Die Objekte im Museum, die berühren

Geschrieben von am 14. November 2012 19:17

Selten war ich von einem Objekt so berührt wie neulich im  Imperial War Museum North in Manchester – es handelte sich um ein zerschmolzenes Gebäudeteil aus dem World Trade Center in New York.

Das Berührtsein liegt natürlich zum großen Teil daran, dass ich diese Tragödie dank Fernsehen hautnah mitbekommen habe und nun sehr viele Erinnerungen geweckt wurden.  Aber dann unmittelbar vor solch einem Stück zu stehen, ist schon etwas anders als Medienbilder, die so weit weg erscheinen…

Es ist überhaupt erstaunlich und lobenswert, dass ein Museum, das sich den vergangenen Kriegen widmet, auch soviel Aufmerksamkeit den kriegerischen Auseinandersetzungen und Konflikten der Gegenwart widmet.

 

Tiere im Museum

Geschrieben von am 11. November 2012 13:24

Der Elefant im Imperial War Museum North in Manchester begrüßt die BesucherInnen vom Café in die Ausstellung.

 

Tiere im Museum

Geschrieben von am 17. Januar 2012 08:17

Der Hummer

Gesehen in Dresden, im Militärhistorischem Museum der Bundeswehr.

Tagen in Graz

Geschrieben von am 7. Oktober 2011 22:01

Das Landeszeughaus, die Museumsakademie, und ICOMAM hatten zur Tagung „Does war belong in Museums? The Representation of Violence in Exhibitions“ geladen, und sehr viele Teilnehmer/innen kamen Ende September nach Graz, um darüber im internationalen Kreis zu diskutieren. Auch der Grazer Flughafen ist ganz auf das Thema eingestimmt.

 

Das Tagungsprogramm war dicht und gut verwoben – Drahtzieher hierfür war Gottfried Fliedl.

Den Auftakt bildete die Theorie und hier legte der keynote speaker Jay Winter, der Experte für die Musealisierung des Ersten und Zweiten Weltkriegs eine gute Basis. Er präsentierte eine Übersicht über Museumspraktiken in den letzten Jahrzehnten und bereicherte die  Diskussionen der folgenden Tage erheblich.

Auf ein paar Aspekte möchte ich hier kurz eingehen. Interessant fand ich vor allem die Präsentation von Museen, die gerade entstehen bzw. sich verändern. So können wir demnächst im Zeughaus in Solothurn eine neue Sicht auf alte Rüstungen erwarten. Dass man auch in einem Panzermuseum Anschluss an die Kultur- und Sozialgeschichte suchen kann, ja sollte, machte der wissenschaftliche Leiter Ralf Raths eindrücklich klar. Das Museum in Munster, das sich, wie der Name schon sagt, Panzern widmet, befindet sich in einer Umorientierungsphase. Das hat Dresden schon hinter sich: Gorch Pieken stellte das Militärhistorische Museum der Bundeswehr vor, das so ganz mit den übrlichen Praktiken bricht. Die BesucherInnen erwartet keine der übliche Waffengalerien, wie sie etwa im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien oder im Armeemuseum in Paris zu sehen sind. Ob das Konzept tatsächlich aufgeht, die Kulturgeschichte der Gewalt auszustellen, können wir schon nächste Woche selbst überprüfen: am 14. Oktober ist Eröffnung.

Spannend war auch der Vortrag von Susanne Hagemann aus Berlin, die sich in deutschen Stadtmuseen umgeschaut hat und eine museologische Kanonisierung des Zweiten Weltkriegs festgestellt hat:  Zum üblichen Repertoire gehören zum Beispiel Hitlerbüste, ein Modell der jewiligen zerstörten Stadt, und vor allem: eine Bombe, gerne liegend.

Aus der Schweiz, genauer aus dem Museum zu Allerheiligen, stammt diese Bomben-Präsentation.

