8.2.10

Auf die Schnelle

Das Konzept klingt gut: ein Miniprogramm - Dauer 3 1/2 Minuten - um ein Kunstwerk in der französischen Provence vorzustellen. Das kann ebenso gut der Museumsbau von Henri Ciriani (Musée de l'Arles antique) sein, als eine Installation der Marseiller Modeschöpferin Fred Sathal, ein Werk des jungen Künstlers Lionel Scoccimaro im MAC (Musée d'art contemporain in Marseille) oder der Pavillon Noir in Aix-en-Provence, Bühne, Proberaum und Heimstatt der Truppe des Choreographen Angelin Preljocaj, entworfen von Rudy Ricciotti der auch für das künftige MuCEM verantwortlich zeichnet.
Die kurzen virtuellen Führungen kann man entweder im Internet ansehen oder im lokalen Fernsehen (jeden Mittwoch um 19h50 auf LCM).
Das ganze nennt sich "Bulle d'Art" und will gleichzeitig amüsant und lehrreich sein. Die klaren und leicht zugänglichen Texte schreiben das jeweilige Objekt in seinen kunsthistorischen Kontext ein und setzen keinerlei Spezialwissen voraus.
Klassische Meisterwerke stehen ebenso auf dem Programm wie Design, Architektur, Photo oder Video, Ausstellungen, Museen oder Sammlungen. Bulle d'Art möchte zeigen, dass die Provence abseits vom Touristenklischee reich an Kunst jeder Art ist die nur darauf wartet, von Amateuren oder einfach nur Neugierigen entdeckt zu werden: eine schlaue Methode ein grosses Publikum mit Kunst, vor allem auch zeitgenössischer Kunst vertraut zu machen und die Scheu vor dem Ungewohnten zu nehmen.
Schade ist nur dass die Konzepteure dieser Minisendung, meines Erachtens, ein bisschen zu viel auf visuelle "Gags" setzen die wohl vor allem auf ein jugendliches, mit Videospielen vertrautes Publikum zielen. Etwas weniger Effekte, etwas weniger Musik und auch etwas weniger Präsenz der, zweifellos hübschen, Präsentatorin würde der Idee keinen Abbruch tun, aber erlauben sich mehr auf das Wesentliche, nämlich das Kunstwerk, zu konzentrieren.



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2.12.09

Monumente, gesurft


Monumente online heisst das Magazin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, das sechsmal im Jahr in Papierform erscheint, aber auch komplett im Internet einzusehen ist. Seit 2005 steht alles online - da kommt einiges zusammen.

Die Startseite ist schön übersichtlich aufgemacht. Man kann sich durch alle Richtungen klicken: die einzelnen Ausgaben anschauen, die neben dem Hauptthema immer die Rubriken Streiflichter, Denkmale im Blickpunkt, Kleine Kulturgeschichten und Sehen lernen beinhalten. Diese Rubriken kann man wiederum querlesen, da alle Beiträge aus den verschiedenen Ausgaben nochmals extra aufgelistet sind. Darüberhinaus gibt es etwa ein(Orts-)Register aller veröffentlichten Beiträge, sowie aktuelle Hinweise auf Beiträge in Funk und Fernsehen oder Ausstellungen; also eine Fülle von Informationen. Auch entdeckt man beim Surfen auf der Seite Hübsches wie die oben abgebildeten Bilder einer Ausgabe.

Gerade ist die Ausgabe Dezember 2009: Baumeister in ihrer Zeit erschienen - auch für Museumsliebhaberinnen sehr interessant.

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24.11.09

Die Kunstmarktblase



Sehenswert: ein Film auf arte über zeitgenössische Kunst und warum sie soviel kostet(e): Die Millionenblase. Zerplatzte Träume am Kunstmarkt von dem britischen Filmemacher Ben Lewis.

