Was macht eigentlich Peter Tamm?

Wir erinnern uns: Peter Tamm in Hamburg, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Springer-Verlags, mag Schiffe und er hat eine große Sammlung davon. Das ist nicht weiter verwunderlich, sind doch Hamburger Museen voll mit Objekten aus der Seefahrt – ich nenne nur das Altonaer Museum und das Hamburgmuseum. Tamm konnte aber die Stadt überzeugen, dass er die tollsten Schiffe hat und bekommt deshalb ein Museum im historischen Kaispeicher B in der Hafencity geschenkt. Für 30 Millionen kann nun Peter Tamm machen, was er will – welches Museum träumt nicht von solch einer Möglichkeit? Gegen das Museum hat sich eine Initiative Tamm-Tamm formiert, die auch gleichnamiges Buch herausgab. Doch alles umsonst, während die ehemals staatlichen Museen gegen Geldnot und gar Schließung ankämpfen, wurde 2004 in der Speicherstadt der Vertrag zwischen der Stadt Hamburg und Tamm unterzeichnet. Die Sammlung, die laut Welt „27 000 Schiffsmodelle, 40 000 Pläne, Gemälde und Grafiken, Filme, Bücher, Fotos und weitere historische Stücke“ umfasst, soll auf 12.000 Quadratmeter Platz finden. Darunter sind, was die „Welt“ freilich mit keinem Satz erwähnt, zahlreiche Nazi-Devotionalien, an denen sich die Kritik reibt. Was Tamm genau machen möchte, weiss aber keiner so richtig, auch nicht der Beraterkreis von Museumsdirektoren, der ihm da von der Stadt zur Seite gestellt wurde. Die Geschäftsführerin des neuen Museums möchte nichts verraten, wie sie der „Welt“ sagt, mit der Begründung, das würde sonst „kopiert“ werden. Wenn man allerdings Sätze, ebenfalls in der Welt, wie diesen liest: „Im „Internationalen Maritimen Museum“ sollen Besucher die 3000 Jahre alte Geschichte der Seefahrt sehen, hören, riechen, begreifen“, dann fragt man sich schon, wer da wen kopiert, so banal klingt das. Vielleicht gibt es gar kein schlüssiges, wissenschaftliches Konzept? Die Eröffnung wurde schon zwei Mal verschoben und so lautet gar die Überschrift in der Hamburger Morgenpost vom 3.1.2007: „Schiffbruch beim Tamm-Museum? Finanzierung und Konzept der Schau sind den Experten ein Rätsel.“ Isabel Hoffmann, die Autorin, deckt zugleich auf, wie unkritisch die anderen Hamburger Blätter (alle Springer-Verlag, wen wundert’s?) über das Maritime Museum berichten.

Kategorie: Hamburg

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Bisher 2 Kommentare

  1. Klaus Peter Thiele sagt:

    Die enorme Leistung von Herrn Tamm ist nicht zu schmälern. Wie sich das Eine oder andere rechnet, tritt doch dabei völlig in den Hintergrund, um nicht zu sagen, dass es nichtig ist.
    Das unselige Stück deutscher Geschichte kann nicht hierbei auch noch ausgiebig breitgetreten werden, das tut man schon an anderen Stellen zu Hauf‘. Er bezieht sich auf die technisch- nautischen Belange und dass in dieser Zeit schiffbautechnisch Großes geleis tet wurde, lässt sich nun einmal nicht verhehlen und man kann es nicht ausklammern. Möge man der Originaltreue zum Trotz an den betreffenden Modellen die ‚Hakenkreuzflagge‘ weglassen oder durch ein anderes al- bernes Symbol ersetzen, es wäre zu lächerlich und entspräche nicht dem Status einer solchen Unternehmung.

    Es ist außerdem in erster Linie eine akriebisch aufgebaute Sammlung. Ein akademisch-
    wissenschaftlicher Anspruch wäre gegenüber den Könnern dieses Meties abträglich –
    (akademisch ist, wenn einem nichts mehr einfällt).

  2. Nina Gorgus sagt:

    Ich finde sehr wohl, dass über dieses „unselige Stück deutscher Geschichte“, das so vielen Menschen den Tod gebracht hat, gerade in einem Museum, das einen öffentlichen Bildungsauftrag hat (schließlich ist es auch mit öffentlichen Geldern finanziert worden) differenziert dargestellt werden muss. Es geht nicht ums Weglassen, sondern darum, dass man nicht so tun kann, als hätte all das Nautische und Technische während der Nazizeit keine Bedeutung für das System gehabt.

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