27.2.10

Architektur in Paris

Geradezu euphorisch berichtet Frédéric Edelmann in Le Monde über eine Ausstellung im Pavillon d'Arsenal in Paris: Hier sind 58 Architekturmodelle aus dem Besitz des Centre Pompidou ausgestellt, die realisierte Bauprojekte in der Metropolenregion Paris zeigen. Œuvres construites, 1948-2009 - Architectures de collection, Paris Ile-de-France heißt die Ausstellung, die laut Edelmann eine "ville imaginaire" entstehen lässt - auch gerade deswegen, weil sie die über 60 Jahre Pariser Architekturgeschichte nicht lückenlos erzählt. Vieles kennt man aus den Parisbesuchen, das CNIT in La Défense über die Tour Montparnasse aus den 1950er Jahren oder die Bauten von Jean Nouvel wie die Fondation Cartier.

Fantastisch und pfiffig ist nach Edelmann die Inszenierung, die die Modelle, Zeichnungen mit Videoinstallationen und Spiegeln kombiniert. Er verspricht uns ein großes Vergnügen in der Ausstellung - auch wenn ihm nicht alle Modelle bzw. die Realisierung gefallen.
Etwas kritischer über die Ausstellung berichtete Marc Zitzmann in der NZZ - für ihn ist "die Schau eine Spur zu oberflächlich".

Da hilft wieder einmal nichts: selbst hinfahren! Bis Ende März haben wir dazu noch Zeit.
Das Pavillon d'Arsenal ist sowieso immer eine gute Adresse für alle, die sich für Architektur und Pariser Stadtplanung interessieren. Und: der Eintritt ist frei.

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8.2.10

Auf die Schnelle

Das Konzept klingt gut: ein Miniprogramm - Dauer 3 1/2 Minuten - um ein Kunstwerk in der französischen Provence vorzustellen. Das kann ebenso gut der Museumsbau von Henri Ciriani (Musée de l'Arles antique) sein, als eine Installation der Marseiller Modeschöpferin Fred Sathal, ein Werk des jungen Künstlers Lionel Scoccimaro im MAC (Musée d'art contemporain in Marseille) oder der Pavillon Noir in Aix-en-Provence, Bühne, Proberaum und Heimstatt der Truppe des Choreographen Angelin Preljocaj, entworfen von Rudy Ricciotti der auch für das künftige MuCEM verantwortlich zeichnet.
Die kurzen virtuellen Führungen kann man entweder im Internet ansehen oder im lokalen Fernsehen (jeden Mittwoch um 19h50 auf LCM).
Das ganze nennt sich "Bulle d'Art" und will gleichzeitig amüsant und lehrreich sein. Die klaren und leicht zugänglichen Texte schreiben das jeweilige Objekt in seinen kunsthistorischen Kontext ein und setzen keinerlei Spezialwissen voraus.
Klassische Meisterwerke stehen ebenso auf dem Programm wie Design, Architektur, Photo oder Video, Ausstellungen, Museen oder Sammlungen. Bulle d'Art möchte zeigen, dass die Provence abseits vom Touristenklischee reich an Kunst jeder Art ist die nur darauf wartet, von Amateuren oder einfach nur Neugierigen entdeckt zu werden: eine schlaue Methode ein grosses Publikum mit Kunst, vor allem auch zeitgenössischer Kunst vertraut zu machen und die Scheu vor dem Ungewohnten zu nehmen.
Schade ist nur dass die Konzepteure dieser Minisendung, meines Erachtens, ein bisschen zu viel auf visuelle "Gags" setzen die wohl vor allem auf ein jugendliches, mit Videospielen vertrautes Publikum zielen. Etwas weniger Effekte, etwas weniger Musik und auch etwas weniger Präsenz der, zweifellos hübschen, Präsentatorin würde der Idee keinen Abbruch tun, aber erlauben sich mehr auf das Wesentliche, nämlich das Kunstwerk, zu konzentrieren.



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11.12.09

Der erste Stein ist gelegt

Kaum zum glauben, aber wahr: über 10 Jahre nach der Ankündigung des Projekts hat nun am 30. November der Kulturminister Frédéric Mitterrand mit vielen salbungsvollen Worten den Grundstein für das Musée des Civilisations de l'Europe et de la Méditerranée (MuCEM) in Marseille gelegt.

Worte und Versprechen hat man in dieser Sache ja schon sehr viele gehört. Auch der Permierminister François Fillon hat die Unterstützung des Staates zugesagt - ohne zu erwähnen, dass diese unzähligen Ankündigungen zuvor schon öfters gemacht, aber stets nie eingehalten worden waren. Ist jetzt alles anders? 2013 ist Marseille Kulturhauptstadt und das MuCEM soll Ende 2012 mit zwei Ausstellungen eröffnet werden. Der Titel wurde auch gleich bekannt gegeben: Le noir et le bleu, le rêve méditerranéen » und « Masculin-féminin, le genre en question ». Wir sind gespannt!

Nachzulesen auf den Seiten des Museums, den Seiten des Kulturministeriums, in le moniteur und in einem Bericht von AFP. Das Bild stammt von der Seite des MuCEM.
Und hier noch ein link zur Absetzung des alten Direktos Colardelle und der Ernennung des neuen Direktors Suzzarelli im Museumsblog.

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10.12.09

Was wird aus dem Palais de la Découverte?

Der Palais de la Découverte in Paris ist eine feste, gewissermaßen magische Institution unter den Pariser Museen - obwohl er nur etwas über 70 Jahre alt ist (was in Paris ja nicht viel ist...). Eingerichtet in einem Teil des Grand Palais sollte hier anlässlich der Weltausstellung 1937 den breiten Massen die sogenannten harten Wissenschaften näher gebracht werden.

Nach der Weltausstellung wurde er erst einmal wieder geschlossen, dann auf Dauer wieder eröffnet - unter der der Leitung von diversen Ministerien. Seit 1990 ist der Palais ein "Etablissement Public à caractère Scientifique, Culturel et Professionnel" - d.h. eine universitäre, wissenschaftliche Institution, die vom Bildungs-und Forschungsministerium abhängt.

In dem schönen Gebäude mit den dunklen Galerien kann man in der Tat einiges entdecken - von Physik über Chemie bis hin zu einer Sternwarte. Es ist nicht so sehr ein Museum, als ein lebendiger Ort, an dem Wissenschaft v.a. in Form von Experimenten näher gebracht werden sollen. Das Haus ist immer voll (rund 600 000 BesucherInnen pro Jahr), vor allem mit SchülerInnen, die gerne die vielen interaktiven Angebote nutzen. Der Besuch des Palais de la Découverte hat etwas von Museums-Initiation - man erinnert sich nachhaltig auch nach Jahre später an den Besuch, und das gilt für viele Generationen.

Nun werden der Palais de la Decouverte mit dem noch viel jüngeren, anderen Wissenschaftsmuseum von Paris, der Cité des Sciences et de l'industrie, zusammengelegt - was die MitarbeiterInnen des Palais gar nicht gutheißen können. Der Hauptgrund ist: Der Status wird geändert, und der Palais ist künftig keine reine wissenschaftliche Einrichtung mehr, sondern wie die Cité ein Établissement public industriel et commercial.
Vieles ist noch offen - was wird aus den MitarbeiterInnen, was wird aus den wissenschaftlichen Zielen? Die MitarbeiterInnen und vielen Sympatisanten sprechen von einem angekündigten Tod des Palais - erwartet uns nun künftig ein liebloses Medienspektakel wie in der Cité?

das Foto stammt aus wikipedia.

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19.10.09

Fundstück




Vor Jahren einmal im Musée national d'art moderne im Centre Pompidou in Paris gesehen, fotografiert und in der Fotokiste wiedergefunden.

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12.9.09

Sitzen im Museum XIII



Sie sind schön anzusehen: die Sitzgelegenheiten in den Galeries de Paléontologie et d'Anatomie comparée des naturhistorischen Museums von Paris.

Nicht immer ist es allerdings ratsam, sich auch hinzusetzen:



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31.7.09

In Versailles

Wir bleiben in Frankreich: Herr Zitzmann hat sich für die NZZ das Schloss Versailles angeschaut und staunt über die Menschenmassen, die 3-4 Stunden für ein Ticket und dann für den Eingang anstehen:
"Kein Museum von Weltrang dürfte seine Besucher derart schlecht empfangen."
(Konkurrenz könnte allerdings aus Italien kommen: Die Uffizien in Florenz hätten auch gerne diesen Platz).
Zugleich staunt Herr Zitzmann darüber, dass sich niemand außer ihm für eine Führung in den beiden geschlossenen Etagen im Petit Trianon, dem Schloss von Marie Antoinette, interessiert. Zitzmann situiert Versailles irgendwo zwischen Disney und Service public. Alles drehe sich in Versailles letztendlich um Vermassung sprich Vermarktung.

Frappiert war ich auch über den Hinweis auf die Eintrittskosten, die seit 2005 um 80 % gestiegen sind! Auf der Internetseite ist reichlich unübersichtlich aufgelistet, was man für welche Gebäude und die Besichtigung des Parks bezahlen muss - für 20 Euro kann man auf alle Fälle alles sehen. Da kann man froh sein, eine ICOM-Karte zu besitzen oder unter 26 Jahre jung zu sein und aus einem EU-Land zu kommen - denn für den oder die ist der Eintritt frei.
Für Monsieur Aillagon, seit zwei Jahren Präsident von Schloss und Park, dessen Blog wir hier schon vorgestellt haben, bleibt einiges zu tun.

Wir empfehlen natürlich das ganze Programm, aber eher nicht im Sommer und natürlich unter der Woche. Vor allem sollte man sich für den Park und den Weiler von Marie Antoinette Zeit nehmen. Und zur Vorlektüre wird das hier (etwas Eigenwerbung kann ja nicht schaden), empfohlen.

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28.7.09

Im Louvre spazieren gehen

Irgendwo hatte ich gelesen, dass es die sogenannten arts premiers im Louvre - also die im April 2000 im Pavillon des Sessions eingeweihten Räumlichkeiten nicht mehr gibt. Die 140 Werke aus Afrika, Asien, Süd- und Nordamerika und Ozeanien, die den Prolog zu dem damals in Planung befindlichen Musée du quai Branly bildeten, wären nun dorthin umgezogen. Auch Pariser Freunde waren sich unsicher, ob die Stücke überhaupt noch zu sehen sind.