Drei Jahre lang recherchierte Lewis, besuchte Auktionen, zum Beispiel von Sotheby's, wo monochrome rosafarbene oder blaue Bilder für über 4 Millionen Dollar verkauft wurden oder Sammler, deren Wohnungen Museen ähnelten. Auch bei Künstlern ist Lewis zu Gast - etwa bei dem Deutschen Anselm Reyle, dessen so genannten Streifenbilder zu Spekulationsobjekten wurden. Interessant ist auch, dass viele der hoch gehandelten Kunstwerke, gar keine Unikate sind noch von den Künstlern selbst hergestellt werden - Damien Hirst, dessen Werke mit die teuersten waren, ist wie Reyle solch ein Beispiel dafür. Am Beispiel von Damien Hirst zeigt Lewis dann auch sehr eindrücklich, wie schnell solche Werke dann plötzlich sehr günstig werden können...

Es geht um international verdeckt agierende Kunsthändler, um Museen, die sich bewußt oder unbewußt für die Produktion von Werten einspannen lassen (indem sie in Ausstellungen private Werke zeigen, die später teuer verkauft werden können), und um - millionenschwere - Liebhaber von Kunst.

Für seine Recherchen ließ der Ben Lewis sein Auto von Tobias Rehberger umstylen - ein echtes Unikat. Anschauen und staunen!

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13.3.09

Alles über das Witzerland

Eher selten gelten Schweizerinnen und Schweizer als besonders schlagfertig oder sogar witzig.

Dieser Satz ist nicht ausgedacht, sondern steht so auf der Internetseite des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich. Hier wird die Ausstellung Witzerland geplant:
"Humor, Witz und Satire sind das Thema der Schau: eine multimediale Zusammenstellung humoristischer Blicke auf die Schweiz."

Für alle, die bei Schweizer Humor immer noch oder nur an Emil denken, könnte diese Ausstellung interessant werden.

Ab dem 2. April ist die Ausstellung in Zürich zu sehen - und man kann selbst noch dazu beitragen. Witze, Zeichnungen oder Videos sind dem Museum willkommen, alles weitere dazu findet sich bei Witzerland.

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30.10.08

Gesurft

Das Altonaer Museum hat eine neue Website, d.h. so neu ist sie auch wieder nicht, da sie im Mai diesen Jahres online gestellt wurde. Im Header wechseln nun ständig die Bilder, ein neues Logo und neue Farben. Es ist alles ganz nett anzuschauen, wenn auch die Umsetzung sonst etwas konventionell ist. Doch wirkliche Informationen gibt es aber leider wenig. Ich wollte mich über die Bauernstuben informieren - und stosse auf das:

Es ist interessant zu wissen, dass es so etwas gibt - nur was bringt das so prominent auf der website? Der Text in der Rubrik "Über das Museum" ist recht knapp und allgemein, ein Leitbild gibt es nicht. Zu den Ausstellungen gibt es mehr Informationen; es wird aber nicht zwischen Dauerausstellung und Ausstellung unterschieden; leider reicht das Archiv nur drei Ausstellungen zurück. Es fällt schwer, zu sagen, was im Museum alles zu sehen ist, noch erfährt man, wohin es möchte, es ergibt sich kein Bild. Das ist für jemand, der sich informieren möchte, einfach zu wenig. Oder habe ich etwas übersehen?

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11.6.08

Ausstellungseröffnung für Nicht-Eingeladene im Internet

Der Countdown läuft für das Graphik-Design-Museum in Breda in den Niederlanden: heute um 16 Uhr wird es von Königin Beatrix eröffnet. Vier Ausstellungen werden zugleich präsentiert; die interessanteste wird sicherlich "100 Jahre Design in den Niederlanden" sein. Wir, die wir nicht nach Nordbrabant reisen, können das Opening live im Internet verfolgen. Es soll sich um das erste Graphik-Design-Museum in der Welt handeln, wie man den ambitionierten Internetseiten entnehmen kann. Mit einem wirklich witzigen Film, in dem die Icons der Welt ins Museum fahren, wird da etwa fürs Museum geworben. Leider ist es mir auf den Seiten nicht gelungen, so etwas Banales wie Öffnungszeiten herauszufinden.

