Geschrieben von Nina Gorgus am 30. Oktober 2011 18:31
Angelo Soliman. Ein Afrikaner in Wien im Wien Museum.
Soliman war der Name eines Schwarzafrikaners, ein Sklave, der im 18. Jahhrundert in Österreich Karriere machen konnte, und doch immer ein sogenannter “Wilder” blieb. Nach seinem Tod wurde er nicht begraben, sondern in einer menschenverachteten Inszenierung mit Federn im kaiserlichen Naturalienkabinett ausgestellt. Die Bitten seiner Tochter, die eine Bestattung wünschte, blieben ungehört. Die Sammlung fiel später einem Brand zum Opfer, wie ich auf der Seite von afrikanet nachlesen konnte.

Dies ist eines der vielen Bilder, mit denen Soliman verbunden wird. In der Ausstellung im Wienmuseum geht es nun darum, auch einem Mythos auf die Spur zu kommen: “Soliman bleibt Projektionsfläche, je nach Perspektive der Betrachtung: Er ist Kuriosum und erfolgreicher Migrant, ewiger Sklave und bürgerlicher Aufsteiger, Vorbild und Märtyrer. In seiner Biografie sind Emanzipation und Zwangsassimilierung eng miteinander verwoben”, so heisst es auf der Internetseite.
Die presse.com berichtet hier darüber, auf Dradio gab es einen Beitrag und einen interessanten Beitrag auf der Seite von no-racism.net, der sich auf einen ORF-Beitrag im Vorfeld der Ausstellung bezieht.
Geschrieben von Nina Gorgus am 10. September 2011 23:24
In Graz wird demnächst getagt: Gehört der Krieg ins Museum heisst die Veranstaltung zwischen dem 21. und 23. September, die u.a von Gottfried Fliedl geplant wurde. Mit dem einzigartigen Landeszeughaus ist das sozusagen eine Steilvorlage.
In der Ankündigung heisst es:
Darstellungen von Krieg und Gewalt in Museen oszillieren meist zwischen der Faszination des Schreckens und seiner Instrumente einerseits, und dem pädagogischen Impuls, Gewalt zu erklären und durch Deutung verarbeitbar bzw. vermeidbar zu machen andererseits. Den Grundfragen nach dem gesellschaftlichen und institutionellen Umgang mit Krieg und Gewalt müssen sich auch einschlägige Museen stellen. Gehört der Krieg tatsächlich ins Museum? Und wenn ja, mit welchen Zielen und Mitteln? Kann das Museum Banalisierung und Ästhetisierung, die Verwandlung von Gewalt, Tod und Trauma in Sehenswürdigkeiten vermeiden? Welche Bilder von Betroffenheit oder Identifikation erzeugt man – und welche wären wünschbar? Lässt sich etwas über die Dialektik von Freund und Feind erfahrbar machen? Das 200–Jahr–Jubiläum des Universalmuseums Joanneum zum Anlass nehmend, diskutieren wir für das Landeszeughaus, historisches Monument und touristische Attraktion gleichermaßen, Möglichkeiten neuer, analytischer und diskursiver Umgangsformen mit dem Krieg im Museum.
Ich bin gespannt!
Geschrieben von Nina Gorgus am 30. November 2010 00:04