Auf der Internetseite des Louvre ist nichts zu finden - denn wo sollte man hier zum Beispiel (siehe links) anfangen zu suchen? Auch mit dem Stichwort "Pavillon de Sessions" war nichts Aktuelles auf der Seite zu finden - außer einem Link zur Startseite des Musée du quai Branly. Im zuverlässigen "l'officiel des spectacles", dem günstigen Heft mit allen wichtigen aktuellen kulturellen Daten von Paris (das, seit ich es kenne, noch nie das Layout geändert hat), steht die Abteilung immerhin drin.

Einfach einmal selbst nachsehen: An einem Montag morgen im Juli, kurz nach Öffnung des Louvre, nehme ich den Haupteingang. Das war keine so gute Idee, denn die gesuchte Abteilung liegt eher an der Seite der Seine, wie ich mich dann erinnere. Zu spät - aber der Umweg erlaubt einen angenehmen Spaziergang durch das Gebäude.

Die nette Aufsicht meint: "Da müssen Sie erst einmal hoch, dann durch die Abteilung mit den spanischen Gemälden und dann wieder hinunter." Es wird nicht die erste Aufsicht sein, die ich frage - denn auch mit einem Plan ausgestattet, ist das einfacher gesagt als getan. Der Weg führt durch die große Galerie und hat etwas vom Rekord aus La Bande à part. Schilder pflasterten nicht gerade den Weg, waren aber ab und an durchaus nützlich.



Nach einigen Treppen, Schildern und geschätzte 10 Minuten später (obwohl ich mir nur verstohlene Seitenblicke auf die Gemälde erlaubte, die den Weg säumten) erreichte ich das Ziel.


Es gibt die Abteilung also noch! Bei der Eröffnung hat sie viele Proteste ausgelöst, da Staatspräsident Chirac sie gegen den Willen des Museums durchgesetzt hatte - von den anderen Turbulenzen, was die Herkunft der Stücke betrifft, ganz zu schweigen. Aber auch außerhalb des Museums bezweifelten damals viele WissenschaftlerInnen, damit könne die Hierarchie der Kulturen - so das Argument - aufgehoben werden. Dazu bald noch mehr, wenn es hier um Les Arts d'Afrifque, d'Asie, d'Océanie et les Amériques - revisited geht.

Und fast 10 Jahre nach der Eröffnung macht der mächtige Louvre immer noch klar, dass diese Art von Werken hier eigentlich unerwünscht sind - im Internet, durch die Lage, die Wegführung, und auch damit: so ist auf dem Raumplan, der allen Abteilungen eine Farbe zuweist, dieser Abteilung für die außereuropäischen Stücke keine eigene Farbe zugeordnet. Das kleine, weiße Kästchen mit dem schwarzen Rahmen macht auch dem unbedarften Betrachter deutlich: das gehört eigentlich nicht hierher.

Dafür hat man auf alle Fälle genug Platz und Ruhe, sich die Objekte gemächlich anzuschauen - denn von der Menschenmasse, die sich sonst im Louvre rumdrückt, verirrt sich kaum jemand hierher.

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26.7.09

Die Gärten des Monsieur Kahn


Albert Kahn wollte nicht nur einen Garten haben - sondern seine sieben Gärten sollte unterschiedliche Gartenkulturen vorstellen, sozusagen eine Reise um die Welt erlauben. Die etwa 4 Hektar große Gartenanlage ist Teil des Musée Albert Kahn in Boulogne-Bilancourt, das hier beschrieben wird.

In Dialog treten sollten die Gärten miteinander und das heisst heute, dass die Besucherin mit einem Plan ausgestattet, den kleinen, verschlungenen Wegen folgt. Die Vegetation ändert sich nahezu unmerklich. Sehr auffällig, weil sofort als "anders" erkannt, sind natürlich die japanischen Gärten. Der erste Bereich ist ausgestattet mit zwei Pavillons, in denen japanische Teezeremonien abgehalten werden. Eines der beliebtesten Fotomotive ist heute die Brücke im neuen japanischen Garten, wo man einen Zen-Garten bewundern, auf kleine Hügel klettern und den Kois im Teich beim Schwimmen zusehen kann. Dieser Teil des Gartens wurde als Hommage an Albert Kahn 1990 von einer japanischen Landschaftsarchitektin neu gestaltet.

Aber auch die elsässische Herkunft von Kahn kommt nicht zu kurz: So liegen im Vogesen-Wald kleine Felsbrocken verstreut zwischen den Bäumen. Im Sumpfgebiet wiederum schaut man den Seerosen beim Wachsen zu und im Obstgarten kann das kunstvoll gewachsene Spalierobst und Rosen bestaunt werden. Der englische Garten mit seiner großen Wiesenfläche hätte man fast übersehen, da er sich, wie immer, vornehm zurückhält und Natürlichkeit vortäuscht.



Hinter dieser Bank ist der Wald blau - la forêt bleue vereint Nadelgewächse, die einen blauen Schimmer haben. Und am rechten Bildrand kann man gerade noch die Villa von Herrn Kahn erkennen, die offensichtlich leersteht.





Der französische Garten hingegen ist gewohnt streng und rechtwinklig, geradezu etwas langweilig. Mit Sichtachsen ist er mit dem englischen Garten verbunden.
Vor dem Palmarium würde wunderbar ein Café hinpassen, mit wunderbaren altmodischen, verschnörkelten Eisenstühlen und -tischen.


Und so plätschert der Bach in Ruhe vor sich hin, ohne von lärmenden Café-Gästen, die sich für das Anliegen des Monsieur Kahn nicht interessieren, gestört zu werden. Die Kois kommen neugierig ans Ufer, um die Besucherin zu bestaunen und die Zeit scheint stillzustehen. Hat sich eigentlich seit den Zeiten von Herrn Kahn hier etwas geändert?

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24.7.09

Indien in Boulogne-Bilancourt

Interessant, angenehm und abwechslungsreich: das Musée Albert-Kahn in Boulogne-Bilancourt bei Paris. Zur Erinnerung: Albert Kahn (1860-1940) war Bankier, aber vor allem Humanist, der die ganze Welt in seinem Projekt "Archiv des Planeten" vereinen wollte. Dafür engagierte er Fotografen und Kameraleute, die die Welt bereisten und so viel Foto- und Filmmaterial mitbrachten, das noch heute ausgewertet wird. Der Museumsblog hat hier anlässlich einer BBC-Sendereihe auf Arte berichtet, hier ist das Buch dazu.
Ende des 19. Jahrhundert erwarb Kahn das Gelände in Boulogne, um sich eine Villa zu bauen, vor allem aber, um Gärten anlegen zu lassen, die eine Reise um die Welt erlaubten. Die Gartenanlagen sind bis heute zu besichtigen. Neu hinzugekommen ist das schlichte und funktionale Museumsgebäude, das interessanterweise vom Garten aus gar nicht zu sehen ist.


Das Museum hat sich zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr einen Teil der über 72.000 Farbfotografien des Bestandes zu bearbeiten. Dieses Jahr widmet sich die Ausstellung Indien - Infiniment Indes so ihr Titel. Gleich von Anfang an wird die Besucherin in ein stimmungsvolles Ambiente versetzt: Selten habe ich eine Foto-Ausstellung gesehen, die soviel Sorgfalt im Umgang mit den Objekten zeigt und die zugleich so kreativ und liebevoll inszeniert ist.

Die Ausstellung ist auf zwei Ebenen angelegt: zum einen geht es darum, ein Teil des Archivs des Planeten vorzustellen. Zum anderen sollen verschiedene Regionen, Architektur, Alltagsszenen und Persönlichkeiten Indiens im frühen 20. Jahrhundert gezeigt werden.

Zwei Fotografen waren für Kahn's Projekt in Indien unterwegs: zwischen 1913 und 1914 war es Stéphane Passet und 1927-1928 Roger Dumas. Zusammen erstellten sie über 1 200 Autochrome und brachten über zwei Stunden Filmmaterial mit. Mit einigen Filmausschnitten und mit rund 150 Fotografien ist nur ein Bruchteil der mitgebrachten Aufnahmen in der Ausstellung zu sehen - aber sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt. Dem Thema angepasst sind die indischen Dekors, die Raumtexte und Objektbeschriftungen, die Sitzmöbel und die leise Musik, die im Hintergrund läuft - alles aber so dosiert, dass es sehr gut verdaulich ist.

Am Anfang der Ausstellung wird erklärt, weshalb man die Autochrome - also Glasplatten - nicht als Original zeigen kann. Natürlich spielen hier konservatorische Gründe eine Rolle, aber auch ästhetische, sind die Platten doch sehr klein. Auch noch der zeitgenössische Abzug lässt die Betrachterin in den Genuß der einzigartigen Farbnuancen kommen, die den autochromen Aufnahmen zu eigen ist. Jeder Abzug ist mit einer kurzen Objektbeschriftung versehen. Wer möchte, kann im ausliegenden Begleitheft noch mehr lesen - auf französisch und auf englisch.

Die Vergrößerungen sind schlicht und reizvoll in Szene gesetzt: der vergrößerte Rahmen der Platte ist zugleich auch der Rahmen der Vergrößerung. Nur im Prolog sind Originale zu sehen - die illustren Gäste aus Indien, die Albert Kahn in Boulogne empfing - wie den bengalischen Dichter und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore.
Die Fotografien sind thematisch geordnet, beschäftigen sich mit Themen wie Wasser, Architektur oder Straßenszenen und sind in Nischen gehängt. Man hat genug Raum, sich alles in Ruhe anzuschauen, zu lesen und sich auf die fremden Welten einzulassen. Obwohl die Bilder inszeniert sind, haben sie etwas von zeitlosen Momentaufnahmen.

Der zweite Teil der Ausstellung ist dem Maharaja Jagatjit Singh von Kapurthala gewidmet, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts von französichen Architekten eine Art Versailles im Mini-Format im damaligen Fürstenstaat errichten ließ.


