen
im historischem museum frankfurt, am 28. Oktober um 18 Uhr.

Der Titel der Ausstellung klingt zwar etwas dröge - doch der Inhalt mutet spannend an: es geht um Leopold Sonnemann (1831-1909), Bürger der Stadt, der Großartiges (nicht nur) für Frankfurt geleistet hat. Immerhin hat die Stadt eine Allee nach ihm benannt. Liest man den Ausstellungsankündigung, so wird klar, dass er sehr viel mehr Denkmäler verdient hätte.

Sonnemann war Begründer der Frankfurter Zeitung, wirkte als Kaufmann, Bankier, Verleger und Politiker. Er zog eigentlich an allen Fäden in der Stadt, ob beim Städel-Verein (den er gegründet hat), beim sozialen Wohnungsbau oder bei Bauprojekten wie Palmengarten oder Alte Oper. Er setzte sich für Pressefreiheit ein, für Arbeitslosenversicherung - für einen demokratischen Staat. Kein Wunder, dass die Nazis die Erinnerung an einen solchen mutigen Mann, noch dazu jüdischen Glaubens, unterbanden: 1943 wurde die noch existierende Frankfurter Zeitung verboten, der Nachlass und damit auch die Erinnerung an ihn zerstört.
Nun erinnert an seinem 100. Todestag die Ausstellung an die Verdienste Sonnemanns - und wartet bestimmt noch mit dem einen oder anderen überraschenden Blick auf Frankfurts Geschichte auf.

Die Ausstellung entstand in einer Kooperation zwischen dem historischen museum frankfurt und dem Jüdischem Museum Frankfurt und ist bis Ende Februar kommenden Jahres zu sehen.


Zum Lesen: Ein Bericht in der Frankfurter Neuen Presse und ein Feature vom Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt.

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14.4.09

Figurinen im Museum I



Im Museumsblog wird nicht nur gesessen, sondern dabei werden von nun ab Figurinen angeschaut.
Figurinen haben eine lange Tradition im Museum: inspiriert von den Weltausstellungen im 19. Jahrhundert, sollte mit der Wiedergabe von physiognomischen Besonderheiten regionale Typen geschaffen werden - zur so genannten Rassenkunde ist es von dahin nicht mehr weit.
Noch heute füllen solche Abgußsammlungen so manche Museums-Depots. Immer noch gelten Figurinen als geeignet, lebendige Szenen zu schaffen; gerne nimmt man dazu Schaufensterpuppen. Die anderen Lösungen wollen wir hier auch vorstellen und kleine Ausflüge in die Museumsgeschichte machen - dazu bald mehr.

Hier ein Ausflug in die Gegenwart, ins Senckenberg-Museum in Frankfurt. Die Puppen sollen die Tätigkeiten rund um das Weltnaturerbe Grube Messel visualisieren.

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8.9.08

Tagebücher ausstellen


An einem regnerischen Tag wirkt die Ausstellung im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main etwas düster, ist doch die Inszenierung in Brauntönen gehalten. In Absolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog tauchen Tagebücher in allen möglichen Kategorien und Formen auf. Mir gefallen die altmodischen Büchlein am besten - wie etwa die vielen Kalender, in denen jemand jeden Tag aufgeschrieben hat, was es zu Essen gab. In koje-artigen Nischen erfährt man mehr über einige mehr oder weniger prominente Tagebuchschreiber. Eine Koje ist etwa der Bloggerin Anke Gröner gewidmet, die von ihrem Großvater erzählt, der auf Holzstücke Persönliches schrieb, und soszuagen einer der ersten Blogger war. Einige der Holzstücke sind zu sehen - das sind solche Geschichten, verbunden mit Objekten, wie man sie gerne im Museum sieht.
Die Ausstellung ist noch bis zum 14. September zu sehen. Parallell dazu gibt es einen Blog.

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19.7.08

Natur und Kultur verbinden

In der Standortdebatte für das Musem der Weltkulturen in Frankfurt steht eine weitere Alternative zur Diskussion: der Campus Bockenheim. Da die Universität in absehbarer Zeit in das Campus Westend zieht, werden Gelände frei. So auch eines direkt neben dem Senckenberg-Museum. Sehr gut können sich das der Universitätspräsident Steinberg, der den Vorschlag vorbrachte und der Stadtplaner Jourdan, der die Verknüpfung von Natur und Kultur letztes Jahr anregte, vorstellen. Der Frankfurter Magistrat als politischer Entscheidungsträger ist freilich schon im Sommerurlaub.
Hier steht etwas dazu in Faz-net.

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13.6.08

Ein echter Geheimtip

Wenige spielen Fußball, (fast) alle schauen zu: ein echter Tip ist es, dann ins Museum zu gehen. In den meisten Städten haben Museen ja auch mittlerweile mindestens einmal in der Woche abends geöffnet. Mittwoch abend herrschte im Frankfurter Städel Museum eine gähnende Leere: In der Stillleben-Ausstellung (ja, 3l hintereinander) Magie der Dinge schaute sich sogar die Aufsicht die Bilder genauer an. Wer allerdings eine Lilien-Allergie hat, sei hier schon mal vorgewarnt: im Foyer zur Ausstellung steht ein gigantischer Blumenstrauß mit nicht so lieblich duftenden Lilien. Dafür ist er schön anzusehen.

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10.6.08

Nun wird es wahrscheinlich

doch nichts mit dem Boot fahren zum Museum. Man weiß nun in Frankfurt wieder mehr über das Museum der Weltkulturen. Genauer gesagt, man weiß, wo es nicht hin soll: es wird keinen Neubau auf dem Degussa-Areal geben, da möchte der Eigentümer nun doch lieber Wohnungen bauen (nachdem die Stadt eine Entscheidung hinausgezögert hat). Und es wird wahrscheinlich nicht nach Offenbach ziehen; dagegen späche, so Kulturdezernent Semmelroth in faz.net, dass "die ethnologische Sammlung von Frankfurter Bürgern gestiftet worden sei und daher in ein Museum in der Stadt gehöre". Also eine endlose Geschichte? Leider liest man in den Zeitungen nichts darüber, wie das Museum selbst dazu steht bzw. was da für Vorstellungen herrschen. Schade eigentlich!
Hier steht was drüber in der Frankfurter Rundschau.

