Sitzmöbel XXXVI

Geschrieben von am 23. Dezember 2012 15:48

Passt ja von der Numerierung genau: Bitte Platz zu nehmen auf ORIGINALEN Sitzen aus dem alten Wembley Stadion (2003 abgerissen) – genauer gesagt auf den Plätzen 36 und 37.

Sie stehen heute natürlich im National Football Museum in Manchester. Und, ja man kann  sich hier nochmals die Szene von 1966 anhören, als beim WM-Finale England gegen West-Deutschland ein Tor gegeben wurde, das eigentlich keines war….

 

 

 

Figurinen XXXIII

Geschrieben von am 5. November 2012 14:07

Eine spektakuläre Pose: angeblich feierte Arthur Kinnaird, ein Ausnahme-Fußballer, der auf allen Positionen spielen konnte, so 1882 einen spektakulären Sieg.  Zu sehen natürlich im  National Football Museum in Manchester.

 

Die Macht des Rund – Große Landesausstellung zum Fußball in Stuttgart

Geschrieben von am 23. April 2010 00:49

Gefühle, wo man schwer beschreiben kann“ – mit diesem Un-Satz betitelte das renommierte Haus der Geschichte Baden-Württemberg ihre aktuelle Ausstellung in Stuttgart, die begleitend zur Fußball-WM dem Mythos „Fußball im Südwesten“ ein Denkmal setzen könnte. Denn frei nach dem bekannten Slogan „Wir können alles – außer Hochdeutsch“ geht man offensiv mit dem Zitat – so protokolliert nach dem Sieg der EM 1996 – des Ausnahmestürmers und späteren Bundestrainers Jürgen Klinsmann um und versammelt zahlreiche Objekte, Namen und Geschichten um das runde Leder in einer großen Landesausstellung bis zum 11. Juli im Kunstgebäude am Stuttgarter Schlossplatz.

Ich hatte das Glück, an den Eröffnungstagen Ende März noch einen eher beschaulichen Zuschauerstrom mitzuerleben, aber beeindruckend war schon da, welche Gefühle und Geschichten die Ausstellung bei den Besuchern freizusetzen scheint. Tatsächlich handelt es sich hier um eine dramaturgisch durchdachte Schau, der es gelingt, sowohl das Thema passend zu inszenieren, verschiedenste Besuchergruppen zu involvieren und gleichzeitig ein spannendes und reflektiertes Begleitprogramm anzubieten.

Schon gleich im Entree („Der Auftakt“) wird der Besucher durch eine große Videoprojektion in das Thema katapultiert: überbordende Gefühle im Stadion, temporeiches Spiel und männliche Aggressivität schieben uns in den nächsten, ruhigeren Raum, den Kuppelsaal. Dort wird nur ein einziges Exponat gezeigt, inszeniert wie eine königliche Krone oder ein heiliger Fetisch: der goldene FIFA-Pokal (der einzige von zehn in Privatbesitz). Der rote Teppich und die Fotocollagen an den Wänden (Szenen mit baden-württembergischen Fußball-Helden) verwandeln den Raum in eine „Kathedrale des Fußballs“ und offenbaren ihn als moderne Ersatz-Religion, die den einzelnen in ritualisierte Handlungen und emotionale Gemeinschaftserlebnisse einbindet.

Im anschließenden „Vereinsheim“ wird´s gemütlicher, hier kann man sich mit kleinen Speisen und Getränken stärken, genüsslich beisammen sitzen und die zahlreichen Vereins-Wimpel und -Fotografien „aus’m Ländle“ studieren. Hier erhält der Volkssport seine populäre und historische Verankerung, während man sich im nächsten Raum, dem grün unterlegten Aktionsbereich selbst spielerisch betätigen kann: entweder „in echt“ im „Soccer-Court“ (Außenbereich), am Tisch (Tischkicker oder Tipp-Kick) oder am Monitor zur Sportreportage. Dabei zeigt sich schnell, dass hier – beim Bemalen der Tipp-Kick-Figuren oder bei der Suche nach einem Kick-Partner – das Sozialverhalten geschlechts-, generations- und länderübergreifend am besten funktioniert.

Manch einer schafft es dann vor lauter Schwelgen in nostalgischen Erinnerungen gar nicht mehr bis in den größten Ausstellungsraum, in dem mittels einer riesigen Rundvitrine und zahlreichen Einzelvitrinen viele Objekte, Filme und O-Töne die Geschichte des Fußballs im Südwesten erzählen. Hier lebt der Mythos auf, hier wird die von Klinsmann 1997 getretene Werbetonne zur Ikone – oder bleibt eine Werbetonne mit Loch, je nach Standpunkt. Schlussendlich hängt es vom „Glauben“ des Besuchers ab, ob er mit Aahs oder Oohs durch die Ausstellung schlendert oder ob er sich nüchtern-distanziert betrachtet, wie durch diesen Sport regionale Identität, politische Geschichte oder einfach nur eine Menge Geld geschaffen wird.