Die Ausstellung ist informativ und schön anzusehen zugleich - viel Atmosphäre, ohne kitschig oder nostalgisch zu wirken.

Aufgrund des Publikumerfolges - über 70.000 Besucherinnen - wurde die Ausstellung noch bis zum 30. August verlängert. Vielleicht hat auch der niedrige Eintrittspreis von 1,50€ die vielen Besucherinnen angezogen - kosten doch die Pariser Museen im Durchschnitt 8 € Eintritt.

Und ist man schon einmal dort, kann man sich dann auf die bereits digitaliserten Teile des Archis auf einem Monitor anschauen. Auch einige Archivkartons und Kameras sind ausgestellt.

Dann folgt der zweite Akt des Museumbesuchs - der Garten, besser die Gärten. Darüber wird die Tage hier berichtet.

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7.7.09

Menschliche Überreste können bestattet werden

"Der Kopf bleibt hier", so titelte FAZ.NET 2007 einen kurzen Artikel über die mumifizierten Köpfe der Maori, die sich in französischen Museen befinden. Das Musée du quai Branly stellt die Schädel auf eine Ebene mit ägyptischen Mumien - so sei es nach Ansicht des Museums legitim, die menschlichen Überreste, die v.a. im 19. Jahrhundert nach Frankreich kamen, zu behalten. Freilich werden die Köpfe in keinem französischem Museum mehr ausgestellt; eine Diskussion wurde 2007 entfacht, als ein Museum in Rouen einen Kopf zurückgeben wollte, die damalige Kulturministerin das aber verhinderte.

Nun sollten sich das MqB und andere Museen darauf einstellen, dass die Köpfe nicht mehr lange in den Depots sind: Ende Juni hat französische Nationalversammlung einstimmig einen Gesetzentwurf verabschiedet, in dem beschlossen wird, die Köpfe aus allen französischen Sammlungen zurückzugeben, um sie in Neuseeland zu bestatten. Auf diese Weise kommt der französische Staat langjährigen Rückgabeforderungen der Maori endlich nach.

Die öffentliche Sitzung bot auch Gelegenheit für den Kulturminister Mitterand, ein Statement abzugeben: "Man baut Kultur nicht auf Handel oder Verbrechen auf. Man schafft Kultur durch Respekt und Austausch."
Nachlesen kann man das alles in Le Monde. Hier kann man auch lesen, dass im Gesetzentwurf eine bereits bestehende Kommission wiederbelebt werden soll, die den Bestand der musealen Sammlungen genauestens überprüft. Museumskustoden und Wissenschaftlerinnen befürchten, dass damit Tür und Tor für Begehrlichkeiten geöffnet werden und die Unantastbarkeit der Sammlung bedroht ist.
Die Rückgabe von menschlichen Überresten war auch Gegenstand einer Tagung in Paris im Februar 2008 - mehr darüber hier im Museumsblog.

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3.7.09

Poker um die nationale Geschichte

Frankreich bekommt ein Geschichtsmuseum - diesen Plan hat Staatspräsident Sarkozy ja schon im Januar angekündigt (hier im Museumsblog). Jean Pierre Rioux war dann beauftragt worden, Standorte vorzuschlagen. Es soll etwas Prestigeträchtiges sein, denn es geht nicht nur um ein Museum für die französische Geschichte, sondern es soll ja auch das Museum von Herrn Sarkozy werden.

Der Bericht des Herrn Rioux wurde nie publiziert. Le Monde macht dennoch einiges öffentlich: Fünf Standorte werden hier favorisiert: Das Hôtel des Invalides, der Grand Palais, der Palais de Chaillot, das Schloss von Fontainebleau und das Schloss von Vincennes. Freilich, nicht alle diese Gebäude haben Platz: In Invalides teilt sich das Armeemuseum mit verschiedenen anderen Institutionen den engen Raum; im Palais de Chaillot befinden sich u.a. das Musée de l'Homme und das Marine-Museum.

Versailles ist anscheinend ganz aus dem Rennen - hier hatte sich der umtriebige Direktor Jean-Jacques Aillagon um ein nationales Geschichtsmuseum bemüht. Ebenso ist nichts mehr vom Musée de l'Histoire de France im Nationalarchiv in Paris zu hören.

Vor allem drei Orte stehen wohl in der engeren Auswahl: Invalides, Vincennes und Fontainebleau. Die beiden ersten Orte haben den Nachteil, dass hier das Verteidigungsministerium der Hausherr ist; das neue Museum wird aber in den Zuständigkeitsbereich des Kulturministeriums fallen - man befürchtet Konflikte. Fontainebleau hat den Vorteil, bereits zum Kulturministerium zu gehören; allerdings ist das Schloss etwa 60 km von Paris entfernt. Der neue Kulturminister Mitterrand bevorzugt anscheinend diesen Standort.

Was er oder andere wollen, ist aber in diesem Falle nicht so wichtig: der eigentliche Hausherr, der sich hiermit ein Denkmal setzen möchte, wird entscheiden. Irgendwann demnächst. Wie das alles geht, hat ja sein Vorgänger (und andere) vorgemacht - Geld von anderen kulturellen Projekten abziehen, möglichst viele Personen anheuern, sich Objekte aus anderen Sammlungen beschaffen... Und wird Jean Nouvel wieder den Neubau bauen dürfen?

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24.6.09

Neuer Kulturminister in Frankreich

Nun ist es offiziell: es gibt (wieder einmal) einen neuen Kulturminister in Frankreich. Den Namen kann man sich dieses Mal gut merken - es ist Frédéric Mitterrand, der Neffe des ehemaligen Staatspräsidenten François Mitterrand. Der neuen Kulturminister ist Autor, war schon Schauspieler, Kino-Besitzer und vor allem hat er beim Fernsehen als Programmdirektor und Moderator gearbeitet. Zuletzt hat er die die französische Akademie in der Villa Médicis in Rom geleitet. Kino ist wohl seine Leidenschaft - ob es die Museen auch werden können?

Hier steht etwas über den neuen Kulturminister in der Libération und hier in der Süddeutschen Zeitung.

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20.5.09

Katze aus dem Sack!

Schon seit längerem schwirrten die Gerüchte, wurden Namen genannt, gab es Vermutungen jeglicher Art... nun ist die Katze aus dem Sack!
In einem heute veröffentlichten Communiqué gab die Kulturministerin Christine Albanel nun die neue Marschrichtung für das Marseiller MuCEM vor und nahm gleichzeitig dem amtierenden Direktor Michel Colardelle das Steuer aus den Händen.
"Wir stehen vor einer neuen wichtigen Phase des Projektes", sagte Albanel, das MuCEM sei "ein bedeutendes Projekt im Rahmen der Mittelmeer-Union, eine offene und pluridisziplinäre Kultureinrichtung" dem aber auch, Dank einer aktiven Leihgabenpolitik, eine Hauptrolle im Bereich der Kulturanthropologie zukomme.
Um die Eröffnung des Museums 2012 zu gewährleisten, ernannte die Ministerin Bruno Suzzarelli zum Direktor der "mission de préfiguration" mit der Auflage sich bereits in den nächsten Wochen in Marseille zu installieren um vor Ort die Realisierung des Projektes zu gewährleisten. Suzzarelli ist ein verdienter Beamter, inspecteur général des affaires culturelles und ehemaliger Verwaltungsdirektor des Kulturministeriums, das heisst ein Insider mit wichtigen Verbindungen zu den einzelnen Abteilungen aber weder ein Wissenschaftler noch ein Kulturmanager mit internationaler Erfahrung.
Neben der baulichen und administrativen Realisierung, den Verhandlungen mit den verschiedenen Instanzen und Partnern des zukünftigen MuCEM wird Suzzarelli auch mit der Erarbeitung der kulturellen Programmation sowie der Eröffnungsausstellung betraut.
Alles was die Sammlungen betrifft, die bereits vorhandenen ebenso wie die zu erstellenden, bleibt weiterhin in Paris unter der Leitung des amtierenden Teams...
Ein harter Schlag für Michel Colardelle aber auch für seinen wissenschaftlichen Beirat die seit fast einem Jahrzehnt an einem Konzept arbeiten. Auch wenn schon seit langem (zum grossen Teil berechtigte) Kritik an diesem Konzept und auch am Management geübt wurde, ist diese Neubesetzung, und vor allem ihre Art und Weise, nicht gerade ein Zeichen von Eleganz!

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28.4.09

Figurinen im Museum IV


Allein unter Männern: Bei Madame Puech handelt es sich um die Kantinenchefin vom 67. Infanterie-Regiment in Frankreich um 1880. Sie wurde wohl nach einem Foto erstellt und steht im Pariser Armeemuseum in einer Vitrine mit Soldaten und Offizieren. Diese sollen nicht nur die Vielfalt der Uniformen in Frankreich zu der Zeit zeigen, sondern stehen auch für die verschiedenen regionalen Physiognomien, die man vorzufinden glaubte. Es handelt sich zweifellos um historische Figurinen - die aber nicht als solche auf den ersten Blick zu erkennen sind bzw. es fehlen die Hinweise dazu.

Und manchmal begegnet man in diesem Museum echten Personen, die im ersten Moment an die Figurinen in der Vitrine erinnern.....


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1.4.09

Wer hat Angst vor der "Cité de l'Immigration"?

