8.3.10

Das Kunst - Geld - Karussell

Wie die Kunstmuseen ihre Geschichte selbst erfinden, beschreibt der aufschlußreiche Artikel von Niklas Maak in Die gekaufte Kunstgeschichte in der FAZ. Es geht um das enge Verhältnis von Geld, Kunst und Museum. Maak beschreibt zwei Kunstsysteme, die miteinander im Wettstreit stehen - auf der einen Seite stehen die staatlichen, öffentlichen Kunsteinrichtungen, auf der anderen die reichen Sammler, die sich nicht mehr damit begnügen, die Museen zu unterstützen - mit Leihgaben oder mit Sponsoring. Der Unterschied ist, dass nun die Sammler quasi die gesamte Einrichtung übernehmen:
"Damit wird ein entscheidender Bruch vollzogen. Im Kampf darum, wie Bedeutung hergestellt wird, wie Macht entsteht, Deutungshoheiten behauptet und Eichsysteme für Qualität geprägt werden, haben sich offensichtlich die Gewichte verschoben. Wer hat die Macht im Kunstsystem? Wer entscheidet, was gezeigt wird, was als bedeutend gilt? Bisher war die Antwort auf diese Frage meistens: die staatlichen Ausstellungshallen und Museen, vielleicht noch die Biennalen - und weniger die privaten Sammler."
Maak beschreibt, wie auf diese Weise eine "zweite Kunstwelt" entsteht - in dem immer dieselben Namen auftauchen, Karrieren gesteuert werden - und vor allem die eigenen Kunstwerke promoten.
"Auf der Strecke bleibt bei diesen Einverleibungen die Urkompetenz des Museums als einer kulturellen Institution, in der unabhängige Experten Kunstwerke auswählen, sortieren, werten und in thematischen Ausstellungen präsentieren."

Vielleicht ein Indiz für die Museumskrise über Gottfried Fliedl bloggt?

Labels: , ,

8.2.10

Auf die Schnelle

Das Konzept klingt gut: ein Miniprogramm - Dauer 3 1/2 Minuten - um ein Kunstwerk in der französischen Provence vorzustellen. Das kann ebenso gut der Museumsbau von Henri Ciriani (Musée de l'Arles antique) sein, als eine Installation der Marseiller Modeschöpferin Fred Sathal, ein Werk des jungen Künstlers Lionel Scoccimaro im MAC (Musée d'art contemporain in Marseille) oder der Pavillon Noir in Aix-en-Provence, Bühne, Proberaum und Heimstatt der Truppe des Choreographen Angelin Preljocaj, entworfen von Rudy Ricciotti der auch für das künftige MuCEM verantwortlich zeichnet.
Die kurzen virtuellen Führungen kann man entweder im Internet ansehen oder im lokalen Fernsehen (jeden Mittwoch um 19h50 auf LCM).
Das ganze nennt sich "Bulle d'Art" und will gleichzeitig amüsant und lehrreich sein. Die klaren und leicht zugänglichen Texte schreiben das jeweilige Objekt in seinen kunsthistorischen Kontext ein und setzen keinerlei Spezialwissen voraus.
Klassische Meisterwerke stehen ebenso auf dem Programm wie Design, Architektur, Photo oder Video, Ausstellungen, Museen oder Sammlungen. Bulle d'Art möchte zeigen, dass die Provence abseits vom Touristenklischee reich an Kunst jeder Art ist die nur darauf wartet, von Amateuren oder einfach nur Neugierigen entdeckt zu werden: eine schlaue Methode ein grosses Publikum mit Kunst, vor allem auch zeitgenössischer Kunst vertraut zu machen und die Scheu vor dem Ungewohnten zu nehmen.
Schade ist nur dass die Konzepteure dieser Minisendung, meines Erachtens, ein bisschen zu viel auf visuelle "Gags" setzen die wohl vor allem auf ein jugendliches, mit Videospielen vertrautes Publikum zielen. Etwas weniger Effekte, etwas weniger Musik und auch etwas weniger Präsenz der, zweifellos hübschen, Präsentatorin würde der Idee keinen Abbruch tun, aber erlauben sich mehr auf das Wesentliche, nämlich das Kunstwerk, zu konzentrieren.



Labels: , , ,

18.12.09

Cutting-edge

Marion Löhndorf beschreibt in der NZZ, wie das Victorian & Albert Museum in London aufgerüstet hat, um immer "cutting-edge" zu sein. leo kennt dafür viele deutsche Wörter: innovativ, Vorreiter, auf den neuesten Stand, wegbereitend - um nur einige zu nennen.

Das alles trifft auf das V&A zu: die Institution hat das, was in Deutschland immer als "Bildungsauftrag" durch die Medien geistert, einfach mal wörtlich genommen und das Museum geöffnet - für alle, für die chinesische Migrantin, für den deutschen Tourist oder die Londonerin.

Zunächst einmal wurde Marktforschung betrieben, analysiert, was die BesucherInnen sich so wünschen, was sie im Museum sehen und erleben möchten, und dann überlegt, wie die riesige, laut Museum weltweit größte Sammlung an Kunst und Design, dafür eingesetzt werden kann. Es wurde umgebaut, neue Ausstellungen konzipiert, die einzelne Objekte der Sammlung neu in Szene setzen, Strategien ausgedacht, um neue Besuchergruppen anzuziehen, kurzum, es wurde einfach in die Sammlung investiert - immer in Hinblick auf das Publikum. Seit 2001 ist der Eintritt frei (auch hier höre ich schon deutsche Experten sagen: das kann ja nicht gut sein, wenn es nichts kostet) - und das funktioniert: Das V&A hatte wohl innerhalb kürzester Zeit die Besucherzahlen mehr als verdopppelt, (für 2008/09 nennt der Jahresbericht knapp 2,5 Mill.) vielleicht auch dadurch, dass viele verschiedene Angebote für die nicht gerade homogene Besuchergruppe einegrichtet wurden

Ein Blick auf die website verrät auch, warum Menschen dieses Museum gerne besuchen: viele Bereiche des Museums sind frei zugänglich, gezahlt wird nur für größere Ausstellungen. Tagsüber gibt es mehrmals Einführungen durchs Haus, die ebenfalls umsonst sind. Dazu gibt es zu allen möglichen Tageszeiten Talks zu einzelnen Objekten oder Aspekten der Sammlung - ebenfalls bei freiem Eintritt.
Und hier noch ein Beispiel dafür, warum das V&A Vorreiter ist; weil es sich an Themen wagt, die hierzulande noch nicht einmal ein Tabu sind, so weit weg scheinen sie zu sein: LGBTQ histories at the V&A Hinter LGBTQ verbirgt sich Lesbian, gay, bisexual, transgender and queer - daraufhin sollen die Sammlungen des Museums befragt werden. Dazu ein screenshot von der Internetseite:



Und wie kommt nun das Museum ans Geld, mag man sich fragen: Natürlich gibt es eine Reihe von Angeboten, für die die BesucherIn zahlt - von workshops über Vorträge und Ausstellungen. Ebenfalls verdient das Museum mit dem von ihm konzipierten Wanderausstellungen. Zudem kann man im Museumsshop viel Geld lassen und unterstützt damit das Museum, man kann spenden, Mitglied des Museumsvereines werden....
Wenn es genauer interessiert, kann hier auf der Seite den aktuellen Jahresbericht mit vielen interessanten Zahlen anschauen oder sich auch Strategiekonzepte und vieles mehr herunterladen.

Auf nach London, oder?


Hinzugefügt: den Artikel, anders gelesen von Gottfried Fliedl

Labels: ,

14.12.09

Ausverkauf der Museen?

Heute im Fernsehen: Tabubruch oder Problemlösung? - Diskussion um Verkauf von Museumsbesitz, zu sehen in der Sendereihe des Kulturjournal im NDR. Auslöser ist die Situation in Hamburg - die Kunsthalle steht vor einem finanziellen Engpass, und der Stiftungsrat hat den Direktor Gaßner damit beauftragt, eine Liste von "entbehrlichen Kunstwerken" aufzustellen, die verkauft werden könnten.
Darum geht es heute im Kulturjournal. Auf der Seite des NDR heisst es in der Ankündigung:

"Plötzlich scheint das Undenkbare möglich: der Verkauf von Kunstwerken aus Museumsbeständen. In Hamburg wird eben diese Option heftig diskutiert. Der Stiftungsrat der Kunsthalle befürwortet die Veräußerung einzelner Werke, um die Finanzlöcher des Museums zu stopfen. Demgegenüber schließt der Direktor der Kunsthalle, Hubertus Gaßner, im Kulturjournal den Verkauf von Werken kategorisch aus. Doch warum sollen Museen grundsätzlich Teile ihres Bestandes nicht verkaufen dürfen? Wäre das tatsächlich ein kultureller Sündenfall, wie vor allem Museumsleute meinen – oder vielleicht doch eine Lösung von immer dringlicher werdenden Finanzproblemen? Das Kulturjournal diskutiert diese Grundsatzfrage mit dem Leiter des Deutschen Museumsbundes, Michael Eissenhauer und zeigt, wie unterschiedlich die Institutionen in Norddeutschland damit umgehen."
Die Sendung läuft heute um 22.30 Uhr im NDR.

Hier kann man über das Hamburger Problem nachlesen, sozusagen symptomatisch für Deutschlands Museen: ein Gastbeitrag der Kultursenatorin Karin von Welck im Hamburger Abendblatt, ein Artikel in der Welt und ein Interview mit dem ehemaligen Kunsthallendirektor Schneede im Deutschlandfunk.

Labels: , , ,

27.11.09

Bonusmaterial zu Neuchâtel: Schokolade

Das Plakat stimmt eher nostalgisch, doch die Ausstellung ist es nur bedingt: Le monde selon Suchard im Musée d'Art et d'Histoire in Neuchâtel. Natürlich weiss man auch sofort, um was es geht - um die Schokolade von Suchard, hierzulande sofort mit der lilafarbenen Packung von Milka assoziert. Suchard wurde 1825 von Philippe Suchard in Neuchâtel gegründet und bestand - mit wechselnden Besitzern bis 1996, als der damalige Besitzer Kraft Foods die Herstellung einstellte.

So beginnt die Ausstellung erst einmal mit dem Ende: mit der Schließung der Schokoladenfabrik, die ein Teil der Identität für Neuchâtel darstellte. Es sind große Installationen, die die Besucherin als erstes erwarten: ein Büro, eine Kneipe und eine leere Fabrikecke. Überall erzählen Menschen auf Bildschirmen über die Schließung. Nachdem man den Teil passiert hat, in dem es um die städteplanerischen Konsequenzen des Fabrikgeländes geht, taucht man nun ein in die Welt der Schokolade, beginnend beim Kakao, der als Pflanze hier beeindruckt, über die Herstellung bis hin zur Werbung und Implantierung der Marke in den Alltag.

