Bilder, die heute keiner mehr kennt

Geschrieben von am 24. Oktober 2011 18:57

Das erfreut natürlich die Museologin: Grundrisse von Ausstellungen und Blicke in den Saal. Die Rede ist von der Seite  GDK Research – Bildbasierte Forschungsplattform zu den Großen Deutschen Kunstausstellungen 1937-1944 in München, die nun online gestellt wurde und einiges an Diskussionen ausgelöst hat. (Hier etwa in der FAZ ein schöner Artikel von Julia Voss).

Umstritten ist die datenbank deshalb, weil hier die staatlich geförderte Kunst der NS-Zeit vorgestellt wird. Thema sind die Großen Deutschen Kunstausstellungen, die zwischen 1937 und 1944 in München stattfanden.

Die Datenbank gibt nicht nur Auskunft über Bilder und Hängung, sondern auch, wer welche Bilder gekauft hatte: es handelte sich um Verkaufsausstellungen; über 12.000 Werke (darunter etwa auch Skulpturen) wurden insgesamt angeboten. Ein sehr interessantes zeitgeschichtliches Dokument, natürlich nicht ohne Brisanz. Frau Voss schreibt: „Wer die Datenbank benutzt, steigt in den Giftschrank der Kunstgeschichte, der toxische Substanzen enthält.“ – Brisanz übrigens in beide Richtungen, da sie ein heterogeneres Kunstverständnis der Nazis als bisher angenommen“ wie Projektleiter  Christian Fuhrmeister in Dradio sagte.

Die Datenbank lässt einen das leicht überprüfen, ist sie doch einfach zu verstehen; dabei sieht sie noch ganz ansprechend aus.

Geraubte Kunst

Geschrieben von am 30. April 2007 09:54

Gestern abend, leider sehr spät, kam ein großartiger Film auf arte: Sonderauftrag Führermuseum. Mit Dokumentaraufnahmen und nachgestellten Szenen wurde der organisierte Kunstraub der Nationalsozialisten nachvollzogen. Für das von Hitler geplante Führermuseum in Linz war der Dresdner Kunsthistoriker Hans Posse tätig. Der stand schon vor der Tür, noch bevor die Nazis das Land besetzten, wie im Fall des Genter Altars. Posse kam in Gent etwas zu spät an: die Belgier hatten kurz zuvor die Tafeln schon unter dramatischen Umständen abtransportiert. In Südfrankreich, am Rande der Pyrenäen, fanden die Schätze im Schloss von Pau Obdach. Als Nazi-Deutschland Frankreich besetzte, reiste Posse gleich nach Pau, damals unbesetzte Zone, und holte sich den Altar; die deutsche Regierung hatte die französische massiv unter Druck gesetzt. Die Genter-Altar-Bilder kamen in das Salzbergwerk von Altaussee, wo schon eine Mannschaft mehrere Tausend Werke verwaltete. Denn die Bilder wurden nicht einfach abgestellt, sondern fotografiert, inventarisiert, aufgelistet. Dafür sind wir Deutsche ja Spezialisten. In Paris, wo die Nazis hauptsächlich jüdische Sammlungen plünderten, wurden die Bilder im Jeu de Paume gelagert, wo die französische Mitarbeiterin Rose Valland heimlich Listen anfertigte, die sie der Résistance gab und die später der amerikanischen Schutzkommission half, die Bilder wieder zu finden. Mit der Invasion der Alliierten in der Normandie kamen nämlich auch Kunstdetektive im Dienste der amerikanischen Armee an Land, die gezielt Kunstwerke suchten, um sie vor der Zerstörung zu retten und um sie wieder zu restituieren. Sie fanden auch die Spur der Genter Altarbilder im Bergwerk, wo sie fast vollständig geborgen werden konnten. Auf sowjetischer Seite war übrigens die Trophäenkommission unterwegs, die als Rache für die deutschen Zerstörungen in der Sowjetunion gezielt nach wertvollen Werken suchte, um sie mitzunehmen… – es gäbe noch viel Spannendes zu erzählen. Leider ist für diesen Film keine Wiederholung angekündigt – aber vielleicht können das ja viele Emails an arte ändern. Es lohnt sich, nicht zuletzt weil Beutekunst das Thema unserer Zeit ist.
Die Wiener Kunsthistorikerin Birgit Schwarz hat die Fotoalben, die Posse regelmäßig Hitler vorlegte, in Berlin gefunden und publiziert: „Hitlers Museum. Die Fotoalben: Gemäldegalerie Linz“. Wien, Köln, und Weimar 2004. Mehr über das Buch in Faz.Net und in der Welt-Online.
Die Fotoalben sind heute im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Restitution von Kunst

Geschrieben von am 27. Februar 2007 16:14

Ein Buch, das nicht nur interessant klingt, sondern auch sehr wichtig ist: Die Historikerin Monika Tatzkow und der Jurist Gunnar Schnabel haben sich damit beschäftigt, wie die Museen mit der Restitution von Kunst, die von den Nazis gestohlen wurde, umgehen. Eines ist vor allem wichtig: Kommunikation mit den Vorbesitzern. Daran haben deutsche Museen oftmals kein Interesse.
So kann man heute in einem Interview in der taz lesen:


„Gunnar Schnabel: Die Atmosphäre ist vergiftet, wenn sich das Museum tot stellt. Wer nicht weiß, wo sein Bild zu finden ist oder gegen wen er Ansprüche erheben kann, der geht natürlich zu Finanziers wie den großen Auktionshäusern. Dann braucht er einen Anwalt und einen Historiker, der das recherchiert. Wenn die erst alle im Boot und die Honorarforderungen auf dem Tisch sind, ist der Zug in der Regel abgefahren. Dann gibt es nur noch Konfrontation.“

Bislang gibt es übrigens in Deutschland nur in der Hamburger Kunsthalle eine festangestellte Provenienzforscherin.
Das Buch heißt „Nazi Looted Art – Handbuch Kunstrestitution weltweit„, und ist im Proprietas-Verlag erschienen.

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