Die Cité nationale de l'histoire de l'immigration die versucht, den Beitrag der Immigranten zur Geschichte Frankreichs zu verdeutlichen wurde am 10. Oktober 2007 dem Publikum zugänglich gemacht ohne dass jedoch jemals eine offizielle Eröffnung erfolgte.
Eine neue Gelegenheit für eine offizielle Anerkennung dieses wichtigen Museums und Dokumentarzentrums stellte die Eröffnung der Mediathek am 30. März dar. Vier Minister waren ursprünglich angesagt, doch der Präsident der Cité, Jacques Toubon, zog es vor, diesen Ankündigungen nur vorsichtig Glauben zu schenken. Er hatte recht: Kulturministerin Christine Albanel und Valérie Pécresse, Wissenschafts- und Universitätsministerin hatten schon einige Tage zuvor wichtige Agenda als Entschuldigung herangezogen. Eric Besson, Minister für Immigration und Integration sowie Erziehungsminister Xavier Darcos sagten kurzfristig ihre Teilnahme an den Eröffnungsfeierlichkeiten ab, da es vor dem Museum zu Protestaktionen kam.
Es ist einerseits kurios dass Politiker die Cité zu meiden scheinen, andererseits darf man sich auch über die Protestaktionen wundern. Sind sie angesichts der Einwanderungspolitik natürlich nicht überraschend, so sind sie aber gerade an diesem Ort nicht wirklich am Platz. 
Die nach dem Soziologen und Immigrationsspezialisten Abdelmalek Sayad benannte allgemein zugängliche Mediathek bietet zur Thematik der Migration  10.000 Bücher,  8.000 Artikel, 1.000 Dokumentar- und Spielfilme sowie eine grosse Zahl von schriftlichen und sonoren Zeugnissen und Datenbanken.
Die aktuelle Ausstellung widmet sich dem Vergleich zwischen der Situation in Frankreich und in Deutschland seit 1871 ("A chacun ses étrangers? France-Allemagne de 1871 à nos jours", bis zum 19. April), danach stehen die "banlieues" auf dem Programm ("Banlieues. Photographies de Patrick Zachmann", 26.5.-30.9.) und gegen Ende des Jahres eine Kulturgeschichte der maghrebinischen Einwanderung ("Générations, un siècle d'histoire culturelle des Maghrébins en France").

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30.3.09

Rasen und Bäume für ein attraktiveres Museum

17 Millionen Euro wird man sich in Paris die Sanierung der Cité des sciences et de l'industrie in Paris kosten lassen - kosten lassen müssen, denn nach 23 Jahren bröckelt schon etwas Farbe ab. Auch vor der Institution wird kräftig erneuert: der große, leere, gepflasterte Platz vor der Cité der besonders bei schlechtem Wetter immer so abweisend wirkte, wird mit Rasen und Bäumen bepflanzt - auf dieser Weise steht die Cité komplett im Park. Bis 2012 sollen die Sanierungsarbeiten fertiggestellt sein; werden peu à peu vollzogen. Das stand hier in Le Monde.
Und noch ein Nachtrag zu den Besucherzahlen: die Cité ist in den Top five der meist besichtigten Museen in Frankreich. Aus der von mir im Museumsblog genannten Statistik fiel sie heraus bzw. wurde extra aufgeführt (aus Gründen, die ich nicht kenne): 2007 hatte die Cité über 3 Millionen BesucherInnen. Seit der Eröffnung 1986 sind das insgesamt über 67 Millionen Menschen, die sich die Ausstellungen und/oder Dauerausstellung anschauten.

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18.3.09

Wo MuseumsbesucherInnen so hingehen

Die neuen Zahlen sind da: Wie in jedem Jahr, gibt das Kulturministerium in Frankreich wieder Auskunft über das kulturelle Leben in Frankreich - in Form von Statistiken. Nun kann man sich die komplette Broschüre von 2009 herunterladen; die Zahlen gelten für 2007.

Was hier natürlich interessiert, sind die Besucherzahlen in den Museen, die hier angegeben werden für die Musées de France (d.h. Museen, die ein gewisses wissenschaftliches Niveau erfüllen). Knapp 1200 Museen wurden berücksichtigt; sie hatte etwas über 51 Millionen BesucherInnen im Jahr 2007 - knapp eine Million mehr als 2006.
Die Hitliste hat sich, wen wundert's, im Vergleich zu den Jahren davor nicht geändert; alle Museen befinden sich in Paris bzw. im Großraum Paris. An der Spitze steht weiterhin der Louvre mit über 8,2 Millionen Besuchern, gefolgt von Versailles (über 5,3 Millionen), Musée d'Orsay (über 3,1 Millionen) und das Musée d'art moderne im Centre Pompidou (über 2,5 Mill.). Auf Platz 5 steht das Musée du quai Branly mit über 1,4 Mill., gefolgt vom Musée de l'armée (über 1,1 Mill.) - woher auch das Bild stammt: auch weite Wege zu den Kassen schreckt die BesucherInnen nicht ab, gilt es hier doch vor allem, das Grab von Napoleon I. zu besichtigen.


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10.3.09

Fotografie braucht Text

„Nicht der Schrift-, sondern der Photographie-unkundige wird, so hat man gesagt, der Analphabet der Zukunft sein.“ - so Walter Benjamin. Es heisst aber in der "Kleinen Geschichte der Photographie" weiter: „Aber muss nicht weniger als ein Analphabet der Photograph gelten, der seine eigenen Bilder nicht lesen kann? Wird die Beschriftung nicht zum wesentlichsten Bestandteil der Aufnahme werden?“

Dass die Bildunterschrift eng mit der Fotografie gekoppelt ist, da sich ein Bild nicht immer von selbst erklärt, darauf verweisen gleich zwei Fotografie-Ausstellungen - allerdings aus zwei ganz verschiedenen Richtungen.

In Paris zeigt die Ausstellung Controverses in der Nationalbibliothek, die aus dem Musée d'Elysée in Lausanne kommt, mehr oder weniger eindeutige Bilder. Kontroversen erzählt die Skandale, die mit den Fotografien vermittelt wurden, - also Fotografien, die angeeckt haben, die verboten wurden und über die man sprach. Dies wird von den Anfängen der Fotografien bis in die Gegenwart abgehandelt. Es sind viele bekannte Fotografien dabei - wie der Kuss am Hotel de Ville von R. Doisneau, der Soldat von Capa oder die küssende Nonne vom Werbefotografen Toscani. Während beim letzten Foto der Konflikt offensichtlich ist, braucht man bei den anderen Informationen - und Bildtexte bekommt man wohl zu Genüge.
In Paris kamen noch weitere Fotografien hinzu: etwa ein Propaganda-Foto aus der Zeit der Besatzung von André Zucca (der Museumsblog berichtete hier darüber), oder ein Foto-Porträt von Sartre, aus dem man die Zigarette wegretuschiert hatte. Das stammte im übrigen aus einer eigenen Ausstellung der Nationalbibliothek...
Dem Rezensenten in Le Monde hat es auf alle Fälle gut gefallen. Hier kann man sich einige der Fotos anschauen.

Die andere Ausstellung wird gerade in Wien, in der Albertina gezeigt. Die Fotografie und das Unsichtbare, eine Ausstellung, die vom San Francisco Museum of Modern Art stammt, geht auch bis in die Anfänge der Fotografie zurück und zeigt das, was das menschliche Auge sonst nicht sehen kann. Zum Beispiel eine männliche Krätzmilbe, die Auguste-Adolphe Bertsch in den 185oer Jahren aufgenommen hat, Pflanzenquerschnitte oder Mikrodaguerreotypien von W. H. Fox Talbot. In der Bildergalerie kann man sich einige der Fotografien anschauen, auf Ö1 Inforadio kann man ein Interview mit der Kuratorin Monika Faber anhören.

In beiden Ausstellungen bleibt letztendlich die Frage offen, ob man seinen Augen trauen kann. Es wäre bestimmt interessant, die beiden Ausstellungen gleich hintereinander anzusehen. Zwischendurch könnte man im jeweiligen Katalog blättern....

Controverses, Bibliothèque nationale de France
58, rue de Richelieu, 75o02 Paris
Di- Sa 10-19, So 12-19 Uhr
bis zum 24. Mai

Die Fotografie und das Unsichtbare
Albertinaplatz 1, 1010 Wien
täglich 10- 18 Uhr, Mi 10 - 21 Uhr
ebenfalls bis zum 24. Mai

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6.3.09

Alles fürs Kind




Selbst wenn man Paris ausklammert und nur einen Vergleich mit anderen Provinzstädten (Lyon, Montpellier, Lille...) anstellt, ist Marseille, was Museen betrifft, nicht eben reich ausgestattet. Das Kunstmuseum im Palais Longchamp ist für Renovierungsarbeiten geschlossen, ein Ende dafür noch nicht abzusehen. Das historische/archäologische Museum dieser an griechischen und römischen Funden unglaublich reichen Stadt ist im Untergeschoss eines Einkaufszentrums vor jedem möglichen Publikumsandrang vorsichtshalber gut versteckt, das "volkskundliche" Stadtmuseum überhaupt geschlossen und vermutlich aufgelassen...

Einen Ort gibt es jedoch, der nicht so leicht seinesgleichen findet: Le Préau des Accoules. Mitten im ältesten Viertel der Stadt, dem Panier, gelegen war das zwischen 1699 und 1702 errichtete Gebäude ursprünglich ein Observatorium der Jesuiten. Als der Orden 1760 vertrieben wurde, ging das Gebäude in den Besitz der Stadt über, die 1780 hier die Akademie der Wissenschaften, Künste und Literatur (Académie des Sciences, Arts et Belles Lettres) einrichtete.

Hinter der nüchternen Fassade in der steilen, engen Gasse der Montée des Accoules, verbirgt sich ein grosser, heller Saal unter einem von neoklassischen Säulen getragenen Plattgewölbe, entworfen von Esprit-Joseph Brun zwischen 1782 und 83. Und hier befindet sich ein Museum, eigentlich eher ein Ausstellungssaal, der den Kinern gewidmet ist.

In Zusammenarbeit mit den verschiedenen Museen Marseilles werden hier Ausstellungen ganz speziell für ein junges Publikum (ab 4/5 Jahren) konzipiert. Die aktuelle Ausstellung heisst "Die Schule der Maler" (L'école des peintres). Anhand von 10 Portraitgemälden aus der Sammlung des Kunstmuseums können die Kinder eine Reise durch Europa und die Epochen zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert machen. Zwei Animateure begleiten die Kinder die ihrerseits den Spuren berühmter Künstler folgen, ihren Reisen, Begegnungen, Einflüssen zwischen Italien, Holland, Frankreich oder Flandern.

Es wird gemalt, und erklärt, gebastelt und ausgeschnitten... und das alles ist umsonst. Gerne von Schulklassen besucht, gelingt es dem Préau des Accoules so aber auch die in nächster Nähe beheimatete Bevölkerung, die zum grossen Teil aus Nordafrika und den Kommoren stammt, einzubeziehen. Es genügt die Türe aufzustossen....

