John Soane’s Museum

Geschrieben von am 10. Januar 2010 20:40


Für Nina Gorgus, der ich viele inspirierende Texte, Unterstützung als Neo-Blogger und die Entdeckung neuer Museen verdanke. Gottfried Fliedl

Wohnhaus, Studio, Archiv, Galerie, Antikensammlung, Bibliothek, Gruft? Von allem etwas, aber sicher nicht das was wir landläufig unter Museum verstehen. Zu Lebzeiten seines Schöpfers war es das auch nicht, sondern Wohnsitz der Familie Soane. Dieses Hybrid von Räumen, Gängen, Treppen, Schächten, Durchblicken, Vexierbildern ist – heute – John Soane’s Museum. Eines der merkwürdigsten, bizarrsten, interssantesten Museen überhaupt.

John Soane (1753 – 1837) galt bereits zu Lebzeiten und gilt bis heute als einer der bedeutendsten englischen Architekten. Von dem Einkommen, das er aus seinen Projekten bezog – darunter war eine der wichtigsten und größten Bauaufgaben seiner Zeit, der Neubau der Bank of England –, und auf Grund von Erbschaften konnte er sich, als angesehener und wohlhabender Mann, im Londoner Lincoln’s Inn Fields niederlassen.
Er erwarb dort das Haus Nr.12 und nach und nach zwei benachbarte Häuser und baute sie in Etappen aus. Zum Entsetzen seiner Erben vermachte er alles dem Staat und bestimmte in einer testamentarischen Verfügung, dieses Ensemble unverändert als Museum der Öffentlichkeit zu bewahren – for the benefit of Amateurs and Students of Painting, Sculpture and Architecture. Dieser Wunsch wurde nach Soanes Tod erfüllt, das Museum öffnete noch in seinem Todesjahr und so blieb dieser einzigartige Ort seither weitgehend unverändert erhalten.


Die elegante und schlichte Fassade und der schmale Korridor, den man hinter der Eingangstür findet, lassen nicht ahnen, in welch labyrinthisch verzweigtes Pasticcio von Räumen man sich gleich verirren wird. Vertikale und horizontale Durchbrüche lenken den Blick auf ständig wechselnde Sichtachsen, von raffiniert konstruierten verdeckter, z.T. von buntem Glas gefilterter Belichtungen magisch erhellte Räume verschachteln und verschieben sich wie Kulissen ineinander, Verspiegelungen und Nischen und diaphane Wandteile verrätselten zusätzlich die Rumstruktur. Kunstwerke, wie z. B. eine Florabüste, sind vor Spiegelglas aufgestellt und spiegeln ihr Spiegelbild ihrerseits wieder in einem konvexen Rundspiegel.
Nicht genug damit. Soane hatte eine Vorliebe für in die Decke eingelassene, gewölbte, runde Konvexspiegel, die den umliegenden Raum wie in einem Brennglas fangen und Raum und Ausstattung verfremden.
Der Grundriss sieht recht überschaubar aus, aber es scheint der Architekt alles unternommen zu haben, um über diesem rationalen Raster ein Reich der überraschenden Übergänge, der beständigen Verwandlung, der Auflösung der festen Grenzen, des flutenden Lichts zu schaffen. Die Räume sind auf recht unterschiedliche Weise untereinander verbunden, nicht alle kann man betreten, aber man kann in sie hineinsehen und andere bilden überlegt inszenierte Blicke auf Räume, Raumteile oder ein bestimmtes Arragement von Objekten.
Soane scheint sein Haus wie ein Regisseur genutzt zu haben, das er Interessierten wie eine Bühne öffnete, aber nur wenn das ihm geeignet scheinende Licht herrschte, lumiére mysterieuse, das den Dingen ein eigentümliche Zwischendasein zwischen Schatten und Helligkeit verleiht.

