Junggeblieben

Nicht nur ideenreich, sondern auch junggeblieben: Themen und Museographie sind zeitgebunden; diese Erfahrung kann man immer wieder machen, wenn man Museen nach längerer Zeit wieder aufsucht. Doch manches Museum altert erstaunlicherweise nicht: das Österreichische Museum für Volkskunde gehört für mich dazu. Die Dauerausstellung ist nun um die 15 Jahre alt – jung kann man sagen.
Denn sie ist überhaupt nicht gealtert, weder was der Zugang noch die Inszenierung betrifft. Denn wie kann man die Objekte des „Volkes“ präsentieren, ohne zugleich den Blick von den anderen, von ForscherInnen, von Museen, von der Stadtbevölkerung zu erwähnen? Es geht hier auch um Klischees und Stereotypen, um Vorstellungen des anderen, um Kulturgeschichte und um eine geschickte Verflechtung mit der Museumssamlung. Die Ausstellungsarchitektur ist schlicht und zurückhaltend, und bringt manches auf den Punkt – zum Beispiel mit auf Podesten präsentierten Möbeln. Und von den klugen, pointierten Texten könnten manch andere Museen lernen.

Der Besuch lohnt sich, denn zur Zeit sind gleich noch zwei herausragende Fotoausstellungen zu sehen: Die Ausstellung „Places of Worship. Interreligiöse Gebetsräume auf Flughäfen“ mit den schönen Fotografien von Andreas Duscha beschäftigt sich mit einem klassischen volkskundlichen Thema – in der Gegenwart (nur noch bis zum 16.11.).
Die zweite Fotoausstellung, Prag 1968 – Fotografien von Heinz Hosch widmet sich einem Pressefotografen, der das Ende des Prager Frühlings 1968 fotografisch festgehalten hat. Schön deutlich wird hier die Verschränkung von weltpolitischem Ereignis und individuellen (Berufs-)Alltag. Kommentiert wird das Fotoarchiv von einer szenischen Installation mit Tönen aus dem aktuellen Prag von Paul Divjak. Unbedingt hingehen!

Kategorie: Österreich, Volkskunde, Wien

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