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25.2.09

Kunst in der Vorstadt


MAC/VAL ist die Abkürzung für Musée d'art contemporain du Val-de-Marne. Im Ort Vitry-sur-Seine gelegen, ist es das erste Museum für zeitgenössische Kunst in der Banlieue von Paris. 2005 wurde das Museum eröffnet; Schwerpunkt der Sammlung ist die französische Kunstszene ab den 1950er Jahren. Nun wurde die Dauerausstellung wieder einmal neu inszeniert. Unter dem Motto "Je reviendrai" sollen sich die BesucherInnen auf eine Reise in das Innere, Imaginäre begeben. Zum Ausstellungsbesuch gehört ein kostenloser Audioguide, in dem sich ein Paar über die ausgestellten Werke unterhält... Auf der Seite des Herstellers Audiovisit kann man sich das schon einmal anhören (wenn man französisch versteht, hat man natürlich noch mehr Freude daran).

Der Ausflug in die Vorstadt lohnt auf alle Fälle: das Gebäude von Jacques Ripault ist luftig gebaut und hat neben einem schönen Café-Restaurant auch noch einen großen Garten. Zudem ist das Museum ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Als ich da war, habe ich der Dame von Alain Séchas lange beim Rauchen zugeschaut.




Hier noch ein Artikel in der taz von 2005, als das Museum eröffnet wurde.

MAC/VAL
Place de la Libération
94400 Vitry-sur-Seine
Di-So 12 bis 19 Uhr

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22.2.09

Das Archiv der Erde


Ein fotografisches Museum der Menschheit: Die wunderbare Welt des Albert Kahn heißt die die BBC-Dokumentation, die ab morgen bis zum 5. März auf Arte ausgestrahlt wird.
Schon die einführende Sendung am Samstag hat Lust auf mehr gemacht.
Albert Kahn war ein Bankier aus dem Elsass, der sich nicht nur dem Geld verdienen, sondern auch der Weltverbesserung verschrieben hatte: Völkerverständigung war sein oberstes Ziel. Dafür unterstützte er viele Institutionen bzw. begründete selbst welche, schickte Stipendiaten um die Welt, damit sie andere Länder kennenlernten und zu Hause in Frankreich darüber berichten konnten. Er bereiste selbst die Welt, ließ filmen und fotografieren - wobei er es erstaunlicherweise hasste, auf Filmen oder auf Fotos zu sehen zu sein.
Auf diese Weise entstanden 72.000 autochrome Glasplatten und über 180 km Film, die das Archiv des Planetens begründen sollte: Die Sammlung sollte, laut Kahn, “to put into effect a sort of photographic inventory of the surface of the globe as inhabited and developed by Man at the beginning of the twentieth century”. Der Humangeograph Jean Brunhes verwaltete eine Zeitlang dieses Archiv. Heute wird alles zusammen mit Briefen, Tagebüchern und Notizen im Musée Albert Kahn aufbewahrt, in Boulogne-Bilancourt bei Paris, zu dem wie zu Kahns Zeiten auch ein japanischer Garten gehört. Dass BBC ermöglicht uns nun einen ganz besonderen Einblick.

Das Material, das Kahn zusammentragen ließ, ist außergewöhnlich: er ließ filmen, zu einem Zeitpunkt, als das Medium Film gerade mal erfunden war und außer Ozeanien ließ er zwischen 1912 und 1931 alle Kontinente der Erde filmisch und fotografisch kartographieren.
Selbst auf dem Fernsehbildschirm wirken die autochromen Fotografien in ihrer wunderbaren Farbigkeit. Unbedingt ansehen!

Hier ist die Seite von der BBC über das Buch zur Dokumentation.
Hier kann man ein französisches Video über das Museum ansehen.
Und hier ist ein Arikel über die Reihe in der Süddeutschen Zeitung.

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21.2.09

Frankreichs Glanz und Glorie?

Jean Pierre Roux, ehemaliger Generalinspektor des Unterrichtsministeriums und Spezialist der politischen und kulturellen Geschichte Frankreichs im 19. und 20. Jahrhundert wurde von Christine Albanel damit beauftragt, einen Standort für das von Nicolas Sarkozy gewünschte Museum der französischen Geschichte zu finden.
Mehrere Vorschläge liegen bereits vor, so etwa in Paris das Hôtel des Invalides oder das hôtel de Soubise, (derzeit das historische Museum des Nationalarchivs), oder die Schlösser von Fontainebleau und Versailles wo seit 1837 ein Museum "à toutes les gloires de la France" beherbergt ist. Es stehe dem Historiker aber jederzeit zu, andere Vorschläge zu unterbreiten...

Der Standort einmal gefunden, darf man sich wohl fragen, welche Sammlungen hier ausgestellt werden sollen. Man darf sich auch fragen, ob heute ein neues historisches Museum in einem Schloss oder anderen Prestigebau in Paris oder seiner unmittelbaren Umgebung untergebracht werden soll. Und ob die Wahl eines solchen Ortes nicht auch den Inhalt vorgibt: Glanz und Glorie, Selbstbeweihräucherung eben.

Und man darf sich auch fragen, ob in einer Zeit wo praktisch alle bestehenden Museen mit Budgetkürzungen konfrontiert sind, wo bereits eingeleitete und relativ weit fortgeschrittene Projekte dem Sparfstift zum Opfer zu fallen drohen, wo die Museen in der Provinz ausgehungert werden, wirklich Platz und Geld für ein neues Museumsprojekt vorhanden sind? Aber Mitterrand hatte den "grand Louvre" mit seiner Pyramide, Chirac den Quai Branly, so braucht nun wohl auch Sarkozy sein Denkmal...!

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20.2.09

50 Jahre sammeln

Schon faszinierend: Die Sammlung der Superlative, weil hier zwei Sammler mit Herzblut und Leidenschaft - und nicht zu vergessen mit viel Geld - Werke aller Art zusammentrugen und das über 50 Jahre lang. Unser voyeuristisches Interesse befriedigt die Zurschaustellung der legendären Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé an diesem Wochenende im Grand Palais in Paris, Samstag und Sonntag, von 9 bis Mitternacht. Sammlungen heisst es eigentlich korrekter, da die über 700 Stücke auf zwei Wohnungen verteilt waren. Ab dem 23. Februar wird dann versteigert. Hier kann man sich schon einmal anschauen, wieviel man etwa für einen Degas anlegen muss, aber vor allem die Zusammensetzung der Sammlung bestaunen, die an eine Wunderkammer erinnert.

Die Medien sind gefüllt mit den Berichten über die Auktion; hier ein Interview in faz-net mit dem Galeristen, der die beiden mit "Stoff" versorgte, über die Sammelleidenschaft des Paares und hier ein Artikel über die Rückgabeforderungen aus China.

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6.2.09

Das Blog von Monsieur A.

Warum verdient dieses Blog besondere Aufmerksamkeit? Jean-Jacques Aillagon ist nicht irgendwer, sondern: Président de l’Etablissement public du musée et du domaine national de Versailles - auf deutsch Präsident des Museums und des Parks von Versailles - das steht auch gleich in der Überschrift des Blogs. Er war auch schon Kulturminister von Frankreich gewesen. Hat ein solch vielbeschäftigter Mann, so fragt man sich, überhaupt Zeit, zu bloggen?

Offensichtlich nimmt er sich die Zeit gerne. So erfährt man in den in Plauderton geschriebenen Posts von Sitzungen und Empfängen in Versailles, die M. Aillagon besucht bzw. mitveranstaltet; auch etwa, dass die 1786 gepflanzte Buche den Sturm nicht überlebt hat; man erfährt, dass er von Journalisten interviewt wird, wenn ein Kollege sein coming-out hat (M. Aillagon hat, wie er erklärt, nie ein Geheimnis um seine Homosexualität gemacht).

Natürlich kommt auch das Museum nicht zu kurz: man begleitet M. Aillagon ins Britische Museum, wo er sich freut, altbekannte Stücke wiederzusehen; er bezieht Stellung zum Geschichtsmuseum, das Nicolas Sarkozy angekündigt hat (dazu hier im Museumsblog) und wirbt für sein Projekt, in Versailles das Geschichtsmuseum zu machen, das sogar schon eine eigene Internetseite hat.
Seine Beiträge fangen oft mit allgemeinen Beobachtungen an und werden dann schnell sehr persönlich. So regt ihn ein Fernsehinterview mit der Sängerin Patricia Kaas und ihrer Kindheit in Lothringen an, über seine eigene Kindheit zu reflektieren. Ein ganz normales Blog eben.

via Le carnet d'Ana.

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4.2.09

Nachts im Museum

Marc Zitzmann, von der NZZ, geht in Paris nachts ins Museum
und berichtet hier darüber.

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30.1.09

Dallas am alten Hafen - Ein Roman in Fortsetzungen 3

Die Fortsetzung erfolgte schneller als erwartet:
Eben ist ein neuer Ritter an der Seite des MuCEM erschienen. In der Zeitung La Provence wird berichtet, dass Patrick Devedjian, neu ernannter Minister für den Wirtschaftsaufschwung anlässlich seines heutigen Besuchs in Marseille eine weitere Finanzspritze von mehr als 20 Millionen € angekündigt hat, die den grossen Projekten (Hafenausbau, MuCEM etc.) zu Gute kommen werde.

Wir erwarten atemlos wie's weitergeht!

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Dallas am alten Hafen - Ein Roman in Fortsetzungen

Im letzten Kapitel begegneten wir einer Ministerin die im Internet (mehr oder weniger) verschlüsselte Botschaften aussendet, einem geheimnisvollen Supermanager über dessen Identität wir noch nichts wissen und einem Team das ins Abseits gedrängt wird.

Im Kapitel zwei stehen unseren Helden neue Gegner ins Haus: zwei obskure Bürgerinitiativen haben gegen das Projekt Rekurs beim Verwaltungsgerichtshof eingelegt. Sie beanstanden die im Frühjahr 2008 erteilte Baugenehmigung mit der Begründung, dass das Museumsprojekt den alten Hafen seines einzigen Freizeit- und Entspannungsbereichs berauben würde... 