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9.5.08

In anatomischen Sammlungen unterwegs

Eindrucksvoll sind die Fotos, die die New Yorker Fotografin Joanna Ebenstein in medizinischen und anatomischen Sammlungen in Europa und in den USA gemacht hat: etwa Modelle aus Wachs aus La Specola in Florenz oder Moulagen aus dem Wiener Narrenturm. Daraus entstanden ist die Wanderausstellung Anatomical Theatre. Letztes Jahr war die Ausstellung in Alabama, USA zu sehen. Hier sind Fotos davon.
Wer weiß, vielleicht wird die Ausstellung ja auch mal bei uns gezeigt? Anatomische Sammlungen gibt es hier ja genug!

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22.4.08

Mit Paul im Museum

Warum sollte man mit Paul ins Museum gehen? Abgesehen davon, dass Paul ein äußerst beliebter Name für den deutschen Nachwuchs ist, ist Paul eine Figur, die die Staatlichen Museen zu Berlin erfunden haben, um Kinder ins Museum zu locken. Da heißt es:
"Mit Paul Kunst begreifen, Kulturen entdecken und die Welt verstehen lernen. "
Paul ist nichtsweniger als ein Kulturbotschafter, wie es heißt, und er soll nun vor allem über die Weltreligionen Auskunft geben. Islam ist das erste Thema, und wenn man sich bis auf zu Die fünf Säulen des Islam durchgeklickt hat, wird es etwas bunter, aber auch sehr textlastig. Auf mich wirkt die Seite sehr an ein Buch orientiert - aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe. Ich hätte es gerne etwas bewegter, mit Ton, Filmen, Fotos, Animationen, Spielen....

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27.3.08

MuCEM im Internet

Tippt man "www.ethnolgie.culture.fr" ein, so kommt man - überraschenderweise - auf eine website des Musée des Civilisations de l'Europe et de la Méditerranée. Die Absicht ist gut: wenigstens virtuell will dieses Museum seine Kollektionen und Forschungsvorhaben vorstellen. Wie gesagt, die Absicht ist gut, die Ausführung ist es jedoch weit weniger. Erster Kritikpunkt: das MuCEM will ein internationales Museum sein, sämtliche Texte der website sind jedoch nur auf Französisch...
Sieben Themen, die teilweise Ausstellungen entsprechen, können abgerufen werden: "Hip Hop, art de la rue, art de la scène" - "L'olivier, trésor de la Méditerranée" - "Cornemuses d'Europe et de la Méditerranée" - "Les voyages du verre" - "Café, Cafés" - "Les petites Arménies d'Europe et de la Méditerranée" - "Trésors du quotidien? Europe et Méditerranée". Die Navigation in den einzelnen Themen ist unterschiedlich und oft umständlich, manchmal werden Videos geboten, manchmal nur Texte und Bilder, wobei die Texte teilweise graphisch nicht leicht lesbar gestaltet sind. Folgt man dem link zur Haupt-Website des Museums, darf man erstaunt sein, dass die Rubrik "aktuelle Ausstellungen" das letzte Mal am 17. April 2007 aktualisiert wurde, die Seite zum Projekt des zukünftigen Museums gar im Juli 2003... Auch hier ist die Navigation schwerfällig und erlaubt es beispielsweise nicht, auf die Anfangsseite zurückzukommen.
Im Thema "Café, Cafés" fehlt jeglicher Hinweis auf die Wiener Kaffeehauskultur, in der Auswahl der Hinterglasbilder ("Les voyages du verre") liegt der Hauptakzent auf Bildern aus Rumänien (10) und dem islamischen Bereich (Syrien, Türkei, Tunesien, Iran 11 Beispiele), bedeutende Zentren wie Sandl (1) werden nur gestreift. Die Bezeichnung "Alsace/Oberammergau" stimmt nachdenklich... Der Eindruck besteht, dass die Kenntnisse der deutschsprachigen volkskundlichen Forschung zu den verschiedenen Themen unzulänglich bzw. nicht vorhanden ist.
Man darf sich fragen, ob das weitgesteckte geographische Feld des geplanten Museums - ganz Europa und der Mittelmeerraum - nicht dazu führen wird, nur eine "Zibebenschau" zu bieten. Die Augen sind da wohl grösser als der Magen und es ist zu hoffen, dass die für das Projekt Zuständigen entweder den Beobachtungsraum eingrenzen oder eine wirkliche Zusammenarbeit mit ihren Kollegen aus Europa und dem Mittelmeerraum zustandebringen - und von Zeit zu Zeit einen Blick auf andere Museumswebsites werfen!