Alle Räume sind Auf- und Ausstellungsorte für Soane’s Sammlung aberhunderter Objkete: Kunstwerken, Fragmente, Spolien, Kopien, Gemälde, Zeichnungen, Pläne, Statuen, Büsten, Ornamente, Figurinen, Architekturskizzen, Modelle. An die 3000 Objekte umfasst die Sammlung überwiegend ägyptischer, griechischer und römischer Objekte. Und das in einer keineswegs musealen, sondern in einer – zumindest nicht auf den ersten und zweiten Blick – durchschaubaren, rätselhaften Mischung.Die von Museen gewohnte chronologisch-kunsthistorische Ordnung, die sich in jener Zeit in Museen durchsetzt, gibt es hier nicht. Völlig unterschiedliche Dinge halten engste Nachbarschaft, weder nach Größe, Herkunft, Stil oder Funktion vergleichbar.
Tatsächlich gibt es all die einzelnen Funktionen, die man von einem (gutbürgerlichen) Haus erwartet – die wohnlichen Räume, einen Ankleideraum, einen Speiseraum usw., aber auch ein Studio, in dem Soane mit seinen Architekturstudenten arbeitete, die Bildergalerie (picture room), die durch eine ingeniöse Anordnung verschiebbarer und aufklappbarer Wände in einem verhältnismäßig kleinen Raum viele Werke aufnehmen kann, dann aber auch eine Art Binnenhof, monks parlour, der mit einschlägigen Spolien bestückt, Soane als Bühne für gesellige Zusammenkünfte diente. In der ‘mittelalterlichen’ Mönchszelle – die von manchen Interpreten als Parodie auf die zeitgenössiches Gotik-Mode gedeutet wird -, mit ihren bleiverglasten Fenstern und einer morbiden Ausstattung wie einem hölzernen Skelett, versammelte Soane die Gäste zum Nachmittagstee.

In den sogenannten Katakomben – die ihren Namen nach den in ihnen auf gestellten Aschenurnen erhielten – steht im Zentrum ein römischer Altar des 2. Jahrhunderts nachchristlichen Jahrhunderts. Der Raum enthält aber unter anderem auch Porträtbüsten der Kaiserzeit, Aschenurnen, von denen eine wiederum aus dem Besitz von Giovanni Battista Piranesi stammt, Reliefs mit Theatermasken, die aus Pompeji stammen, den Torso einer knieenden Niobide, die römische Kopie eines tanzenden Satyr, zwei ägyptische Stelen der XXII. Dynastie und vieles andere mehr. Wie im ganzen Haus geht es auch hier weder um eine historische, chronologische oder taxonomische Anordnung, sondern um eine ästhetische, um geheime Verwandtschaften und Beziehungen unter den Dingen, die man als Besucher in einer nie enden wollenden Entdeckungsreise zu entziffern – oder einfach zu genießen – aufgefordert ist.
Wie in durch Foucalts Zitierung berühmt gewordnen Text Borges’, ist es auch hier so, daß das einzig Gemeinsame der Dinge das Fehlen eben eines Gemeinsamen ist, insofern ist es ein unvollendbares Universum, das erst mit dem Tod des Sammlers zum Stillstand kam.

Herzstück des Museums ist The Dome, auch Sepulcral Chamber, Krypta oder Museum genannt, ein durch drei Stockwerke reichender schachtartiger Raum. Als das British Museum seinen Ankauf ablehnte, erwarb Soane den (leeren) Sarkophag Pharao Sethis (oder Sethos) I. – dieser war im Oktober 1817 von Giovanni Battista Belzoni entdeckt und nach London gebracht worden.
Dieser Toten- und Unsterblichkeitsraum im Zentrum des Ganzen ist von Fund- und Sammlerstücken über und über bedeckt und bestückt, wobei er von vielen Seiten her betreten und über eine umlaufende Galerie aus verschiedensten Perspektiven betrachtet werden kann. Hier ist die Lichtregie besonders raffiniert und man muß sich vorzustellen versuchen, daß Kerzenlicht – Soane soll für Gäste Kerzen auch in den Sarkophag gestellt haben – den dicht an dicht arrangierten Objekten einen besonderen Effekt verlieh. So etwas wie einen Nabel des gesamten Ensembles und des gesamten Hauses bildet die Büste Soanes selbst, die auf die auf der gegenüberliegenden Galerie Kopie des Apoll von Belvedere blickt.

