8.3.10

Das Kunst - Geld - Karussell

Wie die Kunstmuseen ihre Geschichte selbst erfinden, beschreibt der aufschlußreiche Artikel von Niklas Maak in Die gekaufte Kunstgeschichte in der FAZ. Es geht um das enge Verhältnis von Geld, Kunst und Museum. Maak beschreibt zwei Kunstsysteme, die miteinander im Wettstreit stehen - auf der einen Seite stehen die staatlichen, öffentlichen Kunsteinrichtungen, auf der anderen die reichen Sammler, die sich nicht mehr damit begnügen, die Museen zu unterstützen - mit Leihgaben oder mit Sponsoring. Der Unterschied ist, dass nun die Sammler quasi die gesamte Einrichtung übernehmen:
"Damit wird ein entscheidender Bruch vollzogen. Im Kampf darum, wie Bedeutung hergestellt wird, wie Macht entsteht, Deutungshoheiten behauptet und Eichsysteme für Qualität geprägt werden, haben sich offensichtlich die Gewichte verschoben. Wer hat die Macht im Kunstsystem? Wer entscheidet, was gezeigt wird, was als bedeutend gilt? Bisher war die Antwort auf diese Frage meistens: die staatlichen Ausstellungshallen und Museen, vielleicht noch die Biennalen - und weniger die privaten Sammler."
Maak beschreibt, wie auf diese Weise eine "zweite Kunstwelt" entsteht - in dem immer dieselben Namen auftauchen, Karrieren gesteuert werden - und vor allem die eigenen Kunstwerke promoten.
"Auf der Strecke bleibt bei diesen Einverleibungen die Urkompetenz des Museums als einer kulturellen Institution, in der unabhängige Experten Kunstwerke auswählen, sortieren, werten und in thematischen Ausstellungen präsentieren."

Vielleicht ein Indiz für die Museumskrise über Gottfried Fliedl bloggt?

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8.2.10

Auf die Schnelle

Das Konzept klingt gut: ein Miniprogramm - Dauer 3 1/2 Minuten - um ein Kunstwerk in der französischen Provence vorzustellen. Das kann ebenso gut der Museumsbau von Henri Ciriani (Musée de l'Arles antique) sein, als eine Installation der Marseiller Modeschöpferin Fred Sathal, ein Werk des jungen Künstlers Lionel Scoccimaro im MAC (Musée d'art contemporain in Marseille) oder der Pavillon Noir in Aix-en-Provence, Bühne, Proberaum und Heimstatt der Truppe des Choreographen Angelin Preljocaj, entworfen von Rudy Ricciotti der auch für das künftige MuCEM verantwortlich zeichnet.
Die kurzen virtuellen Führungen kann man entweder im Internet ansehen oder im lokalen Fernsehen (jeden Mittwoch um 19h50 auf LCM).
Das ganze nennt sich "Bulle d'Art" und will gleichzeitig amüsant und lehrreich sein. Die klaren und leicht zugänglichen Texte schreiben das jeweilige Objekt in seinen kunsthistorischen Kontext ein und setzen keinerlei Spezialwissen voraus.
Klassische Meisterwerke stehen ebenso auf dem Programm wie Design, Architektur, Photo oder Video, Ausstellungen, Museen oder Sammlungen. Bulle d'Art möchte zeigen, dass die Provence abseits vom Touristenklischee reich an Kunst jeder Art ist die nur darauf wartet, von Amateuren oder einfach nur Neugierigen entdeckt zu werden: eine schlaue Methode ein grosses Publikum mit Kunst, vor allem auch zeitgenössischer Kunst vertraut zu machen und die Scheu vor dem Ungewohnten zu nehmen.
Schade ist nur dass die Konzepteure dieser Minisendung, meines Erachtens, ein bisschen zu viel auf visuelle "Gags" setzen die wohl vor allem auf ein jugendliches, mit Videospielen vertrautes Publikum zielen. Etwas weniger Effekte, etwas weniger Musik und auch etwas weniger Präsenz der, zweifellos hübschen, Präsentatorin würde der Idee keinen Abbruch tun, aber erlauben sich mehr auf das Wesentliche, nämlich das Kunstwerk, zu konzentrieren.



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14.12.09

Ausverkauf der Museen?

Heute im Fernsehen: Tabubruch oder Problemlösung? - Diskussion um Verkauf von Museumsbesitz, zu sehen in der Sendereihe des Kulturjournal im NDR. Auslöser ist die Situation in Hamburg - die Kunsthalle steht vor einem finanziellen Engpass, und der Stiftungsrat hat den Direktor Gaßner damit beauftragt, eine Liste von "entbehrlichen Kunstwerken" aufzustellen, die verkauft werden könnten.
Darum geht es heute im Kulturjournal. Auf der Seite des NDR heisst es in der Ankündigung:

"Plötzlich scheint das Undenkbare möglich: der Verkauf von Kunstwerken aus Museumsbeständen. In Hamburg wird eben diese Option heftig diskutiert. Der Stiftungsrat der Kunsthalle befürwortet die Veräußerung einzelner Werke, um die Finanzlöcher des Museums zu stopfen. Demgegenüber schließt der Direktor der Kunsthalle, Hubertus Gaßner, im Kulturjournal den Verkauf von Werken kategorisch aus. Doch warum sollen Museen grundsätzlich Teile ihres Bestandes nicht verkaufen dürfen? Wäre das tatsächlich ein kultureller Sündenfall, wie vor allem Museumsleute meinen – oder vielleicht doch eine Lösung von immer dringlicher werdenden Finanzproblemen? Das Kulturjournal diskutiert diese Grundsatzfrage mit dem Leiter des Deutschen Museumsbundes, Michael Eissenhauer und zeigt, wie unterschiedlich die Institutionen in Norddeutschland damit umgehen."
Die Sendung läuft heute um 22.30 Uhr im NDR.

Hier kann man über das Hamburger Problem nachlesen, sozusagen symptomatisch für Deutschlands Museen: ein Gastbeitrag der Kultursenatorin Karin von Welck im Hamburger Abendblatt, ein Artikel in der Welt und ein Interview mit dem ehemaligen Kunsthallendirektor Schneede im Deutschlandfunk.

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22.9.09

Politisch ausstellen

"Politisch schwer korrekt" nennt die NZ-Online die Ausstellung El Dorado. Über das Versprechen der Menschenrechte, die letzte Woche in der Kunsthalle Nürnberg eröffnet wurde. Die Ausstellung findet im Rahmen des Themenschwerpunkts Alles was recht ist! Menschenrechte des KunstKulturQuartier statt.

Zu sehen sind Werke von 16 KünstlerInnen aus verschiedenen Ländern. Diese nehmen sich mit ihren eigenen Stilmitteln dem Thema an, prangern nicht plakativ Menschenrechtsverletzungen an, sondern nähern sich eher subtil von verschiedenen Seiten an. Dazu heisst es auf der Ausstellungsseite:
"Gemeinsam ist allen Positionen der Ausstellung, dass sie nicht versuchen, Konflikte zu illustrieren oder Menschenrechtsverletzungen zu visualisieren. Vielmehr bieten sie durch ihren Reichtum an psychologischen und formalen Schattierungen einen neuen Zugang zum Thema."

Videos, Installationen, Fotoarbeiten oder Skulpturen erklären sich zum Teil aber nicht von selbst. So empfängt die Besucherin die wuchtigen, blockartige Installation "The Trial of Henry Kissinger" von Eva Grubinger, die die Architektur des Internationalen Gerichtshofs von Den Haag zitiert. Man darf auch ausprobieren: die Gruppe U.R.A./Filoart setzt sich mit der allgegenwärtigen Videoüberwachung auseinander. In ihrer Installation kann man sich eine Art verkabelte Kopfhörer aufsetzen, die bewirken, dass man von Überwachungskameras nicht mehr gesehen wird.

Subtiler wird es hier: Eigentlich schön anzusehen sind die Tintenstrahldrucke von ÖzlemGünyol/Mustafa Kunt, die man mit weißen Handschuhen ausgerüstet, in einem großen Buch anschauen kann. Sie zeigen verschiedene graphische Muster - die Vergrößerungen von Wasserzeichen auf Ausweisen.