Das Besondere an der Ausstellung ist, dass alle Raumthemen zu einer Art begehbaren Bild inszeniert werden. Die verschiedenen Geschmacksrichtungen werden zum Beispiel in einem Labor plaziert, das gar nichts Sinnliches vorweist, sondern vor allem darauf, das schon von Anfang an die Schokolade eigentlich nichts Schweizerisches enthielt - fast alle Rohstoffe wurde importiert. In einem bürgerlichen Salon der Jahrhundertwende, erfährt man mehr von Fabrik- und Familiengeschichte, indem man in einem Fauteuil sitzend in einem Fotoalbum blättert, und erfährt, warum diese lukrative Liaison von Schokolade und Familie letztendlich geplatzt ist. Natürlich dürfen auch die vielfältigen Verpackungen und Werbeplakate nicht fehlen, die in einer Ladeninstallation zur Geltung gebracht werden. Die Marketingstrategie war hier von Anfang an vorgegeben: Die Schokolade Suchard als ein Stück Schweiz - visualisiert mit den Klischees Alpen und Kühe. Das diese Strategie wunderbar funktioniert hat, kann an den vielen Verpackungen, Werbegrafiken oder Fernsehspots nachvollzogen werden.

Etwas weniger gelungen ist der Teil der Ausstellung, in dem es um die Implantierung von Suchard-Produkten im täglichen Leben geht: Dies findet in einer Wohnung statt, die an eine Arbeiterwohnung erinnern soll, die die Familie Suchard für ihre Arbeiter bauen ließ. Hier hätte man gerne etwas mehr über diese Wohnformen erfahren. Thema ist aber die Omnipräsenz von Suchard in allen Lebensbereichen, mit dem Effekt, das man sich geradezu von Gegenständen visuell erschlagen lassen muss.

Die Ausstellung wird, so heißt es auf der Seite des Museums, von zahlreichen Degustationen begleitet. Wer sich aber vorstellt, sich im Museumsshop mit Schokoladen-Devotionalien eindecken zu können, der sei vorgewarnt: außer eine überteuerten Tafel Schokolade und ein paar Postkarten gab es leider nichts kaufen. Der Ausstellungskatalog liegt auf französisch vor; die Ausstellungstexte sind auf deutsch und auf französisch.

Hier gibt es auf DRS etwas zu hören über die Ausstellung und hier bei Schweiz aktuell einen Blick in die Ausstellung werfen (fotografieren war leider nicht erlaubt).

Noch bis zum 3. Januar ist die Ausstellung noch zu sehen - also noch ein Grund, um nach Neuenburg zu fahren - sozusagen das Bonusmaterial, zu der doch sicherlich schon geplanten museologischen Bildungsreise, um sich die Ausstellungen Helvetia Park, Retour d'Angola oder Parce que anzuschauen.

Labels: , ,

13.11.09

Alles neu

Das Ashmolean Museum in Oxford hat mir beim Besuch so gefallen, weil es so anrührend verstaubt wirkte.

Inzwischen wurde das Museum umgebaut und ist seit dem 7. November wieder neu eröffnet, ergänzt um ein neues Gebäude von Architekt Rick Mather. Alles wurde komplett umstrukturiert, die Ausstellungsfläche um 100% vergrößert, wie es auf der Internetseite heisst: 39 Galerien in 5 Abteilungen, das klingt nach einem längeren Museumsbesuch. Auch wird die Sammlung nicht mehr klasssisch nach Sparten gezeigt, sondern nach dem Prinzip Crossing Cultures Crossing Time. Wir zitieren von der Internetseite:
"Crossing Cultures Crossing Time (CCCT) is an approach based on the idea that civilisations that have shaped our modern societies developed as part of an interrelated world culture, rather than in isolation. It assumes, too, that every object has a story to tell, but these stories can best be uncovered by making appropriate comparisons and connections, tracing the journey of ideas and influences through the centuries and across continents."
Alles ist um die wichtige Frage zentriert:
"What, in short, should a modern museum be like?"

Da kann man also gespannt sein, wie Zeiten und Kulturen miteinander verknüpft werden, wie Objekte neu zu Geltung kommen - vor allem auch vor dem Hintergrund, dass das Ashmoelan als eines der ältesten Museen der Welt immer auch einen Vorbildcharakter hatte.
Vorbildlich finde ich schon einmal, dass auf der Internetseite auch offengelegt wird, was das alles gekostet hat: 61 Millionen Pfund, getragen vom Heritage Lottery Fund.
Ich frage mich natürlich auch ganz persönlich, ob das schöne Sitzmöbel vom letzten Besuch noch zu finden ist.

Labels: , , ,

19.10.09

Fundstück




Vor Jahren einmal im Musée national d'art moderne im Centre Pompidou in Paris gesehen, fotografiert und in der Fotokiste wiedergefunden.

Labels: , ,

28.7.09

Im Louvre spazieren gehen

Irgendwo hatte ich gelesen, dass es die sogenannten arts premiers im Louvre - also die im April 2000 im Pavillon des Sessions eingeweihten Räumlichkeiten nicht mehr gibt. Die 140 Werke aus Afrika, Asien, Süd- und Nordamerika und Ozeanien, die den Prolog zu dem damals in Planung befindlichen Musée du quai Branly bildeten, wären nun dorthin umgezogen. Auch Pariser Freunde waren sich unsicher, ob die Stücke überhaupt noch zu sehen sind.

Auf der Internetseite des Louvre ist nichts zu finden - denn wo sollte man hier zum Beispiel (siehe links) anfangen zu suchen? Auch mit dem Stichwort "Pavillon de Sessions" war nichts Aktuelles auf der Seite zu finden - außer einem Link zur Startseite des Musée du quai Branly. Im zuverlässigen "l'officiel des spectacles", dem günstigen Heft mit allen wichtigen aktuellen kulturellen Daten von Paris (das, seit ich es kenne, noch nie das Layout geändert hat), steht die Abteilung immerhin drin.

Einfach einmal selbst nachsehen: An einem Montag morgen im Juli, kurz nach Öffnung des Louvre, nehme ich den Haupteingang. Das war keine so gute Idee, denn die gesuchte Abteilung liegt eher an der Seite der Seine, wie ich mich dann erinnere. Zu spät - aber der Umweg erlaubt einen angenehmen Spaziergang durch das Gebäude.

Die nette Aufsicht meint: "Da müssen Sie erst einmal hoch, dann durch die Abteilung mit den spanischen Gemälden und dann wieder hinunter." Es wird nicht die erste Aufsicht sein, die ich frage - denn auch mit einem Plan ausgestattet, ist das einfacher gesagt als getan. Der Weg führt durch die große Galerie und hat etwas vom Rekord aus La Bande à part. Schilder pflasterten nicht gerade den Weg, waren aber ab und an durchaus nützlich.



Nach einigen Treppen, Schildern und geschätzte 10 Minuten später (obwohl ich mir nur verstohlene Seitenblicke auf die Gemälde erlaubte, die den Weg säumten) erreichte ich das Ziel.


Es gibt die Abteilung also noch! Bei der Eröffnung hat sie viele Proteste ausgelöst, da Staatspräsident Chirac sie gegen den Willen des Museums durchgesetzt hatte - von den anderen Turbulenzen, was die Herkunft der Stücke betrifft, ganz zu schweigen. Aber auch außerhalb des Museums bezweifelten damals viele WissenschaftlerInnen, damit könne die Hierarchie der Kulturen - so das Argument - aufgehoben werden. Dazu bald noch mehr, wenn es hier um Les Arts d'Afrifque, d'Asie, d'Océanie et les Amériques - revisited geht.

Und fast 10 Jahre nach der Eröffnung macht der mächtige Louvre immer noch klar, dass diese Art von Werken hier eigentlich unerwünscht sind - im Internet, durch die Lage, die Wegführung, und auch damit: so ist auf dem Raumplan, der allen Abteilungen eine Farbe zuweist, dieser Abteilung für die außereuropäischen Stücke keine eigene Farbe zugeordnet. Das kleine, weiße Kästchen mit dem schwarzen Rahmen macht auch dem unbedarften Betrachter deutlich: das gehört eigentlich nicht hierher.

Dafür hat man auf alle Fälle genug Platz und Ruhe, sich die Objekte gemächlich anzuschauen - denn von der Menschenmasse, die sich sonst im Louvre rumdrückt, verirrt sich kaum jemand hierher.

Labels: , , , ,

18.6.09

Kunst in der Toskana

Man muss sich schon Zeit nehmen, möchte man alle Installationen sehen, die auf dem Gelände von 16 Hektar ausgestellt sind: Il Giardino di Daniel Spoerri beherbergt seit 1997 Skulpturen und Installationen von über 40 KünstlerInnen; darunter viele Arbeiten von Hausherr Daniel Spoerri selbst.





Wir besuchten den Park an einem heißen Sommertag. Als Besucherin wird man mit einem Plan ausgestattet, der einen Rundgang empfiehlt. Am spannendsten ist es aber, sich einfach überraschen zu lassen. Da biegt man zum Beispiel um's Eck und sieht im Gebüsch das Pariser Hotelzimmer, das Spoerri in den 1960er Jahren bewohnte - nun für ewig in Bronze gegossen.

Manche Skulpturen passen sich der hügeligen Landschaft und den Farben an; andere machen einen schon von weitem neugierig - wie die überdimensionierte Gänseherde von Olivier Estoppey.
So verbringt man einen Tag voller Überraschungen und ungewöhnlichen Kunsterlebnissen - ein Ausflug, der sich auf alle Fälle lohnt.


Wer nicht so weit fahren möchte, kann Spoerri auch in Österreich erleben: In Hadersorf in Niederösterreich eröffnet Spoerri morgen in einem ehemaligen Kloster ein Ausstellungshaus und ein Esslokal - kein Museum, wie Spoerri betont.

Die Frankfurter Rundschau sprach mit Spoerri in einem Interview über sein Vorhaben. Auch das ORF berichtete vorab sowie der Tagesspiegel.

Labels: , ,

18.5.09

Wenn sich Krokodile vor Monets Seerosen tummeln

Objekte außereuropäischer Länder haben Konjunktur. Das weiss man nicht erst seit der Eröffnung des Musée du quai Branly 2006 in Paris. Solche Stücke wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts in den westlichen Metropolen als "Negerkunst" (Carl Einstein) oder als primitive Kunst gezeigt. Legendär war etwa 1984 die Ausstellung "Primitivismus in der Kunst des 20. Jahrhunderts", kuratiert von William Rubin in New York, die die Verknüpfung zu europäischen Künstlern aufzeigen wollte.
Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel möchte mit Bildwelten Afrika, Ozeanien und die Moderne nun einen neuen Weg einschlagen: Werke aus Afrika und Ozeanien sollen mit Gemälden und Skulpturen aus der klassischen Moderne in einen Dialog treten, die Konfrontation wird gesucht. Werke, die sich seit Jahren in der Sammlung befinden, sollen ganz neu gesehen, ihre suggestive Kraft soll regelrecht erweckt werden. In der Pressemitteilung heißt es dazu:
"Zentrales kuratorisches Anliegen ist die Erfahrbarkeit künstlerischer Kraft und Bildmacht, die sich dem Betrachter vergegenwärtigt. In packender Weise verbinden sich unterschiedliche Repräsentationsformen und veranschaulichen dadurch, weshalb Menschen aller Kulturkreise, insbesondere Künstler und Sammler, immer wieder aufs Neue von der bildgewaltigen Kraft dieser Werke fasziniert sind."
Viele der gezeigten Werke stammen aus der Sammlung der Fondation; über 150 Leihgaben kommen aus anderen Museen, vor allem aus dem Museum der Kulturen in Basel.