Eine Deutung bietet der Kunsthistoriker Donald Preziosi an. Nämlich daß es sich bei begehbaren und bei, z.B. vertikalen, bloß betrachtbaren Raumachsen um freimaurerischen Ritualen folgende Inszenierungen halten, die immer einen Weg der Verwandlung beschrieben, z.B. vom Dunklen zum Licht oder vom Tod zum Leben (wie im Dome). Was hier, extrem vereinfacht zusammengefasst, etwas pedantisch klingen mag, stellt Prezios in den Kontext einer bemerkenswert sicher vorgetragenen erweiterten These auf. Daß nämlich das moderne Museum sowieso eine freimaurerische ‘Erfindung’ sei. Wofür er etwa das Ashmolean Museum oder Lenoires Musée des Monuments (auf das sich Soane u.a. bezog) als Beispiele nennt – aber auch Soanes Mitgliedschaft und seine architektoniuschen Projekte für die londoner Freimaurer.
Ich bin noch nicht sicher, ob ich Preziosi in dieser Deutung folgen will, aber wenn er damit den Verwandlungscharakter des Museums ins Spiel bringt, kann ich ihm gut folgen. Er rückt damit die zivilisatorische Rolle des Museums der Moderne ins Zentrum und dessen Bedeutung für die Ausbildung, das Prozessieren, das Entwerfen und Erproben individueller wie kollektiver Identitäten ins Zentrum der Museumsidee der Moderne.
Daß das Museum unter anderem ‘modern’ ist, insofern dies Transformation oder Zivilisierung notwendigerweise immer unabgeschlossen bleiben muß, das macht Soanes kaleidoskopische Maschinerie deutlich.

Cutting-edge

Geschrieben von am 18. Dezember 2009 11:27

Marion Löhndorf beschreibt in der NZZ, wie das Victorian & Albert Museum in London aufgerüstet hat, um immer “cutting-edge” zu sein. leo kennt dafür viele deutsche Wörter: innovativ, Vorreiter, auf den neuesten Stand, wegbereitend – um nur einige zu nennen.

Das alles trifft auf das V&A zu: die Institution hat das, was in Deutschland immer als “Bildungsauftrag” durch die Medien geistert, einfach mal wörtlich genommen und das Museum geöffnet – für alle, für die chinesische Migrantin, für den deutschen Tourist oder die Londonerin. Lesen Sie den Rest des Beitrags »

Alles neu

Geschrieben von am 13. November 2009 16:02

Das Ashmolean Museum in Oxford hat mir beim Besuch so gefallen, weil es so anrührend verstaubt wirkte.

Inzwischen wurde das Museum umgebaut und ist seit dem 7. November wieder neu eröffnet, ergänzt um ein neues Gebäude von Architekt Rick Mather. Alles wurde komplett umstrukturiert, die Ausstellungsfläche um 100% vergrößert, wie es auf der Internetseite heisst: 39 Galerien in 5 Abteilungen, das klingt nach einem längeren Museumsbesuch. Auch wird die Sammlung nicht mehr klasssisch nach Sparten gezeigt, sondern nach dem Prinzip Crossing Cultures Crossing Time. Wir zitieren von der Internetseite:

“Crossing Cultures Crossing Time (CCCT) is an approach based on the idea that civilisations that have shaped our modern societies developed as part of an interrelated world culture, rather than in isolation. It assumes, too, that every object has a story to tell, but these stories can best be uncovered by making appropriate comparisons and connections, tracing the journey of ideas and influences through the centuries and across continents.”

