Erfahrungen mit Audioguides

Bei uns gibt’s was auf die Ohren!
Nachdem Nina Gorgus in ihrem Beitrag über die Zitadelle von Bitche das Thema angeschnitten hat, ergreife ich die Gelegenheit, eigene Erfahrungen mit Audioguides in Ausstellungen wiederzugeben und die verschiedenen Möglichkeiten miteinander zu vergleichen:

1. WALKMAN: konnte man sich in der Berliner Neuen Nationalgalerie gegen Pfand leihen.(oder gibt’s das System immer noch?) Die Kassette drin bot einen Überblicksrundgang zu ausgewählten Exponaten einer Ausstellung. Zu meinem Ausstellungsvergnügen hat stets die Tatsache beigetragen, dass Otto Sander als Sprecher verpflichtet worden war.Wenn er mit seiner speziellen Otto-Sander-Stimme aufforderte: „Schalten Sie das Gerät hier mal aus und lassen Sie das Gemälde auf sich wirken; wir sehen uns später im nächsten Raum!”, dann tat man doch meist brav, was er sagte. In Kleingruppen wurde die Diskussion über das gesehene durch den Guide nicht abgeblockt, sondern eher angeregt. Nett war, dass man die Kassettenführung zu einem akzeptablen Preis kaufen konnte. Auf der langen Heimreise noch mal die Ausstellung Revue passieren zu lassen, das hatte schon was.2. STATIONÄRE KOPFHÖRER bietet zum Beispiel die Musikinstrumentensammlung des Landesmuseum Württemberg in Stuttgart an. Zu den ausgestellten Instrumenten gibt es Klangbeispiele und (leider oft nur für Kenner verständliche) Erklärungen. Zu jedem Kopfhörer gehört eine Sitzgelegenheit, uff, danke!! Leider ist die Anzahl der Kopfhörer begrenzt, so dass Gruppen nicht gemeinsam der Musik lauschen können. Nicht sehr kommunikationsfördernd.
Und wie ist das mit der Hygiene? Schon ein bisschen abschreckend…

3. INFRAROT-KOPFHÖRER verleiht z.B. das Musikinstrumentenmuseum im „Parc de la Villette“ in Paris. Absolut nervig! Nie wusste ich zu sagen, zu welchem der gezeigten Instrumente jetzt der Text bzw. das Klangbeispiel gehörte. Mit einer bloßen Kopfdrehung oder einem kleinen Schritt in die falsche Richtung veränderte sich das Programm auf meinem Kopfhörer; auch wusste ich nie, was meine Partnerin gerade hörte. Ein Kommunikationskiller!

4. KLANGDUSCHEN waren Bestandteile der sehr gelungenen „Jazz-Ausstellung“, die ich vor Jahren auf der Darmstädter Mathildenhöhe besuchte. Die Dinger erinnerten tatsächlich an Duschkabinen, nach einer Seite waren sie offen, doch drang kaum ein Laut heraus. 2, 3 Leute, die Körperkontakt nicht scheuten, konnten miteinander „klangduschen“. Mittlerweile hat sich die technische Qualität der Lautsprecher mit geringem Abstrahlwinkel noch verbessert (sagt mein Schwager – der bei einem der Anbieter in der Entwicklung arbeitet). Vielleicht kann man die Kabine mittlerweile weglassen?

Mit ANSCHLUSSBUCHSEN für Walkman-Kopfhörer löst die Ausstellung ”Macht Musik“ bei der DASA in Dortmund das Problem. Kopfhörer kann man entweder mitbringen, oder an der Kasse für 1,50 Euro erwerben. Das Hygiene-Problem ist gelöst. Mit der entspr. Zahl von Anschlüssen je Station können 5 Personen gleichzeitig Musik hören. Durch die offene Bauweise der Kopfhörer bedingt, kann man sich auch noch unterhalten.
Nachteil: Wir besaßen Walkman-Kopfhörer, hatten sie aber nicht dabei. Was tun wir jetzt mit den gekauften Teilen?

5. MP-3 DATEIEN kann man sich von der Homepage des ZKM, Karlsruhe auf den eigenen Player downloaden. Die gesprochenen Texte liefern Hintergrundinformationen zur aktuellen Sonderausstellung über Lichtkunst. Die besprochenen Exponate sind, wie die entsprechenden Dateien nummeriert. Das System scheint mir in die Zukunft zu weisen, hat aber noch einige Nachteile:
Nicht jeder verfügt über Computer, Internetanschluss und MP3-Player. Nicht jeder informiert sich vor einem Ausstellungsbesuch im Netz. Die Erfahrung mit dem ZKM bringt mich auf eine – etwas anarchistische- Idee: Künftig wird es ganz einfach sein, Audio-guide-tours als Dateien ins Netz zu stellen – auch zu Ausstellungen, die man gar nicht selbst kuratiert hat…

Kategorie: Hören

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