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2.3.08

Museen und ihr zweites Leben

Second Life - was war das nochmals? Interessiert sich überhaupt noch jemand dafür? Ja, die Museen, die ja immer etwas länger für alles brauchen und nicht merken, dass alles schon wieder ganz anders ist. Deswegen findet nun der alljährliche, weltweite Museumstag auch im Second Life statt - auf das die jungen Menschen mal hinklicken?
Überlegungen dazu nachzulesen bei Kulturelle Welten.

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6.2.08

Berliner Museen im Internet

Schön frisch und grün präsentiert sich das Museumsportal Berlin. Hier kann man sich schnell über die laufenden Ausstellungen informieren, nach Öffnungszeiten schauen, Führungen buchen oder Produkte der Museumsshops online kaufen. In der Rubrik Besucherdienste erfährt man beispielsweise, welche Berliner Museen Montags geöffnet sind oder wo man gut mit Kindern und Jugendlichen hingehen kann. Was hier aber komplett fehlt, ist das Thema Barrierefreiheit bzw. Angebote für Menschen mit Behinderungen. Hierfür muss man sich mühsam durch die Infos zu den einzelnen Museen klicken, allerdings erfährt man dann nicht immer unbedingt etwas. Schade, denn das Museumspublikum wird ja nicht jünger, sondern älter.

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23.12.07

Von Zeit, Licht und Objekten

Im San Francisco Museum of Modern Art läuft die Ausstellung Take your time des isländischen Künstlers Olafur Eliasson. Da der Weg dahin doch etwas weit ist, kann man hier schon mal den Künstler über seine Arbeiten reden sehen und hören sowie Besucherinnen in den Installationen beobachten.

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11.7.07

Museum, nach außen gestülpt

Auf ein sehr spannend klingendes Projekt hat mich Matthias Beitl vom Wiener Volkskundemuseum hingewiesen. Um den BesucherInnen einen Eindruck davon zu geben, was Museumsarbeit eigentlich alles beinhaltet, können BesucherInnen von Mittwoch bis Freitag den MuseumsmitarbeiterInnen bei der Arbeit über die Schulter schauen. Das Projekt nennt sich Museum inside out und auf der Internetseite heißt es dazu:

"Die Ausstellungsräume verwandeln sich in multifunktionale Arbeitsplätze: temporäres Depot, Registraturstelle, Inventarisierungsterminal, Photolabor, Restaurieratelier, Bibliothek, Studierplatz. Publikum und Besucher sind so nah am Museum wie nirgendwo sonst. Bei jedem Museumsbesuch in diesem Jahr etwas Neues entdecken, jede Woche ein anderes, frisches Museumserlebnis. Ein Museum erfindet sich neu. Mit dem Projekt "museum inside out" stellt sich das Volkskundemuseum zur Diskussion, macht Museumsarbeit öffentlich, stülpt sich von innen nach außen und denkt sowohl intern als auch mit unterschiedlichen Öffentlichkeiten über seine Inhalte und möglichen Zukunftsperspektiven nach. Die jeglicher Museumsarbeit inhärente Arbeit am Gedächtnis wird so einerseits am Gedächtnis der eigenen Institution geleistet und andererseits dem Publikum als öffentliche Aufgabe für das kollektive Gedächtnis bewusst gemacht."
Parallel dazu finden Veranstaltungen und Expertenrunden statt. Am Donnerstag geht es etwa in der Rubrik "Geschichten aus dem Museumsalltag" um "Tabus" im Museum, am Samstag um Fototechniken und Restaurierung. Der Aspekt der musealen Selbstreflexion gefällt mir gut. Wer zufällig in Wien weilt, sollte unbedingt vorbeigehen, denn ein Besuch im Palais Schönborn lohnt immer; vor allem in den Sommermonaten kann man sich mit einem Cafe im wunderschönen Gastgarten belohnen. Bis zur nächsten Wien-Reise kann man sich auch auf dem Blog von Museum inside out vergnügen - natürlich ersetzt das nicht den Museumsbesuch.