In verschiedenen Geschäften des Nahbereichs liegen Prospekte auf, gedruckt von einem Verein der Hafengärten (!) "Association des jardins portuaires" in dem gleichfalls in buntem Durcheinander gefordert wird: Radfahrpisten, Fussgängerzonen, einen Badestrand an der Hafenmole (wie schön zwischen Fährschiffen, Motorbooten, Segeljachten etc. vergnüglich zu plätschern!), die Bucht von Marseille unter Denkmalschutz zu stellen (Titel: eine der schönsten Buchten der Welt), Boule- und Kinderspielplatz anstelle des Museums und weitere lustige Einfälle dieser Art.

Auf der einen Seite also eine zögerliche Regierung, die alles bereits geleistete über den Haufen werfen will und obskure Obstruktionsmeier und ihnen gegenüber das MuCEM Team (bereits leicht angeschlagen), ein zornesbleicher Bürgermeister von Marseille und ein feuerspeiender Architekt der in TV und Presse Banausen und Hinterwäldler beschuldigt gegen das MuCEM und damit gegen die Kultur im allgemeinen und gegen Marseille selbst und seine Entwicklung zu sein.

Fortsetzung folgt!

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29.1.09

DALLAS AM ALTEN HAFEN


Hat man erst kürzlich aufgeatmet und geglaubt das MuCEM sei endlich auf den Schienen und der Eröffnung 2013 stehe nun nichts mehr im Wege, so hat man sich getäuscht.
Trotz Krise scheint die Finanzierung gesichert - zumindest was den Bau betrifft, über die Bespielungskosten eines solchen Projektes zerbricht man sich bekanntlich oft erst im nachhinein den Kopf...

Nun war die Kulturministerin Christine Albanel in Marseille um die neuen Gebäude der Unterwasserarchäologie einzuweihen, jenes wissenschaftlichen Institutes das bisher im Fort Saint-Jean seine Büros und Lagerräume hatte. Das Marseiller MuCEM-Team erwartete folglich die Freigabe der Räumlichkeiten um nun ihre eigenen Büros hier einzurichten und so dem Ausstellungs- und späteren Baubetrieb auch räumlich nahe zu sein. Die Ministerin besichtigte das Fort Saint-Jean, den Saal G. H. Rivière (derzeitiger Ausstellungsraum) mit Blick auf die zukünftige Baustelle von Rudy Ricottis Museumsneubau. Ausser den in diesen Umständen angebrachten Höflichkeitsfloskeln kam aber nicht viel über die ministeriellen Lippen...

Gross war daher die Überraschung als durchsickerte, dass auf der Website des Kulturministeriums, wo die Ansprachen der Ministerin öffentlich abrufbar sind, einiges durchaus Bemerkenswertes zu lesen wäre. In diesem - aus welchem Grund auch immer - nicht gehaltenen Diskurs findet man folgende Aussagen: die Eröffnung des MuCEm 2013 sei ein fundamentaler Bestandteil der Festivitäten im Rahmen der Kulturhauptstadt - so weit so gut. Weiters sei das Projekt aber in zwei Pole aufzuspalten, der eine mit Schwerpunkt auf Ausstellungen, Symposien, internationaler Kulturarbeit und der zweite mit Ausrichtung auf Sammlungsbestände und eine aktive Leihgabenpolitik, Forschung und pädagogische Vermittlungarbeit (sprich: mit Schulklassen etc.). Diese Abteilung werde den zukünftigen Depots (Architekt Corinne Vezzoni) eingegliedert. In diesem Zusammenhang dankt die Ministerin auch Michel Colardelle und seiner Mannschaft für ihren Einsatz und bestätigt sie auch weiterhin in ihren Bemühungen um eben diese Arbeit an den Sammlungsbeständen!

Für die zukünftige Bespielung des Museums in Sachen Ausstellungen und kulturellen Aktivitäten die, laut Albanel, gegenüber dem ursprünglichen Projekt eine notable Erweiterung darstellten werde aber in Kürze ein neuer kompetenter Manager bestellt...

Dies ist jedoch noch nicht alles: das Fort Saint-Jean, integraler Bestandteil des Museumskonzeptes und bereits seit sechs Jahren genutzter Ausstellungsbereich, soll zu Gunsten privater Nutzungen frei gemacht werden, um so eine künftige Einnahmequelle zu schaffen.

Fortsetzung folgt!

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28.1.09

Wie ein Museum auch an Objekte kommt

Zum zwanzigjährigen Geburtstag 2008 forderte das Musée d'Orsay in Paris vier Filmemacher auf, Kurzfilme über das Museum zu drehen. Dieses Projekt kam nicht zum Abschluss, dafür entstand ein Kinofilm mit dem Titel L'heure d'été - Sommerzeit. Der Regisseur Olivier Assayas hatte carte blanche und entspann eine Geschichte um die Verteilung des Erbes in einer französischen Familie. Hélène feiert ihren 75 sten Geburtstag zusammen mit Kindern und Enkelkindern in einem bourgeoisen Traum-Haus mit Garten, das aus einer anderen Epoche zu sein scheint. Die Mutter weiht den ältesten Sohn in ihre Vorstellungen ein, wie nach dem Tod mit dem Erbe umzugehen sei. Zu verteilen gibt es einiges: da wären die Art déco- Möbel von Majorelle, der Schrank von Josef Hoffmann, die Bilder von Odile Redon und natürlich die beiden Corots, nicht zu vergessen einige kostbare Vasen, Geschirr und die Stücke einer Statue von Degas, die die Kinder beim Spielen kaputt gemacht hatten.

Als die Mutter überraschend einige Monate später stirbt, müssen die drei Geschwister sich einigen, was mit dem Haus und der Sammlung passiert; beides hatte einst dem Großonkel, einem Künstler gehört; die Mutter hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Erbe über 30 Jahre lang zu pflegen. Nur der älteste Sohn, bezeichnenderweise ein Ökonom, ist daran interessiert, alles zu behalten. Er kann sich das aber nicht leisten. Nun kommt das Musée d'Orsay ins Spiel: manche Stücke hatte die Mutter dem Museum versprochen; nicht zuletzt ermöglicht der französische Staat, mit Kunst die Erbschaftssteuer zu zahlen.

Der Umgang mit dem Erbe wird mit prominenten SchauspielerInnen wie Juliette Binoche und Charles Berling leider etwas flach und vor allem leidenschaftslos erzählt. Es sind einige wenige Momente, die den Film sehenswert machen: Die Stücke der Statue von Degas werden in der Plastiktüte aus dem Supermarkt Leclerc aufbewahrt. Die Vase, die sich die Haushälterin nach dem Tod der Mutter heraussucht, weil sie ihrer Meinung nichts wert sei, da sie die Vase als häßlich empfindet und sie aus Bescheidenheit nichts Teures annehmen möchte - da weiss die Zuschauerin aber schon , dass diese Vase von einem bekannten Künstler stammt. Der mit Papieren überladene Schreibtisch, der so dekorativ im Atelier der Mutter stand, steht nun prominent im Museum, doch die BesucherInnen gehen achtlos daran vorbei - und die Erben fragen sich, wo er eigentlich besser gestanden hatte. Ohne eine Antwort zu finden.

Viel Neues oder gar Erhellendes zum Umgang mit Sachen liefert der Film nicht. Er bietet einige Hinweise darauf, wie wir mit Dingen umgehen, was sie uns wert sind, wie Dinge zum kulturellem Erbe werden und was mit ihnen - im Idealfall - im Museum passiert. So plätschert der Film vor sich hin, man wohnt verschieden Formen des Verlustes bei - der Verlust eines Menschen, von Dingen und eines Hauses, das für die Famile stand, die es nun nicht mehr gibt - deren Mitglieder sich aber freiwillig entschieden haben, sich von allem zu trennen.

Der Film ist dieser Tage in österreichischen Kinos angelaufen. Hier ein Interview mit dem Regisseur und hier eine Kritik im Orf

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15.1.09

Rosige Zeiten für die Kultur in Frankreich

Der französische Staatspräsident hat am 13.1. in Nîmes eine Rede gehalten, in der er der Kultur seine Unterstützung verspricht. In Le Monde kann man nachlesen, was der Präsident in Sachen Kultur so vorhat: er möchte nicht, wie schon befürchtet wurde, das Kulturministerium abschaffen und kürzt auch nicht dessen Etat - im Gegenteil, einige Bereiche erhalten sogar eine Aufstockung. Eine andere Maßnahme wird den Staat auch noch zusätzliches Geld kosten: wer jünger als 25 Jahre ist, soll ab April 2009 künftig umsonst in die staatlichen Museen dürfen. Sarkozy kündigte noch weitere Aktionen an, wie etwa eine Art Kunstrat, den der Regisseur Marin Karmitz leiten soll. Und er kündigt die Gründung eines französischen Geschichtsmuseum an - diese noch etwas vage Ankündigung bringen sicherlich viele Vermutungen hervor, wie und wo - als Standort im Gespräch ist etwa das Hôtel des Invalides, in dem sich neben dem Armeemuseum einige weitere Museen befinden.

Und, es geschehen noch Zeiten und Wunder, hat er etwas angekündigt, was von vielen lange erwartet wurde: Sarkozy möchte, dass das lange geplante, immer wieder verschobene Mucem, das Museum der Zivilsationen Europas und des Mittelmeeres in Marseille 2012 die Pforten öffnet. Da die Ankündigungen von Staatspräsidenten in Frankreich stets umgesetzt werden, kann man ja schon einmal die Reise nach Marseille planen.

