Ein Buch über Objekte und Museum

Geschrieben von am 16. Februar 2014 18:46

Etwas kurios abgründig, aber nicht uninteressant: Das Buch der  japanische Autorin Yoko Ogawa über Das Museum der Stille. Es geht um Erinnerungsstücke der besonderen Art, wie sie gesammelt, beschrieben, inventarisiert, restauriert und ausgestellt werden. Das ist ganz schön beschrieben – etwa auch für diejenigen, die sich keine Vorstellung machen, was so an Tätigkeiten im Museum anfallen, wobei hier natürlich auch etwas Lokalkolorit dabei ist. Auch handelt es sich wirklich um einzigartige Erinnerungsstücke, die auch auf etwas illegale Weise ins Museum kommen. Dazu kommen noch die eine oder andere etwas abstruse Nebenhandlung…. Am Ende ist das Museum fertig (und die Protagonisten irgendwie auch) – aber wird es jemals BesucherInnen haben?

Museum, Politik und Macht

Geschrieben von am 8. Dezember 2013 12:12

Diesem Thema widmet sich eine internationale Konferenz im kommenden Jahr in St. Petersburg (9. bis 12.9.2014), initiiert und durchgeführt von den drei Nationalkomitees des Internationalen Museumsrates ICOM in Deutschland, Russland und den USA.

Die Konferenz wird von einem Team aus den USA, Russland und Deutschland mit dem Social-Media-Projekt Museums, Politics and Power – An International Conversation  in drei Sprachen begleitet mit dem Ziel, Museumsfachleute schon im Vorfeld der Konferenz sowie auch danach auf dieser Plattform zusammenzubringen, um gemeinsame Projekte, Ideen und Museumsfragen auszutauschen.

Angeregt werden soll eine lebhafte Diskussion über das Thema der Konferenz – Museum & Politik im Deutschen und Englischen (Museum & Politics), aber Museum & Macht im Russischen (Музей & власть) – sowie über angrenzende aktuelle Fragen der internationalen Museumslandschaft. In welchem Verhältnis stehen Museum, Macht und Politik zueinander? Was verbindet, was trennt sie? Welche Rolle spielen die Museen, wie können sie sich positionieren? Wie sieht sie aus, die Verflechtung von Politik, Macht und Museum? Übt die Politik Macht über die Museen aus? Wie unabhängig sind die Museen? Welche Unterschiede gelten für Deutschland, Russland und die USA?

Themen in der Schnittmenge von Politik, Macht und Museum sind u.a. die internationale Diskussion über kulturelles Erbe, nationale und kollektive Identitäten und Geschichtspolitik, veränderte Rahmenbedingungen öffentlicher Finanzierung von Museen und Kulturpolitik sowie das wachsende Aufgabenspektrum von Museen in der kulturellen und außerschulischen Bildung. Es geht um nicht weniger als die Verortung von Museen im politischen Raum, ihre Einflussmöglichkeiten, aber auch ihre Beeinflussung.

Blogposts und Kommentare sind herzlich willkommen! Ein Beitrag sollte gar nicht zu lang sein (ca. 1.000 Zeichen), gerne mit einem Foto, ergänzt von einer kurzen Information zur eigenen Person, zu richten an eines der vier Mitglieder des Projektteams.

Warum im Nationalarchiv in Paris gestreikt wurde

Geschrieben von am 7. Oktober 2010 23:34

Wir hatten schon einmal über die Pläne des französischen Präsidenten berichtet, ein nationales Geschichtsmuseum einzurichten. Damals wurden 5 Standorte näher ins Auge gefasst; nun ist es ein ganz anderer geworden: Sarkozys Begehrlichkeiten richten sich auf die wunderbaren Gebäude des Nationalarchivs im Herzen von Paris. Hier soll das Maison d’histoire de la France sich künftig ausbreiten. Für Ende 2011 ist bereits eine Ausstellung angekündigt; vielleicht wird dann auch geklärt, warum „maison“ und nicht „musée“.

Das Archiv soll auch noch bleiben dürfen; doch sehen die Archivare freilich die Entwicklung mit Sorge, ist doch die seit Jahren verfolgte Umstrukturierung betroffen: Ein großer Teil des Archivs soll 2013 umziehen nach Pierrefitte-sur-Seine. Teile des Archivs sollten ja deshalb ausgelagert werden, damit die Gebäude im  Marais entlastet werden.  In Paris verbleiben sollten etwa das Archiv vor 1789, die Siegelsammlung oder die historische Bibliothek. Auch hätte das  Museum, das in den letzten Jahren immer kleine, feine Ausstellungen präsentiert hat Raum für eine Dauerausstellung bekommen.