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9.6.08

Mit dem Schiff ins Museum?

Das Museum der Weltkulturen in Frankfurt am Main zeigt seit Jahren schon die Sammlung in wechselnden Ausstellungen. Für eine Dauerausstellung ist in den am Museumsufer liegenden drei Villen kein Platz vorhanden. Zwar wurden schon einmal vor Jahren Bäume gefällt für einen Erweiterungsbau, der aber dann nicht politisch nicht durchsetzbar war, fiele doch der Park zum Opfer. Seitdem waren mehrere Standorte in Frankfurt im Gespräch: so kursierte Ende letzten Jahres der Vorschlag, dass auf dem Grundstück des Sudfass, ein Bordell am Main und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museumsufer, ein Neubau entstehen sollte. Aber auch das Degussa-Areal im Zentrum der Stadt, das völlig neu bebaut wird, käme als neuer Standort in Frage. Nun ist noch ein dritter möglicher Standort hinzugekommen, der nicht ohne regionalpolitsche Brisanz ist: Offenbach hat vorgeschlagen, das Museum auf der Offenbacher Hafenspitze unterzubringen. Hier entsteht ein neuer Stadtteil, eine Mischung aus Büros, Wohnungen und Kultur. Die Offenbacher Hochschule für Gestaltung überlegt wohl gerade, langfristig dorthin in einen Neubau zu ziehen, so wäre der Standort noch attraktiver.
Der Bürgermeister von Offenbach ist voller Tatendrang: „Wir könnten ein unübersehbares städtebauliches und architektonisches Zeichen setzen“, sagte Schneider, „eines, das Beachtung im Maßstab des Welttourismus fände.“ So steht es in der faz.net.
Auf diese Weise würde das Frankfurter Museumsufer um einige Kilometer verlängert - ich sehe schon den Museumshuttle voller Touristen auf dem Main hin und her düsen.
Frankfurt ist anscheinend nicht abgeneigt. Allerdings müssten Frankfurt und Offenbach ihre lang gepflegte Rivalität aufgeben. Wie man auf Wikipedia erfahren kann, wurde der Grundstein für die Streitigkeiten zwischen den beiden Städten schon im Mittelalter gelegt. Wäre doch nicht schlecht, die Überreste dieser Rivalität mal in einem Museum ansehen zu können, etwa in Form einer nicht mehr gebrauchten Streitaxt oder so.
Und vielleicht könnte dieses Projekt, das Musée des Confluences in Lyon, als Anschauung dafür dienen, wie ein Museum im Fluss funktionieren könnte. Es ist leider immer noch nicht fertiggestellt, aber man kann sich schon mal vor Ort informieren.

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23.5.08

Zur Kunstszene in Frankfurt am Main

Ein nun schon seit einigen Jahren fester Bestandteil der Kunstszene Frankfurt am Main ist das AtelierFrankfurt. Im ehemaligen Polizeipräsidium, einem Gebäude in der Nähe des Hauptbahnhofes, das 1914 erbaut wurde, möchte AtelierFrankfurt ein Zentrum für "zeitgemäße künstlerische Prozesse" sein und "Produktion, Präsentation und Austausch verschiedener Disziplinen" vereinen. In dem weitläufigen Gebäude haben KünstlerInnen ihre Ateliers und stellen regelmäßig im Projektraum ihre Werke aus. Weitere Ausstellungen finden in der Galerie im Erdgeschoß statt. Zur Zeit ist hier die Fotoausstellung
"(dis)simile – Fotografien aus Europa" zu sehen. Hier wird in faz.net die Ausstellung, die im Rahmen der Kulturtage der EZB stattfindet, besprochen.
Im Projektraum stellt Sandip Shah seine schönen Bilder mit dem Titel "Izmir Frankfurt" aus. Beide Ausstellungen sind bis zum 7. Juni zu sehen
ATELIERFRANKFURT, Hohenstaufenstraße 13-25, 60327 Frankfurt am Main
Donnerstag, Freitag, 17.00-20.00 Uhr und Samstag 15.00-18.00 Uhr
Alle Ausstellungen in Frankfurt am Main auf einem Blick gibt es hier.

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22.5.08

Wenn Kunst sprachlos macht

Die Frankfurter Kunstszene boomt, auch jenseits von den gut ausgestatteten Häsuern am Museumsufer. Das erste Mal zeigten die beiden Kuratorinnen von COMA in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Möbelhauses zeitgenössisches künstlerisches Schaffen (hier im Museumsblog). Dann diente ein leeres Lagerhaus, genannt Balken, als Ausstellungsort. Nun laden uns Mia Beck und Coco Hauschel in ein typisches Frankfurter Bürohaus ein. In einer etwas seelenlos wirkenden Etage, in der sonst vielleicht Architekten oder Graphiker sitzen, hat nun die Ausstellung "Sprachlos" Unterschlupf gefunden. Neun KünstlerInnen nicht nur aus dem Rhein-Main-Gebiet stellen ihre (Sprach-)Kunst vor. Die Zusammenstellung ist wirklich gelungen, sie ist vielseitig und abwechslungsreich. Sehr witzig und tiefgründig sind etwa die Zeichnungen von Markus Vater, der so manchen Gedanken auf perfide Weise illustriert. Ina Kurz, die Macherin von Maegde und Knechte, ist mit T-Shirts vertreten, auf denen je eine Seite ihres Romans abgedruckt ist. Eva Köstner begeistert mit einer Wort-Videoinstallation - um nur einige Werke zu nennen. Und was hier wie Werbung klingt, soll auch Werbung sein: denn in der Ausstellung stecken wenig (Sponsoren-)Gelder, aber viel Herzblut und Leidenschaft der Veranstalterinnen. Ich bin gespannt, wohin wir das nächste Mal mitgenommen werden!