Die beiden Kult-Krokodile aus Papua-Neuguinea liegen vor dem imposanten Seerosengemälde von Claude Monet. Schon der Auftakt im Foyer macht deutlich, was Kurator Oliver Wick mit der Ausstellung bezweckte: Es geht um die Gegensätze, um den Kontrast und um die Spannung, die die Gegenüberstellung solch konträrer Kunstwerke auslösen.

Die Konfrontationen oder Begegnungen mit dem Fokus auf der Darstellung der menschlichen Figur spielen sich in dreizehn Sälen ab. Mit einem kleinen Heft ausgestattet, das die Saaltexte beinhaltet, begibt sich die Ausstellungsbesucherin in die hell-grau gehaltenen Räume im wunderbaren Gebäude von Renzo Piano. Die präsentierten außereuropäische Stücke liefern die Raumtitel, die die BesucherInnen in verschiedene Kontinente führen. Die Stars sind hier nicht die Werke anerkannter westlicher Künstler, sondern die zuweilen unprätentiös wirkenden Stücke aus Afrika oder Ozeanien zumeist anonymer Herkunft. Allein oder in Werkgruppen, nach Herkunft inszeniert, entfalten sie eine Präsenz, der man sich nicht entziehen kann. Sie erinnern an eine der ersten Funktionen des Museums: an das Staunen. Im Raum mit den zahlreichen an der Wand arrangierten afrikanischen Masken etwa übersieht man darüber das Landschaftsbild von Vincent van Gogh. Das gilt auch für die mit Nägeln besetzten und allmöglichen Zierrat versehen Figuren aus dem Kongo-Gebiet, die sich mit Picasso und Braque einen Raum teilen oder für die bunten, federnbesetzten Stücke aus Hawai, die Federbildnisse von Kriegsgöttern nachempfinden, die die Bilder von Mark Rothko nochmals farbloser erscheinen lassen.

Die Räume sind in einer nicht erkennbaren Reihenfolge zu begehen - es geht jeweils um bestimmte Zuschnitte, wie Körper repräsentiert bzw. verstanden werden. Dennoch kann es kein Zufall sein, dass die relativ bekannten afrikanischen Masken den Anfang machen, während gewaltige Figuren aus Papua-Neuguinea den Abschluß bilden. Die Opulenz und Übermacht der außereuropäischen Objekte ist gewollt; damit möchte man nach Aussage der Ausstellungsmacher eine Umkehrung der Perspektive erreichen. Die gesuchten Konfrontationen sind aber manchmal gar keine: die Werke aus der Klassischen Moderne kennt man einfach zu gut - von Ausstellungsbesuchen, Plakaten oder aus Büchern. Sie bieten nicht immer die gewünschte Kontrastfolie, sondern verblassen gar.

Man fragt sich sogar zuweilen, weshalb die Gemälde und Skulpturen der klassischen Moderne hier dabei sind. Um darüber hinwegtäuschen, dass die außereuropäischen Objekte aufgrund ihrer offensichtlichen Extravaganz ausgewählt wurden? Als Folie für den Exotismus? Nicht nachzuvollziehen ist, dass bei den knappen Objekttexten bei den europäischen Werken immer das Material dabei steht (à la Öl auf Leinwand), während das bei den außereuropäischen Objekten allerdings nicht der Fall ist.

Immerhin bekommt man einen Hinweis, woher die Stücke stammen. So hängt neben einer Figur von den Marquesas der Hinweis, dass ein Kapitän der Artillerie der französischen Marine der Stadt Colmar dieses Stück geschenkt hatte. Gekauftes Souvenir? Diebesgut? Das fragt man sich bei einigen der Stücke, die alle aus westlichen, zumeist europäischen Sammlungen kommen. Seit Michel Leiris berühmt-berüchtigen Tagebuch "Phantom Afrika", das dieser während der Expedition Dakar-Dschibuti in den 1930er Jahren des Pariser Musée d'Ethnographie schrieb, ist offengelegt, dass nicht nur Militärs, sondern auch EthnologInnen manchmal auf räuberische Art und Weise an die Objekte kamen. Leider erfährt man darüber in der Ausstellung selbst nicht mehr.

Dennoch: man kann diese äußerst anregende, auch aufregende und sinnlich sehr berührende Schau nur empfehlen. Interessant ist auch das Heft mit den Texten, da hier die Bildwelten auf drei Arten durchdekliniert werden: Kult und Kontext / Kunst / Kommentar sind die Überschriften, die mehrgleisige Einblicke gestatten. Der Kommentar legt die Gedanken des Kurators Wick offen und gibt auf diese Weise Einblick in die Ausstellungsidee.

Ob es ein ganz neuer Weg ist, den die Ausstellung damit einschlägt, wird sich noch zeigen. Der theatralisch anmutenden Präsentation im oben schon erwähnten Musée du quai Branly wird damit auf alle Fälle etwas angenehm Unaufgeregtes, sehr Sinnliches, Nachdenkenwertes entgegengesetzt. Zeit, sich die Ausstellung anzusehen hat man noch bis zum 28. Juni.

Sehr beeindruckt hat auch der Katalog: Er besteht aus einer Broschüre und aus einem Schuber mit 17 Bildtafeln. So kann man sich die Krokodile auch ins heimische Wohnzimmer holen.


FONDATION BEYELER
Beyeler Museum AG, Baselstrasse 101, CH-4125 Riehen / Basel
Täglich 10 - 18 Uhr, mittwochs 10 - 20 Uhr

Die Ausstellung in den Medien:
ein Bericht über die Ausstellung mit o-Ton von Museumsstifter Beyeler auf dradio;
die taz hält "Monet als überflüssige Dreingabe" und die NZZ titelt ihren Artikel mit "Staunen vor dem Nageltisch".

Labels: , ,

7.5.09

Figurinen im Museum VI



















Und noch einmal täuschend echte Figurinen, diesmal gänzlich ungebrochen: Gewandet in Kleidung des 18. und 19. Jahrhunderts befinden sie sich im Haus Riensberg, einem Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, das Teil des Focke-Museums Bremen ist und bremische Wohnkultur, europäische Glaskunst vom 16. bis zum 20. Jahrhundert und das neue Kindermuseum mit der Spielzeugsammlung beherbergt. Ein Ort, um sich lange aufzuhalten, ist im übrigen das wunderbare Schaumagazin des Focke-Museums.

Labels: , ,

24.3.09

Lieblingsbilder gesucht

Peter Bürger von der NZZ geht in Braunschweig ins Museum und ist begeistert: im Herzog Anton Ulrich-Museum können die BesucherInnen mit entscheiden, was künftig in den renovierten Sälen zu sehen sein wird. Für die Ausstellung wachgeküsst hat man das Depot gesichtet und die "Glanzstücke" herausgeholt: 100 Gemälde, die in der engeren Wahl für die neue Präsentation nach der Renovierung stehen. Die BesucherInnen können aus dieser Auswahl ihr Lieblingsbild wählen. Die Auswahl wird später berücksichtigt, so heisst es auf der Ausstellungsseite.

Herr Bürger ist nicht nur von den Werken begeistert, die er in Braunschweig entdeckt und nicht erwartet hätte - wie etwa ein Familienbild von Rembrandt oder niederländische Landschaftsmalerei vom Feinsten. Bürger lobt auch die Aufforderung der beiden Kuratorinnen, sich die Bilder richtig anzusehen, um überhaupt ein Lieblingsbild wählen zu können. Als Sehhilfe gibt es ein kleines Heft mit Kommentaren, das durch die Ausstellung begleitet. Für Bürger ist die Ausstellung "eine Verführung zum Sehenlernen und zur Ausbildung eigener Vorlieben", die er sehr angenehm und lehrreich findet im Vergleich zur sonstigen Kunst-Event-Kultur, bei der das Schlange-Stehen vor dem Museum die Hauptsache bildet und nicht so sehr die Ausstellung selbst.
Bis zum 26.4. kann in Braunschweig noch gewählt werden.

Labels: ,

17.3.09

Hinter den Kulissen




Das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel ist fertig, war Anfang März ein Wochenende für die Öffentlichkeit zugänglich und wird nun bis Oktober 2009 eingerichtet. Natürlich waren alle Augen dabei auf den Architekten David Chipperfield gerichtet, der den Wiederaufbau bzw. den Umbau des Neuen Museums entworfen hat.
Nun kann man auch hinter die Kulissen blicken bzw. hören: Die Leiterin der Bauabteilung bei den Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin, Gisela Holan, erzählt auf Hr2, wie die Arbeiten im Hintergrund abgelaufen sind. Sie erzählt aber nicht nur über ihre Tätigkeiten bei den Staatlichen Museen, sondern auch darüber, wie sie dazu gekommen ist - eine spannende Ost-West-Karriere.

Hier kann man sich die Sendung der Reihe Doppelkopf als Podcast herunterladen.
Die Bilder wurden letztes Jahr auf der Museumsinsel aufgenommen.

Labels: , ,

4.3.09

Rückseiten


Schön anzusehen: die Inventarnummern von Gemälden im Prado in Madrid.
Gefunden im Adresscomptoir von Anton Tantner.

Labels: , ,

20.2.09

50 Jahre sammeln

Schon faszinierend: Die Sammlung der Superlative, weil hier zwei Sammler mit Herzblut und Leidenschaft - und nicht zu vergessen mit viel Geld - Werke aller Art zusammentrugen und das über 50 Jahre lang. Unser voyeuristisches Interesse befriedigt die Zurschaustellung der legendären Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé an diesem Wochenende im Grand Palais in Paris, Samstag und Sonntag, von 9 bis Mitternacht. Sammlungen heisst es eigentlich korrekter, da die über 700 Stücke auf zwei Wohnungen verteilt waren. Ab dem 23. Februar wird dann versteigert. Hier kann man sich schon einmal anschauen, wieviel man etwa für einen Degas anlegen muss, aber vor allem die Zusammensetzung der Sammlung bestaunen, die an eine Wunderkammer erinnert.

Die Medien sind gefüllt mit den Berichten über die Auktion; hier ein Interview in faz-net mit dem Galeristen, der die beiden mit "Stoff" versorgte, über die Sammelleidenschaft des Paares und hier ein Artikel über die Rückgabeforderungen aus China.