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28.11.08

Herzlichen Glückwunsch, Monsieur Lévi-Strauss

Der große Claude Lévi-Strauss wird 100.
Joyeux anniversaire kann man da nur ehrfürchtig wünschen.
Gefeiert wird CLS zur Zeit in allen Medien; zum Beispiel gestern mit einem Film auf arte (der noch einige Male wiederholt wird) und in dem er in Interviews in geschliffenen Sätzen gut verständlich seine Ideen erläutert (zum Beispiel was eine Pusteblume mit dem Strukturalismus zu tun hat). Heute ist ihm ein Tag im Musée du quai Branly in Paris gewidmet- das er von Beginn an als einer der wenigen unter den EthnologInnen entschieden unterstützte. Dort ist eine Ausstellung mit Fotografien zu sehen, die CLS auf seinen Feldforschungen gemacht hatte. Bekannte Persönlichkeiten lesen den ganzen Tag aus seinen Büchern; in der Dauerausstellung finden Führungen zu den Objekten statt, die er gesammelt hatte.
Ich möchte hier auch noch an die Rolle erinnern, die er für das nationale Volkskundemuseum MNATP in Paris gehabt hatte - er lieferte nämlich das Grundkonzept für die Dauerausstellung, die dann später Georges Henri Rivière mit seinen MitarbeiterInnen mit Inhalten füllte. Der Legende gemäß passte das Konzept auf einen Zettel.
CLS hat auch stets eine klare Vorstellung davon, was ins Museum gehört und was nicht: "Die Museen sind zunächst dazu da, so CLS 1992, "Objekte aufzubewahren und dann erst für die Besucher (...) Man muss respektieren, dass all das, was verdient, untersucht zu werden, nicht unbedingt verdient, bewundert, ausgestellt oder gar aufbewahrt zu werden. Man muss die Frage stellen können, was schön ist und was nicht."*

*zit. nach: Isac Chiva: Entretien avec Claude Lévi-Strauss. In: Le Débat 70 (1992), S. 165-173.
das Bild von CLS habe ich von hier

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29.9.08

Sitzen im Museum X


Das Sitzmöbel im Musée de la Chasse et de la Nature in Paris erinnert an das im Ashmolean Museum in Oxford. Einmal plüschig rumrutschen und man hat alles im Blick.

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3.9.08

Der Philosoph im Museum

Es war eine der ersten Ausstellungen, die ich bewusst gesehen habe und die mich damals schon beeindruckt hat, obwohl ich mit Museen noch nichts am Hut hatte: Les Immatériaux, die 1985 im Centre G. Pompidou in Paris gezeigt wurde. Ich erinnere mich, dass die Ausstellung von Anfang an in den Bann gezogen hat, und an wunderliche Räume und Bilder, die nur mit Hilfe des Kopfhörers zu verstehen waren (und das leider nicht immer).
Nun ist die Dissertation von Antonia Wunderlich erschienen, die sich dem "Philosophen im Museum" widmet. Es war
Jean François Lyotard, der diese, später noch viel zitierte und mythisierte Ausstellung, ein Leuchtturm der Szenographie, gemeinsam mit Thierry Chaput konzipierte.
"Das Buch reflektiert »Les Immatériaux« als eigenständiges philosophisches Werk Lyotards, dessen Wechsel vom akademischen Philosophen zum Kurator einige philosophische und ausstellungsgestalterische Besonderheiten mit sich brachte", so heißt es auf der Seite des Verlages.
Hier gibt es auf artnet.de schon einmal einen Vorgeschmack.

Der Philosoph im Museum.
Die Ausstellung »Les Immatériaux« von Jean François Lyotard
Transcript Verlag
Juli 2008, 264 S., kart., zahlr. Abb., 28,80 €
ISBN 978-3-89942-937-4

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25.8.08

Carte Blanche für Christian Lacroix

Schon als Jugendlicher war der aus Arles gebürtige Christian Lacroix ein Fan des Musée Réattu, hat dort erste künstlerische Entdeckungen gemacht, Inspiration für seine späteren Kreationen gesammelt und, last but not least, auch mit mancher Jugendliebe Händchen gehalten. Damals hätte er es sich wohl kaum träumen lassen, dass dieses ehrwürdige Museum, das in einem Renaissance Palais, einst Grosspriorat des Malteserordens, untergebracht ist, ihm einst carte blanche für eine Ausstellung geben würde. Das Museum hatte damit einen überaus glücklichen Einfall. Wunderbar gelungen ist diese Inszenierung die sich über alle Säle des Museums erstreckt. Lacroix wählte Bilder und Skulpturen aus den Beständen des Museums um sie in thematischen Räumen mit moderner Kunst, Installationen, Skulpturen, Gemälden, Zeichnungen und Fotos und seinen eigenen Haute Couture Modellen zu konfrontieren. In jedem Detail wird das Auge und das Gespür für Farben, Gegensätze, Harmonien des Modeschöpfers sichtbar. Eigens nach Entwürfen von Lacroix angefertigte Teppiche sind ebenso Bestandteil der szenischen Einrichtung wie die subtilen Farbschattierungen der Wände und lassen somit das Museum und seine Objekte zu einem Gesamtkunstwerk werden.
Leider läuft die Ausstellung nur mehr bis zum 31. Oktober, aber wer in der Gegend ist, sollte sie sich nicht entgehen lassen.
Eine andere äusserst interessante Initiative des Musée Réattu gilt es noch zu erwähnen: 2007 hat das Museum eine eigene Abteilung für "Hörkunst" geschaffen. In einem (von Lacroix gestalteten) Raum, der "chambre d'écoute" mit orientalisch anmutenden Diwan-Betten und Blick auf die breit dahinströmende Rhône kann man sich in die Kissen zurücklehnen und "Hörbildern" lauschen. Jeden Monat wird ein anderes Werk vorgestellt, diesmal war es "Containers" der Australier Sherre Delys und Russel Stapleton das versucht, die "Melodie" des Hafens von Sydney einzufangen.

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11.8.08

Eine Trouvaille mitten in Paris

Ein unscheinbares messingfarbenes Schild im Pariser Stadtviertel Marais verweist auf das um die Ecke liegende Museum, das Musée de la chasse et de la nature. Um so spannender ist aber der Besuch des Museums selbst. Was man hier alles zu sehen bekommt und wie, ist einfach grandios: es war einer der kurzweiligsten Museumsbesuche überhaupt. Auf kühne und elegante Weise wird hier ein nicht unumstrittenes Thema, nämlich die Jagd, mit (zeitgenössischer) Kunst und klassischen musealen Inszenierungen präsentiert, die perfekt in das historische Gebäude eingebunden sind. All das geschieht mit einem leichten Augenzwinkern.

In zwei Rundgängen - die hier ganz gut nachvollzogen werden können - läuft die Besucherin durchs Haus. "Das Bild des Tieres" widmet sich verschiedenen Tieren wie Wolf und Hase; ein Wildschwein begrüßt mich als erstes. Künstlerische Darstellungen aus Vergangenheit und Gegenwart werden naturwissenschaftliche Erkenntnisse entgegengesetzt und ermöglichen gewissermaßen, mit den Augen des Jägers zu sehen. Dazu dienen etwa eine Art Schränke, bei denen man viele Schubladen aufziehen kann.

Imposante zeitgenössische Kunstinstallationen laden ganz direkt, aber auch versteckt ein, über das eigene Verhältnis zu Tieren nachzudenken. Der zweite Rundgang, "Jagd und Kunst", thematisiert das Sammeln selbst. Die Atmosphäre eines Sammler-Hauses soll vermittelt werden, genauer die des Sammlerpaars, François und Jacqueline Sommer, die in den 1960er Jahren die Sammlung anlegten.

Das geschieht nie ungebrochen und wird dann im 2. Stock konsequent bis in die Gegenwart fortgesetzt. Der amerikanische Künstler Mark Dion hat hier mit der Installation der Sommerschen Jagdhütte den Museumsgründern ein unprätentiöses Denkmal gesetzt.



Sehenswert sind auch die beiden Stadtpalais, in denen das Museum untergebracht ist: das Hôtel de Guénégaud, um 1655 erbaut von François Mansart, ist das einzige Hôtel im Marais, das noch vollständig erhalten ist.
Beim nächsten Paris-Besuch auf GAR KEINEN Fall versäumen!


Das Intro der Website laut anhören.
Musée de la Chasse et de la Nature

62, rue des Archives
750003 Paris , Metro Rambuteau
Di-So 11-18 Uhr, mo und feiertags geschlossen

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23.7.08

Geld für den Menschen

Im Musée de l'Homme in Paris freut man sich dieser Tage bestimmt ganz ordentlich, denn die französische Regierung hat 50 Millionen Euro für die Renovierung des Museums bereitgestellt. Damit soll, wie es in Le Monde heisst, das Gebäude saniert und die Dauer- und Wechselausstellungsräume von rund 3500 qm eine neue Inhalte und eine neue Museographie erhalten. Das war, nachdem große Teile der Sammlung in das Musée du quai Branly überführt worden waren, so eigentlich gar nicht zu erwarten gewesen.
Der Leiter des Projektes, Jean-Pierre Mohen, erzählte der Zeitung auch, was genau geplant ist:
"Das Ziel ist es, der Öffentlichkeit die große Saga des Menschen seit ihren Ursprüngen bis in unsere Zeit zu präsentieren, indem alle Aspekte behandelt werden, die dem Menschen eigen sind: seine Evolution, seine Biologie, seine verschiedenen Gesellschaftsformen, seine Eingriffe in die Umwelt und seine aktuelle Situation."
Damit würde das Museum einen völlig neuen Akzent setzen. 2012 soll alles komplett fertig sein.
Der erste Teil der Saga ist ja bereits im Museum zu sehen.
Der Museumsblog hat hier und hier bereits darüber berichtet.
Im Musée de l'Homme ist übrigens gerade eine Ausstellung über die Ethnologin, Widerstandskämpferin und KZ-Überlebende Germaine Tillion zu sehen, die im April dieses Jahres verstarb und die lange Jahre für das Musée de l'Homme gearbeitet hat.

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22.7.08

Sitzmöbel VII

Hier lässt es sich in der Cité national de l'histoire de l'immigration in Paris angenehm sitzen: Im ehemaligen Rezeptionssaal während der Kolonialausstellung 1931 und dem heutigen Forum.

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Sitzen im Museum VI


So unprätentiös kann man in der Cité nationale de l'histoire de l'immigration in Paris sitzen.
In der Realität sieht man die Bank allerdings doch etwas besser als die Kamera.