Wieder ist von einem neuen Museum in Wien die Rede bzw. um Umbau oder Neubau: Nein, es handelt sich nicht um das Museum neu, sondern um das Wienmuseum, das sich erweitern möchte und für das, im Gegensatz für die Fusion von Volkskundemuseum und Völkerkundemuseum, Geld da zu scheint. Genaueres steht hier im Falter.
Geschrieben von Nina Gorgus am 25. Oktober 2010 07:15
Baustelle: Wien. In der Stadtzeitung Falter vom 20.10.2010 bekam die geplante, aber nun wohl geplatzte Fusion des Volkskundemuseums und des Völkerkundemuseums (hier im Museumsblog über das “Museum neu”) einen Kommentar mit der Überschrift:
Dame sticht Ober: Das Integrationsmuseum wird abgeschoben.
Matthias Dusini bedauert hier in seinem Kommentar, dass die Chance eines Museums der Kulturen, in dem der kolonialistische Blick auf den “Tiroler” und den “Neger” hätte korrigiert werden können, verspielt sei. Außerdem weist er noch weitere, befremdliche Zusammenhänge in der Wiener Museumswelt hin.
Geschrieben von Nina Gorgus am 30. März 2010 08:34
Wäre ich in Wien, würde ich auf keinen Fall die Ausstellung des Künstlers Aljoscha von versäumen:
“bioism aims to spread new and endless forms of life throughout the universe”
Hinter Aljoscha verbirgt sich ein Künstler aus der Ukraine, der seit 2003 in Düsseldorf lebt und arbeitet. Er macht u.a. so hübsche Gebilde, die einem zuweilen erst auf den zweiten Blick auffallen. Aus Acryl-Fäden zusammengezwirbelt, erinnern sie in der Tat an Wesen aus einer anderen Welt. Letztes Jahr konnte man das hier von ihm in niederländischen Museen sehen:

In Wien ist die Eröffnung ist am 16. April um 19 Uhr in der Garnisonsgasse 11, bei artunited.
Geschrieben von Gottfried Fliedl am 14. März 2010 17:12
Kunstvoll Sitzen im Kunsthistorischen Museum
Geschrieben von Gottfried Fliedl am 7. März 2010 19:48
Naturnahes Sitzen im Naturhistorischen Museum in Wien (2010)
Geschrieben von Nina Gorgus am 25. Februar 2010 10:25

Stylisch: Mit dem biomorphen Gebilde von den Londoner Architekten Peter Cook und Colin Fournier im Rücken, kann die Besucherin im Kunsthaus Graz der Hör-Installation einer Straße lauschen.
Geschrieben von Nina Gorgus am 21. Februar 2010 15:17
Es ist kalt, es riecht leicht nach Ballistol, die Holzdielen knarzen und die Augen begreifen nicht so recht, was sie da eigentlich sehen: Vier Etagen voll mit Waffen, Harnische, Handfeuerwaffen, Helme, Kanonen, Stangen, Lanzen… rund 32. 000 Objekte, laut Beschreibung.
Wir sind im Landeszeughaus der Steiermark in Graz genauer in einer original erhaltenen Rüstkammer, die in diesem Gebäude (links ein Blick auf den Hintereingang) ab Mitte des 16. Jahrhunderts zur Verteidigung der Steiermark eingerichtet worden war.
Ende des 17. Jahrhundert war die Grenze nach Osten hin befriedet, Waffen und Rüstungen wurden überflüssig.
Anstatt alles aufzulösen, verwandelte man dann einige Jahrzehnte später das Zeughaus mit den verbliebenen Restbeständen (das ist jetzt etwas abgekürzt) in ein Museum, das seit Ende des 19. Jahrhundert zum Universalmuseum Joanneum gehört.
Während die Rüstungskammer nahezu unverändert blieb, fügte man in den 1990er Jahren im Erdgeschoss eine Dauerausstellung hinzu, um die Notwendigkeit der Waffen für die Steiermark zu erklären und Situationen aus dem Alltag eines Soldaten aus dem 17. Jahrhundert zu visualiseren.
Trotz der didaktischen Einführung ist eine Mischung aus Faszination und Voyeurismus, die einem beim Durchqueren der langen Gänge mit den vielen Waffen begleitet, nicht von der Hand zu weisen. Viele der ausgestellten Objekte sind einfach schön: die kunstvoll verzierten Harnische oder die sorgfältig verarbeiteten Kuhhörner für Schießpulver eignen sich gut für eine Ästhetisierung.
Ein interessantes Kulturerbe, aber auch ein schwieriges – denn wie setzt man so etwas in Szene, ohne Gewalt zu verherrlichen?
Hier ein Video vom ORF für einen ersten Eindruck.
Geschrieben von Nina Gorgus am 28. Januar 2010 21:37
Volkskundemuseum Graz. Trachtensaal