Labels: , ,

24.11.08

Langsam in München

Jetzt erst habe ich das Interview mit Chris Dercon neulich in der Süddeutschen Zeitung gelesen. Es ist sehr lesenswert, was der Leiter des Hauses der Kunst in München zu sagen hat. Er stellt nämlich klar, dass man vieles in Kunstmuseen nicht machen muss - wie Boutique-Kunst zeigen, oder überhaupt ans Telefon gehen, wenn einem ein Berater eine komplette Ausstellung inklusive Katalog und Preview bezahlen möchte. Dercon möchte das Museum "für unterschiedlichen Menschen zu gleicher Zeit weit öffnen". Er sieht die Stärke im Museum durch seine Langsamkeit: "Wir sind sexy, weil wir langsam sind" und er sagt voraus, dass diese Langsamkeit noch lange andauern wird.
Im Haus der Kunst zur Zeit zu sehen: die Ausstellung Spuren des Geistigen aus Paris. Interessant klingt auch das Angebot, im Museum mit der guided tour do you speak art? englisch zu lernen. Die Öffnungszeiten sind sehr arbeitnehmerfreundlich: täglich 10-20 Uhr und donnerstags bis 22 Uhr.

Labels: , , ,

2.9.08

Das Gluckern des Rheins


Es gluckert, Maschinen dröhnen und das alte Holz entwickelt einen unvergleichlichen Geruch: der Besuch des Museums zu Allerheiligen mitten in der Altstadt von Schaffhausen bietet eine sehr sinnliche Erfahrung. Das Museum, das zum Teil in einem Neubau, zum Teil in einem ehemaligen Benediktinerkloster untergebracht ist, hat einen besonderen Charme. Es widmet sich der Archäologie, Naturkunde, Kunst und Geschichte. Der Gang durch die Gebäudeteile führt auch durch Kreuzsaal und Abtstube - hier duften die Holzbalken unvergleichlich. Die Dauerausstellung wird gerade umgebaut. Klugerweise wird das in Abschnitten gemacht, so dass trotzdem vieles zu sehen ist. So die neukonzipierte Einführung in die Stadtgeschichte - 1000 Jahre im Überblick. Hier gluckert der Rhein in einem Modell fröhlich vor sich hin. Weiter geht es mit der Stadtgeschichte vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Industrialisierung spielte eine große Rolle - deswegen auch der Maschinenlärm. Die Geschichten der für Schaffhausen wichtigen Firmen wird in kleinen Monografien erzählt. Vereinsleben, Zweiter Weltkrieg und die Bombardierung durch die amerikanische Armee und der Konsumrausch in den 1950er Jahren sind weitere Themen. Das ist sehr schön und abwechslungsreich mit vielen Objekten inszeniert. Neue Medien werden unauffällig eingebunden und drängen sich nicht in den Vordergrund. Im oberen Stockwerk wird gerade die feine Ausstellung über Käfer - vielseitig erfolgreich präsentiert. Hingehen, wenn man mal in der Gegend ist!

Labels: , , ,

11.8.08

Eine Trouvaille mitten in Paris

Ein unscheinbares messingfarbenes Schild im Pariser Stadtviertel Marais verweist auf das um die Ecke liegende Museum, das Musée de la chasse et de la nature. Um so spannender ist aber der Besuch des Museums selbst. Was man hier alles zu sehen bekommt und wie, ist einfach grandios: es war einer der kurzweiligsten Museumsbesuche überhaupt. Auf kühne und elegante Weise wird hier ein nicht unumstrittenes Thema, nämlich die Jagd, mit (zeitgenössischer) Kunst und klassischen musealen Inszenierungen präsentiert, die perfekt in das historische Gebäude eingebunden sind. All das geschieht mit einem leichten Augenzwinkern.

In zwei Rundgängen - die hier ganz gut nachvollzogen werden können - läuft die Besucherin durchs Haus. "Das Bild des Tieres" widmet sich verschiedenen Tieren wie Wolf und Hase; ein Wildschwein begrüßt mich als erstes. Künstlerische Darstellungen aus Vergangenheit und Gegenwart werden naturwissenschaftliche Erkenntnisse entgegengesetzt und ermöglichen gewissermaßen, mit den Augen des Jägers zu sehen. Dazu dienen etwa eine Art Schränke, bei denen man viele Schubladen aufziehen kann.

Imposante zeitgenössische Kunstinstallationen laden ganz direkt, aber auch versteckt ein, über das eigene Verhältnis zu Tieren nachzudenken. Der zweite Rundgang, "Jagd und Kunst", thematisiert das Sammeln selbst. Die Atmosphäre eines Sammler-Hauses soll vermittelt werden, genauer die des Sammlerpaars, François und Jacqueline Sommer, die in den 1960er Jahren die Sammlung anlegten.

Das geschieht nie ungebrochen und wird dann im 2. Stock konsequent bis in die Gegenwart fortgesetzt. Der amerikanische Künstler Mark Dion hat hier mit der Installation der Sommerschen Jagdhütte den Museumsgründern ein unprätentiöses Denkmal gesetzt.



Sehenswert sind auch die beiden Stadtpalais, in denen das Museum untergebracht ist: das Hôtel de Guénégaud, um 1655 erbaut von François Mansart, ist das einzige Hôtel im Marais, das noch vollständig erhalten ist.
Beim nächsten Paris-Besuch auf GAR KEINEN Fall versäumen!


Das Intro der Website laut anhören.
Musée de la Chasse et de la Nature

62, rue des Archives
750003 Paris , Metro Rambuteau
Di-So 11-18 Uhr, mo und feiertags geschlossen

Labels: , , ,

16.7.08

Aus dem Leben eines Museumswärters


Museumswärter zu sein, ist anstrengend. Das weiss auch der Vater des Protagonisten von "Mein Herz so weiss" von Javier Marias, Ranz, der im Prado arbeitet. Ranz hatte beobachtet, dass man die Aufpasser "fantastisch bezahlen und bei bester Laune halten müsse, denn von ihnen hänge nicht nur die Sicherheit und Bewachung, sondern schlicht die Existenz der Gemälde ab." Ranz hatte erkannt, dass ein Museumswärter, der zu lange Zeit mit dem selben Gemälde verbringt, Hassgefühle entwickeln kann. Deswegen veranlasste er, dass im Prado jeden Monat die Aufsicht den Standort wechselte. Ranz erzählte weiter, wie er eines Abends vor einem Gemälde von Rembrandt den Wärter Mateu antraf, der schon seit 25 Jahren auf die Bilder des Prado aufpasste. Nun stand dieser mit dem Feuerzeug in der Hand vor dem Gemälde und kokelte den Rahmen an - es handelte sich um das oben abgebildete Gemälde Artemisia - weil er die "dicke Kuh satt" hatte und gerne einmal die Dienerin sehen wollte, die den Kelch reichte.
"Das ist ja das Schlimme", sagte er, "dass es für immer so gemalt ist und wir nie wissen werden, was los ist, sehen Sie, Herr Ranz, es ist unmöglich, das Gesicht des Mädchen zu sehen oder zu wissen, was die Alte im Hintergrund soll, das einzige, was man sieht, ist die Dicke mit ihren verdammten Ketten, die nie den Kelch nimmt. Sie soll ihn verdammt noch mal austrinken, damit ich das Mädchen sehen kann, wenn es sich umdreht."
Ja, und wie geht es weiter? Fackelt der Wärter das Bild noch ab oder nicht? Oder kann ihn Ranz daran hindern, ohne die Gefühle des Wärters zu verletzen? Und kann Mateu weiterhin Museumswärter im Prado sein?

Einfach selbst nachlesen in Javier Marias: Mein Herz so weiss. Ich habe die Ausgabe vom Heyne-Verlag in München von 1992 benutzt; die Begebenheit ist ab S. 133 zu lesen.

Labels: , ,

20.6.08

Kassel, ohne Documenta

Köng Lustik, so wurde der jüngste Bruder von Napoleon genannt, und zwar laut Wikipedia deswegen, da er nicht viel deutsch konnte außer „Morgen wieder lustig!“. Jerôme Bonaparte regierte von Kassel aus zwischen 1807 und 1813 das Königreich Westphalen. Er liebte die Selbstdarstellung, war ein Lebemann und Schürzenjäger, führte aber zugleich wichtige Reformen ein. So gilt er auch als einer der Wegbereiter der Demokratie. Die gleichnamige Landessausstellung im Fridericianum in Kassel würdigt nicht nur diese Aspekte. Die Ausstellung ist auch deswegen so interessant, weil sie ein Lehrstück über Kunstraub ist. Napoleon hatte alle größeren Sammlungen der Länder geplündert, die er bei seinen Feldzügen streifte. Die Bilder wurden erstmals im Louvre ausgestellt, dann an andere Museen weitergegeben und verkauft. In der Ausstellung werden die geklauten Bilder erstmals wieder in Kassel gezeigt - ergänzt von denjenigen, die als Ersatz in Auftrag gegeben worden waren. Die Ausstellung ist ein gute Gelegenheit, Kassel einmal außerhalb einer Documenta zu erleben...
Hr-online berichtet hier ausführlich darüber.

Labels: ,

13.6.08

Ein echter Geheimtip

Wenige spielen Fußball, (fast) alle schauen zu: ein echter Tip ist es, dann ins Museum zu gehen. In den meisten Städten haben Museen ja auch mittlerweile mindestens einmal in der Woche abends geöffnet. Mittwoch abend herrschte im Frankfurter Städel Museum eine gähnende Leere: In der Stillleben-Ausstellung (ja, 3l hintereinander) Magie der Dinge schaute sich sogar die Aufsicht die Bilder genauer an. Wer allerdings eine Lilien-Allergie hat, sei hier schon mal vorgewarnt: im Foyer zur Ausstellung steht ein gigantischer Blumenstrauß mit nicht so lieblich duftenden Lilien. Dafür ist er schön anzusehen.

Labels: , , ,

30.5.08

Der erste sein

Gestern kam auf Arte zu später Stunde der Dokumentarfilm "Museumsbusiness".
Es ging um die Expansion der großen Museen und Stiftungen wie Guggenheim und Louvre, also um Bilbao, Atlanta und Abu Dhabi. Laut Programminfo sollte gefragt werden:
"Handelt es sich hierbei um gefährliche Kommerzialisierung oder Vermarktung der Kultur? Oder ist das Herausbilden eines gewissen Kulturbusiness eher positiv, um die Sammlungen zur Geltung zu bringen, neues Publikum zu gewinnen und kulturelle Einzugsgebiete zu erweitern? Bietet es den Institutionen nicht auch die Möglichkeit, ihre Mittel aufzustocken?"
Dazu wurden Thomas Krens, Direktor der Guggenheim-Stiftung, Henri Loyrette, Präsident des Louvre, der damalige zuständige baskische Kulturminister in Bilbao, Mitarbeiter von France-Muséums, der Agentur, die mit der Abwicklung des Louvre Abu Dhabi betraut ist, der Scheich in Abu Dhabi und noch einige mehr befragt. Interessant war der Fall von Bilbao, weil klar wurde, dass es sich um eine baskische Initiative handelte, die sich auch durchzusetzen wußte und allein die Aufwertung der Region im Visier hatte.
Eigentlich, und das betrifft vor allem den Louvre und seinen Expansionsbestrebungen, kamen im Film nur die Personen zu Wort, die wortreich begründeten, dass es sich natürlich um keinen Ausverkauf der Kunst handle, sondern nur um eine bessere Positionierung der Museen. Den positiven Stimmen stand ganz alleine der Kunsthistoriker und Kritiker an den Expansionsplänen des Louvre, Didier Rykner (zugleich Betreiber von la tribune de l'art) gegenüber. Obwohl die beiden französichen Autoren Sylvain Bergère und Stéphane Osmont anfangs die Petition gegen die Expansionspläne des Louvre erwähnten. Wieso kamen hiervon nicht mehr Kritiker zu Wort? Etwa die Kunsthistoriker Jean Clair, Françoise Cachin oder Philippe de Montebello, (noch) Direktor des Metropolitain Museum in New York, der sich dezidiert gegen die Politik der Depandancen ausgesprochen hat? Wollten die nicht oder durften die nicht? Schade, das hätte den Film ausgewogener gemacht. So war mir der Film, mit Verlaub gesagt, zu tendenziös. Und irgendwie auch selbst entlarvend. Wenn wir es nicht tun, so sagte der Leiter der Agentur France-Muséums, dann machen es die anderen. (Heißt das nicht auch übersetzt: die anderen können es nicht so gut wie wir?) Und die Sprecherin des Films sagte: Wenn Frankreich im internationalen Wettbewerb einen Vorsprung hat, sollte es ihn auch nutzen. Um was geht es hier eigentlich? Etwa noch um Kunst?
Den Film kann man sich bei arte hier noch 7 Tage lang anschauen.