Die Ausstellung ist bis zum 7. Juni Mittwoch abend und Sonntag nachmittag und nach Vereinbarung geöffnet, am besten hier auf der Seite von COMA nachschauen, Hanauer Landstr. 187-189.
Zur Ausstellung ist ein kleiner, feiner Katalog erschienen.

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25.4.08

Gedruckte Exponate

Eine Möglichkeit, im Museum ohne Vitrinen auszukommen?
"Die Exponate im renovierten Museum präsentieren sich nun moderner. Die Quantität der Texte ist geschrumpft, dafür sind nun mehr Illustrationen zu sehen. Die Ausstellungsstücke - insgesamt sind es ungefähr 380 Quadratmeter, wurde direkt auf die rötliche Vliestapete gedruckt, die die Turmwände ziert. Einige von ihnen sind zur besonderen Hervorhebung auf gewölbten Alubildhaltern angebracht."
Gelesen in der Frankfurter Rundschau, Alles Töngesgasse.
Die Rede ist vom Stoltze-Museum der Frankfurter Sparkasse in Frankfurt am Main, das am Samstag zur Nacht der Museen sich nach der Renovierung neu präsentiert.

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13.2.08

Gestern im Städel

Viele Besucher wirbeln viel Staub auf, so konnte man gestern abend in der Cranach-Ausstellung im Städel Museum feststellen. Wenn man mal den Blick von den Bildern nahm, dann konnte man die Wollmäuse sich der Wand entlang tummeln sehen. Bei der ersten dachte ich noch: kann ja mal vorkommen, aber wie es dazu kommt, dass in jedem Raum Staub lag, würde ich schon gerne wissen. Zumal ich neulich erst gelernt habe, wie wichtig es für eine Ausstellungsbesucherin es ist, dass Ausstellungsräume gepflegt und sauber sind. In einem vielbesuchten Kunstmuseum ist vielleicht die Staubgrenze um 18 Uhr erreicht; die Ausstellung hatte aber bis 21 Uhr offen. Da kann man wohl nicht mal schnell, wie man es etwa aus französischen Cafes kennt, wo sich vor der Theke am Boden so alles mögliche ansammelt, mal kurz mit dem Besen rübergehen. Aber das sind ja Lappalien angesichts der Bilder, die noch bis zum 17.2. zu sehen sind.

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31.1.08

Der Römerberg erhält eine neue Attraktion

Nun ist es amtlich: das Stuttgarter Architektenbüro LRO (Lederer, Ragnarsdóttir und Oei) wird den Neubau des Historischen Museums in Frankfurt am Main gestalten. Die Frankfurter Rundschau ist begeistert:
"Der Brückenschlag, den der Siegerentwurf leistet, basiert auf einer Entwurfshaltung, die nicht aus einer harten Handschrift besteht, sondern aus einem geschmeidigen Selbstbewusstsein für das, was zur Verfügung steht: architektonisch, stadträumlich, historisch."
Die Entscheidung fiel übrigens fast einstimmig, wie man aus der Pressemeldung des Museums erfahren kann: Neun von zehn Stimmen entschieden sich für diesen Vorschlag. Wir BesucherInnen müssen uns leider noch etwas gedulden: der Baubeginn ist erst für 2012 vorgesehen.

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14.1.08

Schrumpfende Ausstellung


Handelt es sich hier um ein Küchenhandtuch eines Fernsehkoches, das nun in eines unserer beiden nationalen historischen Museen aufbewahrt wird? Oder befinden wir uns in einer Ausstellung über die Farbe Blau? Oder über Karos? Weder noch. Das Bild stammt aus der Ausstellung Shrinking Cities im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main. Offenbar ist die Ausstellung schon um ein Modell geschrumpft.

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3.1.08

Den Objekten auf der Spur

Titel wie Plakat wirken schwerfällig und machen nicht wirklich neugierig auf die Ausstellung Reisen und Entdecken. Vom Sepik an den Main. Doch ein Besuch im Frankfurter Museum der Weltkulturen lohnt sich, da das Museum nicht nur Teile der Südsee-Sammlung vorstellt, sondern auch das Forschen, Sammeln und Dokumentieren im Museum selbst thematisiert. Der Sepik ist ein Fluss in Papaua Neuguinea. In den 1960er Jahren reisten Wissenschaftler des Frobenius-Institut in das Flussgebiet, um für das Frankfurter Museum Objekte wie Ahnenfiguren, Rednerpulte, Malereien auf Palmblattscheiden zu sammeln. Die Ausstellung vollzieht die Reise nach, verfolgt den Weg der Forscher und der Objekte ins Museum und stellt zugleich die dort vorgefundenen Lebensformen aus verschiedenen Perspektiven vor. Es geht in der Hauptsache um den Alltag der dort lebenden Frauen und Männer, aber auch um den Weg der Objekte: vom Sepik an den Main und innerhalb des ethnologischen Museums, vom Zeugnis/Dokument zum Kunstobjekt. Die Objekte sind frei aufgestellt; die Inszenierung soll an die 1960er Jahre erinnern. So begegnen uns am Anfang Dioramen und Großfotos, während am Ende eine Kunstgalerie steht. Ähnliche Objekte werden ganz im Trend der Zeit nun als Kunstobjekte präsentiert. Wer gerne wissen möchte, wie ein Objekt ins Museum kommt und was damit passiert, kommt voll auf seine Kosten. Ein kleines Heftchen gibt über die Gebrauchs- und Kultgegenstände der SepikbewohnerInnen Auskunft. Für Kinder gibt es ein schön gemachtes Entdeckerhandbuch, das man auch als Erwachsene mit Gewinn durchblättert.
Die Ausstellung ist noch bis Mitte Oktober 2008 zu sehen.

