Explosives aus Marseille

Geschrieben von am 30. Januar 2012 14:22

Dass die Bilder des MuCEM unter solchen besonderen Bedingungen entstanden sind, war mir gar nicht bewußt: Über Wien erreichte mich ein explosver Hinweis: auf der Baustelle des MuCEM  wurde eine amerikanische Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Um die Bombe zu entschärfen, wurde das gesamte Viertel geräumt und gesperrt.

Die Lokalzeitung berichtete hier darüber und zeigt auch in einem Film, wie das Ganze vonstatten geht. Beeindruckend zu sehen, wie der Experte die Bombe fast liebevoll vom Dreck befreit!

Auf nach Dresden!

Geschrieben von am 17. Oktober 2011 23:51

Nun ist es geschafft: das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden hat das äußerst erfolgreiches Eröffnungswochenende hinter sich. Wer noch nicht da war bzw. erst seine Reise plant,  kann zumindest mal die neue Internetseite des Museums anschauen und über das Eröffnungsprogramm staunen: heute war der Direktoren-Walk dran, morgen gibts ein kommentiertes Militärkonzert. Gerne würde ich morgen abend zur Diskussion über künstlerische Interventionen im Museum

Auch an den vielen Beiträgen kann man sich bereits erfreuen, die die Eröffnung feiern. Hier erzählt Projektleiter Gorch Pieken etwas über das Projekt in Deutschlandradio und die Hinwendung zur Kultur- und Sozialgeschichte.

Andreas Kilb zeigt sich in der FAZ recht angetan und Burkhard Müller schaut sich für die  Süddeutschen Zeitung das neue Haus an.

Woanders bloggen

Geschrieben von am 27. Februar 2011 20:01

Wenn ich hier jetzt nicht mehr ganz so viel blogge, dann liegt es auch zum Teil daran, dass ich nun ebenfalls ab und an dienstlich blogge:

Hier ist der link zum Blog – vielleicht haben Sie dort ja auch ab und zu Lust, vorbeizuschauen, wenn wir über die Arbeiten zur Neukonzeption hinter den Kulissen berichten.

Auf nach Altona!

Geschrieben von am 28. Oktober 2010 08:09

Das Altonaer Museum in Hamburg wird NICHT geschlossen!
Das wurde gestern auf dem Kulturgipfel beschlossen.
Mehr dazu hier in der Welt und im Abendblatt.

Her mit dem Original!

Geschrieben von am 15. Februar 2007 15:03

Museen können, im Vergleich zu anderen kulturellen Institutionen, damit punkten, dass sie Originale zeigen. Das hat sich wohl auch das Musée d’art et d’industrie in Roubaix gedacht, das künftig das Pariser Künstleratlier von Henri Bouchard aufnehmen wird. Das Musée ist seit einiger Zeit im sehr schön restaurierten Art-Déco-Schwimmbad untergebracht. Das Atelier von Bouchard soll hier, so heißt es in der FAZ vom 13.2.2007, “originalgetreu” wieder aufgebaut werden. Der kleine Schönheitsfehler dabei ist: Das Atelier des Bildhauers steht in keinem Abbruchhaus, noch irgendwo in Kisten verpackt, nein, es ist das Musée Bouchard in Paris selbst, das frühestens in drei Jahren wieder zu sehen sein wird. Dabei ist dieser Beschluss schon ein Kompromiss, dass das von der französischen Museumsdirektion DMF registrierte Museum aushandeln konnte. Die Museumskonservatoren – der Sohn des Bildhauers, François und seine Frau Marie, (beide über 80), fühlen sich langsam zu alt, um weiter zu kämpfen, wie sie es über 40 Jahre lang mit kleinen Ausstellungen und Publikationen getan haben. Zwar kennt kaum noch jemand Henri Bouchard (1875-1960), zu seiner Zeit war der Künstler aus Dijon aber als Kunstprofessor und Bildhauer fest in die Pariser Szene eingebunden. In seinem Atelier, in das er 1924 eingezogen war, wurde kaum etwas verändert. Marie Bouchard studierte extra an der renommierten Pariser Kunsthistoriker-Schule École du Louvre, um das Werk ihres Schwiegervaters richtig würdigen zu können. Denn man kennt ihn doch, da Bouchard auch Skulpturen für den öffentlichen Raum gestaltet hat, die noch heute zu sehen sind, darunter Fassaden, Grabmale oder die Apollon-Figur am Palais de Chaillot in Paris. Ein Besuch im Atelier ist, glaubt man den Beschreibungen wie zum Beispiel hier, sehr bewegend und einzigartig. Ein letztes Kleinod, wie die FAZ schreibt. Ob es in Roubaix auch noch so sein wird?
Eher nicht, deswegen hier die Adresse – bis 14. März haben wir noch die Gelegenheit:
Musée Bouchard, 25, rue de l’Yvette, 75016 Paris, geöffnet mittwochs und samstags von 14-19 Uhr.