Labels: , , ,

29.5.08

Wüstenzwinger? Wüstenpergamon? Wüstenpinakothek?

So, nun hat Deutschland auch sein Abu Dhabi und seinen Wüsten-Louvre!
"Kultur-Generäle im Wüsten-Einsatz", so titelte Eckhard Fuhr in der Welt seinen Beitrag über die Reise der drei Direktoren Baumstark, Roth und Schuster, die jeweils die Zusammenschlüsse der Museen in München, Dresden und Berlin leiten. In Dubai soll mit deutscher Hilfe ein Universalmuseum eingerichtet werden, das sich mit den "Grundzügen des Weltwissen" beschäftigt. Anfang Mai wurde dort ein Vertrag unterzeichnet, in dem festgehalten wird, was die deutschen Museen alles leisten. Dazu Fuhr:
"Die vereinbarte Zusammenarbeit bedeutet weder, dass Dubai mit Petro-Dollars - das Ölgeschäft spielt heute eine nur noch untergeordnete Rolle - deutsche Kunst ins Land holt, noch dass die deutschen Museen bloße Dependancen in der Wüste errichten. Sie umfasst die architektonische, technische und logistische Planung, die Ausbildung von Museumspersonal und den Aufbau von einschlägigen Studiengängen. Schließlich soll in Dubai auch eine eigene Sammlung aufgebaut werden."
Nun sitzt man an der Ausarbeitung des Konzepts, denn Ende nächsten Jahres (!) soll schon die erste Ausstellung in einem provisorischen Gebäude gezeigt werden. Rem Koolhaas soll es bauen. Das geht ganz schön fix in der Wüste - hier muss man sich wohl auch nicht mit Formalitäten, die eine Demokratie so mit sich bringt, auseinandersetzen, da in Dubai ein Scheich regiert. Über Geld bzw. wieviel wohin fließt, wurde anscheinend nicht gesprochen; voraussichtlich wird das neue Universalmuseum einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Solch eine Summe kommt in Dubai wahrscheinlich aus der Portokasse.

Labels: , , , ,

28.5.08

Ausstellung annulliert

Neulich wurde hier im Museumsblog über eine geplante Ausstellung in Verona berichtet, in der Werke aus dem Louvre zu sehen sein sollten, die zuvor noch nie das Gebäude verlassen hatten und bei der es um viel Geld geht. Nun berichtet der französischsprachige Blog la tribune de l'art (der freundlicherweise gleich die englische Übersetzung mitliefert), dass diese Ausstellung abgesagt wurde; offiziell heißt es dazu:
“Given its present status, there is not enough time to organize this important exhibition, if one takes into account the works required as well as all of the technical, administrative and legal conditions needed to guarantee the arrival, safety and conservation of the masterpieces.”
La tribune de l'art hat vom zuständigen Kurator des Louvre erfahren, dass die Werke aufgrund von fehlenden Sicherheitsvorrichtungen in Verona vom Louvre zurückgezogen worden seien, und die Ausstellung nicht nur aufgeschoben sei.
Die Ausstellung findet also definitiv nicht statt. Sollte die Kritik, wie sie tribune de l'art hier formulierte, etwa angekommen sein?

Labels: , , , ,

23.5.08

Zur Kunstszene in Frankfurt am Main

Ein nun schon seit einigen Jahren fester Bestandteil der Kunstszene Frankfurt am Main ist das AtelierFrankfurt. Im ehemaligen Polizeipräsidium, einem Gebäude in der Nähe des Hauptbahnhofes, das 1914 erbaut wurde, möchte AtelierFrankfurt ein Zentrum für "zeitgemäße künstlerische Prozesse" sein und "Produktion, Präsentation und Austausch verschiedener Disziplinen" vereinen. In dem weitläufigen Gebäude haben KünstlerInnen ihre Ateliers und stellen regelmäßig im Projektraum ihre Werke aus. Weitere Ausstellungen finden in der Galerie im Erdgeschoß statt. Zur Zeit ist hier die Fotoausstellung
"(dis)simile – Fotografien aus Europa" zu sehen. Hier wird in faz.net die Ausstellung, die im Rahmen der Kulturtage der EZB stattfindet, besprochen.
Im Projektraum stellt Sandip Shah seine schönen Bilder mit dem Titel "Izmir Frankfurt" aus. Beide Ausstellungen sind bis zum 7. Juni zu sehen
ATELIERFRANKFURT, Hohenstaufenstraße 13-25, 60327 Frankfurt am Main
Donnerstag, Freitag, 17.00-20.00 Uhr und Samstag 15.00-18.00 Uhr
Alle Ausstellungen in Frankfurt am Main auf einem Blick gibt es hier.

Labels: , ,

24.4.08

Gratwanderung

Der Louvre steht mal wieder in der Kritik. Dieses Mal geht es um 130 Leihgaben für eine Ausstellung in Verona. Dazu der Kunsthistoriker Didier Rykner in seinem Blog la tribune de l'art:

"The Louvre is still offering great deals. If you are a millionaire and would like to organize an exhibition, this is definitely the place to come: ask for a couple of masterpieces and it will see you get them on condition you pay the right price. It seems that only the Mona Lisa is not for rent. At least officially. But you can have any other Leonardo you want."

Der Hintergrund: die Leihgaben gehen nicht an ein Museum, sondern werden für vier Millionen Euro einer privaten Gesellschaft überlassen, die die Ausstellung mit Bildern von Goya, Botticelli, Véronèse, Rembrandt, Rubens, Van Dyck, Vélasquez, Greco, Raphaël... ausrichtet. Wohlgemerkt handelt es sich dabei um Bilder, die in den Ausstellungssälen hängen und die das Museum so gut wie nie verlassen haben, darunter auch das "Porträt einer jungen Dame" (La belle Ferronière) von Leonardo da Vinci. Auf die Frage, warum nun plötzlich Werke ausgeliehen werden, die sonst nie das Gebäude verlassen, sagte ein Sprecher des Louvre der Zeitung Le Monde: "Niemand hatte sie bisher angefragt", und verweist auf den wissenschaftlichen Charakter der Ausstellung. Andere halten diese Zusammenstellung für einen Vorwand. Mit dem Geld möchte der Louvre Werke restaurieren und weitere Kataloge editieren. Ein Teil des Geldes soll für Abu Dhabi auch schon eingegangen sein. Gleich mal nachschauen, ob die Eintrittspreise im Louvre niedriger geworden sind!


Labels: , , , ,

7.3.08

And the winner is....

... Leonardo da Vinci. The Art Newspaper veröffentlicht in seiner Märznummer seine jährliche Hitparade der bestbesuchten Ausstellungen und Museen. Spitzenreiter des Besucheransturms war dabei "The Mind of Leonardo" im okyo National Museum mit 10.071 Besuchern pro Tag. Neben den täglichen Besucherzahlen, werden auch die Gesamtzahlen aufgelistet sowie ein Ranking in verschiedenen Untergruppen: beispielsweise die Top Ten der Kunst des 19. Jahrhunderts ("Americans in Paris" im New Yorker Metropolitan Museum, 3.788/Tag - "Caspar David Friedrich" in der Hamburger Kunsthalle, 325.000 Gesamt) , der angewandten Kunst ("Poiret, King of Fashion" ebenfalls im Metropolitan, 3.393/Tag - "One of a Kind: the Studio Kraft Movement", Met, 423.684 Gesamt), der Gegenwartskunst ("Richard Serra Sculpture: 40 Years" im Museum of Modern Art in New York, 8.585/Tag - "Die Guggenheim Sammlung" in der Bonner Kunsthalle, 811.500 Gesamt)) oder im Bereich Architektur und Design ("Kisho Kurokawa" im National Art Center, Tokyo, 3.280/Tag - "California College of the Arts at 100", SFOMA, San Francisco, 319.886 Gesamt).
Unumstrittener Spitzenreiter bei den Museen ist der Louvre (8,300.000 Besucher), gefolgt vom Centre Pompidou (5,509.425) und der Tate Modern (5,191.840). Das Wiener Kunsthistorische Museum und das Pergamonmuseum in Berlin finden sich mit respektiv 1,289.572 und 1,134.567 Besuchern im Mittelfeld. Allgemein lässt sich feststellen, dass im Ausstellungsbereich die amerikanischen und asiatischen Museen (Tokyo) die Nase vorne haben, und dass es die "klassischen" Kunstausstellungen sind die das Publikum magnetisch anziehen.

Labels: , ,

22.2.08

Gelitin im Pariser Musée d'Art Moderne

3000 Werke der österreichischen Künstlergruppe Gelitin sind unter dem Titel "La (sic!) Louvre - Paris" vom 29. Februar bis 20. April im Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris zu sehen. "Materialien von Karamell bis Wolle, von Käse bis zu Toilettenpapier" benützen die vier Künstler der Gruppe für ihre oft Aufregung erregenden Arbeiten. Bei der Expo 2000 in Hannover mussten etwa die Besucher in ein 5 Meter tiefes Wasserloch tauchen um in die "Grotte des Glücks" zu gelangen... In Österreich sorgten sie 2003 mit der Skulptur "Arc de Triomphe" für Aufregung . Diese Darstellung eines nackten Mannes mit erigiertem Penis musste nach nur eine Woche und einer Klage der Stadt Salzburg wieder abgebaut werden und 2006 sorgte die Ausstellung "Chinese Synthese Leberkäse" im Kunsthaus Bregenz für Diskussionen.
Neben provokanten Installationen in der Tradition des Wiener Aktionismus werden in der Ausstellung jedoch auch "klassischere" Objekte zu sehen sein (Plastilin, Malereien, Bilder der Künstler in Frauenkleidern etc.).
Pariser Museumsbesucher werden wohl ihr Österreichbild revidieren müssen...