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22.10.07

Dürer, klassisch. Im Städel. Hingehen.

Ja, das kann man schon fast klassisch nennen (obwohl es doch die Renaissance betrifft), was man im Frankfurter Städel erleben (und das heißt in diesem Fall: sehen und hören) darf. Die Ausstellung "Dürer. Das druckgraphische Werk" kommt nämlich genau so sachlich und ruhig daher wie der Ausstellungstitel: kein reisserischer Aufmacher (etwa: "Dürer — Zeichner des Todes" oder "Dürer — Meister seiner Epoche" o.ä.), keine Ausstellungsarchitektur, die sich wichtiger nimmt als die Werke, keine extravagante Präsentation, die das Studium der Werke und die Kontemplation vor ihnen stören könnte.
Stattdessen: eine in ein vornehmes, dunkles Grün getauchte Ausstellungsarchitektur ohne Extravaganzen, sparsam gesetzte Lichter (natürlich auch angesichts der empfindlichen Arbeiten auf Papier), zurückhaltende Titel für die Sektionen ("Anfänge"), kurze, Hintergründe beleuchtende Texte zu den einzelnen Blättern, knappe Angaben zum Herstellungs- und Druckdatum, gut beleuchtete Vitrinen oder Rahmen.
Vielleicht ist es schon diese vornehme Zurückhaltung, die dafür sorgt, dass sich keine event-versessenen Kulturdeppen in die Ausstellung verirren? Jedenfalls waren am Samstagnachmittag ab 16 Uhr nur wenige Besucher und Besucherinnen zu sehen. Man hatte genügend Zeit und Platz und Ruhe, um sich mit den einzelnen Blättern der Drucke zu beschäftigen. Und kam doch einmal ein anderer Besucher des Weges (in der Stille des Raumes wirkte die Besucherschaft fast wie ein verschworener und verschwiegener Geheimbund, der sich auf ein geheimes Signal hin an diesem Ort zu einem mysteriösen Gottesdienst getroffen hatte...), so ging man sich aus dem Weg, machte Platz und kehrte dann wieder zu dem Blatt zurück.
Und das zur Auflösung der Einleitung: man 'hört' diese Ausstellung eben auch, denn man hört — nichts. Kirchenatmosphäre, ab und zu ein Rascheln, ein Besucher, der wie Darth Vader atmet und die abgebildeten Thematiken von Vorhölle und Hölle noch einmal auf ganz andere Art erfahrbar macht, ab und zu Hinweise des Aufsichtspersonals an vorwitzige Besucher, die dachten, in eine Ausstellung mit Dürer-Originalen wie ein Café gehen zu können.
Die ausgestellten Werke an sich sind natürlich großartig, Herr Dürer brachte die Technik des Kupferstichs und anverwandter (für dieses Wort werden mich die Kenner pfählen wollen...)Techniken wie die Ätzradierung zu höchsten und völlig neuen Höhen. So ist es oft schier unglaublich, wie fein die Striche (oder sagt man hier: Stiche?) gesetzt sind, um mit dem letztlich nicht abtönbaren Stich doch feinste Nuancen und Schattierungen zu erzielen.
Ständig habe ich mich gefragt, warum er oft so kleine Formate genutzt hat, man meint ihn förmlich mit dem Vergrößerungsglas (ob es so etwas damals schon in nutzbarer Form gab?) über der Kupferplatte sitzen zu sehen, wenn man sich die Details der Arbeiten betrachtet.
Die als Folgen veröffentlichten Arbeiten hängen auch als Folgen in der Ausstellung (heutzutage muss man auf solche Selbstverständlichkeiten hinweisen), auf Auslassungen und die Abbildung der fehlenden Blätter im Katalog wird hingewiesen.
Muß man halt gesehen, die Qualität der Apokalypse-Drucke ist exorbitant und wirkt (sorry, Dürer) wie gerade aus einem exzellenten Kopierer geworfen: tiefschwarz, frisch, keine Flecken.
Doll, der "Reiter (Ritter, Tod und Teufel)". Der christliche Ritter auf seinem Weg (ins Morgenland?), unbeirrt von Teufeln, die auch auf anderen Bilder immer wieder um die Ecke lugen und sagen: alles vergänglich, alles in Gefahr, der Tot wartet, führe ein anständiges Leben.
Was gibt es noch zu sagen?
- "Die Heilige Familie mit Libelle" heißt ein Druck. Aber beim besten Willen, wenn das da rechts unten eine Libelle ist, dann fresse ich, Stop, bis hierhin und nicht weiter. Aber für mich sieht es wie eine größere Florfliege aus.
- Eine Besucherin, jung, blond, von der Bauchnabelfrei-Fraktion, ging mit dem Audio-Guide am Ohr gelangweilt von Audio-Nr. zu Audio-Nr., fand das Ganze aber offenbar nicht so ganz schlecht, denn in ihrer ganzen Haltung wirkte sie ständig so, als ob sie mit ihrem Handy telefonieren würde. Business as usual gewissermaßen.
- Die berühmte "Melancholie" ist nicht Dürers beste Arbeit, liebe Kunstgeschichte.
- Störend fielen wie üblich die Nutzerinnen der Audio-Guides auf (tatsächlich waren es nur Frauen, es braucht eben schon einiges, bis Männer nach dem Weg fragen...), nicht nur durch die (weil akustisch getrübte) laute Kommunikation mit ihren Partnern, sondern auch durch das Gequäke, das aus den ähnlich wie Telefonhörern geformten Guides kam. Aber wie oben erwähnt, es herrscht eben auch eine sehr ruhige Atmosphäre, fast wie in einer Kirche.
-Liebes Städel, bei allem noch so ironisch verbrämten Kommerzmist, muss das wirklich sein, "das Taschentuch zur Ausstellung"? Das Taschenbuch zur Ausstellung würde ich ja noch tolerieren, aber das Taschentuch? Und dann noch mit dem wirklich hornochsen-dumm-blöden Hinweis darauf, dass sich das Taschentuch auf Dürers Melancholie-Grafik bezieht. Muss so etwas wirklich sein?

