Unter Kopien





Es ist schon eigenartig: in der am Montag von Staatspräsident Sarkozy eröffneten Cité de l’Architecture et du Patrimoine in Paris sieht man zum größten Teil „nur“ Kopien – und ist doch gehörig beeindruckt. Auf den ersten Blick hat sich wenig geändert: das Musée des monuments français, das seit Ende des 18. Jahrhundert Gips-Moulagen französischer Baudenkmäler sammelt sowie Fresken nachbildet, führt die Besucherin auf einer Etage im großen Seitenflügel des Palais de Chaillot und verschachtelt auf mehreren Etagen die Kunst am Bau in Frankreich von der romanischen Epoche bis ins 18. Jahrhundert vor.Die Moulagen, also die Modelle von Kirchenportalen, Statuen, Säulen… scheinen ihren Platz, als ich das erste Mal vor über 20 Jahren (!) im Musée de monuments français war, nicht verlassen zu haben. Doch das täuscht: eine rigorose Auswahl und eine schöne Museographie, einmal im warmen Rot und zum anderen im kalten Grauweiss setzt die Stücke erst so richtig in Szene. Mit der Farbe zitiert man die Anfänge. Rot war der Ausstellungsraum im Palais du Trocadéro, den man anläßlich der Weltausstellung 1937 abriss bzw. umgebaute.Und Grauweiss war die Farbe nach dem Umbau. Beeindruckend sind die Ausstellungsräume, die sich den Fresken widmen, die räumlich erfahrbar gemacht werden – so tritt man etwa in Kirchenräume. Auch erhält man an einer Stelle Einblick hinter die Kulissen und blickt auf das Gerüst der mächtigen Kirchenkuppel von Cahors. Wer also einmal eine Zeitreise in die Bau- und Kunstgeschichte Frankreichs machen möchte, ist hier richtig am Platz.
Besonders beeindruckt war ich aber vom modernen Teil der Cité. Es wird nicht nur zurückgeblickt, sondern auch die jüngere Vergangenheit und die Gegenwart thematisiert. Die zweite Etage des sogenannten Pariser Flügel im Palais de Chaillot ist der Architektur seit 1850 gewidmet, mit Modellen, Filmen, Plänen und Fotos. Hier ist die Anordnung nicht chronologisch, sondern thematisch, etwa nach Material, Funktion oder Aufgabensprektrum eines Architekten. Genial ist der Nachbau einer Wohneinheit der Cité radieuse in Marseille von Le Corbusier, den man betreten kann. Vielversprechend ist auch die Wechselausstellung zu neueren Projekten in Frankreich, die das Äußere eines Gebäudes nicht nur als Fassade, sondern als „Haut“ betrachten. Mein Fazit ist also sehr positiv: es war ein aufregender, kurzweiliger Besuch. Das Museums-Café mit (für diesen Ort) moderaten Preisen wird, das ist sicher, aufgrund der Aussicht auf den Eiffelturm sich großer Beliebtheit erfreuen. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass alle Menschen in der Cité, ob an der Kasse, Garderobe oder im Café durchweg gutgelaunt waren, so dass der Besuch wirklich Freude machte. Deshalb: ein großes Lob! Anschauen.

Kategorie: Architektur, Frankreich, Paris

Verschlagwortet:

Schreiben Sie einen Kommentar

Archiv