Quelle: Der Standard

Labels: , , ,

13.2.08

Gestern im Städel

Viele Besucher wirbeln viel Staub auf, so konnte man gestern abend in der Cranach-Ausstellung im Städel Museum feststellen. Wenn man mal den Blick von den Bildern nahm, dann konnte man die Wollmäuse sich der Wand entlang tummeln sehen. Bei der ersten dachte ich noch: kann ja mal vorkommen, aber wie es dazu kommt, dass in jedem Raum Staub lag, würde ich schon gerne wissen. Zumal ich neulich erst gelernt habe, wie wichtig es für eine Ausstellungsbesucherin es ist, dass Ausstellungsräume gepflegt und sauber sind. In einem vielbesuchten Kunstmuseum ist vielleicht die Staubgrenze um 18 Uhr erreicht; die Ausstellung hatte aber bis 21 Uhr offen. Da kann man wohl nicht mal schnell, wie man es etwa aus französischen Cafes kennt, wo sich vor der Theke am Boden so alles mögliche ansammelt, mal kurz mit dem Besen rübergehen. Aber das sind ja Lappalien angesichts der Bilder, die noch bis zum 17.2. zu sehen sind.

Labels: ,

6.2.08

Aschermittwoch in Köln

Die Gegenwart des Museums für Angewandte Kunst in Köln klingt nach einem langanhaltenden Aschermittwoch. Wie Museumsarbeit unmöglich gemacht wird, indem Wissenschaftlerinnen ausgebootet, Politiker Ausstellungen absagen und lieber gleich mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, beschreibt Andreas Rossmann in FAZ.net mit dem Titel "Unschöne Kröten, Seele verkauft".

Labels: ,

3.1.08

Den Objekten auf der Spur

Titel wie Plakat wirken schwerfällig und machen nicht wirklich neugierig auf die Ausstellung Reisen und Entdecken. Vom Sepik an den Main. Doch ein Besuch im Frankfurter Museum der Weltkulturen lohnt sich, da das Museum nicht nur Teile der Südsee-Sammlung vorstellt, sondern auch das Forschen, Sammeln und Dokumentieren im Museum selbst thematisiert. Der Sepik ist ein Fluss in Papaua Neuguinea. In den 1960er Jahren reisten Wissenschaftler des Frobenius-Institut in das Flussgebiet, um für das Frankfurter Museum Objekte wie Ahnenfiguren, Rednerpulte, Malereien auf Palmblattscheiden zu sammeln. Die Ausstellung vollzieht die Reise nach, verfolgt den Weg der Forscher und der Objekte ins Museum und stellt zugleich die dort vorgefundenen Lebensformen aus verschiedenen Perspektiven vor. Es geht in der Hauptsache um den Alltag der dort lebenden Frauen und Männer, aber auch um den Weg der Objekte: vom Sepik an den Main und innerhalb des ethnologischen Museums, vom Zeugnis/Dokument zum Kunstobjekt. Die Objekte sind frei aufgestellt; die Inszenierung soll an die 1960er Jahre erinnern. So begegnen uns am Anfang Dioramen und Großfotos, während am Ende eine Kunstgalerie steht. Ähnliche Objekte werden ganz im Trend der Zeit nun als Kunstobjekte präsentiert. Wer gerne wissen möchte, wie ein Objekt ins Museum kommt und was damit passiert, kommt voll auf seine Kosten. Ein kleines Heftchen gibt über die Gebrauchs- und Kultgegenstände der SepikbewohnerInnen Auskunft. Für Kinder gibt es ein schön gemachtes Entdeckerhandbuch, das man auch als Erwachsene mit Gewinn durchblättert.
Die Ausstellung ist noch bis Mitte Oktober 2008 zu sehen.

Labels: , ,

14.12.07

Montags keine Ausstellung

An einem verregneten Montag vormittag sollte man in Paris in keine Ausstellung gehen. Es ist einfach zu voll. Eine Möglichkeit ist es, vorher Karten zu reservieren, damit man nicht im Regen auf den Einlass warten muss (mit einer ICOM-Karte kann man diese elegant umgehen). Wenn man in der Ausstellung steht, dann heißt es aber noch lange nicht, dass man die Bilder auch wirklich sieht. An einem verregneten Montag vormittag scheint aber auch wirklich jeder und jede ausgerechnet wie ich die Arcimboldo-Ausstellung im Musée du Luxembourg besuchen zu wollen. Es sind mindestens vier Führungen da, d.h. vier Menschentrauben, die sich abwechselnd vor den Bildern drängeln; daneben noch eine Schulklasse, ganz zu schweigen von den vielen IndividualbesucherInnen. Man muss richtig kämpfen, um in der nicht gerade weitläufigen Ausstellung überhaupt etwas zu sehen. Und wenn man mal einen Platz vor einem Bild ergattert hat: Nicht gleich wieder aufgeben! Erst mal stehenbleiben. Und schauen. Seine Bilder sind ja wirklich sehr eindrucksvoll und ich habe mich darüber gefreut, nicht nur die Gemüse- und Meeresfrüchte-Portraits einmal im Original zu sehen. Begeistert haben mich vor allem seine ungewöhnlichen Stilleben.
Obwohl die Ausstellung schön inszeniert ist, fiel die viel zu kleine Schriftgröße der Texte negativ auf. Die Raumtexte waren zudem viel zu lang und in Durchgängen angebracht, wo man eigentlich nicht stehen bleiben kann. Es ist immer ein Erlebnis, Kunst im Original zu sehen. Aber vielleicht nicht Montag vormittag, sondern Freitag abend oder ich weiß nicht, wann. Denn in einem Pulk von Menschen macht Kunst anschauen einfach keinen Spaß! Bis 13. Januar gibt es noch die Möglichkeit; hier stehen alle Informationen.

Labels: , ,

24.10.07

Das Centre Pompidou wird mobil

Das Centre Pompidou in Paris streckt die Fühler aus: 30 Jahre sind Konzept und Gebäude alt; viele halten es schon selbst für museumsreif. Dagegen wird nun eine Offensive gestartet: 2009 wird die Antenne in Metz eröffnet. 2010 soll mit dem Centre Pompidou-Alma eine Dependance in Paris selbst entstehen, und zwar im Untergeschoss des Palais de Tokyo, dem Museum für zeitgenössische Kunst. Hier sollen vor allem jüngere, französische KünstlerInnen ausstellen. Das ist noch nicht alles: Das Centre Pompidou wird mobil und will Kunst in die Regionen und zu Menschen bringen, die eigentlich für Kunst nicht so empfänglich sind. Das alles erzählte Alain Seban, der Präsident des Centre, heute in Le Monde. Und ich empfehle, bis 11. Februar 2008 die Alberto-Giacometti-Ausstellung im Centre anzuschauen. Ein Hochgenuß, da nicht nur viele Skulpturen, sondern Teile seines Ateliers, Gemälde, Fotos und Zeichnungen klug präsentiert werden.

Labels: , , ,

22.10.07

Dürer, klassisch. Im Städel. Hingehen.

Ja, das kann man schon fast klassisch nennen (obwohl es doch die Renaissance betrifft), was man im Frankfurter Städel erleben (und das heißt in diesem Fall: sehen und hören) darf. Die Ausstellung "Dürer. Das druckgraphische Werk" kommt nämlich genau so sachlich und ruhig daher wie der Ausstellungstitel: kein reisserischer Aufmacher (etwa: "Dürer — Zeichner des Todes" oder "Dürer — Meister seiner Epoche" o.ä.), keine Ausstellungsarchitektur, die sich wichtiger nimmt als die Werke, keine extravagante Präsentation, die das Studium der Werke und die Kontemplation vor ihnen stören könnte.
Stattdessen: eine in ein vornehmes, dunkles Grün getauchte Ausstellungsarchitektur ohne Extravaganzen, sparsam gesetzte Lichter (natürlich auch angesichts der empfindlichen Arbeiten auf Papier), zurückhaltende Titel für die Sektionen ("Anfänge"), kurze, Hintergründe beleuchtende Texte zu den einzelnen Blättern, knappe Angaben zum Herstellungs- und Druckdatum, gut beleuchtete Vitrinen oder Rahmen.
Vielleicht ist es schon diese vornehme Zurückhaltung, die dafür sorgt, dass sich keine event-versessenen Kulturdeppen in die Ausstellung verirren? Jedenfalls waren am Samstagnachmittag ab 16 Uhr nur wenige Besucher und Besucherinnen zu sehen. Man hatte genügend Zeit und Platz und Ruhe, um sich mit den einzelnen Blättern der Drucke zu beschäftigen. Und kam doch einmal ein anderer Besucher des Weges (in der Stille des Raumes wirkte die Besucherschaft fast wie ein verschworener und verschwiegener Geheimbund, der sich auf ein geheimes Signal hin an diesem Ort zu einem mysteriösen Gottesdienst getroffen hatte...), so ging man sich aus dem Weg, machte Platz und kehrte dann wieder zu dem Blatt zurück.
Und das zur Auflösung der Einleitung: man 'hört' diese Ausstellung eben auch, denn man hört — nichts. Kirchenatmosphäre, ab und zu ein Rascheln, ein Besucher, der wie Darth Vader atmet und die abgebildeten Thematiken von Vorhölle und Hölle noch einmal auf ganz andere Art erfahrbar macht, ab und zu Hinweise des Aufsichtspersonals an vorwitzige Besucher, die dachten, in eine Ausstellung mit Dürer-Originalen wie ein Café gehen zu können.
Die ausgestellten Werke an sich sind natürlich großartig, Herr Dürer brachte die Technik des Kupferstichs und anverwandter (für dieses Wort werden mich die Kenner pfählen wollen...)Techniken wie die Ätzradierung zu höchsten und völlig neuen Höhen. So ist es oft schier unglaublich, wie fein die Striche (oder sagt man hier: Stiche?) gesetzt sind, um mit dem letztlich nicht abtönbaren Stich doch feinste Nuancen und Schattierungen zu erzielen.
Ständig habe ich mich gefragt, warum er oft so kleine Formate genutzt hat, man meint ihn förmlich mit dem Vergrößerungsglas (ob es so etwas damals schon in nutzbarer Form gab?) über der Kupferplatte sitzen zu sehen, wenn man sich die Details der Arbeiten betrachtet.
Die als Folgen veröffentlichten Arbeiten hängen auch als Folgen in der Ausstellung (heutzutage muss man auf solche Selbstverständlichkeiten hinweisen), auf Auslassungen und die Abbildung der fehlenden Blätter im Katalog wird hingewiesen.
Muß man halt gesehen, die Qualität der Apokalypse-Drucke ist exorbitant und wirkt (sorry, Dürer) wie gerade aus einem exzellenten Kopierer geworfen: tiefschwarz, frisch, keine Flecken.
Doll, der "Reiter (Ritter, Tod und Teufel)". Der christliche Ritter auf seinem Weg (ins Morgenland?), unbeirrt von Teufeln, die auch auf anderen Bilder immer wieder um die Ecke lugen und sagen: alles vergänglich, alles in Gefahr, der Tot wartet, führe ein anständiges Leben.
Was gibt es noch zu sagen?
- "Die Heilige Familie mit Libelle" heißt ein Druck. Aber beim besten Willen, wenn das da rechts unten eine Libelle ist, dann fresse ich, Stop, bis hierhin und nicht weiter. Aber für mich sieht es wie eine größere Florfliege aus.
- Eine Besucherin, jung, blond, von der Bauchnabelfrei-Fraktion, ging mit dem Audio-Guide am Ohr gelangweilt von Audio-Nr. zu Audio-Nr., fand das Ganze aber offenbar nicht so ganz schlecht, denn in ihrer ganzen Haltung wirkte sie ständig so, als ob sie mit ihrem Handy telefonieren würde. Business as usual gewissermaßen.
- Die berühmte "Melancholie" ist nicht Dürers beste Arbeit, liebe Kunstgeschichte.
- Störend fielen wie üblich die Nutzerinnen der Audio-Guides auf (tatsächlich waren es nur Frauen, es braucht eben schon einiges, bis Männer nach dem Weg fragen...), nicht nur durch die (weil akustisch getrübte) laute Kommunikation mit ihren Partnern, sondern auch durch das Gequäke, das aus den ähnlich wie Telefonhörern geformten Guides kam. Aber wie oben erwähnt, es herrscht eben auch eine sehr ruhige Atmosphäre, fast wie in einer Kirche.
-Liebes Städel, bei allem noch so ironisch verbrämten Kommerzmist, muss das wirklich sein, "das Taschentuch zur Ausstellung"? Das Taschenbuch zur Ausstellung würde ich ja noch tolerieren, aber das Taschentuch? Und dann noch mit dem wirklich hornochsen-dumm-blöden Hinweis darauf, dass sich das Taschentuch auf Dürers Melancholie-Grafik bezieht. Muss so etwas wirklich sein?

