Sonntagsausflug

Geschrieben von am 30. November 2008 11:13


Wer im Rhein-Main-Gebiet wohnt und diesen Sonntag noch nichts vorhat, dem und der sei ein Ausflug in das Rosenmuseum Bad Nauheim-Steinfurth empfohlen. Hier ist nun – für knapp ein Jahr – die Ausstellung Die Sprache der Blumen – eine Blütenlese aus der Schweiz zu sehen. Die von Cornelia Meyer kuratierte und von Trinidad Moreno gestaltete Schau* vermittelt sehr anschaulich, welche Rolle Blumen in der Naturwissenschaft, in der Dichtung und in der mündlichen Kommunikation spielten und vielleicht immer noch spielen. Es gibt natürlich viele Blumen zu sehen – wie die handwerklichen wunderschönen Modelle aus dem Naturkundemuseum – und sehr viel zu lesen. Das Lesepensum lässt sich aber sehr gut bewältigen, denn die Ausstellung hat eine angenehme Größe.
Bei dieser Gelegenheit kann man dann auch gleich die gut inszenierte Schausammlung des Museums anschauen und mehr über die Bedeutung der Rose für die Gemeinde erfahren.
Angenehm ist auch, dass das Rosenmuseum im Erdgeschoss ein nettes Café und einen gut sortierten, natürlich blumig angehauchten Shop hat. Alles in allem wieder einmal ein Beispiel dafür, dass sich auf dem sogenannten Land viel mehr tut als vermutet.

* Die Ausstellung war für den Strauhof in Zürich konzipiert und hier stand schon mal im Museumsblog etwas darüber.

Herzlichen Glückwunsch, Monsieur Lévi-Strauss

Geschrieben von am 28. November 2008 09:29

Der große Claude Lévi-Strauss wird 100.
Joyeux anniversaire kann man da nur ehrfürchtig wünschen.
Gefeiert wird CLS zur Zeit in allen Medien; zum Beispiel gestern mit einem Film auf arte (der noch einige Male wiederholt wird) und in dem er in Interviews in geschliffenen Sätzen gut verständlich seine Ideen erläutert (zum Beispiel was eine Pusteblume mit dem Strukturalismus zu tun hat). Heute ist ihm ein Tag im Musée du quai Branly in Paris gewidmet- das er von Beginn an als einer der wenigen unter den EthnologInnen entschieden unterstützte. Dort ist eine Ausstellung mit Fotografien zu sehen, die CLS auf seinen Feldforschungen gemacht hatte. Bekannte Persönlichkeiten lesen den ganzen Tag aus seinen Büchern; in der Dauerausstellung finden Führungen zu den Objekten statt, die er gesammelt hatte.
Ich möchte hier auch noch an die Rolle erinnern, die er für das nationale Volkskundemuseum MNATP in Paris gehabt hatte – er lieferte nämlich das Grundkonzept für die Dauerausstellung, die dann später Georges Henri Rivière mit seinen MitarbeiterInnen mit Inhalten füllte. Der Legende gemäß passte das Konzept auf einen Zettel.
CLS hat auch stets eine klare Vorstellung davon, was ins Museum gehört und was nicht: „Die Museen sind zunächst dazu da, so CLS 1992, „Objekte aufzubewahren und dann erst für die Besucher (…) Man muss respektieren, dass all das, was verdient, untersucht zu werden, nicht unbedingt verdient, bewundert, ausgestellt oder gar aufbewahrt zu werden. Man muss die Frage stellen können, was schön ist und was nicht.“*

*zit. nach: Isac Chiva: Entretien avec Claude Lévi-Strauss. In: Le Débat 70 (1992), S. 165-173.
das Bild von CLS habe ich von hier

Raubkunst in deutschen Museen

Geschrieben von am 27. November 2008 11:25

Gestern kam in der Rubrik Zeitreisen auf Deutschlandradio Kultur der sehr hörenswerte Beitrag von Anette Schneider zum Thema Beutekunst mit dem Titel: Eine endlose Geschichte. Die Rückgabe von NS-Raubkunst in Deutschland. Es ist erschütternd zu erfahren, was alles in deutschen Museen getan wurde und heute noch getan wird, um die in Depots schlummernden Kunstwerke oder ganz offen in Schausammlungen hängenden Bilder aus Zwangsverkäufen oder Beschlagnahmungen behalten zu können.

„63 Jahre nach Kriegsende hängt und lagert in bundesdeutschen Museen noch immer enteignetes jüdisches Kulturgut. Noch immer wurde in Deutschland nicht richtig mit der Suche nach Raubkunst begonnen“ – so der Kommentar von Anette Schneider.
Den Beitrag kann man auf den Seiten von Deutschlandradio Kultur nachlesen.

Langsam in München

Geschrieben von am 24. November 2008 22:25

Jetzt erst habe ich das Interview mit Chris Dercon neulich in der Süddeutschen Zeitung gelesen. Es ist sehr lesenswert, was der Leiter des Hauses der Kunst in München zu sagen hat. Er stellt nämlich klar, dass man vieles in Kunstmuseen nicht machen muss – wie Boutique-Kunst zeigen, oder überhaupt ans Telefon gehen, wenn einem ein Berater eine komplette Ausstellung inklusive Katalog und Preview bezahlen möchte. Dercon möchte das Museum „für unterschiedlichen Menschen zu gleicher Zeit weit öffnen“. Er sieht die Stärke im Museum durch seine Langsamkeit: „Wir sind sexy, weil wir langsam sind“ und er sagt voraus, dass diese Langsamkeit noch lange andauern wird.
Im Haus der Kunst zur Zeit zu sehen: die Ausstellung Spuren des Geistigen aus Paris. Interessant klingt auch das Angebot, im Museum mit der guided tour do you speak art? englisch zu lernen. Die Öffnungszeiten sind sehr arbeitnehmerfreundlich: täglich 10-20 Uhr und donnerstags bis 22 Uhr.