Piktogramme bitte mit Heft!

Geschrieben von am 14. Februar 2007 18:08

Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt eine sehr schöne Ausstellung über Piktogramme. Kunst meets Gebrauchsgraphik, so könnte man fast sagen, finden doch auch etwa die Bildstatistiken von Otto Neurath und Gerd Arntz ihre Berücksichtigung. Sehr schön fand ich auch das Blatt von Otl Aicher, auf dem er verschiedene Zeichen für Frauentoiletten aus der ganzen Welt gesammelt hat. Interessant ist die Art von Geheimbotschaften, die Künstler wie Kandinsky und Willi Baumeister entwickelten. Dürers Hase und seine Kopien aus der Neuzeit werden durchdekliniert, ebenso kann die Bild-Datenbank eines chinesischen Künstlers durchforstet werden. Die Ausstellung war sehr inspirierend, zugleich hätte ich mir mehr Informationen gewünscht. Ein kleines Heft, wie ich es einmal hier beschrieben habe, hätte mir noch mehr Genuß und Erkenntnis verschafft.

Die Herkunft der Dinge

Geschrieben von am 13. Februar 2007 15:56

Wenn man einmal so überlegt, was die Museen weltweit miteinander verbindet, ist es eigentlich nicht der Bildungsauftrag, noch das Ansinnen, das kulturelle Erbe möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Nein, es ist die Sorge, möglicherweise ein Objekt in der Sammlung zu haben, das unter dubiosen Umständen ins Museum kam. Möglichkeiten gibt es hier viele: etwa die Stücke, die die Nazis jüdischen Sammlern abpressten und die irgendwie in die Museen kamen; die Objekte, die in den Wirren des zweiten Weltkrieges mitgenommen wurden oder die Stücke, die durch Kolonialismus abhanden gekommen sind. Hier ist es besonders krass: Über 95 Prozent des afrikanischen Patrimoine, so war dieser Tage auf einer Veranstaltung der UNESCO in Paris zu hören, ist in Museen auf anderen Kontinenten zu finden. (Dass die etablierten Museumsdirektoren davon nichts hören wollten, wundert nicht).
Eine weitere Variante, Objekte ohne Stammbaum zu vertreiben, findet man in Italien. Dort verschwinden wohl seit Jahren im großen Stil Stücke aus Museen oder von Ausgrabungen, die dann später in großen amerikanischen Museen wieder auftauchen. Den Drahtziehern ist man auf die Spur gekommen und in Rom läuft gerade ein Prozess gegen eine ehemalige Angestellte des J. Paul Getty Museums in Los Angeles, die für ihren Arbeitgeber im großen Stil auf diese Weise eingekauft hat. Der Bericht über ihre Machenschaften und die der anderen Kunsträuber (in der FAZ vom 10.2.2007) liest sich wie ein gut ausgedachter Krimi.
Eine weitere Gemeinsamkeit der Museen ist, dass die betroffene Institutionen bzw. die als Diebe veurteilten Hehler oft argumentieren: Es ist ja nicht so wichtig, wie das Stück in die betreffende Institution gekommen ist (also ob durch Raub, Erpressung oder Hehlerei), sondern dass das Stück hier ohne Zweifel am allerbesten präsentiert werde. Zynisch ist auch die Antwort, die die Vertreterin von ICOM dem Vertreter aus Afrika auf der UNESCO-Veranstaltung gab: Heute sei man ja mit der Digitalisierung von Bildern schon so weit, dass man sich in Afrika die Dinge auf dem Bildschirm anschauen und auf diese Weise am kulturellen Erbe teilhaben könne. Wie war das nochmals mit den Originalen?