Oliver Boberg überzeugt mit seinen fotografischen Annäherungen. Er hat Miniatur-Slums gebaut und diese dann sehr ästhetisch in Szene gesetzt.





Die Räume sind insgesamt großzügig inszeniert. Da sich manches nicht von selbst erklärt, ist man mit einem Flyer gut ausgerüstet. Die Gruppenausstellung lohnt sich: sie ist politisch, kommt aber nicht mit der moralischen Keule, sie bietet viele Annäherungen, die kurzweilig sind.

Schwer korrekt ist auch der Katalog: er erscheint auf englisch und auf deutsch für 24 Euro.
Die leider etwas dunklen Bilder sind von der Eröffnung.

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26.8.09

Es darf gelacht werden

Linz in Oberösterreich, einst vor allem für seine Stahl- und Chemieindustrie bekannt (berüchtigt) ist heuer europäische Kulturhauptstadt. Gelegenheit also, mit dieser von Touristen bisher eher links liegen gelassenen Stadt Bekanntschaft zu schliessen.
Die frühere übel riechenden Abgaswolken aus den Fabriksschloten sind ja bereits seit längerem von der "Klangwolke" abgelöst worden und der niedergehenden Schwerindustrie hat die Stadt mit zukunftsträchtigen Techniken und Hinwendung zum zeitgenössischen Design gekontert. Die "ars electronica" wurde zu einem internationalen Begriff.
Im Umfeld des Kulturhaupstadtjahres wurde nicht nur viel restauriert (barocke Innenstadt) und neu gebaut (Lentos Museum, ars electronica Zentrum, neuer Ausstellungsflügel im Schloss...) sondern ein reichhaltiges Programm möchte neue Besucher für die Stadt gewinnen aber auch den Einheimischen einen neuen Blick auf ihre Umgebung und ihre Geschichte bieten (dies auch durchaus kritisch mit Inschriften am Strassenpflaster die an Ereignisse der Nazizeit erinnern die eben an diesem Ort stattgefunden haben).
Das offene Kulturhaus, OK, hat drei Kunstrundgänge organisiert. Für "Schaurausch" stellten Geschäfte ihre Vitrinen Künstlern zur Verfügung, in "Tiefenrausch" wurden die Besucher durch Keller, Trinkwasserreservoirs, Krypten und Tunnels ins unterirdische Linz geführt während man im "Höhenrausch" auf den Dächern wandelt. Über hölzerne Stege, Treppen und Wege gelangt man vom Kunsthaus hinauf in luftige Höhen. Kunstwerke (Installationen, Videos, Graphik, Skulpturen etc.) begleiten den Besucher, der sich auch von Zeit zu Zeit in einem Liegestuhl vor einer Kinoleinwand ausruhen ("Respect the Dead" von Pierre Bismuth), eine Tour im Riesenrad von Maider Lopez machen oder sich über chinesische Heilkunde ("Paradiesgarten" von Mali Wu) informieren kann. Der österreichische Künstler Werner Pfeffer stellt mit "Stadtmensch" eine Verbindung zwischen Besuchern und "normalen" Linzern her: man wird etwa aufgefordert seinen Geruchssinn zu mobilisieren um die Düfte aus der Backstube eines Linzertortenbäckers zu erschnuppern, seine Ohren zu schärfen um dem Domorgelspieler zu lauschen, die verschiedenen Glocken der Linzer Kirchen zu erkennen oder die Geräusche der Strassenbahn im Verkehrslärm auszumachen...
Ein köstlich absurdes Video von Erwin Wurm zeigt ein Paar in einem Auto das über die Möglichkeit als I-Pod wiedergeboren zu werden, die Menschlichkeit der Banane und grossmütterliche Zehen philosophiert und, als wäre es das normalste der Welt, dabei eine Hauswand hinauffährt. Der Russe Leonid Tishkov filmt sich beim Skifahren auf dem Dach seines Moskauer Wohnhauses oder bei seinen Gesprächen mit dem Himmel, der Amerikaner Paul DeMarinis verwandelt banale Regenschirme in Resonanzkörper aus denen Wassertropfen bekannte Melodien erklingen lassen, während der Schweizer Roman Singer "Kunst mit Knallkörpern" herstellt. Gegenwartskunst kann durchaus amüsant, unterhaltsam und lustig sein, poetisch und intelligent und für "Normalbürger" jeden Alters zugänglich. Der grosse Besucherandrang bei "Höhenrausch" bestätigt dies!

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18.6.09

Kunst in der Toskana

Man muss sich schon Zeit nehmen, möchte man alle Installationen sehen, die auf dem Gelände von 16 Hektar ausgestellt sind: Il Giardino di Daniel Spoerri beherbergt seit 1997 Skulpturen und Installationen von über 40 KünstlerInnen; darunter viele Arbeiten von Hausherr Daniel Spoerri selbst.





Wir besuchten den Park an einem heißen Sommertag. Als Besucherin wird man mit einem Plan ausgestattet, der einen Rundgang empfiehlt. Am spannendsten ist es aber, sich einfach überraschen zu lassen. Da biegt man zum Beispiel um's Eck und sieht im Gebüsch das Pariser Hotelzimmer, das Spoerri in den 1960er Jahren bewohnte - nun für ewig in Bronze gegossen.

Manche Skulpturen passen sich der hügeligen Landschaft und den Farben an; andere machen einen schon von weitem neugierig - wie die überdimensionierte Gänseherde von Olivier Estoppey.
So verbringt man einen Tag voller Überraschungen und ungewöhnlichen Kunsterlebnissen - ein Ausflug, der sich auf alle Fälle lohnt.


Wer nicht so weit fahren möchte, kann Spoerri auch in Österreich erleben: In Hadersorf in Niederösterreich eröffnet Spoerri morgen in einem ehemaligen Kloster ein Ausstellungshaus und ein Esslokal - kein Museum, wie Spoerri betont.

Die Frankfurter Rundschau sprach mit Spoerri in einem Interview über sein Vorhaben. Auch das ORF berichtete vorab sowie der Tagesspiegel.

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12.3.09

Nach London der Museen wegen...


36 Stunden in London und 9 Ausstellungen besucht - wenn das keine Leistung ist!
Ein kurzer Überblick über das Gesehene sei hier gegeben:

Erste Station, das Victoria & Albert Museum das zwei Ausstellungen zu bieten hat. "Hats. An Anthology by Stephen Jones" klang vielversprechend. Der Modist Stephen Jones dessen extravagante Kopfbedeckungen die Kreationen von Vivienne Westwood, John Galliano oder Jean-Paul Gaultier ergänzen kuratiert hier eine kleine, amüsante Ausstellung. Man hätte sich von diesem exzentrischen Hutkünstler vielleicht mehr Kreativität erwartet. Der Raum ist dunkel, die Objekte, zumeist kühne Kreationen aber auch historische Stücke aus der Sammlung des Museums in den kioskartigen Vitrinen sind nach Themen gegliedert: Einflüsse (Exotismus, Stilepochen, Natur...), Materialien (Filz, Papier, Federn...), berühmte Kunden (natürlich die königliche Familie, aber auch Stars des Showbiz). Filmausschnitte zeigen Modeschauen, die Techniken des Hutmachers, ein Interview mit Stephen Jones...

Die zweite Ausstellung im V&A war dem Glanz der Zaren gewidmet "Magnificence of the Tsars". Auch dies eine sehr konventionelle Kostümausstellung. Der Schwerpunkt liegt auf den Einflüssen der europäischen Mode seit dem 18. Jhdt. und dem allmählichen Aufkommen der schlichten Uniform als Alltagskleidung des Monarchen. Prächtige Stickereien, leuchtende Farben kennzeichneten die Männermode lange Zeit hindurch und bildeten einen krassen Gegensatz zu den extrem schlichten schwarzen, schmucklosen Trauergewändern wie zB. dem Trauermantel von Peter dem II. Im Alter von nur 15 Jahren am Morgen seiner Hochzeit verstorben, ist dies das Kleidungsstück das der junge Mann in seinem kurzen Leben am häufigsten getragen hat und das die stärksten Abnutzungsspuren zeigt.