Die Archivangestellten waren von Sarkozys Ankündigung (dazu hier in Le Monde) nicht begeistert – deshalb wurde erst einmal gestreikt.  man sorgte sich etwa,  dass das Archiv als materielles Gedächtnis der Nation komplett seiner Funktion beraubt wird. Auch sorgt man sich um die Zukunft des Grand Dépot, unter Louis Philippe entstanden, das viele Kilometer Akten beherbergt.

Andere wiederum, wie der Kunsthistoriker Didier Rykner begrüßen es, das sich auf diese Weise die zuweilen hermetisch abegschlossenen Räume für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.

Ich bin gespannt, wann Jean Nouvel ins Spiel kommt – denn so ein bißchen umbauen muss ja auch sein. Und ich bin gespannt, ob Sarkozy es überhaupt noch als Präsident erlebt, wie „sein“ Museum eröffnet wird!

Noch nachgereicht: ein Beitrag dazu auf Arte, hier anzuschauen.

Das Museum Neukölln in Britz – (K)eine Landpartie

Geschrieben von am 16. Juli 2010 10:27

Was macht man, wenn die Sommerhitze das Quecksilber gegen die 40 treibt, die Freibäder überfüllt sind und die Seen von Berlin auch keine Abkühlung mehr zu bieten haben? Man sucht die kühlen Orte der Stadt auf – und dazu gehören die wegen ihrer empfindlichen Objekte klimatisierten Museen.

Wer sich auf den Weg zum Museum Neukölln nach Britz macht, steigt an der Parchimer Allee aus der U7 aus und muss dann noch ein Stück zu Fuß laufen. Das Museum, dass sich erst seit Mai 2010 an seinem neuen Standort auf dem Gutshof Britz befindet, ist noch nicht ausgeschildert. Man sollte sich aber nicht entmutigen lassen, sondern unbeirrt die Parchimer Allee hinunterlaufen, bis man zur Rechten auf das Gelände des Gutshofes stößt. Dort wird man von Kühen und Schafen begrüßt und hat mitten in Berlin das Gefühl, auf dem Land angekommen zu sein.

Der Gutshof, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Kinderheim genutzt wurde, beherbergt heute neben dem Museum Neukölln eine Außenstelle der „Musikschule Paul Hindemith“ im Gutsverwalterhaus. Die Dauerausstellung des Museums befindet sich im ehemaligen Pferdestall, der ehemalige Ochsenstall steht für Sonderausstellungen zur Verfügung. Im nächsten Jahr soll im alten Kuhstall der „Kulturstall“ mit Konzertsaal eröffnet werden.

Die Räumlichkeiten des Museums sind so renoviert worden, dass die Stallatmosphäre noch zu spüren ist, aber durch die helle Bemalung des Deckengebälks und die Glastüren wirken sie sehr licht und großzügig. Zu diesem Raumgefühl trägt nicht zuletzt das Arrangement der Ausstellung bei. In dem für ein Museum recht kleinen Raum steht man mit Betreten des Gebäudes schon mitten in der neukonzipierten Ausstellung, die sich unter dem Motto 99x Neukölln mit nur 99 Objekten in sechs Glasvitrinen präsentiert.

In Anbetracht der begrenzten Anzahl haben die Ausstellungsmacher mit Sicherheit mehr als einmal die berühmte Qual der Wahl empfunden. Denn wie wählt man schon die „richtigen“, repräsentativsten Stücke für die Stadtteil- und Regionalgeschichte von Neukölln aus? Und so scheinen sich die Kuratoren eines kleinen, sehr gelungen Tricks bedient zu haben: Mit bewegbaren Touchscreens kann der Besucher Informationen zu den einzelnen Gegenständen anwählen. Und dann, je nach Interesse, immer tiefer in die Geschichte(n) zu den Objekten eintauchen. Und das hierbei die digitalisierten Bild- und Tonquellen des Museums, sowie Abbildungen von weiteren Objekten aus dem Depot zur Verfügung stehen, mag die Ausstellungsmacher für die strikte Beschränkung auf 99 Objekte entschädigt haben.
Die Dauerausstellung 99x Neukölln im ehemaligen PferdestallWer hier sitzt, kann an den Computerterminals nach Herzenslust recherchieren.

Der Besucherin kommt diese Reduktion jedenfalls sehr zugute: Es droht keine Überfrachtung und da sich an den Objekten keine Beschriftung befindet, konzentriert man sich zunächst nur auf die Gegenstände selbst. Das regt die Fantasie an und umso spannender ist es, dann über den Touchscreen herauszufinden, welche Geschichte hinter dem jeweiligen Objekt steht: Zum Beispiel die Kochmaschine für Kinder, mit der zwei Generationen einer Neuköllner Familie spielten und die über die Erziehung von Mädchen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzählt. Oder auch das Schild, das in den 1970er Jahren vor dem Arbeitsamt Neukölln hing und Anstoß zur Problematisierung der hohen Arbeitslosenzahlen im traditionellen Arbeiterstadtteil gibt.