Vorher war die Ausstellung im Guggenheim Museum in Bilbao, ob sie dort jemand gesehen hat in dem spektakulären Bau?

Hingehen, angucken.

So hell wie auf den Pressefotos des Städels ist es natürlich in der Ausstellung niemals...

27. September 2007 bis 6. Januar 2008
Graphische Sammlung im Städel

Städel Museum

Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie
Dürerstr. 2
60596 Frankfurt am Main

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14.8.07

Bei den Goethes zu Besuch

Wenn Besuch in der Stadt ist, kann man so Dinge machen wie Kaffee auf dem Römerberg trinken oder ins Goethe-Haus gehen. Letzteres hatte ich schon länger vor, nun war die Gelegenheit da. Die Eingangssituation im Goethe-Haus ist, obwohl gerade erst neu gemacht, doch etwas eng und unübersichtlich, da ständig Gruppen hereindrängen und man komplett den Überblick verliert. Man geht dann mit einem eingeschweißten Blatt (immerhin in vielen Sprachen) durch das Haus der Familie Goethe; allerdings mit einem sehr knappen Text über die Räume, Bilder oder Möbel. An keiner Stelle habe ich den Hinweis gefunden, dass es sich um eine komplette Rekonstruktion handelt, immerhin mit einigen wenigen originalen Stücken. Die Räume wirken irgendwie lieblos, auch wenn sie für die Goethe-Wochen ab Ende August frisch renoviert sind. Auf den Möbelstücken darf vor allem das Schild "Bitte nicht berühren" in allen Sprachen nicht fehlen. Leider war die dritte Etage, die vielleicht alles herausgerissen hätte und wo sich das sogenannte Dichterzimmer befindet, geschlossen. Ebenso das Goethe-Museum. Diese Informationen hätte ich schon gerne an der Kasse schon bekommen, aufgrund des Trubels kann ich auch ein Schild übersehen haben. Ein Hinweis auf den Audio-Guide wäre hier aber auf alle Fälle nicht schlecht gewesen, ebenso ein Flyer mit Informationen zum Haus, den man gleich mit der Eintrittskarte bekommt. Das Goethe-Haus scheint aber auf (deutschsprachige) Besucher nicht eingestellt zu sein, sondern eher auf Touristen-Gruppen, die in allen Sprachen durch die Räume gescheucht werden, und denen es egal ist, was und wieviel sie sehen. Das ganze Haus steht bestimmt schon komplett irgendwo im Internet, soviel wurde hier fotografiert und gefilmt. Es bleibt ein schales Gefühl zurück. Der Besuch aus Frankreich meinte: "Das ist etwas für Japaner". Da kann ich nur zustimmen und das Goethe-Haus ist für alle Zeiten abgehakt.





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3.8.07

Zeitgeschichte im Blick

Eine weitere Ausstellung in Frankfurt am Main, die sich vor allem wegen ihrer Verknüpfung mit der Zeitgeschichte lohnt, ist die Schau Ignatz Bubis (1927-1999) Ein jüdisches Leben in Deutschland im Jüdischen Museum am Untermainkai. Die Ausstellungsarchitektur ist etwas eigenwillig, auch muss man sich auf viele audiovisuelle Medien, Fotos oder Zeitungscollagen einlassen. Der Besuch lohnt sich aber durchaus. Warum, erläutert die ausführliche Rezension.

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1.8.07

Wie Besucherinnen im Museum gezählt werden

Das statistische Jahrbuch der Stadt Frankfurt am Main von 2006 gibt einfach Auskunft über alles. Für uns interessant sind natürlich die Besucherzahlen der Museen. Hier liegt die Schirn-Kunsthalle ganz vorne (313 036) gefolgt vom Senckenberg (295 274) BesucherInnen. Interessant sind die Zahlen des Struwwelpeter-Museums: das Museum gibt für 2002- 2005 jährlich 50 000 BesucherInnen an! Dieses - erfolgreiche - Museum, das nicht einmal eine eigene Internetseite hatte, fusionierte im Februar 2007 mit dem vormaligen Heinrich-Hoffmann-Museum. Erstaunlich sind die Besucherzahlen im Museum für Weltkulturen: Waren es 2003 und 2004 um die 52 ooo, so haben sie sich 2005 auf knapp 104 000 verdoppelt. Die F.A.Z. vom 30. Juli hat im Museum nachgehakt: Man zählt nun die Personen mit, so die Auskunft des Museums, die sich während der Veranstaltungen wie Museumsuferfest und Nacht der Museen auf dem Gelände des Museums aufhalten (hinter den Museums-Gebäuden sind Parkanlagen), halbiert diese Zahl und fügt sie der Besucherstatistik hinzu.