Nächste Station die Tate Modern. Dieses ehemalige Elektrizitätswerk mit seinen überdimensionierten Räumen kam uns diesmal auch eher enttäuschend vor. Schon der Gesamteindruck ist irgendwie trübe, die Beleuchtung setzt keine Akzente, das Mobiliar mutet bereits leicht gestrig an. Eine Ausstellung ist den russischen Konstruktivisten und Designern Alexander Rodchenko und Liubov Popva gewidmet eine zweite der Fotografin Roni Horn. Auch hier nichts Neues unter der Sonne, brave, konventionelle Ausstellungen.

Die Royal Academy of Arts zeigt "Byzantium, 330-1453". Auch hier ist das Ergebnis leider enttäuschend. Kostbare und eindrucksvolle Objekte in klobigen, schlecht ausgeleuchteten Vitrinen. Der Besucherandrang ist gross und die Disposition der Vitrinen erschwert die Zirkulation noch zusätzlich. Man fragt sich zB. warum bei grossen Vitrinen die Beschriftungen nicht auf beiden Seiten angebracht sind sodass mehr Leute gleichzeitig zum Lesen kämen. Eine weitere Ausstellung unter dem, ach so beliebten, Motto "Die Schätze von...", beliebig abzuwandeln mit dem Zusatz "der Pharaonen", "der Vikinger", "der Inka" etc. etc.

Ein amüsantes, wenig bekanntes Museum ist das "Museum of Brands, Packaging and Advertising" in Notting Hill. Aus einer Privatsammlung hervorgegangen kann man hier eine historische Tour durch Werbung und Verpackung machen, seit den Zeiten der Queen Victoria bis heute. Die von oben bis unten vollgepackten Vitrinen sind szenografisch gesehen eher katastrophal aber man amüsiert sich, bekannte Produkte und die Wandlungen ihrer Verpackung oder die sozialen und historischen Einflüsse in Werbung und Packaging aufzuspüren.


Sehr interessant war schliesslich die Ausstellung "Unveiled: New Art from the Middle East" in der Saatchi Gallery. 21 Künstler aus dem Mittleren Osten, Iran, Irak, Palästina... präsentieren hier ihre Bilder, Installationen, Photos, Skulpturen. Auch wenn der Grossteil von ihnen inzwischen im Westen lebt, ist ihr Werk stark von ihrem jeweiligen kulturellen Background aber auch der aktuellen sozialen und politischen Lage beeinflusst. Besonders beeindruckend die aus Alufolie gerformten knieenden Frauen von Kader Attia, die lebensgrossen puppenartigen "Teheran prostitutes" von Shirin Fakhim und die "Men of Allah" von Ramin Haerizadeh, die verschleierten Frauen von Shadi Ghadirian deren Gesichter durch ein Haushaltsgerät (Sieb, Plastikhandschuh, Besen...) ersetzt sind und vor allem die Installation des in Hebron geborenen und in Ramallah lebenden Wafa Hourani. Die Website der Saatchi Gallery erlaubt es, sich eine Idee zu machen.

Last but not least stand noch eine andere Galerie auf dem Programm, die Mall Galleries die eine Auswahl iranischer Künstlerinnen mit sehr unterschiedlichen Arbeiten ausstellte: "The Masques of Shahrazad: evolution and revolution through three generations of Iranian women artists". Den stärksten Eindruck in dieser Galerie hinterliessen jedoch die schwarz/weiss Fotos von Munem Wasif "Salt Water Tears: Lives left behind in Satkhira, Bangladesh". Der junge Fotograf erhielt 2008 den Auftrag, die fatalen Folgen der Wasserknappheit und der Schäden durch planlose Ausbeutung der Ressourcen einer Region zu dokumentieren um damit die Arbeit der NGO WaterAid zu unterstützen. Die Fotos der vom Salz zerfressenen Landschaft, der wassertragenden Frauen, der an schweren Krankheiten leidenden Bevölkerung sind unheimlich ausdrucksstark, berührend und trotz ihrer Ästhetik nicht beschönigend sondern eben dadurch noch ergreifender.

Abschliessend noch ein paar allgemeine Feststellungen. In allen Museen und Ausstellungen herrschte grosser Publikumsandrang, viele junge Leute, viele Schulklassen, aber auch zahlreiche Gruppen älterer Damen die zum Teil an Kursen (Aquarellmalerei etc.) vor Ort teilnahmen. Der Eintritt in die Museen und Galerien ist (fast durchwegs) gratis, die Sonderausstellungen hingegen sind eher teuer und es wird an allen Ecken und Enden um Spenden geworben. Jeder Orientierungsplan soll durch eine Spende "erworben", jedes Garderobestück von freiwilligen Geldgaben begleitet werden. Ebenso mündet jede Ausstellung direkt in einen reich bestückten Shop. Cafés und Restaurants profitieren gleichermassen von den Ersparnissen beim Eintritt. A propos Café: das Museumsrestaurant im V&A Musem ist das erste Museumsrestaurant überhaupt und lohnt den Besuch: reiche Dekorationen, Keramikfliessen, Art déco Leuchter etc. - schade nur dass Tische und Stühle aus Plastik nicht dem edlen Rahmen entsprechen.

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25.2.09

Kunst in der Vorstadt


MAC/VAL ist die Abkürzung für Musée d'art contemporain du Val-de-Marne. Im Ort Vitry-sur-Seine gelegen, ist es das erste Museum für zeitgenössische Kunst in der Banlieue von Paris. 2005 wurde das Museum eröffnet; Schwerpunkt der Sammlung ist die französische Kunstszene ab den 1950er Jahren. Nun wurde die Dauerausstellung wieder einmal neu inszeniert. Unter dem Motto "Je reviendrai" sollen sich die BesucherInnen auf eine Reise in das Innere, Imaginäre begeben. Zum Ausstellungsbesuch gehört ein kostenloser Audioguide, in dem sich ein Paar über die ausgestellten Werke unterhält... Auf der Seite des Herstellers Audiovisit kann man sich das schon einmal anhören (wenn man französisch versteht, hat man natürlich noch mehr Freude daran).

Der Ausflug in die Vorstadt lohnt auf alle Fälle: das Gebäude von Jacques Ripault ist luftig gebaut und hat neben einem schönen Café-Restaurant auch noch einen großen Garten. Zudem ist das Museum ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Als ich da war, habe ich der Dame von Alain Séchas lange beim Rauchen zugeschaut.




Hier noch ein Artikel in der taz von 2005, als das Museum eröffnet wurde.

MAC/VAL
Place de la Libération
94400 Vitry-sur-Seine
Di-So 12 bis 19 Uhr

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24.11.08

Langsam in München

Jetzt erst habe ich das Interview mit Chris Dercon neulich in der Süddeutschen Zeitung gelesen. Es ist sehr lesenswert, was der Leiter des Hauses der Kunst in München zu sagen hat. Er stellt nämlich klar, dass man vieles in Kunstmuseen nicht machen muss - wie Boutique-Kunst zeigen, oder überhaupt ans Telefon gehen, wenn einem ein Berater eine komplette Ausstellung inklusive Katalog und Preview bezahlen möchte. Dercon möchte das Museum "für unterschiedlichen Menschen zu gleicher Zeit weit öffnen". Er sieht die Stärke im Museum durch seine Langsamkeit: "Wir sind sexy, weil wir langsam sind" und er sagt voraus, dass diese Langsamkeit noch lange andauern wird.
Im Haus der Kunst zur Zeit zu sehen: die Ausstellung Spuren des Geistigen aus Paris. Interessant klingt auch das Angebot, im Museum mit der guided tour do you speak art? englisch zu lernen. Die Öffnungszeiten sind sehr arbeitnehmerfreundlich: täglich 10-20 Uhr und donnerstags bis 22 Uhr.