Die hier abgebildeten Kasperlepuppen bekam ein Neuköllner Mädchen 1943 zu Weihnachten geschenkt. Der Vater hatte sie selbst gebastelt, da es in den Kriegsjahren kaum noch Spielsachen zu kaufen gab. Dass die Zeichen der Zeit auch vor Kinderspielzeug nicht Halt machen, sieht man an der NS-Propaganda-Figur des „Kohlenklau“, die zu dieser Puppenausstattung gehört.

Darüber hinaus stehen noch Computerterminals zur Verfügung, an denen man weitere Informationen bekommt und die die ausgestellten Objekte im Bezug auf die Leitfragen „Wann, Was, Wo?“ verknüpft werden.

Die derzeitige Sonderausstellung beschäftigt sich mit den sogenannten „Löwenhäusern“ in der Hannemannstraße und wurde gemeinsam mit den Bewohnern erarbeitet und konzipiert. Für September ist die Eröffnung des Geschichtsspeichers geplant, der den Besuchern ermöglichen soll, Informationen zur Geschichte, Kultur und Alltag Neuköllns zu suchen und abzurufen. Darauf, wie das genau aussehen soll, darf man gespannt sein. Die gut strukturierte und verständliche Bildschirmführung und angemessene Objektauswahl auf den Ausstellungscomputern lassen jedenfalls auf das Beste hoffen.

Nicht zu verachten ist auch der wunderschöne nach hinten gelegene Garten, dessen Blumenrabatten nach alten Plänen neu angelegt wurden.

Hier würde sich die Besucherin einen Sitzplatz unterm Sonnenschirm und eine kleine Gastronomie mit kühlen Getränken wünschen. Aber, wie man hört, sind solche Pläne vom Museum wegen lärmempfindlichen Anwohnern fürs erste auf Eis gelegt worden. Wer weiß, vielleicht entdecken diese ja das in ihrer Nachbarschaft neu entstandene Kleinod noch für sich und freuen sich über den Kulturtreffpunkt in ihrer Nähe. Zu wünschen wäre es ihnen und dem Museum, dem einige Besucher mehr sicher nicht schaden könnten. Der Eintritt ist übrigens frei.

Erinnerungsstücke ausgestellt

Geschrieben von am 14. Oktober 2008 09:57

Es waren Daniel Spoerri und Marie Louise von Plessen, die in den 1970er Jahren die Idee des Musée sentimental prägten. Mit Köln fing es an, dann folgten Preußen und Basel. Es ging den beiden darum, alltägliche und außergewöhnliche Dinge und ihre Geschichten zu zeigen, die eine Stadt prägen. Wichtig für die Objekte war stets die Geschichte oder die Erinnerung, die damit verknüpft war. Durch das Arrangement von scheinbar nicht Zusammengehörendes ergibt sich doch ein Ganzes, das darüber hinaus viel Raum zum Assoziieren lässt.
Diese Prinzip haben nun Studierende des BA-Studiengangs Kultur- und Sozialanthropologie in Münster aufgegriffen und umgesetzt: Innerhalb von nur einem Semester stellten sie unter der Leitung von Martin Wörner eine sehenswerte Ausstellung auf die Beine. Studieren in Münster ist das Thema der Ausstellung, für das die Studierenden Objekte recherchierten, Sponsoren suchten, Texte schrieben, Ausstellung aufbauten…. und das zu Zeiten von Bologna.
Das größte Objekt, der VW-Käfer, passte dann aber doch nicht in die Ausstellungsräume. Die beiden oben abgebildeten kann man wohl sehen, und was es damit auf sich hat, kann man auf dem Blog nachlesen.

Bis zum 4. November ist die Ausstellung im Foyer des Fürstenberghauses zu sehen.

Gerüche im Museum

Geschrieben von am 12. September 2006 09:40

Nein, ich meine nicht, eine Ausstellung oder ein Museum über Gerüche oder Duft. Ich meine vielmehr, den typischen Geruch, der einen empfängt, wenn man ein Museum betritt. Im Altonaer Museum in Hamburg war es der Geruch der dicken Sisalteppiche, die schon etwas in die Jahre gekommen waren und etwas feucht-gammelig rochen. Beim letzten Besuch fiel es mir sofort auf, dass sie nicht mehr da waren, es fehlte direkt etwas. Im Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln roch es im ganzen Museum ‚lecker‘ nach Erbseneintopf, da sich das Museumscafé an wirklich zentraler Stelle befand. Und noch sehr gut in Erinnerung habe ich den Geruch im Pitt-Rivers- Museum in Oxford, das ich vor Jahren besuchte: es roch nach altem Holz, Tieren und vielleicht auch nach General Rivers himself.

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