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18.7.08

Auch das gehört zu einem perfekten Museumsbesuch

Es geht um ein heikles, aber wichtiges Thema: auch die sanitären Anlagen eines Museums sollten einem gewissen Niveau doch folgen. Neulich in Paris wollte ich vor dem Besuch der Ausstellungen zunächst einem dringenden Bedürfnis nachkommen. Also gehe ich ins Foyer und folge den Schildern. Hierzu muss die Treppen am Musik-Zylinder nehmen - die KennerInnen wissen nun natürlich, dass ich mich im Musée du quai Branly befinde. Ich gehe zwei Etagen die Treppe hinunter und komme auf einen schmalen, dunklen Gang. Hier erkenne ich die richtige Richtung an den Schlangen: vor beiden Toiletten steht jeweils eine halbe Schulklasse, hinzu kommen die anderen BesucherInnen. Ich schaue nach, wieviel Toiletten eigentlich da sind, um die Wartezeit einschätzen zu können. Vier Toiletten habe ich gezählt! Vier Damentoiletten in einem Museum, das Millionen gekostet hat! Vier! Müssen Stararchitekten nie aufs Klo? Da ich unten keine weiteren Hinweisschilder auf Toiletten gesehen hatte, begebe ich mich in die Ausstellung, in der Hoffnung, dort etwas zu finden. Der Weg ist auch ausgeschildert - doch mein Ziel wegen Sanierungsmaßnahmen geschlossen. Und die nächste Toilette befindet sich einen Stock höher, für die Treppe muss man wieder ein ganzes Stück zurückgehen... Es ist aber nochmals alles gut gegangen. Aber der Museumsbesuch erhält dadurch keinen optimalen Auftakt.

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10.6.08

Klingende Ausstellung

In Paris kann man den Mai 1968 hören: Im Rathaus des 18. Arrondissement wurde eine typische Wohnung konstruiert, wie sie im Mai 1968 eine vierköpfige Arbeiterfamilie bewohnt haben könnte. Die Besucherin erwartet in den Räumen ein "parcours ludique LA BANDE SON DE MAI 68". In der Küche hört maman Charles Aznavour, während beim Sohn von Jacques Dutronc "Il est 5 heures Paris s’éveille" oder von Steppenwolf "Born to be wild" läuft. Ergänzt werden die Hörräume von Plakaten, Fotografien, Zeitungsausschnitten, authentischen Straßengeräuschen von Demonstrationen, von Filmausschnitten - wie etwa die Nachrichtensendungen von Mai 1968 oder Episoden der Comicserie Les Shadoks, die damals entstand. Bevor man in die Wohnung kommt, muss man erst einmal einen "panier à salade" queren - einen Polizeiwagen, in dem berühmte oder weniger berühmte Zeitgenossen über ihren Lieblingshit von Mai 68 reden. Ich finde, das klingt gut.
Hier kann man filmische Interviews ansehen, in denen etwa der frühere Premierminister Lionel Jospin oder Georges Moustaki über ihre Lieblingslieder von Mai 68 reden. Und hier steht etwas über die Ausstellung in Le Monde.
Noch bis zum 5. Juli.
Mairie du 18e,
1, place Jules Joffrin
75018 Paris, Metro Jules Joffrin

von Montag -Freitag: 8.30 bis 17 Uhr (Do bis 19.30 Uhr) und Samstag von 9 bis 12.30 Uhr

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2.6.08

Geliebt, gehasst, geköpft - und wiederentdeckt

Noch bis Ende des Monats zeigt das Pariser Grand Palais eine Ausstellung über Marie-Antoinette. Mehrere Biografien aber vor allem der Film von Sofia Coppola haben die unglückliche Königin wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.
Die Szenografie des Kanadiers Robert Carsen, ist überaus geglückt. Man merkt, dass Carson vom Theater kommt, er weiss die einzelnen Stationen effektvoll in Szene zu setzen. Die Ausstellung zieht sich durch Zimmerfluchten, zuerst in fröhlichem, warmen Rot wird die unbeschwerte Kindheit der Erzherzogin am Wiener Hof dargestellt, bevor zartes Lichtblau ihre ersten Jahre am französischen Hof symbolisiert. Kühler aber dennoch hell und unbeschwert ist der Hintrgrund. Die Bilder der französischen Königsfamilie zeigen, ausser dem alternden Louis XV, Halbwüchsige, fast noch Kinder (Louis XVI, seine Brüder, Schwestern und Schwägerinnen), ein Umfeld in dem die lebenslustige Österreicherin anfangs bewundert und geliebt wird. Zahllose Bilder, Büsten, Stiche sollen die Thronfolgerin auch dem einfachen Volk nahebringen. Immer toller und aufwendiger werden Vergnügungen, Moden, Frisuren bevor die Zeit der neuen (stilisierten) Einfachheit kommt. Zartes Grün umgibt die Möbel und Dekorationsobjekte die Marie-Antoinette ohne Unterlass für ihre verschiedenen Schlösser und vor allem für ihr geliebtes Trianon anfertigen lässt. Eine Theaterkulisse dient als bukolischer Rahmen für die Porträts ihres Freundeskreises der sie nach und nach dem offiziellen und einflussreichen Hofadel entfremdet. Die Farben verdüstern sich. Auch die Porträts Marie-Antoinettes im Kreise ihrer Kinder vermögen die öffentliche Meinung nicht mehr zu beeinflussen. Immer dunkler und leerer wird es um sie - und um den Besucher. Der letzte Raum ist schwarz, an den Wänden rechter Hand, die Karikaturen, Spott- und Hassschriften, auf der linken Seite Auszüge aus ihren letzten Briefen die immer hoffnungsloser werden. Einige wenige, armselige Gegenstände zeugen von der Härte ihrer Gefangenschaft. Und schliesslich an der dem Eingang gegenüberliegenden Schmalseite von einem Rahmen in Form eines dunkelroten Schafottes umgeben, ihr letztes Bild, eine kleine Zeichnung die sie auf dem Schinderkarren zeigt. Tragisches Ende der Geschichte einer lebenslustigen und unkonventionellen jungen Frau (sie ist 38 Jahre alt als sie geköpft wird).
Die Objekte und Bilder sind geschickt gewählt, vielfältig ohne den Besucher zu erdrücken, die Texte sind gut lesbar, nicht zu lange aber informativ, zeitgenössische Musik ergänzt die visuellen Eindrücke. Eine, meiner Meinung nach, beispielhafte Ausstellung über eine historische Persönlichkeit die dazu anregt, sich im Anschluss in eine der zahlreichen Biografien zu vertiefen - besonders empfehlenswert jene von Stefan Zweig!

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30.5.08

Nicht ärgern, nur wundern!

Wer mag wohl die Beschriftungen in der erst kürzlich generalrenovierten und neu aufgestellten Cité de l'architecture et du patrimoine (Paris) verfasst haben? Die einzigartige Abgusssammlung romanischer und gotischer Architektur verleitet den neugierigen Besucher dazu, mehr zur Ikonographie der meist religiösen Szenen wissen zu wollen. Glücklich eine Beschriftung entdeckt zu haben, geht erwähnter Besucher in die Knie um sie zu lesen. Was erfährt er? Woher die Moulage stammt, o.k., wer die Abformung gemacht hat - was soll der Besucher wohl damit anfangen? - wann die Abformung in die Sammlung aufgenommen wurde - siehe oben.... und ihre Inventarnummer.
Schlussfolgerung: entweder die Kuratoren überschätzen die Besucher und halten sie für Spezialisten mittelalterlicher Ikonographie oder - was wohl eher zu vermuten ist - sie haben diese ewige Neugier der Besucher einfach satt!

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Der erste sein

Gestern kam auf Arte zu später Stunde der Dokumentarfilm "Museumsbusiness".
Es ging um die Expansion der großen Museen und Stiftungen wie Guggenheim und Louvre, also um Bilbao, Atlanta und Abu Dhabi. Laut Programminfo sollte gefragt werden:
"Handelt es sich hierbei um gefährliche Kommerzialisierung oder Vermarktung der Kultur? Oder ist das Herausbilden eines gewissen Kulturbusiness eher positiv, um die Sammlungen zur Geltung zu bringen, neues Publikum zu gewinnen und kulturelle Einzugsgebiete zu erweitern? Bietet es den Institutionen nicht auch die Möglichkeit, ihre Mittel aufzustocken?"
Dazu wurden Thomas Krens, Direktor der Guggenheim-Stiftung, Henri Loyrette, Präsident des Louvre, der damalige zuständige baskische Kulturminister in Bilbao, Mitarbeiter von France-Muséums, der Agentur, die mit der Abwicklung des Louvre Abu Dhabi betraut ist, der Scheich in Abu Dhabi und noch einige mehr befragt. Interessant war der Fall von Bilbao, weil klar wurde, dass es sich um eine baskische Initiative handelte, die sich auch durchzusetzen wußte und allein die Aufwertung der Region im Visier hatte.
Eigentlich, und das betrifft vor allem den Louvre und seinen Expansionsbestrebungen, kamen im Film nur die Personen zu Wort, die wortreich begründeten, dass es sich natürlich um keinen Ausverkauf der Kunst handle, sondern nur um eine bessere Positionierung der Museen. Den positiven Stimmen stand ganz alleine der Kunsthistoriker und Kritiker an den Expansionsplänen des Louvre, Didier Rykner (zugleich Betreiber von la tribune de l'art) gegenüber. Obwohl die beiden französichen Autoren Sylvain Bergère und Stéphane Osmont anfangs die Petition gegen die Expansionspläne des Louvre erwähnten. Wieso kamen hiervon nicht mehr Kritiker zu Wort? Etwa die Kunsthistoriker Jean Clair, Françoise Cachin oder Philippe de Montebello, (noch) Direktor des Metropolitain Museum in New York, der sich dezidiert gegen die Politik der Depandancen ausgesprochen hat? Wollten die nicht oder durften die nicht? Schade, das hätte den Film ausgewogener gemacht. So war mir der Film, mit Verlaub gesagt, zu tendenziös. Und irgendwie auch selbst entlarvend. Wenn wir es nicht tun, so sagte der Leiter der Agentur France-Muséums, dann machen es die anderen. (Heißt das nicht auch übersetzt: die anderen können es nicht so gut wie wir?) Und die Sprecherin des Films sagte: Wenn Frankreich im internationalen Wettbewerb einen Vorsprung hat, sollte es ihn auch nutzen. Um was geht es hier eigentlich? Etwa noch um Kunst?
Den Film kann man sich bei arte hier noch 7 Tage lang anschauen.

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