Auf der Tagung wurde vor allem eines deutlich: nationale Strategien spielen in den militärgeschichtlichen Museen eine besondere Rolle. Gerne beschäftigt man sich auch mit den abgeschlossenen, bereits historisierten Kriegen. Waffen und Rüstungen aus den früheren Jahrhunderten werden gerne ästhetisierend gezeigt;

Die Frage der Tagung konnte natürlich nicht eindeutig beantwortet werden; es waren sich aber doch fast alle einig, dass Krieg natürlich ins Museum gehört. Doch wie soll er dargestellt werden? Das Historial in Peronne, das den Ersten Weltkrieg aus drei Perspektiven (der ehemaligen Gegner) zeigt, galt auch hier als Ideal  – das aber doch bislang keine nachhaltigen Wirkung auf andere Museen hatte. Vielleicht ändert sich das jetzt etwas mit Dresden?

 

 

 

 

Gehört der Krieg ins Museum?

Geschrieben von am 10. September 2011 23:24

In Graz wird demnächst getagt: Gehört der Krieg ins Museum heisst die Veranstaltung zwischen dem 21. und 23. September, die u.a von Gottfried Fliedl geplant wurde. Mit dem einzigartigen Landeszeughaus ist das sozusagen eine Steilvorlage.

In der Ankündigung heisst es:

Darstellungen von Krieg und Gewalt in Museen oszillieren meist zwischen der Faszination des Schreckens und seiner Instrumente einerseits, und dem pädagogischen Impuls, Gewalt zu erklären und durch Deutung verarbeitbar bzw. vermeidbar zu machen andererseits. Den Grundfragen nach dem gesellschaftlichen und institutionellen Umgang mit Krieg und Gewalt müssen sich auch einschlägige Museen stellen. Gehört der Krieg tatsächlich ins Museum? Und wenn ja, mit welchen Zielen und Mitteln? Kann das Museum Banalisierung und Ästhetisierung, die Verwandlung von Gewalt, Tod und Trauma in Sehenswürdigkeiten vermeiden? Welche Bilder von Betroffenheit oder Identifikation erzeugt man – und welche wären wünschbar? Lässt sich etwas über die Dialektik von Freund und Feind erfahrbar machen? Das 200–Jahr–Jubiläum des Universalmuseums Joanneum zum Anlass nehmend, diskutieren wir für das Landeszeughaus, historisches Monument und touristische Attraktion gleichermaßen, Möglichkeiten neuer, analytischer und diskursiver Umgangsformen mit dem Krieg im Museum.

 

Ich bin gespannt!

Dresden rüstet auf

Geschrieben von am 19. Mai 2011 22:28

Die FAZ gibt hier einen Einblick, was uns ab Oktober in Dresden erwartet: das Militärhistorische Museum der Bundeswehr wird endlich eröffnet und es werden, wie man lesen kann, viele Diskussionen erwartet. Auf die sind wir natürlich gespannt.

Krieg im Museum

Geschrieben von am 19. April 2010 23:15

In Frankreich käme niemand auf die Idee, an einem 11.11. an Karneval zu denken. In Frankreich gedenkt man stattdessen der Toten des Ersten Weltkrieges: am 11. November wurde der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland unterzeichnet.

Nächstes Jahr soll in Meaux, im Zentrum der beiden Marneschlachten, ein Kriegsmuseum eröffnet werden. Dieser Tage wurde vom Kulturminister der Grundstein gelegt. Im Zentrum steht die Sammlung, die der renommierte Historikers Jean-Pierre Verney zusammengetragen hat und dessen Anti-Kriegs Buch Elender Krieg letztes Jahr auch auf Deutsch erschien.

Wie das Museum aussehen könnte, wurde hier schon einmal im November 2008 vorgestellt – eine vorläufige Ausstellung, die ein Jahr lang in Meaux zu sehen war.