Alles ist um die wichtige Frage zentriert:
“What, in short, should a modern museum be like?”

Da kann man also gespannt sein, wie Zeiten und Kulturen miteinander verknüpft werden, wie Objekte neu zu Geltung kommen – vor allem auch vor dem Hintergrund, dass das Ashmoelan als eines der ältesten Museen der Welt immer auch einen Vorbildcharakter hatte.
Vorbildlich finde ich schon einmal, dass auf der Internetseite auch offengelegt wird, was das alles gekostet hat: 61 Millionen Pfund, getragen vom Heritage Lottery Fund.
Ich frage mich natürlich auch ganz persönlich, ob das schöne Sitzmöbel vom letzten Besuch noch zu finden ist.

Figurinen im Museum V

Geschrieben von am 4. Mai 2009 18:32


Wieder Hyperrealismus, diesmal durch die Farbgebung gebrochen…

Figurinen im Marinemuseum von Liverpool das übrigens sehr empfehlenswert ist und auch nicht von überraschenden Themen zurückschreckt wie etwa (2008) eine Ausstellung über Homosexualität in der Handels- und Kreuzfahrtsmarine….

Nach London der Museen wegen…

Geschrieben von am 12. März 2009 17:46


36 Stunden in London und 9 Ausstellungen besucht – wenn das keine Leistung ist!

Ein kurzer Überblick über das Gesehene sei hier gegeben:
Erste Station, das Victoria & Albert Museum das zwei Ausstellungen zu bieten hat. “Hats. An Anthology by Stephen Jones” klang vielversprechend. Der Modist Stephen Jones dessen extravagante Kopfbedeckungen die Kreationen von Vivienne Westwood, John Galliano oder Jean-Paul Gaultier ergänzen kuratiert hier eine kleine, amüsante Ausstellung. Man hätte sich von diesem exzentrischen Hutkünstler vielleicht mehr Kreativität erwartet. Der Raum ist dunkel, die Objekte, zumeist kühne Kreationen aber auch historische Stücke aus der Sammlung des Museums in den kioskartigen Vitrinen sind nach Themen gegliedert: Einflüsse (Exotismus, Stilepochen, Natur…), Materialien (Filz, Papier, Federn…), berühmte Kunden (natürlich die königliche Familie, aber auch Stars des Showbiz). Filmausschnitte zeigen Modeschauen, die Techniken des Hutmachers, ein Interview mit Stephen Jones…
Die zweite Ausstellung im V&A war dem Glanz der Zaren gewidmet “Magnificence of the Tsars”. Auch dies eine sehr konventionelle Kostümausstellung. Der Schwerpunkt liegt auf den Einflüssen der europäischen Mode seit dem 18. Jhdt. und dem allmählichen Aufkommen der schlichten Uniform als Alltagskleidung des Monarchen. Prächtige Stickereien, leuchtende Farben kennzeichneten die Männermode lange Zeit hindurch und bildeten einen krassen Gegensatz zu den extrem schlichten schwarzen, schmucklosen Trauergewändern wie zB. dem Trauermantel von Peter dem II. Im Alter von nur 15 Jahren am Morgen seiner Hochzeit verstorben, ist dies das Kleidungsstück das der junge Mann in seinem kurzen Leben am häufigsten getragen hat und das die stärksten Abnutzungsspuren zeigt.
Nächste Station die Tate Modern. Dieses ehemalige Elektrizitätswerk mit seinen überdimensionierten Räumen kam uns diesmal auch eher enttäuschend vor. Schon der Gesamteindruck ist irgendwie trübe, die Beleuchtung setzt keine Akzente, das Mobiliar mutet bereits leicht gestrig an. Eine Ausstellung ist den russischen Konstruktivisten und Designern Alexander Rodchenko und Liubov Popva gewidmet eine zweite der Fotografin Roni Horn. Auch hier nichts Neues unter der Sonne, brave, konventionelle Ausstellungen.
Die Royal Academy of Arts zeigt “Byzantium, 330-1453″. Auch hier ist das Ergebnis leider enttäuschend. Kostbare und eindrucksvolle Objekte in klobigen, schlecht ausgeleuchteten Vitrinen. Der Besucherandrang ist gross und die Disposition der Vitrinen erschwert die Zirkulation noch zusätzlich. Man fragt sich zB. warum bei grossen Vitrinen die Beschriftungen nicht auf beiden Seiten angebracht sind sodass mehr Leute gleichzeitig zum Lesen kämen. Eine weitere Ausstellung unter dem, ach so beliebten, Motto “Die Schätze von…”, beliebig abzuwandeln mit dem Zusatz “der Pharaonen”, “der Vikinger”, “der Inka” etc. etc.