Pflanzliche Tollerei

Geschrieben von am 9. Februar 2007 10:05

Patrick Blanc hat grüngefärbte Haare und ganz lange Fingernägel, mit denen er aber erstaunlich filigran zarte Pflanzen anfasst. Er ist habilitierter Biologe, genauer Tropen-Botaniker. Seine Liebe zu Pflanzen hat sich während zahlreicher Besuche von Aquarien schon in seiner Kindheit entwickelt, wobei er bald feststellte, dass die Fische eigentlich überflüssig sind. Seit einiger Zeit erfreut er andere Menschen mit seinen Kenntnissen von Pflanzen, indem er sogenannte murs végétals in oder an Gebäuden in der ganzen Welt erstellt. Die mittlerweile bekannteste ist die am Verwaltungsgebäude des Musée du Quai Branly. Nun hat er im Espace Electra des französischen Stromkonzernes EDF in Paris eine Ausstellung inszeniert, die eine wahre Freude ist. Das graue Pariser Schmuddelwetter war sofort vergessen, als ich durch die Tür trat: Es ist dunkel, sehr feucht und über mir wölbt sich eine Decke aus hängenden Pflanzen, begleitet vom Rauschen eines Wasserfalles. Die Ausstellung widmet sich den Pflanzen, die ganz wenig Licht brauchen, Pflanzen, die etwa in oder am Rande von Grotten wachsen. Es macht totalen Spass, diese Pflanzen zu entdecken, die beim näheren Betrachten viele Eigenheiten aufweisen. Im Untergeschoß wabert Nebel um eine Felsinstallation, auf dem oberen Stockwerk rauscht das Wasser in kunstvoll arrangierten Röhren, in denen Wasserpflanzen gleichsam schweben. Beeindruckend sind auch die Fotografien bzw. die Mikroskopaufnahmen von Früchten, Blüten, Blättern und Wurzeln. Und im Film (deshalb weiss ich auch von seinen Haaren und den Fingernägeln), der Patrick Blanc vorstellt, sagt er präzise, was sein Anliegen ist: Zu zeigen, wie anpassungsfähig Pflanzen sind und welchen großen Beitrag sie für die Biodiversität leisten. Das Rauschen des Wassers, die Lichteffekte, der Geruch der Pflanzen und die Farben der Pflanzen machen aus der Ausstellung ein wahrhaft synästhetisches Erleben. Kein Wunder, dass die Ausstellung an einem Vormittag mitten in der Woche sehr gut besucht ist. Aufgrund des großen Erfolges ist die Ausstellung bis zum 18. März verlängert worden.
Folies végétales via Kulturelle Welten.

Sieger in allen Kategorien

Geschrieben von am 5. Februar 2007 11:13



Das Musée des arts décoratifs in Paris präsentiert sich seit September 2006 mit neuem Konzept und neuer Gestaltung. Das Ergebnis ist mehr als gelungen. Hier haben sich offensichtlich Menschen, die ihre Arbeit lieben, mit der Sammlung intenisv auseinandergesetzt, sie haben sich nicht von Gestaltern reinreden lassen, sondern mit ihnen zusammengearbeitet und viele schöne Ideen umgesetzt, von denen man gar nicht genug bekommen kann. Der chronologische Rundgang beginnt im Mittelalter und reicht bis in die Gegenwart, und führt durch das ganze Gebäude (einem Seitenflügel des Louvre). Das Kunsthandwerk wird so interessant und abwechslungsreich präsentiert, es ist hell und freundlich, die Texte sind angenehm zu lesen. Schön sind die 10 auf allen Epochen verteilten “Period rooms” (usprünglich eine deutsche Erfindung von Herrn Bode), die einen Eindruck ganzer Ensembles wiedergeben. Der Audioguide, der gratis in vier Sprachen zur Verfügung gestellt wird, stellt Objekte und Sammlung in einen größeren Kontext. Gut gefallen hat mir auch die thematische Ausstellungen in der Galerie d’études: Hier geht es um die beiden zentralen Themen Essen und Ausruhen. Die beiden Themen werden mit zahlreichen Objekten durchdekliniert. Dazu gibt es ein Heft, in dem ein Glossar Wörter und Ausdrücke zu beiden Themen kombiniert und erklärt. Ich bin restlos begeistert von dieser Präsentation: Der Museumsbesuch ist ein einziger Genuß, nicht, weil es sich nur um “schöne” Objekte handelt, sondern weil alles stimmig ist.