In Kisten wartet die Sammlung darauf, ausgepackt zu werden, und erinnert doch stark an ein Figurinen-Museum. Der  Bürgermeister von Meaux, Jean-Pierre Copé kündigte damals aber auch ein modernes, lebendiges Museum, in dem z.B. ein Stück Schlachtfeld virtuell inszeniert werden soll.*

Wir sind gespannt, doch erinnerten die ersten Bilder leider eher an das etwas dröge Pariser Armeemuseum als an die wirklich beispielhafte Inszenierung (weil aus verschiednene Sichten) im Historial von Péronne.

*Warum der Bürgermeister Jean-Pierre Copé bei der Eröffnung der vorläufigen Ausstellung als Eröffnungstermin des Museums den 11.11.11 um 11 Uhr 11 nennt (und damit einige Lacher erntet), ist doch einigermaßen merkwürdig.

Im Zeughaus

Geschrieben von am 21. Februar 2010 15:17

Es ist kalt, es riecht leicht nach Ballistol, die Holzdielen knarzen und die Augen begreifen nicht so recht, was sie da eigentlich sehen: Vier Etagen voll mit Waffen, Harnische, Handfeuerwaffen, Helme, Kanonen, Stangen, Lanzen… rund 32. 000 Objekte, laut Beschreibung.
Wir sind im Landeszeughaus der Steiermark in Graz genauer in einer original erhaltenen Rüstkammer, die in diesem Gebäude (links ein Blick auf den Hintereingang) ab Mitte des 16. Jahrhunderts zur Verteidigung der Steiermark eingerichtet worden war.

Ende des 17. Jahrhundert war die Grenze nach Osten hin befriedet, Waffen und Rüstungen wurden überflüssig. Anstatt alles aufzulösen, verwandelte man dann einige Jahrzehnte später das Zeughaus mit den verbliebenen Restbeständen (das ist jetzt etwas abgekürzt) in ein Museum, das seit Ende des 19. Jahrhundert zum Universalmuseum Joanneum gehört.

Während die Rüstungskammer nahezu unverändert blieb, fügte man in den 1990er Jahren im Erdgeschoss eine Dauerausstellung hinzu, um die Notwendigkeit der Waffen für die Steiermark zu erklären und Situationen aus dem Alltag eines Soldaten aus dem 17. Jahrhundert zu visualiseren.

Trotz der didaktischen Einführung ist eine Mischung aus Faszination und Voyeurismus, die einem beim Durchqueren der langen Gänge mit den vielen Waffen begleitet, nicht von der Hand zu weisen. Viele der ausgestellten Objekte sind einfach schön: die kunstvoll verzierten Harnische oder die sorgfältig verarbeiteten Kuhhörner für Schießpulver eignen sich gut für eine Ästhetisierung.

Ein interessantes Kulturerbe, aber auch ein schwieriges – denn wie setzt man so etwas in Szene, ohne Gewalt zu verherrlichen?

Hier ein Video vom ORF für einen ersten Eindruck.

Figurinen im Museum IXX

Geschrieben von am 16. Februar 2010 20:58

Immer eine sichere Bank für Figurinen: militärgeschichtliche Museen, wie das Heeresgeschichtliche Museum in Wien.

Figurinen im Museum IV

Geschrieben von am 28. April 2009 10:39


Allein unter Männern: Bei Madame Puech handelt es sich um die Kantinenchefin vom 67. Infanterie-Regiment in Frankreich um 1880. Sie wurde wohl nach einem Foto erstellt und steht im Pariser Armeemuseum in einer Vitrine mit Soldaten und Offizieren. Diese sollen nicht nur die Vielfalt der Uniformen in Frankreich zu der Zeit zeigen, sondern stehen auch für die verschiedenen regionalen Physiognomien, die man vorzufinden glaubte. Es handelt sich zweifellos um historische Figurinen – die aber nicht als solche auf den ersten Blick zu erkennen sind bzw. es fehlen die Hinweise dazu.

Und manchmal begegnet man in diesem Museum echten Personen, die im ersten Moment an die Figurinen in der Vitrine erinnern…..

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