Vorher war die Ausstellung im Guggenheim Museum in Bilbao, ob sie dort jemand gesehen hat in dem spektakulären Bau?

Hingehen, angucken.

So hell wie auf den Pressefotos des Städels ist es natürlich in der Ausstellung niemals...

27. September 2007 bis 6. Januar 2008
Graphische Sammlung im Städel

Städel Museum

Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie
Dürerstr. 2
60596 Frankfurt am Main

Labels: ,

13.9.07

Was man als Museumsaufsicht alles so können muss oder ein Besuch in den Uffizien

Wer in den Uffizien in Florenz als Aufsicht arbeiten möchte, der sollte
- kommunikativ sein (für die Unterhaltungen mit den KollegInnen)
- italienisch sprechen können (soll das über 90%ige ausländische Publikum doch italienisch lernen)
- gerne telefonieren (wenn hunderte BesucherInnen darauf warten, eingelassen zu werden oder wenn in den Ausstellungsräumen private Dinge geklärt werden müssen)
- gelangweilt schauen und gelassen reagieren (wenn BesucherInnen es mal wagen, die Unterhaltung der Aufsicht zu stören)
- rauchen (um sich die Zeit an der Eingangstür zu vertreiben, während man die BesucherInnen mit Barrieren in Schach hält)
- fingerfertig sein (für das Tippen von sms)
- kreativ denken (für das Lösen von Kreuzworträtseln)
Ich gebe zu: ich war nach über 2 Stunden Wartezeit genervt. Natürlich gibt es das Angebot, im Voraus zu reservieren, aber das geht natürlich nicht mehr einen Tag vorher (und kostet online 4 mal soviel: für zwei Personen inklusive Gebühren 43,40 Euro gegenüber einem Eintrittspreis von 10 Euro pro Person!). Ich war genervt, dass ich nicht mit meiner ICOM-Karte wie überall auf der Welt (zumindest in Berlin und Paris) an der Schlange vorbeispazieren konnte. Ich war genervt, dass man im Eingangsbereich so unprofessionell durchgeschleust wurde; dass der Weg zwischen Sicherheitscheck, Ticketkauf und Einlass völlig chaotisch verlief; dass sich die Toiletten auf der anderen Seite, also beim Ausgang befanden (so zumindest die Auskunft). Beim Ticketkauf bekam man nicht, wie ich es mir gewünscht hätte, einen Plan für die Ausstellungsräume in die Hand; man hätte sich einen Führer kaufen können, der 10 Euro kostet. Das merkte man allerdings aber erst oben und dann ging es nicht mehr zurück in den Museumsshop im Erdgeschoss.
Es ist eine grandiose Kunstsammlung, die es in den Uffizien zu besichtigen gibt. Die BesucherInnen kommen sowieso, also, so mein Eindruck, muss man sich auch nicht bemühen, alles besucherfreundlich zu gestalten. So zum Beispiel die nicht existierende Besucherführung; ein paar Tafeln wären hilfreich gewesen, wenn es schon keinen Flyer gab. Klar sind die Räume durchnumeriert, aber ein paar grundsätzliche Informationen wären schön gewesen. Zum Beispiel die Objektbeschriftungen (die immerhin auch auf englisch sind): hilfreich; aber merkwürdig: Meistens wurde mit einem Satz auf das Bild und das Motiv eingegangen, und dann ausführlich darüber geschrieben, wann und wie das Bild in die Sammlung kam. Oder es gab Sammelbeschriftungen, so dass man 10 Meter hin und her laufen musste. Insgesamt wirkte alles sehr lieblos gemacht. Dass durchaus Ambitionen da sind, merkte man, als man zum Schluss durch eine Ausstellung geschleust wurde, um den Ausgang zu erreichen: die Ausstellungsräume waren mit dunklen Spanplatten verkleidet; auch manche Bilder waren aus ihren opulenten, goldenen Rahmen genommen. Das wirkte sehr bizarr. Fazit: Unvergleichliches gesehen, aber in einem Ambiente, das der Bedeutung der Sammlung überhaupt nicht gerecht wird. Für das Geld, das die Stadt Florenz allein an den Ticket-Reservierungen verdient, könnte man einiges besser machen!

Labels: , ,

11.9.07

Kunst und Terror










Im September auf der Biennale di Venezia

Nicht oft geht man durch eine Ausstellung und hat Angst, dass sich die Welt jeden Moment auf dramatische Weise verändern könnte. Mir ging es so, als ich am 5. September in Venedig die Räume der Arsenale auf der 52. Biennale di Venezia 2007 betrat. Das lag nicht unbedingt daran, dass es gleich am Eingang eine „Airplanecrashclock“ (1997) von Charles Gaines (USA) zu sehen gab, und andere Kunstwerke, die explizit das Thema „Terror“ aufgriffen – es lag schlichtweg daran, dass seit meinem letzten Besuch in Venedig, am 11. September 2001, die Welt tatsächlich nicht mehr dieselbe ist. Nie werde ich vergessen, wie an einem Café-Stand am Seitenausgang der Arsenale-Hallen Unruhe aufkam. Es war früher Nachmittag, und ich wollte einen stärkenden Espresso zu mir nehmen, doch niemand interessierte sich dafür. Alle hefteten ihre Ohren an ein Radio und rätselten in allen Sprachen, was da wohl passiert sein könnte. So ganz ließ sich nicht klären, was in New York los war, also wendete ich mich wieder den Ausstellungsräumen zu. Erst am Abend, als ich im Hotel die Bilder im italienischen Fernsehen sah, wurde mir bewusst, dass sich diese Aufnahmen tiefer in mein Bewusstsein brennen würden als alle Kunstwerke, die ich zuvor gesehen hatte. Bereits am nächsten Tag war ich froh, Venedig verlassen und nach Hause fahren zu können, Zwischenstopps auf dem Weg nach Hamburg hatte ich abgesagt.
Im Vorfeld der 6. Jährung wurde ich wieder konfrontiert mit dem traumatischen Ereignis 2001, das niemand für möglich gehalten hätte. Wen wundert, dass sich inzwischen international Künstler damit auseinandergesetzt hatten, es auf vielfältige Weise mit sich, ihrer Gesellschaft oder Nation in Zusammenhang brachten. Unter dem Titel "Pensa con i sensi, senti con la mente" ("Denke mit den Sinnen, fühle mit der Seele") ist nun in Venedig eine große Ausstellung mit über hundert Künstlern aus der ganzen Welt entstanden, in den Giardini della Biennale und im Arsenal von Venedig. Es sind (im Gegensatz zum Großteil der Werke auf der Documenta 12 in Kassel) Werke, die durch Klarheit und Sinnlichkeit überzeugen, die komplexe Sachverhalte auf einfache Weise visualisieren. Das macht gute Kunst aus, auch die zu "nine-eleven". Cheri Samba aus dem Kongo etwa, der mit einigen Werken im italienischen Pavillon präsentiert wird, weist mit seinem apokalyptischen Bild „Après 11 Sept 2001“ darauf hin, dass der ausgebrochene Krieg auch einer der „Köpfe“ ist: Hautfarbe, Alter und Geschlecht spielen keine Rolle mehr, nur eine schwach leuchtende Kerze (die Religion?) darf nicht ausgehen, während der Kopf wild um sich schießt. Mounir Fatmi aus Marokko, zu sehen in der Afrika-Ausstellung am Ende der Arsenale, beschwört in seiner Klanginstallation „Save Manhatten 03“ (2006/07) – eine Stadt aus Audio-Boxen, die als Schatten die skyline von Manhatten an die Wand wirft und die Geräusche einer Stadt wiedergibt - die Normalität des Alltags zurück. Stark auch die Arbeit von Yang Zhenzhong aus China, der in seiner Videoinstallation “I will die”(2000-2005) Menschen aus aller Herren Länder ein memento mori abverlangt, indem er sie auf ihre persönliche Art und Weise diesen endgültigen Satz aussprechen lässt. Ruth Sacks aus Südafrika lässt in einer Videoarbeit ein Flugzeug am Himmel den Satz „Dont panic“ schreiben - ein Hoffnungsschimmer? Zumindest wurde mir auf dieser Biennale deutlich vor Augen geführt, dass es Bin Laden und Co. nicht gelang, die Kreativität und den Willen, an das Gute im Menschen zu glauben, auszumerzen. Es wird weiterhin internationale Biennalen geben, es wird weiterhin weltweit Künstler und ihr Publikum geben, die sich friedlich austauschen. Egal ob aus dem Orient oder Okzident.

Labels: , , ,

9.8.07

Auf nach Darmstadt


Schon jetzt sollte man langsam einen Besuch im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt planen, da es Ende September für voraussichtlich vier Jahre schließt. Das Museum soll umfassend saniert werden. Wer also nochmals die Werkgruppe von Joseph Beuys sehen möchte, den römischen Mosaikboden aus Bad Vilbel oder die naturkundliche Abteilung, aus der das Diorama stammt, sollte schnell hingehen. Meine Lieblingsabteilung, der "Wald der Skulpturen", ist leider schon geschlossen. Einige Werke aus der Darmstädter Kunstsammlung werden ab Oktober 2007 im Frankfurter Städel Museum zu sehen sein.
Die Internetseite des Museums hat der Museumsblog einmal hier gelobt.

