Keine Romantik mehr mit Brücke?

Jede, die schon einmal zwischen Bingen und Koblenz am Rhein entlanggefahren ist, kennt dieses romantische Fleckchen Deutschlands nur zu gut: putzige Burgen auf Gipfeln, kleine Dörfchen am Rheinufer und als Krönung der Loreley-Felsen. 2003 wurde die Region mit dem Weltkulturerbe-Titel geadelt. Nun geht es wieder einmal um die Brücke: im Mittelrheintal möchte man beides – das UNESCO-Label und eine Brücke. Der Verkehr, der sonst auf einer Strecke von 100 km nur mit Hilfe von Fähren den Rhein queren kann, soll eine Furt gegeben werden. Und dass ausgerechnet an der schönsten, da engsten Stelle, zwischen St. Goar und St. Goarshausen. Ob Brücke oder Tunnel, die rheinland-pfälzische Landesregierung hält sich alles offen und eher bedeckt. Aber es ist offensichtlich, dass es hier in erster Linie um wirtschaftliche Interessen geht. Die Organisation Icomos, die die UNESCO in Weltkulturerbe-Fragen berät, hat nun Alarm geschlagen. Parallelen zur Elb-Brücke in Dresden zeichnen sich ab und es wird kräftig am Label gerüttelt. In der Frankfurter Rundschau vom 24.1. wird aber auch kritisch die Funktion von Icomos hintergefragt:

„Und tatsächlich muss man auch diesmal fragen, ob Icomos wirklich nicht weiß, was es seit Jahren schon bedeuten soll, dass im Welterbegebiet Mittelrheintal ein Fleckchen Erde nach dem anderen betrauert werden muss. Jede Wanderung rund um die Loreley zeigt: Hänge sind zugebaut, Weinterrassen aufgegeben worden. Sinnlos wurden Neubaugebiete in den Schiefer gedübelt. Und veraltete Flächennutzungspläne dienen dazu, Natur und Landschaft zu bedrohen. Aus einer romantisch gefärbten Fernsicht ist eine Brücke zwischen zwischen St. Goar und St. Goarshausen eine Zumutung. Aus der Nähe betrachtet erweist sich Icomos als in der Sache unbewandert.“

Deutschlandradio Kultur widmete sich heute dem Thema.
In der Süddeutschen Zeitung ist hier ein schönes Bild von den Rheinschlingen zu sehen.

Kategorie: Weltkulturerbe

Verschlagwortet:

Schreiben Sie einen Kommentar

Archiv