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23.9.08

Museum Liaunig





Kärnten hat Gott sei Dank noch anderes zu bieten als Jörg Haider! Am 29. August eröffnete ein neues Privatmuseum das in erster Linie der österreichischen Kunst nach 1950 sowie einer einzigartigen Sammlung afrikanischer Goldobjekte gewidmet ist. Der Sammler Dkfm. Herbert Liaunig plant vorderhand nur Werke aus der eigenen Sammlung zu zeigen und auf Sonderausstellungen zu verzichten. Der von querkraft konzipierte Bau aus Sichtbeton, Stahl und Glas besteht aus einem Schaudepot (600 m2), einem 160 Meter langem, 13 Meter breitem und 7 m hohem tunnelförmigen "white cube", einem Graphikraum (500m2) und einem unterirdischen Kubus in dem das "Gold der Akan" gezeigt wird. Nur der lang gezogene Galerietrakt ist von aussen sichtbar und bietet von seinen Terrassen Ausblick auf die umliegende Landschaft. Unter den über 2000 Werken österreichischer Gegenwartskunst (Malerei, Plastik, Graphik aber auch Architekturentwürfe) finden sich Arbeiten von Erwin Wurm, Moldovan, Brus, Pichler, Wotruba, Prantl, Staudacher etc. aber auch Werke ausländischer Künstler wie Soulages oder Mullican.

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11.9.08

Sitzmöbel IX














Nochmals "Sitzen im MuCEM", diesmal als künstlerische Installation im Rahmen der Kandidatur von Marseille als europäische Kulturhauptstadt 2013 und der Ausstellung "Horizons 2013 - le projet Euroméditerranée": verschiedene Stühle um Michelangelo Pistolettos Tisch der das Mittelmeer repräsentiert.

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25.8.08

Carte Blanche für Christian Lacroix

Schon als Jugendlicher war der aus Arles gebürtige Christian Lacroix ein Fan des Musée Réattu, hat dort erste künstlerische Entdeckungen gemacht, Inspiration für seine späteren Kreationen gesammelt und, last but not least, auch mit mancher Jugendliebe Händchen gehalten. Damals hätte er es sich wohl kaum träumen lassen, dass dieses ehrwürdige Museum, das in einem Renaissance Palais, einst Grosspriorat des Malteserordens, untergebracht ist, ihm einst carte blanche für eine Ausstellung geben würde. Das Museum hatte damit einen überaus glücklichen Einfall. Wunderbar gelungen ist diese Inszenierung die sich über alle Säle des Museums erstreckt. Lacroix wählte Bilder und Skulpturen aus den Beständen des Museums um sie in thematischen Räumen mit moderner Kunst, Installationen, Skulpturen, Gemälden, Zeichnungen und Fotos und seinen eigenen Haute Couture Modellen zu konfrontieren. In jedem Detail wird das Auge und das Gespür für Farben, Gegensätze, Harmonien des Modeschöpfers sichtbar. Eigens nach Entwürfen von Lacroix angefertigte Teppiche sind ebenso Bestandteil der szenischen Einrichtung wie die subtilen Farbschattierungen der Wände und lassen somit das Museum und seine Objekte zu einem Gesamtkunstwerk werden.
Leider läuft die Ausstellung nur mehr bis zum 31. Oktober, aber wer in der Gegend ist, sollte sie sich nicht entgehen lassen.
Eine andere äusserst interessante Initiative des Musée Réattu gilt es noch zu erwähnen: 2007 hat das Museum eine eigene Abteilung für "Hörkunst" geschaffen. In einem (von Lacroix gestalteten) Raum, der "chambre d'écoute" mit orientalisch anmutenden Diwan-Betten und Blick auf die breit dahinströmende Rhône kann man sich in die Kissen zurücklehnen und "Hörbildern" lauschen. Jeden Monat wird ein anderes Werk vorgestellt, diesmal war es "Containers" der Australier Sherre Delys und Russel Stapleton das versucht, die "Melodie" des Hafens von Sydney einzufangen.

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11.8.08

Eine Trouvaille mitten in Paris

Ein unscheinbares messingfarbenes Schild im Pariser Stadtviertel Marais verweist auf das um die Ecke liegende Museum, das Musée de la chasse et de la nature. Um so spannender ist aber der Besuch des Museums selbst. Was man hier alles zu sehen bekommt und wie, ist einfach grandios: es war einer der kurzweiligsten Museumsbesuche überhaupt. Auf kühne und elegante Weise wird hier ein nicht unumstrittenes Thema, nämlich die Jagd, mit (zeitgenössischer) Kunst und klassischen musealen Inszenierungen präsentiert, die perfekt in das historische Gebäude eingebunden sind. All das geschieht mit einem leichten Augenzwinkern.

In zwei Rundgängen - die hier ganz gut nachvollzogen werden können - läuft die Besucherin durchs Haus. "Das Bild des Tieres" widmet sich verschiedenen Tieren wie Wolf und Hase; ein Wildschwein begrüßt mich als erstes. Künstlerische Darstellungen aus Vergangenheit und Gegenwart werden naturwissenschaftliche Erkenntnisse entgegengesetzt und ermöglichen gewissermaßen, mit den Augen des Jägers zu sehen. Dazu dienen etwa eine Art Schränke, bei denen man viele Schubladen aufziehen kann.

Imposante zeitgenössische Kunstinstallationen laden ganz direkt, aber auch versteckt ein, über das eigene Verhältnis zu Tieren nachzudenken. Der zweite Rundgang, "Jagd und Kunst", thematisiert das Sammeln selbst. Die Atmosphäre eines Sammler-Hauses soll vermittelt werden, genauer die des Sammlerpaars, François und Jacqueline Sommer, die in den 1960er Jahren die Sammlung anlegten.

Das geschieht nie ungebrochen und wird dann im 2. Stock konsequent bis in die Gegenwart fortgesetzt. Der amerikanische Künstler Mark Dion hat hier mit der Installation der Sommerschen Jagdhütte den Museumsgründern ein unprätentiöses Denkmal gesetzt.



Sehenswert sind auch die beiden Stadtpalais, in denen das Museum untergebracht ist: das Hôtel de Guénégaud, um 1655 erbaut von François Mansart, ist das einzige Hôtel im Marais, das noch vollständig erhalten ist.
Beim nächsten Paris-Besuch auf GAR KEINEN Fall versäumen!


Das Intro der Website laut anhören.
Musée de la Chasse et de la Nature

62, rue des Archives
750003 Paris , Metro Rambuteau
Di-So 11-18 Uhr, mo und feiertags geschlossen

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1.7.08

Unglaublich

Sehr bedenklich klingt das, was gerade in Moskau dieser Tage passiert: Da werden zwei Intellektuellen, Andrej Jerofejew, Kurator für zeitgenösssiche Kunst an der Tretjakow-Galerie in Moskau, und Juri Samodurow, Leiter des Sacharow-Zentrum für Menschenrechte in Moskau, der Prozess gemacht, weil sie eine Ausstellung organisiert und gezeigt haben. Laut Frankfurter Rundschau habe die Ausstellung, ""Hass und Feindschaft entfacht" und Gläubige der orthodoxen Kirche absichtlich gedemütigt zu haben."
Die Ausstellung hieß "Verbotene Kunst 2006". Nur durch ein Guckloch konnte man Kunstwerke sehen, die zuvor aus verschiedenen Ausstellungen entfernt werden mussten. Die orthodoxe Kirche hat das Verfahren angestrengt; nun hat der Kurator für zeitgenössische Kunst, Andrej Jerofejew, auch in der Politik keine Lobby mehr, er muss die Galerie verlassen, so stand es heute in der FAZ, da er schon zuvor durch mehrere Kunst-Aktionen aufgefallen war. Die von ihm zusammengetragene Sammlung soll aufgelöst werden. Was für ein Armutszeugnis!

Hier steht dazu etwas in der Welt, hier in Spiegel Online.