Labels: , ,

18.5.07

Schwindlig interaktiv

Wer den Zustand des sich Schlechts- und Schummrig-Fühlens erreichen und dabei noch die gute Laune bewahren möchte, der sollte schleunigst in die Op-Art-Ausstellung in der Schirn in Frankfurt gehen. Auch wenn man die allermeisten Objekte nicht berühren darf, kann man doch mit den Werken, sei es durch Blicke oder Bewegung, in Kontakt treten. Das macht Spass, ist interaktiv und sehr kommunikativ. In der Sprache des Museums heißt das so: "Sie lassen den Besucher in Farbe versinken, im Spiegel ins Unendliche stürzen oder bieten ihm poetische Lichtspiele. Die Interaktion zwischen Werk und Betrachter gipfelt in Installationen, die letztlich nicht nur physikalische Wirkungen in Form von Nachbildern, Farbvibrationen oder dem Flimmern von Licht entfalten, sondern auf das gesamte Bewusstsein wirken."
Noch bis einschließlich Sonntag ist die Schau mit den Werken, die zumeist aus den 1960er Jahren stammen, zu sehen.

Labels:

28.2.07

Kurioses auf dem Lande

Ein Sammelsurium der besonderen Art bietet der Bahnhof Waldenburg im Hohenlohischen (Baden-Württemberg), der zwar noch als Bahnhof dient, aber von einer Initiative auch als "Kunstbahnhof"genutzt wird. Im Vorraum zum Fahrkartenverkauf, also da, wo früher die Schulkinder tobten und im Winter die Raucher standen und auf den Zug warteten, befindet sich nun das Kunstprojekt "ZwischenLager ZeitRaum" von Hans A. Graef. Mich hat weniger der künstlerische Anspruch - Marcel Duchamps und seine readymades und Joseph Beuys, dem die Gepäckaufgabe gewidmet ist - zum Staunen gebracht, sondern die Masse an Dingen, die sich in Regalen und Vitrinen, auf Tischen und sonstigen Ablagen befindet, und sich nach manchmal nicht erkennbaren Prinzipien, dicht an dicht drängen. Da gibt es die Vitrinen rot, blau und gelb, in denen Dinge aller Art stehen (das reicht von kleinen Figuren, über Verpackung zu Büchern), eine Poststelle, deren Fächer mit Papierstücken gefüllt sind, Labormaterial, das wohl aus den 1950er Jahren stammt, Zeitschriften, Platten, Bücher, Becher, Holzstücke... ich weiss nicht mehr, was noch alles, mir summt noch der Kopf. Ich frage mich: Wie kann man nur so viele Sachen sammeln? Wie behält man da den Überblick? War ich bei einem Messi zu Besuch oder in einer Kuriositätenkammer? Fragen über Fragen, beeindruckend ist es allemal.

Labels:

15.1.07

Kleine Heftchen

Auch in der Welt der Museen und Ausstellungen gibt es manchmal etwas Neues. Seit einiger Zeit - ich könnte es nicht mehr genau datieren, wann es mir aufgefallen ist - bekommt man insbesondere zu Kunstausstellungen kleine Heftchen in der Größe DINA 5 gratis zum Ausstellungsbesuch hinzu. Diese Heftchen ersetzen keinen Katalog, haben aber die handliche Größe, um in der Ausstellung gleich gelesen zu werden; ein großer Vorteil gegenüber Ausstellungskatalogen, die doch zumeist ungelesen im Regal landen. Besonders gut hat mir das Heft von "Humanism in China" gefallen, eine großartige Fotoausstellung, die in fünf deutschen Städten gastiert und die zur Zeit in der Staatsgalerie in Stuttgart zu sehen ist. Ich habe die Ausstellung im Museum für moderne Kunst in Frankfurt am Main gesehen. Das Heft, eigentlich eher ein kleines, bebildertes Buch, empfand ich als wahre Bereicherung.

Labels:

5.1.07

Gärten statt Guggenheim!

An alle, die mal wieder Ausstellungstourismus betreiben und zu Scharen nach Bonn strömen, um die Ausstellung mit den "Meisterwerken" der Guggenheim-Sammlung im Gedränge anzusehen: Tun Sie es nicht. Fahren Sie stattdessen nach Frankfurt am Main, um die außergewöhnliche Ausstellung "Gärten. Ordnung, Inspiration, Glück" im Städel-Museum von zu bestaunen. Die Ausstellung besticht durch ihre Fülle an Material. Wirklich sehr interessante Ansichten von einer gebändigten Natur sind hier zu sehen, grandiose Arbeiten von Künstlern wie von Max Liebermann oder Pierre Bonnard, aber auch von Olga Boznanska, von der ich zugegebenermaßen noch nie etwas gesehen hatte. Das Herbarium von Alexander von Humboldt fehlt ebensowenig wie der Palmenwedel, aufbewahrt von Johann Wolfgang Goethe. Schön sind die Gegenüberstellungen von Gegenwart und Vergangenheit, wenn etwa Lucian Freud 2003 eine Ecke seines Garten malt und das Bild neben dem ZeitungsleserCarl Spitzweg hängt; oder die Blumen-Dias von Peter Fischli und David Weiss die filigranen Tulpenaquarellen von Georg Flegel begleiten. Ganz schön mutige Gestaltung für ein Kunstmuseum: Blaue und gelbe Wände lassen manche Gemälde erst so richtig strahlen. Hier und da wächst eine kleine Blume aus der Wand. Ein Manko gibt es für mich dennoch: Die Ausstellung hält nicht ganz, was sie verspricht. So lässt der Untertitel "Ordnung - Inspiration - Glück" auf eine Ausstellungsgliederung schließen, die es aber dann gar nicht in der Form gibt. Zwar begleiten Zitate wie von Voltaire "Il faut cultiver son jardin" in die Ausstellung, aber damit hat es sich auch, was Texte und vor allem das Herstellen von Zusammenhängen anbelangt. Daran konnte auch nicht das kleine, hervorragende Heftchen helfen, dass man jetzt in Kunstausstellungen mit auf den Weg bekommt. Mir fehlten Interpretationen, das explizite Herstellen von Zusammenhängen, Raum- und Thementexte. Einen Genuß bietet die Ausstellung aber auf alle Fälle.

Stimmen zur Ausstellung:
FAZ.NET vom 27. November 2006 ist restlos begeistert.
Echo-Online: Keine ausgerichteten Rabatten, sondern ein kunterbuntes Staudenbeet

Labels: ,

22.11.06

Wo kann man einen Novembertag besser verbringen als im Museum?

Bei diesem Wetter bietet sich ein Museumsbesuch geradezu an. Ein Museum, in dem man gut und problemlos einen Tag verbringen kann, ist das altehrwürdige Germanische Nationalmuseum in Nürnberg – und hat nach diesem Tag wahrscheinlich nicht einmal einen Bruchteil der Sammlungen gesehen. Denn eigentlich ist das Museum ein Labyrinth mit unerschöpflich erscheinenden Sammlungen, was darauf zurückgeht, das es seit seiner Gründung im 19. Jahrhundert (durch den Herrn von Aufseß) sukzessive angebaut wurde, um die ständig wachsenden Sammlungen unterbringen zu können. Befand man sich eben noch in alten Klostermauern aus Backstein, wartet ums Eck schon der Saal aus den 1960er Jahren. Das macht einerseits den Charme des Museums aus. Trotz Wegeplan weiß man eigentlich nie, wo man sich nun genau befindet. Es kommt vor, dass man minutenlang durch Gänge und Säle läuft, ohne einem Menschen zu begegnen; auch die Aufsicht scheint sich irgendwo zu verstecken. Das ist eigentlich ein schönes Gefühl: Die Vorstellung, dass man hier bleiben kann und unendlich viel Zeit hat, sich die Skulpturen, Musikinstrumente, Bauernstuben Trachten, Gemälde.... anzuschauen – und nicht schnöde um 17 oder 18 Uhr hinausgeschmissen wird. Auf der anderen Seite bekommt man dann doch irgendwann den Museumskoller, da man die Abteilungen, die man gerne noch besichtigen möchte, partout nicht findet. Und irgendwann stellt sich die Frage: Komme ich hier überhaupt wieder raus? Es ist, als würde das Museum einen verschlingen. Den Ausgang gefunden, hat das Museum einen zwar wieder in die Freiheit entlassen, aber auch mal wieder nicht alles preisgegeben. Wieder einmal ist mir die Besichtigung der Frankfurter Küche oder der Apotheke aus Öhringen nicht gelungen. Ob es das nächste Mal wohl klappt?

Labels: ,

22.9.06

Nichts ausstellen

In der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt am Main läuft noch bis zum 1. Oktober eine Ausstellung mit dem Titel "Nichts". Und es ist auch so: außer den sehr intellektuellen Erklärungen sieht man in der Ausstellung fast nichts. Das Nichts ist kalt: Den Auftakt bildet eine großer leerer, weißer Raum, mit einem Einbau in der Mitte, in dem sich einige wenige wirkliche Werke namhafter Künstler befinden. An den äußeren Wänden befinden sich Nummern, die man in sein Abspielgerät eingeben muß. Beim Anhören, soll, so die Intention der Kuratorin, die um die 40 Künstler gebeten hatte, ihr Werk zu beschreiben, ein Bild im Kopf entstehen: Zu hören sind etwa: Fußballfans, die "hey Jude" von den Beatles gröhlen, zwei hustende Menschen, amerikanische Schlager etc. Mir ist unverständlich, weshalb in diesem Raum keine einzige Sitzmöglichkeit vorhanden ist. Ich hätte mir ja gerne gemütlich räkelnd auf einem Sitzpolster alle Beschreibungen angehört. So laufe ich ein paar Mal hin und her, da es in diesem Raum sehr kalt ist und beschränke mich auf einige wenige. Aber es geht noch weiter: Das Nichts ist mehrheitlich weiß - weiße, eingerahmte Blätter, die Titel tragen wie "The Limits of percepetion" oder "1000 hours of staring 1992-1997"; eine Maschine, die Furze produziert. - Sorry, Schirn, aber ich kann mit solchen Ausstellungen rein gar nichts anfangen. Ich bekomme auf Kommando keine Bilder im Kopf, ich lese gerne etwas zu den einzelnen Werken, ich lese auch gerne Einleitungen in Ausstellungen, aber Sätze wie: "So enthüllt der Blick ins Nichts das Periphere. Das Ephemere und das Latente eröffnen sich. Was bleibt, ist ein vielfältiges, schillerndes Nichts" verstehe ich nicht.
Die Besucherinnen und Besucher waren unterschiedlich angetan. Während einige jüngere im ersten Raum auf dem Boden saßen und sich wohl alles anhörten, hakten die meisten alles ziemlich schnell ab. Bin ich zu alt für solche Ausstellungen?

FAZ-net schreibt sehr positiv über die Ausstellung.

Labels: ,