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21.7.07

Eine Ausstellung im Gefängnis

Es standen hier wohl zu keiner Zeit die Türen so weit offen, widerspricht dies doch der Funktion, die das Gebäude erfüllte: 1886 erbaut, diente es bis 2003 als Polizeigewahrsam. Nun ist ungewiß, was damit geschehen soll. Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main zeigt hier noch bis zum 30.9.2007 die Ausstellung Gewahrsam. Räume der Überwachung. Die Ausstellung soll ein "historisches Tableau von Gefängnistypologien ausbreiten, das auf unterschiedlichen Konzepten für Inhaftierung und Überwachung basiert". Das kann man eindrucksvoll auf drei Etagen nachvollziehen. Auf Tafeln können die BesucherInnen Interessantes über die Gefängnisarchitektur und wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte bis in die Gegenwart entwickelte, erfahren.
Am eindrucksvollsten ist der Ort jedoch selbst, die kleinen, dunklen Zellen, die vollbeschriebenen Wände, die abgeblätterte Farbe, der Schimmel und der muffige Geruch. Und die Ausstellung wird dann am Stärksten, wenn die Verbindung zum Ort Thema ist. So ist eine Zelle dem Frankfurter Bernhard Becker gewidmet, der hier 1937 von der Gestapo inhaftiert wurde. Aus Angst, seine Kamerade zu verraten - Becker war in der Katholischen Jugendarbeit aktiv und bezog gegen das Nazi-Regime Stellung - beging er im Polizeigewahrsam Selbstmord, indem er zehn rostige Nägel aus der Fußleiste aß. Man ist froh, das Gebäude, auch wenn es ausgedient hat, unversehrt wieder verlassen zu können. Die freundliche Aufsicht wünscht aber wohlweislich "Alles Gute" und nicht "Auf Wiedersehen".
Die Ausstellung hier rezensiert in FAZ-net

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19.7.07

Des Hausmeisters Sammlung

Voll war es letzte Woche, als im Frankfurter Portikus die Ausstellung "It takes something to make something. Die Sammlung Rausch" eröffnet wurde. Das Sammlungskonzept ist genial, wenn man wenig Geld hat, aber Kunst liebt: Man werde Hausmeister in einer Kunsthochschule und lässt sich von den Studierenden und Professoren mit Kunstwerken beschenken. Die Sammlung des Hausmeisterpaares Rausch von der Städelschule ist nun im kleinen, aber feinen Portikus-Gebäude auf der Main-Insel zu sehen. Dazu ist ein Katalog erschienen. Der Blick von der Empore in den Ausstellungsraum offenbart: Bei solch einer Fülle von Werken kann nur die Petersburger Hängung in Frage kommen.



Zum Nachlesen: Die Sammlung Rausch auf FAZ-Online.

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3.6.07

Frankfurts Kunstszene boomt

Innerhalb von nur drei Wochen haben drei kreative Menschen eine Ausstellung auf die Beine gestellt, die sich sehen lassen kann. Helberger 23 nennt sich das Projekt: Helberger ist ein ehemaliges Möbelkaufhaus in der Innenstadt von Frankfurt, das vor einiger Zeit geschlossen hat. Da, wo einst Schlafzimmer und Sofas aufgebaut waren, wird nun Kunst von 23 KünstlerInnen gezeigt. Fotografie, Video, Malerei, Zeichnung, Wandmalerei, Skulptur und Installationen fügen sich wunderbar in das nischenartig strukturierte Geschoß ein. Es ist eine Fläche, der man es anmerkt, dass einmal hier Dinge in Szene gesetzt wurden. Die Ausstellung profitiert vom edlen Ambiente mit hellgrauem Teppichboden, blitzeweißen Wänden und gezielter Beleuchtung. Von den 23 KünstlerInnen stechen insbesondere drei hervor: Die grellen, orange-grünen Bilder von Stefan Bressel, die man aber lieber nicht in seinem Wohnzimmer hängen haben möchte, da ein Augenflimmern vorprogrammiert ist; die Bild-Ton-Installation der Hamburger Künstlerin Ina Hattebier, die verschiedene Motive aus dem Alltag, die doch etwas gemeinsam haben, an die Wand projiziert; und die Bilder von Michael Wagener, der Collagen aus Landkarten auf verblüffende Weise collagiert und der zugleich einer der drei Kuratoren der Ausstellung ist. Es ist eine Ausstellung, die Spass macht, und die ein schönes Spektrum zeitgenössischen Kunstschaffens bietet. Bis zum Ende des Jahres - so lange steht der Raum zur Verfügung - sind Einzelausstellungen der 23 KünstlerInnen geplant.

helberger 23 - Große Friedberger Straße 23 HH - 60313 Frankfurt am Main
1. Juni - 1. Juli 2007, Do 18 - 21 und So 15 - 18 Uhr
Kontakt: info(at)helberger23ausstellungsraum
www.helberger23ausstellungsraum.de

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2.4.07

Viele nackte Frauenkörper, wenig über Hexen

Die Presse, glaubt man den Zitaten auf der Internetseite der Ausstellung, ist sehr angetan von " Hexenlust und Sündenfall. Die seltsamen Phantasien des Hans Baldung Grien", eine Schau, die noch bis 13. Mai im Frankfurter Städel-Museum zu sehen ist. Das Lieblings-Sujet von Grien waren Frauenkörper, die der Schüler von Albrecht Dürer in allen erdenklichen sinnlich-obszönen Posen meist in Form von Holzschnitten auf getöntes Papier umsetzte. Die Werke sind wirklich großartig und man kommt doch sehr ins Staunen und Grübeln. Die Ausstellung selbst unterstützt nur bedingt die Fragen, die sich einem aufdrängen, obwohl ich selten eine Kunstausstellung gesehen habe, die soviel Text an die Wände angebracht hatte. Mein Problem mit den Texten war es, dass sie erstens sprachlich ungeschickt formuliert bzw. eher einem bildungsbürgerlichen Duktus entsprachen als einem lesbaren Ausstellungstext. Zum zweiten bewegten sich die Texte auf einer rein kunstgeschichtlichen Ebene - gerade bei diesen Bildern hätte ich mir aber den gesellschaftlichen Bezug gewünscht. Manchmal gelingt es, etwa wenn auf zeitgenössische Maler hingewiesen wird oder gar gezeigt werden. Wieso Grien aber ausgrechnet sich in dieser Form dem Frauenkörper widmet, ist mir nicht klar geworden - außer, dass es bei der Liebhabern der Kunst-und Naturalienkammern angesagt war. Und warum werden die Hexenverfolgungen nicht thematisiert? Gerade da tut sich doch ein ungeheures Spannungsfeld auf, da wir uns im 16. Jahrhundert befinden, in dem v.a. Frauen als Hexen stigmatisiert und umgebracht wurden. Und wenn die Vorlieben des Hans Baldung Grien in der Kunstgeschichte ein noch nicht gelöstes Rätsel sind, wie ich hinterher las, - wieso wurde dies nicht auch in einem der viele Texte thematisiert?
Das Ärgerlichste an der Austellung war etwas, worüber sich das Museum sicher sehr freut: es war viel zu voll. Störend waren nicht die vielen Einzelbesucherinnen, sondern gleich zwei Führungen, die sich in der engen Kabinettausstellung auf die Füße traten und damit auch dem Individualbesucher nicht gönnten, sich in Ruhe ein Bild anzuschauen oder gar einen Text zu lesen. Und obwohl in ein Mikrophon gesprochen wurde, herrschte ein extrem lauter Gesprächspegel. Samt Handy-Geklingle reichte das aus, sich wie auf einem Bahnhof zu fühlen.