Evet – Ja, ich will!

Geschrieben von am 10. November 2008 18:55



Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund zeigt noch bis 25. Januar 2009 eine Ausstellung zu Hochzeitskultur und -mode von 1800 bis heute in Deutschland und in der Türkei. Angesichts der grossen türkischen Community in Dortmund will das Museum in seiner Programmation der veränderten Bevölkerungsstruktur Rechnung tragen.

Bekanntes, Fremdes und Gemeinsames soll aufgezeigt werden. Die Brautkronen und -trachten des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen deutschen Regionen muten ebenso exotisch an wie die prächtigen goldbestickten Samtroben wie sie in der Türkei getragen wurden. Henna-Nacht und Polterabend, Hochzeitsgewänder, Kopfschmuck, Aussteuer, religiöser Kontext, die Rolle der Braut etc. werden ebenso behandelt wie die Generalisierung des weissen Brautkleides und die Kreationen aktueller Modeschöpfer und Designer aus beiden Ländern oder die Frage warum junge Menschen heutzutage überhaupt noch heiraten.
Ein umfangreiches Begleitprogramm von Führungen, Konzerten, Lesungen, Kabarett usw. widmet sich den Themen Liebe und Hochzeit
Die Ausstellung wird im Anschluss an Dortmund vom 1. März bis 7. Juni in Mannheim gezeigt werden.

Junggeblieben

Geschrieben von am 10. November 2008 17:59

Nicht nur ideenreich, sondern auch junggeblieben: Themen und Museographie sind zeitgebunden; diese Erfahrung kann man immer wieder machen, wenn man Museen nach längerer Zeit wieder aufsucht. Doch manches Museum altert erstaunlicherweise nicht: das Österreichische Museum für Volkskunde gehört für mich dazu. Die Dauerausstellung ist nun um die 15 Jahre alt – jung kann man sagen.
Denn sie ist überhaupt nicht gealtert, weder was der Zugang noch die Inszenierung betrifft. Denn wie kann man die Objekte des „Volkes“ präsentieren, ohne zugleich den Blick von den anderen, von ForscherInnen, von Museen, von der Stadtbevölkerung zu erwähnen? Es geht hier auch um Klischees und Stereotypen, um Vorstellungen des anderen, um Kulturgeschichte und um eine geschickte Verflechtung mit der Museumssamlung. Die Ausstellungsarchitektur ist schlicht und zurückhaltend, und bringt manches auf den Punkt – zum Beispiel mit auf Podesten präsentierten Möbeln. Und von den klugen, pointierten Texten könnten manch andere Museen lernen.

Der Besuch lohnt sich, denn zur Zeit sind gleich noch zwei herausragende Fotoausstellungen zu sehen: Die Ausstellung „Places of Worship. Interreligiöse Gebetsräume auf Flughäfen“ mit den schönen Fotografien von Andreas Duscha beschäftigt sich mit einem klassischen volkskundlichen Thema – in der Gegenwart (nur noch bis zum 16.11.).
Die zweite Fotoausstellung, Prag 1968 – Fotografien von Heinz Hosch widmet sich einem Pressefotografen, der das Ende des Prager Frühlings 1968 fotografisch festgehalten hat. Schön deutlich wird hier die Verschränkung von weltpolitischem Ereignis und individuellen (Berufs-)Alltag. Kommentiert wird das Fotoarchiv von einer szenischen Installation mit Tönen aus dem aktuellen Prag von Paul Divjak. Unbedingt hingehen!

Ideenreich

Geschrieben von am 7. November 2008 13:07

Das österreichische Volkskundemuseum hat bekanntlich – wie zahlreiche andere Museen dieses Sektors – seit Jahrzehnten mit Finanzschwierigkeiten zu kämpfen. Was an Geld fehlt wird in diesem Museum aber durch Ideen reichlich wett gemacht. Jüngstes Beispiel: die Ausstellung kommt zu den Besuchern. Ausgehend von der Überlegung dass ein Grossteil des interessierten und treuen Museumspublikums SeniorInnen sind und dass viele ältere Menschen körperlich und gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, ein Museum zu besuchen eröffnet das ÖMV am 19. November eine Krippenausstellung im Pensionistenwohnheim Türkenschanze. Direktion und Bewohner zeigten sich begeistert von dieser Initiative.

Museumsrätsel

Geschrieben von am 5. November 2008 12:33

Aus aktuellem Anlass erfolgt heute eine Frage zu einem Museum in den USA.
Ich wollte es sehen, seit wir in der Schule „The catcher in the Rye“ von J.D. Salinger lesen mussten. Leider habe ich es nicht besucht, als ich einmal vor Jahren eine Woche in New York verbrachte, in der irrigen Annahme, ich käme bestimmt bald mal wieder her. Dieser grandiose Wahlausgang motiviert mich, einen neuen Besuch zu planen und endlich dieses Museum anzuschauen. Wie heisst es?

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