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23.6.08

Kunst bewohnen

Bewohnte Kunst Installation heißt das Projekt, das Sandip Shah seit 2002 in Darmstadt verfolgt. Der Ort ist eine schöne Ladenwohnung. Vorne, der große Raum mit Fenster zur Straße, ist das Wohnzimmer, in dem Sandip Shah regelmäßig befreundete KünstlerInnen präsentiert. Die Ausstellungen dehnen sich dann bis in die Küche und den Flur aus. Nun zeigt Sandip Shah seine Bilder, die sich mit dem Thema Überwachung auseinandersetzen. Hierzu nimmt Shah das Datenmaterial, das zahlreiche Kameras an verschiedenen Orten für ihn aufnehmen, vergrößert Videostills und transformiert sie auf große Leinwände. Die Bilder wirken auf den ersten Blick sehr bunt und erinnern zum Teil an Wärmebilder. Genauer betrachtet kann man dann menschliche Formen ausmachen. Wirklich beeindruckend!
In Antwerpen hat Shah in diesem Sommer vor, sein Projekt Sicherheitsbüro weiterzuführen. Und damit die DarmstädterInnen auch etwas von der Hafenstadt haben, werden Ausdrucke von Videostills, die Shah dort anfertigt, an die Scheibe der bewohnten Kunst Installation geklebt. Letzten Sonntag habe ich Menschen bei der Ausstellungseröffnung beobachtet. Im Hintergrund eines der leuchtenden Bilder von Shah.



Geöffnet ist die bewohnte Kunst Installation jeden ersten Sonntag im Monat zwischen 14 und 17 Uhr und nach telef. Vereinbarung.

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17.6.08

Kunst erlaufen

Noch bis zum 22. Juni ist im Rahmen der Kunsträume Bayern in Fürth die Containerart zu sehen. Der Rundgang beginnt am Hauptbahnhof. In leerstehenden Büros der DB sind KünstlerInnen eingezogen und haben die zugewiesenen Räume völlig verwandelt. Von hier aus spaziert man durch Fürth, um sich die zwölf Kunst-Container anzuschauen. Es ist schon erstaunlich, was man alles in diesen normierten, etwa 15 qm großen Container alles machen kann. Videos, Installationen... Auch Interaktion war gefragt: Im Container von Barbara Denzler etwa konnte man Gegenstände mitbringen, die man gerne loszuwerden wünschte. Allerdings musste man die Entscheidung treffen, ob diese Gegenstände weiter verwendet oder zerstört werden sollten; die entsprechenden Gerätschaften dafür waren inklusive Schutzbrille vorhanden. Andere Besucher konnten sich dann wiederum fürs Mitnehmen entscheiden; das Tauschregal war aber noch ziemlich gut gefüllt.
Mit am erstaunlichsten ist sicherlich das Clover Inn, das, als wir es besuchten, sich nahtlos in das Stadtfest einfügte. Axel Voss hat den Container mit goßer Detailliebe in einen schottisch-irischen Pub verwandelt, in dem man Bierraritäten aus Great Britain und die leckeren vinegar-Chips essen kann. Auf Bierbänken saß man davor und schaute dem bunten Treiben zu - viele Besucher des Festes rund um eine Sportveranstaltung haben vielleicht gar nicht bemerkt, dass dieser Stand eigentlich gar nicht dazugehörte.

Ein Erlebnisbericht zu der Containerart steht auf zonebattler's homezone

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23.5.08

Zur Kunstszene in Frankfurt am Main

Ein nun schon seit einigen Jahren fester Bestandteil der Kunstszene Frankfurt am Main ist das AtelierFrankfurt. Im ehemaligen Polizeipräsidium, einem Gebäude in der Nähe des Hauptbahnhofes, das 1914 erbaut wurde, möchte AtelierFrankfurt ein Zentrum für "zeitgemäße künstlerische Prozesse" sein und "Produktion, Präsentation und Austausch verschiedener Disziplinen" vereinen. In dem weitläufigen Gebäude haben KünstlerInnen ihre Ateliers und stellen regelmäßig im Projektraum ihre Werke aus. Weitere Ausstellungen finden in der Galerie im Erdgeschoß statt. Zur Zeit ist hier die Fotoausstellung
"(dis)simile – Fotografien aus Europa" zu sehen. Hier wird in faz.net die Ausstellung, die im Rahmen der Kulturtage der EZB stattfindet, besprochen.
Im Projektraum stellt Sandip Shah seine schönen Bilder mit dem Titel "Izmir Frankfurt" aus. Beide Ausstellungen sind bis zum 7. Juni zu sehen
ATELIERFRANKFURT, Hohenstaufenstraße 13-25, 60327 Frankfurt am Main
Donnerstag, Freitag, 17.00-20.00 Uhr und Samstag 15.00-18.00 Uhr
Alle Ausstellungen in Frankfurt am Main auf einem Blick gibt es hier.

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22.5.08

Wenn Kunst sprachlos macht

Die Frankfurter Kunstszene boomt, auch jenseits von den gut ausgestatteten Häsuern am Museumsufer. Das erste Mal zeigten die beiden Kuratorinnen von COMA in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Möbelhauses zeitgenössisches künstlerisches Schaffen (hier im Museumsblog). Dann diente ein leeres Lagerhaus, genannt Balken, als Ausstellungsort. Nun laden uns Mia Beck und Coco Hauschel in ein typisches Frankfurter Bürohaus ein. In einer etwas seelenlos wirkenden Etage, in der sonst vielleicht Architekten oder Graphiker sitzen, hat nun die Ausstellung "Sprachlos" Unterschlupf gefunden. Neun KünstlerInnen nicht nur aus dem Rhein-Main-Gebiet stellen ihre (Sprach-)Kunst vor. Die Zusammenstellung ist wirklich gelungen, sie ist vielseitig und abwechslungsreich. Sehr witzig und tiefgründig sind etwa die Zeichnungen von Markus Vater, der so manchen Gedanken auf perfide Weise illustriert. Ina Kurz, die Macherin von Maegde und Knechte, ist mit T-Shirts vertreten, auf denen je eine Seite ihres Romans abgedruckt ist. Eva Köstner begeistert mit einer Wort-Videoinstallation - um nur einige Werke zu nennen. Und was hier wie Werbung klingt, soll auch Werbung sein: denn in der Ausstellung stecken wenig (Sponsoren-)Gelder, aber viel Herzblut und Leidenschaft der Veranstalterinnen. Ich bin gespannt, wohin wir das nächste Mal mitgenommen werden!

Die Ausstellung ist bis zum 7. Juni Mittwoch abend und Sonntag nachmittag und nach Vereinbarung geöffnet, am besten hier auf der Seite von COMA nachschauen, Hanauer Landstr. 187-189.
Zur Ausstellung ist ein kleiner, feiner Katalog erschienen.

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22.2.08

Gelitin im Pariser Musée d'Art Moderne

3000 Werke der österreichischen Künstlergruppe Gelitin sind unter dem Titel "La (sic!) Louvre - Paris" vom 29. Februar bis 20. April im Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris zu sehen. "Materialien von Karamell bis Wolle, von Käse bis zu Toilettenpapier" benützen die vier Künstler der Gruppe für ihre oft Aufregung erregenden Arbeiten. Bei der Expo 2000 in Hannover mussten etwa die Besucher in ein 5 Meter tiefes Wasserloch tauchen um in die "Grotte des Glücks" zu gelangen... In Österreich sorgten sie 2003 mit der Skulptur "Arc de Triomphe" für Aufregung . Diese Darstellung eines nackten Mannes mit erigiertem Penis musste nach nur eine Woche und einer Klage der Stadt Salzburg wieder abgebaut werden und 2006 sorgte die Ausstellung "Chinese Synthese Leberkäse" im Kunsthaus Bregenz für Diskussionen.
Neben provokanten Installationen in der Tradition des Wiener Aktionismus werden in der Ausstellung jedoch auch "klassischere" Objekte zu sehen sein (Plastilin, Malereien, Bilder der Künstler in Frauenkleidern etc.).
Pariser Museumsbesucher werden wohl ihr Österreichbild revidieren müssen...

Quelle: Der Standard

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23.12.07

Von Zeit, Licht und Objekten

Im San Francisco Museum of Modern Art läuft die Ausstellung Take your time des isländischen Künstlers Olafur Eliasson. Da der Weg dahin doch etwas weit ist, kann man hier schon mal den Künstler über seine Arbeiten reden sehen und hören sowie Besucherinnen in den Installationen beobachten.