Ein amüsantes, wenig bekanntes Museum ist das “Museum of Brands, Packaging and Advertising” in Notting Hill. Aus einer Privatsammlung hervorgegangen kann man hier eine historische Tour durch Werbung und Verpackung machen, seit den Zeiten der Queen Victoria bis heute. Die von oben bis unten vollgepackten Vitrinen sind szenografisch gesehen eher katastrophal aber man amüsiert sich, bekannte Produkte und die Wandlungen ihrer Verpackung oder die sozialen und historischen Einflüsse in Werbung und Packaging aufzuspüren.
Sehr interessant war schliesslich die Ausstellung “Unveiled: New Art from the Middle East” in der Saatchi Gallery. 21 Künstler aus dem Mittleren Osten, Iran, Irak, Palästina… präsentieren hier ihre Bilder, Installationen, Photos, Skulpturen. Auch wenn der Grossteil von ihnen inzwischen im Westen lebt, ist ihr Werk stark von ihrem jeweiligen kulturellen Background aber auch der aktuellen sozialen und politischen Lage beeinflusst. Besonders beeindruckend die aus Alufolie gerformten knieenden Frauen von Kader Attia, die lebensgrossen puppenartigen “Teheran prostitutes” von Shirin Fakhim und die “Men of Allah” von Ramin Haerizadeh, die verschleierten Frauen von Shadi Ghadirian deren Gesichter durch ein Haushaltsgerät (Sieb, Plastikhandschuh, Besen…) ersetzt sind und vor allem die Installation des in Hebron geborenen und in Ramallah lebenden Wafa Hourani. Die Website der Saatchi Gallery erlaubt es, sich eine Idee zu machen.
Last but not least stand noch eine andere Galerie auf dem Programm, die Mall Galleries die eine Auswahl iranischer Künstlerinnen mit sehr unterschiedlichen Arbeiten ausstellte: “The Masques of Shahrazad: evolution and revolution through three generations of Iranian women artists”. Den stärksten Eindruck in dieser Galerie hinterliessen jedoch die schwarz/weiss Fotos von Munem Wasif “Salt Water Tears: Lives left behind in Satkhira, Bangladesh”. Der junge Fotograf erhielt 2008 den Auftrag, die fatalen Folgen der Wasserknappheit und der Schäden durch planlose Ausbeutung der Ressourcen einer Region zu dokumentieren um damit die Arbeit der NGO WaterAid zu unterstützen. Die Fotos der vom Salz zerfressenen Landschaft, der wassertragenden Frauen, der an schweren Krankheiten leidenden Bevölkerung sind unheimlich ausdrucksstark, berührend und trotz ihrer Ästhetik nicht beschönigend sondern eben dadurch noch ergreifender.
Abschliessend noch ein paar allgemeine Feststellungen. In allen Museen und Ausstellungen herrschte grosser Publikumsandrang, viele junge Leute, viele Schulklassen, aber auch zahlreiche Gruppen älterer Damen die zum Teil an Kursen (Aquarellmalerei etc.) vor Ort teilnahmen. Der Eintritt in die Museen und Galerien ist (fast durchwegs) gratis, die Sonderausstellungen hingegen sind eher teuer und es wird an allen Ecken und Enden um Spenden geworben. Jeder Orientierungsplan soll durch eine Spende “erworben”, jedes Garderobestück von freiwilligen Geldgaben begleitet werden. Ebenso mündet jede Ausstellung direkt in einen reich bestückten Shop. Cafés und Restaurants profitieren gleichermassen von den Ersparnissen beim Eintritt. A propos Café: das Museumsrestaurant im V&A Musem ist das erste Museumsrestaurant überhaupt und lohnt den Besuch: reiche Dekorationen, Keramikfliessen, Art déco Leuchter etc. – schade nur dass Tische und Stühle aus Plastik nicht dem edlen Rahmen entsprechen.