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3.7.07

Von Abfall bis Xenologie

Ein lehrreiches und amüsantes Glossar zum Ausstellungs- und Museumswesen bietet der Kunsthistoriker und Museologe Gottfried Fliedl, der an der Museumsakademie Joanneum in Graz lehrt. Das Glossar, gemeint eher im Sinne einer Glosse, ist gefüllt mit zahlreichen Bildern und Zitaten. Schön ist etwa der Beitrag zu "Aufseher", in dem Martin Warnke zitiert wird. Hier ein Ausschnitt:
"Ein ausgebildeter Museumswärter wäre für die Besucher eher eine Belästigung als eine Hilfe. Die Besucher sollten ihre Ruhe haben zur tiefen, stillen, ungestörten Versenkung. Der Wärter soll nicht danebenstehen und unruhig auf die Sekunde warten, da er sein Wissen loswerden kann. Wenn schon nicht zu vermeiden ist, daß Wärter gelegentlich Preise und Werte, Anekdoten und Zoten verfügbar haben, dann soll doch eine fundiertere Kenntnis nicht unkontrolliert ein Informationsmonopol usurpieren, das den Wissenschaftlern von oben gehört. Die Argumente sind spezifische Varianten der in der Gesamtgesellschaft praktizierten Herrschaft."

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25.6.07

Explainer anstelle von Cicerone

Die Eröffnung des Besucherzentrum Arche Nebra in Sachsen-Anhalt wurde letzte Woche groß gefeiert. In der Nähe des Fundortes der einzigartigen Himmelsscheibe geht es um bronzezeitliche Beobachtungen im Kosmos. Ich habe mich bei der Lektüre der Internetseite des Besucherzentrums gefragt, was es wohl mit den "Explainer" auf sich hat, die, so heißt es hier, "an mehreren Stationen Teile der Präsentation erläutern oder auch für individuelle Fragen zur Verfügung stehen". Löst der Explainer den früher, gerne in bildungsbürgerlichen Einrichtungen eingesetzten Cicerone à la Jacob Burckhardt ab? In der Arche Nebra handelt es sich allerdings um virtuelle Erklärer, wie ich an anderer Stelle erfahre, um aber gleich wieder verwirrt zu werden: "Statt der klassischen Präsentation von Exponaten in Vitrinen begleiten so genannte Pepper's Ghosts mit Information, Witz und Charme den Besucher." Pepper's Ghosts?
Die Himmelscheibe selbst ist übrigens ab Mai nächsten Jahres im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale zu sehen. Hier wird, so meine Prognose, die Präsentation voraussichtlich ohne Pepper's Ghost auskommen.

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19.6.07

Kurz mal ins Museum

"1 minute au musée" heisst die Reihe, in der der französische Fernsehsender tv5 monde nun auch im Internet einem das Französische nicht nur näher-, sondern auch beibringen möchte. Und dies geschieht auf eine sehr amüsante Weise: drei Phantasie-Figuren setzen sich in einer Videosequenz etwa im Louvre mit der Mona Lisa oder mit einer Skulptur im Musée d'Orsay auseinander. Die Filme dauern nicht länger als eine Minute und sind Basis für die Übungen, die jeweils auf drei verschiedenen Niveaus angesiedelt sind. Witzig und pfiffig gemacht, auch selbstironisch, erfährt man einiges über das jeweilige Werk. Alle Übungen beziehen sich auf den Film und sind ein gelungenes Beispiel dafür, wie Museen sich gewitzt in einem anderen Medium in Szene setzen können.

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14.6.07

Künstlern über die Schulter sehen

Tate Shots heißt die Reihe auf der Internetseite von Tate Online, in der jeden Monat eine Auswahl von mehreren Kurzfilmen gezeigt werden. Der Schwerpunkt liegt auf moderne und zeitgenössische Kunst; Ziel ist es wohl, auf laufende Ausstellungen neugierig zu machen. Das klappt auch. So präsentiert eine Kuratorin die derzeit laufende Fotoausstellung in Tate Modern "How we are". Oder man schaut sich im Archiv den Film "Meet the Artists" an, in dem wir Thomas Hirschhorn sehen, der mit einem entzückenden Schweizer Akzent auf Englisch davon erzählt, wie es ist, ein Künstler zu sein.