Über die Ausstellung: Beitrag mit vielen Bildern auf hr-online oder ein Artikel auf Welt-online. Wer sich für Hexen interessiert: 2002 haben das DHM in Berlin und das Historische Museum der Stadt Luxemburg die Ausstellung "Hexenwahn. Ängste der Neuzeit" ausgerichtet.

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21.2.07

Bei den Kindern der Manns zu Besuch

Noch bis zum 24. Februar ist die kleine und überschaubare Ausstellung "Die Kinder der Manns" in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main zu sehen. Es geht nicht nur um Klaus und Erika oder Golo, sondern auch um die weniger bekannten Kinder Monika, Michael und Elisabeth. Eine Fülle von Fotos, Briefen, Manuskripten oder Filmen bietet sich auf engstem Raum, um die Biographien der Mann-Kinder aufzufächern. Die Ausstellung ist einfach, aber charmant und übersichtlich inszeniert. Gefallen hat mir etwa die Idee, mit Folien am Boden imaginäre Räume zu inszenieren. Man sieht ihr auch das Prinzip der Wanderausstellung gleich an, da die Vitrinen praktische Schlitze zum Tragen haben, also zugleich Transportkisten sind. Leider stört der Geräuschpegel von den verschiedenen Audiostationen doch manchmal. Es ist eine kleine, feine Schau; für mich stellt sich nur die Frage, ob man sich nicht langsam an der Familie Mann satt gelesen, gehört und gesehen hat.

Bei der Ausstellung handelt es sich um Gemeinschaftsprojekt der Monacensia München, des Buddenbrockhauses Lübeck und des Literaturhauses München. Die Präsentation wurde von unodue gestaltet und ist in der Deutschen Nationalbibliothek in FFM in der Adickesallee 1 bis zum 24. Februar zu sehen.

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19.1.07

Max Hollein weiss, wie es geht

Seit Anfang 2006 ist der Kunsthistoriker Max Hollein Chef von gleich drei Frankfurter Museen: vom Städel, von der Schirn und dem Liebieghaus. Und alle drei laufen gut und haben von außen betrachtet ein eigenes Profil und Konzept: in der Schirn laufen kontrovers diskutierte Ausstellungen (wie zum Beispiel die vom Museumsblog nicht sehr geschätzte Ausstellung "Nichts"), die Kunst und der Umgang mit ihr ins Gespräch bringen. Im Städel werden Werke aus dem Depot geholt und ins Zentrum von inspirierten Themenausstellungen gestellt; auf die grandiose Ausstellung "Gärten" wurde hier ja schon hingewiesen. Auch im Liebieghaus besinnt man sich auf das, was man in der Sammlung hat: außergewöhnliche Skulpturen, wie etwa "Die phantastischen Köpfe des Franz Xaver Messerschmidt", eine kleine, feine Ausstellung die noch bis 11. März läuft. Das gehört vielleicht nicht wirklich hierher, aber allein das Café im Liebieghaus verdient einen Besuch.
Ein Erfolgsrezept - für die Schirn - hat Hollein der Frankfurter Rundschau verraten: "Haupteinnahmequelle der Schirn seien dabei keinesfalls die Besucher, so Hollein, sondern das Sponsoring".

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5.1.07

Gärten statt Guggenheim!

An alle, die mal wieder Ausstellungstourismus betreiben und zu Scharen nach Bonn strömen, um die Ausstellung mit den "Meisterwerken" der Guggenheim-Sammlung im Gedränge anzusehen: Tun Sie es nicht. Fahren Sie stattdessen nach Frankfurt am Main, um die außergewöhnliche Ausstellung "Gärten. Ordnung, Inspiration, Glück" im Städel-Museum von zu bestaunen. Die Ausstellung besticht durch ihre Fülle an Material. Wirklich sehr interessante Ansichten von einer gebändigten Natur sind hier zu sehen, grandiose Arbeiten von Künstlern wie von Max Liebermann oder Pierre Bonnard, aber auch von Olga Boznanska, von der ich zugegebenermaßen noch nie etwas gesehen hatte. Das Herbarium von Alexander von Humboldt fehlt ebensowenig wie der Palmenwedel, aufbewahrt von Johann Wolfgang Goethe. Schön sind die Gegenüberstellungen von Gegenwart und Vergangenheit, wenn etwa Lucian Freud 2003 eine Ecke seines Garten malt und das Bild neben dem ZeitungsleserCarl Spitzweg hängt; oder die Blumen-Dias von Peter Fischli und David Weiss die filigranen Tulpenaquarellen von Georg Flegel begleiten. Ganz schön mutige Gestaltung für ein Kunstmuseum: Blaue und gelbe Wände lassen manche Gemälde erst so richtig strahlen. Hier und da wächst eine kleine Blume aus der Wand. Ein Manko gibt es für mich dennoch: Die Ausstellung hält nicht ganz, was sie verspricht. So lässt der Untertitel "Ordnung - Inspiration - Glück" auf eine Ausstellungsgliederung schließen, die es aber dann gar nicht in der Form gibt. Zwar begleiten Zitate wie von Voltaire "Il faut cultiver son jardin" in die Ausstellung, aber damit hat es sich auch, was Texte und vor allem das Herstellen von Zusammenhängen anbelangt. Daran konnte auch nicht das kleine, hervorragende Heftchen helfen, dass man jetzt in Kunstausstellungen mit auf den Weg bekommt. Mir fehlten Interpretationen, das explizite Herstellen von Zusammenhängen, Raum- und Thementexte. Einen Genuß bietet die Ausstellung aber auf alle Fälle.