Odilon Redon. Oder: Walking Man, engl. für: Diogenes

Geschrieben von am 31. Januar 2007 14:24

Merkwürdig, merkwürdig, was einem in der Ausstellung Wie im Traum. Odilon Redon in der Frankfurter Schirn passieren kann…
Zunächst zur Ausstellung selbst: sie ist sehr gediegen gemacht (d.i. hier positiv gemeint!), Brauntöne herrschen vor, es ist aufgrund der vielen Papierarbeiten nicht sonderlich hell. Die grelle Sensation wird dankenswerter Weise auch im übertragenen Sinn nicht gesucht, die Bilder hängen sogar, horribile dictu, chronologisch, innerhalb der Chronologie sind sie zusätzlich in leicht erfassbaren Themen wie Blumen, Apollo u.ä. geordnet.

Die wirklichen Perlen finden sich erst in der geduldsamen Lektüre der Ausstellung, gleich am Anfang etwa, unauffällig und dezent platziert, einige Vorbilder von Odilon Redons Arbeiten, zum Beispiel der Kuperstich Melancholie von Dürer, Goyas Radierung Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer und Bresdins großartige Arbeit Der gute Samariter (wer sich in das Bild mal reinzoomen will, hier ist dazu eine gute Gelegenheit).

Am erstaunlichsten (und der eigentliche Anlaß für dieses Posting) sind allerdings zwei Bildtitel in der Ausstellung. Die bekannten kleinen Kärtchen kleben neben den Bildern und geben die Provenienz (was für ein schönes Wort, nach hochnäsigen, verstaubten Depotwächterinnen klingend…), die Technik (Radierung etc.) und natürlich den Titel an, und zwar (in dieser Reihenfolge) auf französisch, deutsch und englisch.
Bei zwei Bildern ist mir aufgefallen, dass die englische Übersetzung etwas völlig anderes meint als der originale französische Bildtitel:

  1. Diogène / Diogenes / Walking Man
  2. David et Goliath / David und Goliath / Primitive Being

Merkwürdig, oder? Auch wenn sich meiner Kenntnis entzieht, wer letztendlich über Bildtitel bzw. genauer: Bildtitelübersetzungen bei Kunstwerken entscheidet, so erstaunt hier doch die übersetzerische Freiheit. Nimmt man hier evtl. Rücksicht auf einen (natürlich irrtümlicherweise angenommenen) kleineren mythologischen bzw. bildungsbürgerlichen Bildungshorizont bei Angelsachsen?

Sehr schön ist übrigens auch, das aus dem letzten Raum, der Wandbilder von Redon in einem ehemaligen Kloster räumlich andeutet, leise Klaviermusik durch die Ausstellung wandert. Man muß ja nicht gleich von Synästhesie sprechen, aber es lockert die Sache auf, weg vom stillen Götzendienst an der Kunst, die Musik schafft eine lockere Salonatmosphäre.

Sonst noch was?: Klar, großartige Werke von einem Künstler, von dem ich bisher nur das Muschelbild und die Poe-Illustrationen (das berühmte Auge als Fesselballon) kannte. Das Bild mit der Muschel ist natürlich da & großartig, aber auch einige Blumenbilder bezaubern.
Tipp: Man sollte nicht an einem dunklen Wintertag reingehen, die Papierarbeiten sind oft tiefschwarz und lassen einen in der nächsten Nacht schlecht träumen.

Hier ein paar Bilder aus der Ausstellung.

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