Sitzen im Museum

Geschrieben von am 6. Juni 2008 11:33

Museumsbesuche sind nicht nur anregend, sondern auch anstrengend, machen müde Beine und einen vollen Kopf. Deswegen braucht es in Museen und Ausstellungen Sitzmöbel, um über das Gesehene nachzudenken (oder um andere BesucherInnen beim Anschauen der Bilder und Exponate anschauen zu können). Den Auftakt der Reihe über Sitzmöbel im Museumsblog macht ein besonders schönes Beispiel aus dem Ashmolean Museum in Oxford. Sitzen auf hohem Niveau.

Nur für dich

Geschrieben von am 3. Juni 2008 17:16

Antoine Capets Rezension der Ausstellung For Your Eyes Only: Ian Fleming and James Bond im Imperial War Museum in London macht Lust, hinzugehen.
“The difficulty for its curators resides in finding the right mix between
that ambition and continuing to attract new visitors with less ‘high-brow’
events”, so Capet. Und er bescheinigt, dem IWM das nötige Mittelmaß gefunden zu haben: “Again, less ‘high-brow’ does not necessarily mean cheap
commercialism, as shown in the current _ Ian Fleming and James Bond_Exhibition.”
Bis zum 9. März 2009 ist noch Zeit, hinzugehen.
Hier ist die gesamte Ausstellungsrezension zu lesen.

Lehnstuhlreise ins Museum

Geschrieben von am 1. November 2007 16:58

Es soll ja vorkommen, dass man einfach keinen Schritt vor die Türe setzen möchte. Um so praktischer ist es, dass manche Museen sich darauf eingestellt haben. Einen wirklich guten Eindruck vom Pitt-Rivers-Museum in Oxford, 1884 vom General gleichen Namens gegründet, sind die 360°- Ansichten, die man hier anschauen kann. Natürlich kann kein noch so tolles Foto den Museumsbesuch ersetzen: online fehlt etwas. Hier habe ich es einmal beschrieben.

Beim Duke von Marlborough zu Besuch

Geschrieben von am 4. Juli 2007 10:52


Blenham Palace, 20 Minuten von Oxford beim malerischen Ort Woodstock gelegen, bietet nicht nur etwas für diejenigen, die schon immer einmal den prunkvollen Wohnsitz des Duke of Marlborough und den Geburtsort von Sir Winston Churchill sehen wollten. Auch der Gartenliebhaber wird hier bedient, und das nicht nur im großen Landschaftspark. Hinter “Blenhem Bygones” verbirgt sich eine Ausstellung zu Gartengeräten, aber auch zur Geschichte von Blenheim und seine Gärten selbst, samt “Stuben-Ensembles” vom Büro des Buchhalters und der hauseigenen Töpferei. Die Ausstellung erinnert an die charmante Inszenierung in einem Regionalmuseum aus den 1950er Jahren.
Man muss jetzt aber nicht glauben, dass Blenham Palace in irgendeiner Weise verstaubt sei. Ganz im Gegenteil: die Vermarktung von Blenham Palace, seit 1987 UNESCO-Weltkulturerbe, ist sehr ausgefeilt. Neben der Palastbesichtigung, mit verschiedenen Ausstellungen kann man im Park schlendern und den Schafen und Fasanen zusehen, am See picknicken, sich mit einer kleinen Dampfbahn zum Schmetterlingsgarten fahren lassen und in einem riesigen Labyrinth fast verloren gehen. Zwischendurch kann man das Blenham Mineralwasser konsumieren und im reich bestückten Museumsshop wirklich schöne Dinge kaufen. Zusätzlich steigern Events wie Theateraufführungen und Cricket-Matches die Attraktivität für ein zahlungskräftiges Publikum. Nebenbei bemerkt: die Einheimischen zahlen natürlich nicht die stolzen 16 Pfund Eintritt für Park und Palast, sondern benutzen den Hintereingang in der Ortschaft Woodstock. Das ist englisches Recht.