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19.12.07

Der Hausmeister war schon mal gucken

"Holden" nennt sich ein Projekt in Darmstadt, das Kunst und AnwohnerInnen, KunstfreundInnen und KünstlerInnen zusammenbringen möchte. Der Projekt- oder Galerieraum befindet sich deshalb nicht im Atelier eines schicken ehemaligen Fabrikgebäudes, sondern in einem Ladengeschäft mitten in einem Darmstädter Wohnviertel. Statt Krankengymnastik oder Steuerberatung gibt es hier nun zwei Jahre lang Kunst. Den Auftakt bilden Tinka Stock und Christian Ertel mit der Installation "I don't wanna grow up". Neonröhren, die an einen (gestrandeten) Kronleuchter erinnern, eine überdimensionierte Pappbühne, eine Gestalt aus Fimo, Töne, die aus dem Keller kommen, bestimmen den Raum und verweisen auch wieder darüber hinaus. Sehr spannend war die Eröffnung. Was als Einführung der Kuratoren Jessica Beebone und Lukas Einsele begann, setzte sich dann in Form eines gemeinsamen Gespräches der Anwesenden weiter. Künstlerin und Künstler, KunsthistorikInnen und KunstfreundInnen sprechen zwar nicht immer dieselbe Sprache; die unterschiedlichen Deutungen und Interpretationen aber verleihen der Arbeit weitere Facetten und lassen sie noch vielschichtiger erscheinen.
Allein die AnwohnerInnen fehlten an diesem Abend. Immerhin: der Hausmeister hatte schon einmal hereingeschaut.
Hier kann mehr über das Projekt lesen, das sich in der Bad Nauheimer Str. 9 in Darmstadt befindet. Geöffnet ist nach Vereinbarung, aber man kann auch gut durchs Fenster spicken. Alles weitere bei Holden oder hier. Interessant ist bestimmt auch die Finissage mit Animationsfilmen von Stock'n'Wolf & Ritterskamp am 8.2.2008.

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4.12.07

In Schränke schauen





MUT, so lautet die Abkürzung für das Museum der Universität Tübingen, das sich seit Oktober 2006 im Aufbau befindet. In der Ausstellung Auf/Zu. Der Schrank in den Wissenschaften kann man nun allerlei schrankartige Möbel der universitären Institute kennenlernen und mehr über die Inhalte erfahren. Der Begriff des Schrankes wird hier sehr weit gefasst, kann es sich doch auch um Ablage, Kühlschrank, Server-Schrank oder Aktenregal handeln. Um dem Ganzen noch eine ästhetische Komponente entgegenzusetzen, haben Simone Demandt und Candida Höfer universitäre Möbel fotografiert. Einige davon werden in der Ausstellung gezeigt. In der Ankündigung heißt es dazu:
"In der Ausstellung entsteht ein visueller Dialog zwischen Möbeln und Fotografien, historischen Fragen und zeitgenössischen Positionen der Kunst. Dabei ist der Ausstellungsort, das sogenannte „Hausmeisterhaus“, selbst ein zentrales Objekt der Wissensgehäuse-Schau: vom Keller bis zur Küche, vom Bad bis zum Dachboden dient es den präsentierten Objekten als Futteral."
Die Idee ist ansprechend umgesetzt: das ehemalige Hausmeisterhaus wurde von oben bis unten mit einer tapetenartigen Hülle versehen; Texte, Fotos und Exponate kommen so gut zur Geltung. Die Ausstellung ist kurzweilig und schön anzuschauen. Die an der Wand angebrachten Texte erschienen mir nur manchmal etwas manieriert.
Die Ausstellung ist noch bis zum 15.2.2008 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind löblich: Di- So 16 bis 20 Uhr - da wurde an die Berufstätigen gedacht! Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger Begleitband (29,90).
(das obere Bild zeigt einen Anatomieschrank, aufgenommen von Candida Höfer)

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24.10.07

Das Centre Pompidou wird mobil

Das Centre Pompidou in Paris streckt die Fühler aus: 30 Jahre sind Konzept und Gebäude alt; viele halten es schon selbst für museumsreif. Dagegen wird nun eine Offensive gestartet: 2009 wird die Antenne in Metz eröffnet. 2010 soll mit dem Centre Pompidou-Alma eine Dependance in Paris selbst entstehen, und zwar im Untergeschoss des Palais de Tokyo, dem Museum für zeitgenössische Kunst. Hier sollen vor allem jüngere, französische KünstlerInnen ausstellen. Das ist noch nicht alles: Das Centre Pompidou wird mobil und will Kunst in die Regionen und zu Menschen bringen, die eigentlich für Kunst nicht so empfänglich sind. Das alles erzählte Alain Seban, der Präsident des Centre, heute in Le Monde. Und ich empfehle, bis 11. Februar 2008 die Alberto-Giacometti-Ausstellung im Centre anzuschauen. Ein Hochgenuß, da nicht nur viele Skulpturen, sondern Teile seines Ateliers, Gemälde, Fotos und Zeichnungen klug präsentiert werden.

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11.9.07

Kunst und Terror










Im September auf der Biennale di Venezia

Nicht oft geht man durch eine Ausstellung und hat Angst, dass sich die Welt jeden Moment auf dramatische Weise verändern könnte. Mir ging es so, als ich am 5. September in Venedig die Räume der Arsenale auf der 52. Biennale di Venezia 2007 betrat. Das lag nicht unbedingt daran, dass es gleich am Eingang eine „Airplanecrashclock“ (1997) von Charles Gaines (USA) zu sehen gab, und andere Kunstwerke, die explizit das Thema „Terror“ aufgriffen – es lag schlichtweg daran, dass seit meinem letzten Besuch in Venedig, am 11. September 2001, die Welt tatsächlich nicht mehr dieselbe ist. Nie werde ich vergessen, wie an einem Café-Stand am Seitenausgang der Arsenale-Hallen Unruhe aufkam. Es war früher Nachmittag, und ich wollte einen stärkenden Espresso zu mir nehmen, doch niemand interessierte sich dafür. Alle hefteten ihre Ohren an ein Radio und rätselten in allen Sprachen, was da wohl passiert sein könnte. So ganz ließ sich nicht klären, was in New York los war, also wendete ich mich wieder den Ausstellungsräumen zu. Erst am Abend, als ich im Hotel die Bilder im italienischen Fernsehen sah, wurde mir bewusst, dass sich diese Aufnahmen tiefer in mein Bewusstsein brennen würden als alle Kunstwerke, die ich zuvor gesehen hatte. Bereits am nächsten Tag war ich froh, Venedig verlassen und nach Hause fahren zu können, Zwischenstopps auf dem Weg nach Hamburg hatte ich abgesagt.
Im Vorfeld der 6. Jährung wurde ich wieder konfrontiert mit dem traumatischen Ereignis 2001, das niemand für möglich gehalten hätte. Wen wundert, dass sich inzwischen international Künstler damit auseinandergesetzt hatten, es auf vielfältige Weise mit sich, ihrer Gesellschaft oder Nation in Zusammenhang brachten. Unter dem Titel "Pensa con i sensi, senti con la mente" ("Denke mit den Sinnen, fühle mit der Seele") ist nun in Venedig eine große Ausstellung mit über hundert Künstlern aus der ganzen Welt entstanden, in den Giardini della Biennale und im Arsenal von Venedig. Es sind (im Gegensatz zum Großteil der Werke auf der Documenta 12 in Kassel) Werke, die durch Klarheit und Sinnlichkeit überzeugen, die komplexe Sachverhalte auf einfache Weise visualisieren. Das macht gute Kunst aus, auch die zu "nine-eleven". Cheri Samba aus dem Kongo etwa, der mit einigen Werken im italienischen Pavillon präsentiert wird, weist mit seinem apokalyptischen Bild „Après 11 Sept 2001“ darauf hin, dass der ausgebrochene Krieg auch einer der „Köpfe“ ist: Hautfarbe, Alter und Geschlecht spielen keine Rolle mehr, nur eine schwach leuchtende Kerze (die Religion?) darf nicht ausgehen, während der Kopf wild um sich schießt. Mounir Fatmi aus Marokko, zu sehen in der Afrika-Ausstellung am Ende der Arsenale, beschwört in seiner Klanginstallation „Save Manhatten 03“ (2006/07) – eine Stadt aus Audio-Boxen, die als Schatten die skyline von Manhatten an die Wand wirft und die Geräusche einer Stadt wiedergibt - die Normalität des Alltags zurück. Stark auch die Arbeit von Yang Zhenzhong aus China, der in seiner Videoinstallation “I will die”(2000-2005) Menschen aus aller Herren Länder ein memento mori abverlangt, indem er sie auf ihre persönliche Art und Weise diesen endgültigen Satz aussprechen lässt. Ruth Sacks aus Südafrika lässt in einer Videoarbeit ein Flugzeug am Himmel den Satz „Dont panic“ schreiben - ein Hoffnungsschimmer? Zumindest wurde mir auf dieser Biennale deutlich vor Augen geführt, dass es Bin Laden und Co. nicht gelang, die Kreativität und den Willen, an das Gute im Menschen zu glauben, auszumerzen. Es wird weiterhin internationale Biennalen geben, es wird weiterhin weltweit Künstler und ihr Publikum geben, die sich friedlich austauschen. Egal ob aus dem Orient oder Okzident.