Fußballgeschichten

Geschrieben von am 7. Januar 2009 16:56


Noch im letzten Jahr hat das Borusseum in Dortmund geöffnet, ein Fußballmuseum über den BVB Dortmund, also in erster Linie ein Vereinsmuseum. Es ist das Museum über Fußball und die Dortmunder Fans. Fußball ist in Dortmund eine Herzensangelegenheit und die Ausstellung versucht dieser Verbindung, die mit der Vereinsgründung 1910 beginnt, auch einen emotionalen Raum zu geben. Ausstellungsinseln zu einzelnen Etappen gliedern den Raum; es geht natürlich um die Geschichte des Vereins, aber auch um Stadtgeschichte, um die Stadien, die NS-Zeit, um Fankultur, Spieler und Trainer. So wurde beispielsweise die Gründungskneipe am Borsigplatz rekonstuiert: hier wird die Schlachtplatte präsentiert, die den Gegnern nach dem Spiel kredenzt wurde, aber auch der Streit mit der Kirche und die Sympathie des Vereins für die Arbeiterbewegung thematisiert. Die Umsetzung klingt sehr schlüssig und gelungen – auf alle Fälle habe ich den Eindruck, dass auch andere hier Spaß haben werden.

Ein echter Geheimtip

Geschrieben von am 13. Juni 2008 12:56

Wenige spielen Fußball, (fast) alle schauen zu: ein echter Tip ist es, dann ins Museum zu gehen. In den meisten Städten haben Museen ja auch mittlerweile mindestens einmal in der Woche abends geöffnet. Mittwoch abend herrschte im Frankfurter Städel Museum eine gähnende Leere: In der Stillleben-Ausstellung (ja, 3l hintereinander) Magie der Dinge schaute sich sogar die Aufsicht die Bilder genauer an. Wer allerdings eine Lilien-Allergie hat, sei hier schon mal vorgewarnt: im Foyer zur Ausstellung steht ein gigantischer Blumenstrauß mit nicht so lieblich duftenden Lilien. Dafür ist er schön anzusehen.

Die Blechtür von Zinedine Zidane

Geschrieben von am 12. Juli 2006 11:52

Wie sich Fußball als Ausstellungsthema macht, durften wir ja in diesem Jahr reichlich erfahren. In Frankfurt gab es es etwa im Museum für Kommunikation in Frankfurt die Ausstellung „TOOOR! Zur Geschichte der Fußballreportage“ (nachzulesen auf HR-Online) und im Historischen Museum die köstliche Schau „Wie TITANIC einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte„. Auch sei an dieser Stelle einmal auf die jahrelangen Bemühungen des Kollegen Martin Wörner hingewiesen, der für ein Deutsches Fußballmuseum kämpft.

Nun gibt es ein weiteres Objekt, das sich aufgrund seiner Geschichte hervorragend zur Musealisierung eignet: die Blechtür von Zinedine Zidane. Die Musée sentimental-taugliche Geschichte geht so: In der WM-Vorrunde 2006 trafen in Leipzig Südkorea und Frankreich aufeinander. Der Kapitän der französischen Mannschaft, Superstar Zinedine Zidane, genannt „Zizou“, hatte für diese Weltmeisterschaft seinen Rücktritt nochmals verschoben. Für einen sicheren Platz im Achtelfinale müßte Frankreich gewinnen. Doch es klappte nicht alles wie gewünscht. Zudem holte sich Zidane eine gelbe Karte; seine zweite. Damit war er für das letzte Vorrundenspiel gesperrt. In der 90. Spielminute, beim Stand von 1:1, ließ ihn der Trainer Domenech auswechseln. Sein Abgang hätte zugleich sein letztes Spiel bei dieser Weltmeisterschaft bedeuten können – wenn Frankreich die Vorrunde nicht überstehen sollte. Sichtlich erschüttert verließ Zidane den Platz in Richtung Umkleideräume und würdigte seinen Trainer keines Blickes. Die Wut war so groß, dass er der nächsten Blechtür einige Tritte verpasste. Die mit Trittspuren verunstaltete Tür verärgerte aber in Leipzig niemand, im Gegenteil: Verkaufsanfragen wurden abgelehnt.

Während dieses Stück Fußballkultur also verortbar ist und in situ berwahrt wird, werden in ein paar Jahren bestimmt einige Ausstellungsmacher nach der roten Karte suchen, die der Schiedsrichter im WM-Finale Zidane nach dem berüchtigten Kopfstoß vorzeigte.

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