Garten im Museum

Geschrieben von am 27. April 2007 10:58

Ein weiteres Museum sollte beim nächsten London-Besuch unbedingt auf der Liste stehen: das Museum of Garden History. Nicht nur Gartenliebhaber kommen hier auf ihre Kosten, sondern auch diejenigen, die ein lauschiges Plätzchen für ein ausgezeichnetes Mittagessen oder zum Kaffeetrinken suchen.

Das Museum gibt es seit 25 Jahren, ist aber an einen historischen Ort untergebracht. Es befindet sich in einer ehemaligen Pfarrkirche von Lambeth, die auf 900 Jahre Geschichte zurückblicken kann, als sie 1972 aufgegeben und dem Verfall anheimgegeben wurde. Eine Initiative formierte sich, um den Abriss zu verhindern. Ein Museum mit dieser Thematik zu gründen, lag nahe: auf dem angrenzenden Kirchgarten sind Vater und Sohn John Tradescant begraben, die in Lambeth ihr Haus hatten. Beide waren sie (Hof-)Gärtner, beide brachten von ihren Reisen in der ganzen Welt Pflanzen und Dinge mit, die in ihrem Kuriositätenkabinett ab 1638 besichtigt werden konnte und die den Grundstock für das Ashmolean-Museum in Oxford legten. Auch Herr Ashmole selbst, der die Sammlung nach dem Tod des Sohnes kaufte, um sie der Universität von Oxford zu schenken, liegt hier neben einem anderen Botaniker, den wir allerdings mehr aus anderen Zusammenhängen kennen, begraben: Kapitän William Bligh (der von der Bounty).

Bei diesem Museumsbesuch hat einfach alles gestimmt: der sehr freundliche Empfang, der uns Besuchern charmant 6 Pfund entlockte, obwohl der Eintritt eigentlich frei ist. Die Ausstellung, auch wenn sie nicht aktuellen museographischen Kriterien entspricht, macht Spass, da man Engagement, die Liebe zum Objekt und zum Detail bemerkt. Es geht etwa um die “Plant hunters” (was für ein schöner Begriff) und um eine Sammlung von Gartengeräten, die sich verblüffenderweise durch die Jahrhunderte kaum verändert hat. Der Garten, den man sich mit einem für die Jahreszeit zusammengestellten Ordner erschließen kann, lädt zu einer Pause regelrecht ein. Das Café, das offensichtlich auch von Personen aus der Umgebung eifrig genutzt wird und in dem wir zu sehr vernünftigen Preisen leckeres “organic food” bekamen. Der Museumsshop bietet eine breite Auswahl. Sympathisch ist zudem, dass sich das Museum über die Gartenthematik hinaus auch als Ort der Lokalgeschichte sieht und sich ein kleiner Bereich mit Vergangenheit und Gegenwart des Stadtviertels auseinandersetzt.
Hingehen, wer das etwas Schrullige liebt, wer auf Gärten steht oder wer einfach eine Oase in der Hektik von London sucht, der wird auf seine Kosten kommen.

Das Museum of Garden History liegt gegenüber des Parlaments in der Lambeth Palace Road, London, SE 17LB, Underground: Lambeth North oder Westminster

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