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24.8.07

Sechs Impressionen zur Documenta

Zu allererst: die Documenta 12 ist ein Erlebnis. Es ist toll, soviel Kunst auf einmal sehen und erfahren zu können. Ich habe spannende Sachen gesehen, die mich mächtig beeindruckt haben, aber auch Langweiliges. Es gehört dazu, dass die Ausstellungsräume viel zu voll sind und dass man am Ende eines Nachmittags nur noch flaniert und eigentlich nichts mehr sehen möchte. Hier einige Impressionen zur Documenta:

1. Faul sein gilt nicht. Im Documenta-Prospekt heisst es, dass die Besucherin die Werke "ästhetisch zueinander in Beziehung" setzen soll. Deshalb gibt es (fast) keine Informationen zu Werken und KünstlerInnen. Auf den Objekttafeln steht der Name des oder der KünstlerIn, ggf. das Jahr, sowie die verwendeten Materialien. Es kommt auch vor, dass das Werk weder einen Titel hat noch ein Datum und der Name auchz nicht weiterhilft. Einerseits ist das interessant, weil man nicht gleich in das Schubladendenken Mann-Frau- Zeit-Ort verfällt. Wenn man sich darauf einlässt, dann sieht man schon die Zusammenhänge, wie Materialien oder Themen; die Besucherin ist in "das Gespräch" miteinbezogen, wie es die Documenta-Leitung vorsieht. Andererseits gelingt es nicht immer, sich darauf einzulassen. Katalog oder Audio-Guide wären eine Alternative gewesen. Ich hätte mir aber zuweilen mehr Information gewünscht, ohne dass ich mit einem zwei-Kilo-Katalog oder einem Knopf im Ohr hätte rumlaufen müssen. Manchmal waren Blätter mit Informationen neben einzelnen Kunstwerken geheftet - Konzept oder nachträglich hingehängt?

2. Als Alternative gab es zum ersten Mal einen Audio-Guide. So hilfreich das sein kann: ich ziehe es aber vor, mich mit meiner Begleitung auszutauschen oder mit anderen BesucherInnen ein Gespräch zu beginnen. Viele andere BesucherInnen wählten den Audio-Guide. Leider hatte das zur Folge, dass viele stumm, andächtig und sprachlos vor den Kunstwerken standen oder damit beschäftigt waren, mit der Technik ihres Mp3-Players klarzukommen.

3. Schön fand ich die Grafik des Leitsystems der Documenta, also etwa die Pfeile und die Schrift. Verantwortlich dafür ist die Gruppe? Vier5, die ihren Sitz in Paris hat. Interessanterweise hat dasselbe Büro auch das Logo für das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt entwickelt (die übereinanderlappenden Buchstaben) - das mir ja gar nicht zusagt.

4. Die Einbindung des Schlosses Wilhelmeshöhe. Das gab es noch nie zuvor, dass eine Documenta hier den Dialog suchte - und leider nicht gefunden hat. Die eine Leitfrage, die Leiter Buergel aufstellte, "Ist die Moderne unsere Antike?" hätte eigentlich hervorragend in die Präsentation der Antike im Schloss gepasst. Etwa die Themen Körper und Bewegung, mit denen sich unten in der Stadt viele Künstlerinnen beschäftigten. In der Antikensammlung ist aber leider nichts von der Documenta zu finden. Statt dessen läuft man eher verloren durch die ohne Zweifel schöne Gemäldesammlung, auf der Suche nach Documenta-Werken. Neben einigen geschlossenen Präsentationen innerhalb der Ausstellungssäle tritt die zeitgenössische Kunst nur sporadisch und etwas lieblos mit der alten Kunst in den Dialog; das Ganze wirkt wie: Hier haben wir noch etwas Platz, dann können wir doch noch eben mal den oder die soundso hinhängen. Schade! Immerhin habe ich nun endlich Schloss Wilhelmshöhe gesehen und bin gebührend beeindruckt: ein schönes, klassisches Museum, das auch einen Besuch außerhalb der Documenta-Zeit verdient. Das Reisfeld allerdings hätte man sich schenken können.

5. Gut gefallen hat mir das Publikum, dass zum Teil so ausgestattet war, als würde es sich mindestens auf eine 20-Kilometer-Wanderung begeben. Es war nicht das typische bürgerliche-Sonntagsnachmittag-Museumspublikum, sondern ein Querschnitt durch die Bevölkerung. Gibt es eine Statistik dazu?

6. Auch ein Kunstwerk: Als wir am Spätnachmittag erschöpft im Aue-Pavillon auf den chinesischen Stühlen saßen, durch die verglaste Wand nach daußen blickten und auf eine Animation warteten, die uns ein sehr flüchtig gelesenes Schild versprach, tat sich lange Zeit erstmal nichts. Doch plötzlich, wie von Geisterhand gesteuert, plusterte sich ein draußen am Boden liegender Schlauch auf und einer Schlange gleich huschte sekundenschnell eine Welle an uns vorbei, dann sackte der Schlauch wieder zusammen. Für einen Moment waren wir verunsichert, war es das? Ging es hier nicht um Bewegung, Körperlichkeit und Vergänglichkeit? Um die Animation eines Stückes Alltags? Das war dann doch zu naiv gedacht: Das Schild richtig gelesen, kündigte es eine Flash-Animation in der Dunkelheit an. Irgendwie waren wir darüber enttäuscht.

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19.7.07

Des Hausmeisters Sammlung

Voll war es letzte Woche, als im Frankfurter Portikus die Ausstellung "It takes something to make something. Die Sammlung Rausch" eröffnet wurde. Das Sammlungskonzept ist genial, wenn man wenig Geld hat, aber Kunst liebt: Man werde Hausmeister in einer Kunsthochschule und lässt sich von den Studierenden und Professoren mit Kunstwerken beschenken. Die Sammlung des Hausmeisterpaares Rausch von der Städelschule ist nun im kleinen, aber feinen Portikus-Gebäude auf der Main-Insel zu sehen. Dazu ist ein Katalog erschienen. Der Blick von der Empore in den Ausstellungsraum offenbart: Bei solch einer Fülle von Werken kann nur die Petersburger Hängung in Frage kommen.



Zum Nachlesen: Die Sammlung Rausch auf FAZ-Online.