Stimmen zur Ausstellung:
FAZ.NET vom 27. November 2006 ist restlos begeistert.
Echo-Online: Keine ausgerichteten Rabatten, sondern ein kunterbuntes Staudenbeet

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18.12.06

Neubau für das Historische Museum in Frankfurt am Main?

In den 1970er jahren galt es als "das" kulturhistorische Museum schlechthin, da es geschafft hatte, sich aus altertümelnden Fesseln zu befreien und die Sammlungen in einem modernen Betonbau zu präsentieren. Der Betonbau entspricht heute nicht mehr musealen und ästhetischen Anforderungen. Eine Sanierung ist seit langem in der Diskussion, da zudem durch den geplanten Abriss des Technischen Rathauses das ganze Gelände am Römerberg stadtplnaerisch neu erdacht werden soll. Dieser Tage hat das Hochbauamt der Stadt feststellen lassen, dass die Sanierung nur etwas teurer als ein kompletter Neubau wäre. Frankfurts Kulturdezernent Semmelroth wird deshalb einen Neubau vorschlagen, für den 2007 ein Architekturwettbewerb geplant ist.
Nachzulesen in der Frankfurter Rundschau vom 14.12.2006

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22.9.06

Nichts ausstellen

In der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt am Main läuft noch bis zum 1. Oktober eine Ausstellung mit dem Titel "Nichts". Und es ist auch so: außer den sehr intellektuellen Erklärungen sieht man in der Ausstellung fast nichts. Das Nichts ist kalt: Den Auftakt bildet eine großer leerer, weißer Raum, mit einem Einbau in der Mitte, in dem sich einige wenige wirkliche Werke namhafter Künstler befinden. An den äußeren Wänden befinden sich Nummern, die man in sein Abspielgerät eingeben muß. Beim Anhören, soll, so die Intention der Kuratorin, die um die 40 Künstler gebeten hatte, ihr Werk zu beschreiben, ein Bild im Kopf entstehen: Zu hören sind etwa: Fußballfans, die "hey Jude" von den Beatles gröhlen, zwei hustende Menschen, amerikanische Schlager etc. Mir ist unverständlich, weshalb in diesem Raum keine einzige Sitzmöglichkeit vorhanden ist. Ich hätte mir ja gerne gemütlich räkelnd auf einem Sitzpolster alle Beschreibungen angehört. So laufe ich ein paar Mal hin und her, da es in diesem Raum sehr kalt ist und beschränke mich auf einige wenige. Aber es geht noch weiter: Das Nichts ist mehrheitlich weiß - weiße, eingerahmte Blätter, die Titel tragen wie "The Limits of percepetion" oder "1000 hours of staring 1992-1997"; eine Maschine, die Furze produziert. - Sorry, Schirn, aber ich kann mit solchen Ausstellungen rein gar nichts anfangen. Ich bekomme auf Kommando keine Bilder im Kopf, ich lese gerne etwas zu den einzelnen Werken, ich lese auch gerne Einleitungen in Ausstellungen, aber Sätze wie: "So enthüllt der Blick ins Nichts das Periphere. Das Ephemere und das Latente eröffnen sich. Was bleibt, ist ein vielfältiges, schillerndes Nichts" verstehe ich nicht.
Die Besucherinnen und Besucher waren unterschiedlich angetan. Während einige jüngere im ersten Raum auf dem Boden saßen und sich wohl alles anhörten, hakten die meisten alles ziemlich schnell ab. Bin ich zu alt für solche Ausstellungen?

FAZ-net schreibt sehr positiv über die Ausstellung.

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20.7.06

Neuer Kulturdezernent, neues Museum

In Frankfurt am Main wird es künftig ein eigenes Haus für die bislang im Historischen Museum untergebrachten Karikaturen geben. Ganz bescheiden strebt man den Titel "Deutschen Karikaturenmuseum". In der Tat gibt es in Deutschland so viele Werke - nämlich um die 5000 - der Neuen Frankfurter Schule nur hier. So hat Robert Gernhardt noch kurz vor seinem Tode dem Museum seine Bilder überlassen. Es sollen wohl auch Werke aus dem 19. Jahrhundert, die sich zur Zeit noch in der Sammlung des Historischen Museum befinden, dem neuen Museum zugeschlagen werden. Geplant war dies schon eine Weile, der neue Kulturdezernent Semmelroth macht nun seine erste Amtshandlung draus. Untergebracht wird die Institution im Leinwandhaus - ein gotisches Steinhaus aus dem 14. Jahrhundert, das nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg aber wohl einigermaßen originalgetreu wieder aufgebaut wurde, wie Wikipedia weiss und das seinen Namen aus der Zeit hat, also dort Leinwand, Garn und ähnliches aufbewahrt wurde. Weichen müssen dafür: die Kommunale Galerie - diese wird aufgelöst; (ob das ein Verlust ist, kann ich nicht beurteilen, ich hatte noch nie von ihr gehört) und das "Fotografie Forum International", das kleine, feine Ausstellungen macht. Dieses soll in ehemalige Behördenräumlichkeiten ziehen, wohin genau, ist noch unklar.
Die Frankfurter Rundschau hat darüber berichtet.

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