Nach Dienstschluss Uhren reparieren

Geschrieben von am 26. November 2007 15:13

Man stelle sich vor: eine Gruppe von gutsituierten, in bürgerlichen Berufen tätigen Personen dringt nachts in die Alte Nationalgalerie ein und kümmert sich um die Bilder, die dringend restauriert werden müssen, für die aber kein Geld da ist. So geschehen in Paris: Dort drang die Gruppe mit dem hübschen Namen Untergunther, die zum Ziel hat, „das unsichtbare Kulturerbe zu restaurieren“, in den Panthéon ein – also dort, wo die ganz Großen der Nation ruhen dürfen. Im Pantheon ließen sie sich nach der Arbeit – als Krankenschwester oder Rechtsanwalt – nieder, brachten zusammenklappbare Möbel wie Sessel, Tische und Stühle mit, vergaßen auch die Kochplatten für das Diner mit Aussicht nicht. Danach widmete man sich der Restaurierung einer verrosteten Turmuhr von 1850, die aus unbekannten Gründen seit 1965 nicht mehr ging und in Vergessenheit geraten war. Nach einem Jahr war die Uhr unter der Anleitung eines Uhrmachers fachgemäß restauriert und die Gruppe fand es an der Zeit, den Leiter des Panthéon zu informieren. Der war natürlich, milde gesagt, etwas erstaunt, ebenso wie die vorgesetzte Behörde, das Centre des Monuments nationaux. Das Centre versuchte, mit Strafanzeigen die Gruppe vorzugehen, die Klagen wurden aber bis jetzt alle abgewiesen. Neben des widerrechtlichen Eindringens ließen sich die Richter anscheinend von der unentgeldlichen Restaurierung des vergessenen Kulturerbes Uhr beeindrucken. Die Uhr ist nun zwar in Stand gesetzt, geht aber immer noch nicht, auch wenn der Mechanismus wieder funktioniert und die gute Qualität der Restaurierung bescheinigt ist. Offensichtlich fühlt sich der Panthéon durch eine funktionierende Uhr noch mehr kompromittiert. Denn wie sollte der Wortlaut auf dem Schild lauten, das man normalerweise unter solch gesponserten Dienstleistungen hängt? Etwa so: „Urbane Piraten restaurierten zwischen 2005 und 2006 nachts diese Uhr, ohne dass irgendjemand etwas davon gemerkt hätte.“
Gelesen in Le Monde und hier gibt es einen Artikel auf Timesonline.

Straße, ausgestellt

Geschrieben von am 15. November 2007 10:37

Klingt interessant: Das Projekt „Sensing the street. Eine Straße in Berlin.“ Die „multisensorische Straßenethnographie“ ist ein Studierenden-Projekt des Instituts für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und des Studio für Klangkunst und Klangforschung an der UdK. Drei Berliner Straßen – Ackerstraße, Adalberstraße und Karl-Marx-Straße – wurden erforscht bzw. mit allen Sinnen kartiert. An drei Orten, also in dem Stadtteil, wo sich die erforschte Straße befindet, wird ausgestellt. Was, ist mir noch nicht so ganz klar. Vielleicht auch das, was so auf Berlins Straßen herumliegt? (Möchte man intensiver darüber nachdenken?) In der Einladung zur Ausstellungseröffnung zur Ackerstraße (Mitte Museum) heißt es: „Farben, Töne, Gerüche – Sinneseindrücke, Stimmungen und Empfindungen werden beim Gang durch eine Strasse ausgelöst. Um diese sinnliche Wahrnehmung städtischer Räume geht es in der Ausstellung Sensing the street. Eine Straße in Berlin.“ Im Kreuzberg Museum und in der Galerie im Saalbau in Neukölln sind die beiden anderen Straßen zu sehen/riechen/hören.
Spiegel-Online hat schon mal den Ackerstraßen-Cocktail probiert. Und die taz riecht Laub mit Pizza.

Brücke schlägt Hufeisennase

Geschrieben von am 14. November 2007 12:48

Wir erinnern uns: im August sah es ja mal so aus, als würde ein kleines Tier – die Fledermaus namens Kleine Hufeisennase den Baubeginn der umstrittenen Waldschlösschenbrücke in Dresden verhindern. Nun ist wieder alles anders: Die Brücke darf nun doch gebaut werden. Das hat das sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen entschieden; das Land Sachsen hatte gegen den Baustopp geklagt. Damit steht auch fest, dass Dresden den Weltkulturerbe-Status verliert. Irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist!
Hier berichtet Spiegel-online darüber und hier befindet sich die Seite der GegnerInnen der Brücke.

Liebe und Sexualität in Kriegszeiten

Geschrieben von am 13. November 2007 11:15


Rot ist die Ausstellungsfarbe der Saison, so hat Jörn Borchert in seinem Blog Kulturelle Welten anläßlich seines Paris-Besuches festgestellt. Rot ist auch in dieser Ausstellung zu finden; hier soll sie für Liebe und Krieg(sblut) zugleich stehen. „Amour, guerres et sexualité 1914-1945“, beschäftigt sich damit, wie Liebe und Sexualität im Kriegs-Alltag gelebt werden. Hier geht es um Stereotypen wie das Bild der Krankenschwester, um erotische Freiräume, aber auch um die Instrumentalisierung der Gefühle, und das nicht nur aus französischer Sicht. Eine wirklich sehenswerte Ausstellung, die noch bis zum Ende des Jahres im Hôtel national des Invalides zu sehen ist.
Die ausführliche Ausstellungsrezension
steht auf den Seiten von H-Soz-u-Kult.

Lehnstuhlreise ins Museum

Geschrieben von am 1. November 2007 16:58

Es soll ja vorkommen, dass man einfach keinen Schritt vor die Türe setzen möchte. Um so praktischer ist es, dass manche Museen sich darauf eingestellt haben. Einen wirklich guten Eindruck vom Pitt-Rivers-Museum in Oxford, 1884 vom General gleichen Namens gegründet, sind die 360°- Ansichten, die man hier anschauen kann. Natürlich kann kein noch so tolles Foto den Museumsbesuch ersetzen: online fehlt etwas. Hier habe ich es einmal beschrieben.

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