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18.6.07

Cocktails im Wasser



Wenn man sich erst mal überwunden hat, den hellen Sommertag zu verlassen und sich ins Dunkle des Ausstellungsgebäudes auf der Mathildenhöhe zu begeben, dann vergisst man sofort, dass draußen die Sonne scheint. Gleich die erste Installation des kanadischen Künstlerpaares Janet Cardiff & George Bures Miller zieht einen in den Bann: "The Killing Machine", die auch der Ausstellung den Titel gab (+ andere Geschichten 1995-2007) ist abstoßend-faszinierend. Abstoßend, da in der Installation ein Zahnarztstuhl an prominenter Stelle steht und sofort Assoziationen auslöst; faszinierend, weil sich filigrane, an Schreibtischlampen- Gestelle erinnernde Roboterarme tänzerisch um den Stuhl bewegen, dann aber mit spitzen Metallteilen zuzuhacken scheinen. Für die Ausstellung muss man Zeit mitbringen, und den Willen, sich mit unterschiedlichen Formen der Wahrnehmung auseinanderzusetzen. Die Werke sind sehr abwechslungsreich, so erwartet einen in "The Dark Poole" ein dunkler Raum, in dem anscheinend bis vor kurzem noch jemand hauste, der sein Bett, seine Bücher, Geschirr und allesmögliche andere Sammelsurium dagelassen hat. Licht, Töne und Stimmen, die man selbst durch einen Bewegungsmelder auslöst, verleihen den Dingen plötzlich ein Eigenleben. Eine weihevolle Stimmung empfängt dann einen im Saal des "40 Stimmen Motetts", in dem eine englische Motette aus dem 16. Jahrhundert als Audioinstallation zu hören und irgendwie zu fühlen ist: Jede Stimme des Chores wird durch einen eigenen Lautsprecher verstärkt, so dass man das Gefühl hat, Teil des Chores zu sein. Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Spaziergang im Wasserreservoir unterhalb des Ausstellungsgebäudes. In Gummistiefeln stapft man durch das stockfinstere Gewölbe, und angezogen durch Musik und Licht in der hintersten Ecke, stößt man auf eine Art Cocktail-Bar. Leider ist der Alkohol für die Cocktails alle, und so macht man sich dann doch wieder auf in den hellen Tag.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. August auf der Mathildenhöhe in Darmstadt zu sehen.
Ein Interview mit Cardiff/Miller auf hr-online.

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14.6.07

Künstlern über die Schulter sehen

Tate Shots heißt die Reihe auf der Internetseite von Tate Online, in der jeden Monat eine Auswahl von mehreren Kurzfilmen gezeigt werden. Der Schwerpunkt liegt auf moderne und zeitgenössische Kunst; Ziel ist es wohl, auf laufende Ausstellungen neugierig zu machen. Das klappt auch. So präsentiert eine Kuratorin die derzeit laufende Fotoausstellung in Tate Modern "How we are". Oder man schaut sich im Archiv den Film "Meet the Artists" an, in dem wir Thomas Hirschhorn sehen, der mit einem entzückenden Schweizer Akzent auf Englisch davon erzählt, wie es ist, ein Künstler zu sein.

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11.6.07

Kunst suchen

Sehenswert: die Skulpturen im Kurpark von Bad Homburg v.d.H., die sechste Ausstellung in der Reihe Blickachsen. Manchmal hängen sie im Baum, verstecken sich im Gras oder sind so gut integriert, dass sie gar nicht auffallen, wenn nicht ein kleines Täfelchen davorstände. Leider stehen auf den Tafeln nur ganz wenig Informationen (allerdings ist eine Telefonnummer angegeben - ob man da mehr erführe?), so dass es sich empfiehlt, den sehr nützlichen und schön gemachten Mini-Katalog (als Pdf) herunterzuladen. Auch einen Plan empfiehlt sich auf der Wanderung in dem von Herrn Lenné anglegten Park mitzunehmen, ist er doch viel größer als erwartet. Schön ist er, mit oder ohne Skulpturen, die bis Mitte Oktober stehen, allemal.

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3.6.07

Frankfurts Kunstszene boomt

Innerhalb von nur drei Wochen haben drei kreative Menschen eine Ausstellung auf die Beine gestellt, die sich sehen lassen kann. Helberger 23 nennt sich das Projekt: Helberger ist ein ehemaliges Möbelkaufhaus in der Innenstadt von Frankfurt, das vor einiger Zeit geschlossen hat. Da, wo einst Schlafzimmer und Sofas aufgebaut waren, wird nun Kunst von 23 KünstlerInnen gezeigt. Fotografie, Video, Malerei, Zeichnung, Wandmalerei, Skulptur und Installationen fügen sich wunderbar in das nischenartig strukturierte Geschoß ein. Es ist eine Fläche, der man es anmerkt, dass einmal hier Dinge in Szene gesetzt wurden. Die Ausstellung profitiert vom edlen Ambiente mit hellgrauem Teppichboden, blitzeweißen Wänden und gezielter Beleuchtung. Von den 23 KünstlerInnen stechen insbesondere drei hervor: Die grellen, orange-grünen Bilder von Stefan Bressel, die man aber lieber nicht in seinem Wohnzimmer hängen haben möchte, da ein Augenflimmern vorprogrammiert ist; die Bild-Ton-Installation der Hamburger Künstlerin Ina Hattebier, die verschiedene Motive aus dem Alltag, die doch etwas gemeinsam haben, an die Wand projiziert; und die Bilder von Michael Wagener, der Collagen aus Landkarten auf verblüffende Weise collagiert und der zugleich einer der drei Kuratoren der Ausstellung ist. Es ist eine Ausstellung, die Spass macht, und die ein schönes Spektrum zeitgenössischen Kunstschaffens bietet. Bis zum Ende des Jahres - so lange steht der Raum zur Verfügung - sind Einzelausstellungen der 23 KünstlerInnen geplant.

helberger 23 - Große Friedberger Straße 23 HH - 60313 Frankfurt am Main
1. Juni - 1. Juli 2007, Do 18 - 21 und So 15 - 18 Uhr
Kontakt: info(at)helberger23ausstellungsraum
www.helberger23ausstellungsraum.de

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8.5.07

Lust auf Kunst

Hervorragende Ausstellungen, die Lust machen, sich mit zeitgenössischen Kunstformen auseinanderzusetzen, bietet das CaixaForum in Barcelona. In der Nähe des Weltausstellungsgeländes von 1929, der heutigen Messe, befindet sich das Forum in einem Fabrikbau aus der Jahrhundertwende. Man kann sich die ständige Sammlung ansehen (u.a. Joseph Beuys, Thomas Hirschhorn und Sophie Calle) oder sehr schöne Ausstellungen. Bis 14. Mai ist etwa noch die Ausstellung über die Modekünstlerin Agatha Ruiz de la Prada zu sehen (Fotos). Sehr schön gehängt ist die großartige Retrospektive des großen amerikanischen Fotografens Lee Friedländer. In jeder Ausstellung gibt es ein "Familienlabor", in dem nicht nur die Kinder abgestellt, sondern sich alle mit dem Thema auf eine andere Art und Weise beschäftigen können. Gefallen haben mir hier auch die vielen Kindergruppen, die sich mit sichtbarer Begeisterung mit den Werken beschäftigten. Der Eintritt ist frei; das Forum ist eine Stiftung der großen katalanischen Sparkasse LaCaixa, die sich neben den Geldgeschäften sozial und kulturell engagiert. Anders als auf der Internetseite sind im Forum selbst alle Informationen auch auf Englisch vorhanden.

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3.11.06

Wer den Ton angibt in der zeitgenössischen Kunst

Man kennt sie ja, die Listen, die vorzugsweise Boulevardblätter erstellen: die 100 erotischsten Frauen oder Männer, die schlechtangezogensten usw. usw.
Interessant ist, dass die Kunstzeitschrift "Art Review" eine Liste herausgibt mit den 100 mächtigsten Personen im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Auf Platz 1 steht ein Franzose: François Pinault, Kaufhausbesitzer und Kunstliebhaber, der im April seine immense Sammlung von Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in Venedig im Palazzo Grassi präsentierte.
Interessant ist auch der letzte Platz auf der Liste: ihn nimmt keine Person ein , sondern die Bildersuchmaschine von Google. Sie dient den mächtigen und noch nicht so mächtigen Menschen im Museums- und Ausstellungsbereich als das Recherchemittel, um die Kunst überhaupt lokalisieren zu können.
Gelesen in der Welt.

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