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24.5.07

Virtuelle Museen

Manchmal habe ich Probleme mit den sogenannten Web-Ausstellungen, da oftmals nichts weiter gemacht wird, als Bilder zum selben Thema nebeneinander zu stellen. Nun hat die Österreichische Mediathek etwas vorgelegt, das mir sehr gut gefällt: eine akustische Chronik zu Österreich zwischen 1900 und 2000. Die ist graphisch sehr gut gestaltet, enthält viele Audio-Schnipsel (Musik, Radioausschnitte), Filme, Texte und Fotos - eigentlich eine audiovisuelle Chronik, wenn man es genau nimmt. Besonders gut gefällt mir die Zeitleiste, die dem Dekor der jeweiligen Zeit nachempfunden wurde. Eine kleine Kritik habe ich: mir fehlt ein einführender Text zum Projekt.

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27.7.06

Kommunismus im Museum


"COME SEE A FORTY YEAR EPISODE OF BIG BROTHER" so heißt es auf dem Plakat, das Coolzor in Prag entdeckt hat und das wohl vom dort ansässigen Museum des Kommunismus stammt. Von diesem selbst hat Coolzor ein weiteres Plakat abgebildet: das Museum wirbt darauf mit einer grimmig dreinschauenden Matroschka und hat eine interessante Wegbeschreibung "above Mc Donald's". Geht man auf die dort genannte Internetseite dieses Museums, dann findet man allerlei Kurioses, wie etwa die E-cards mit Arbeiter in Aktion, mit lustig gemeinten Sprüchen wie: "OPENING LATE, CLOSING SOON, ANNOYINGLY LONG LUNCH BREAK". Ich finde, das klingt alles etwas zynisch.

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18.7.06

Weshalb gehen Sie eigentlich ins Museum?

Das "Ländle" hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um für seine Landesmuseen zu werben. So heißt es auf der Museumsseite des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg:
"Hinterherpfeifen ist in unseren elf Landesmuseen nicht gestattet."
Zu sehen sind elf Abbildungen von anscheinend weiblichen Wesen. Und als wäre dem noch nicht genug, heisst es da noch: "Natürlich sind spontane Gefühlsausbrüche bei solch prächtigen Exponaten verständlich. Doch bitte bedenken Sie: die Mitbesucher wie auch die Damenwelt schätzen viel mehr die leisen Töne." Aha. Logischerweise gibt es auch eine Seite für Museumsbesucherinnen, bzw. für die Damen. Hier heisst es: "Männer für gewisse Stunden" - der "junge Schönling in Öl" und der "bärtige Naturbursche aus dem Pliozän" erwarten die Museumsbesucherin mit "offenen Armen" - selbstverständlich nur tagsüber. Welcher Marketing-Teufel hat da nur das Ministerium geritten?

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5.7.06

Wenn Museen online gehen

Mittlerweile haben es auch die Museen begriffen: eine gute Internetseite ist die Visitenkarte der Institution. Eine äußerst interessante Seite hat das Hessische Landesmuseum in Darmstadt zu bieten. Interessant deswegen, da nicht nur das Übliche präsentiert wird wie allgemeine Informationen, Sammlungsgeschichte und Ausstellungen. Gleich auf der Willkommensseite fällt oben ein horizontaler Streifen auf, der mit "Universum" betitelt ist. Wenn man draufklickt, dann öffnet sich ein Fenster, das Universum, das noch weiter in die Rubriken Materie, Raum, Zeit und Energie unterteilt ist. Es geht dem Museum darum, "Bezüge zwischen Natur- und Kulturgeschichte anschaulich machen, getrennte Sammelauftritte als Einheit präsentieren". Diese innovative Idee wird anschaulich in sehr schönen Flash-Animationen umgesetzt, mit schönen Bildern, kurzen Texten und lustigen Geräuschen. Ausprobieren!

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