Zu Besuch beim Fabrikanten

Im schwäbischen Städtchen Murrhardt, verbrachte der Fabrikant Robert Franck die Sommermonate. Dafür ließ er nicht ein bescheidenes Ferienhaus errichten, sondern ein repräsentatives Anwesen mit einer imposanten Jugendstilvilla, in die man schon mal seine Angestellten des weltweit verzweigten Imperiums oder Geschäftspartner einladen konnte. Heute erstrahlt die Villa Franck fast wieder im alten Glanz. Das geht auf die Initiative der neuen Besitzer zurück, die seit 2001 zum Teil mit Hilfe der Denkmalstiftung Villa und Anwesen restaurieren.

Die Villa ließ der Fabrikant zwischen 1904-1907 vom Stuttgarter Architektenbüro Paul Schmohl & Georg Staehelin errichten. 1939 wurde das Anwesen verkauft. Die nachfolgenden Nutzer veränderten nur minimal die Innenausstattung, so dass das Jugendstilambiente nahezu komplett erhalten blieb.

Das Produkt, womit der Reichtum der Familie verdient wurde, kennen wir alle und wenn nicht, könnte man nach einer intensiven Betrachtung der verschiedenen dekorativen Elemente im Park oder der Innenausstattung darauf kommen: Der Name Franck steht für den so genannten Mocca faux, dem Muckefuck, eine Mischung aus Zicchorien, Roggen und Gerste. Einer der Markennamen war das Karo, das als Verzierung überall wieder auftaucht. So kann man im Esszimmer der Villa sich so richtig vorstellen, was der Auftraggeber seinen Architekten mit auf den Weg gab: die Innenausstattung soll schon modisch sein – also im Jugendstil – aber das Karo und der Kaffee sollen auch vorkommen. So ziert die Decke im Esszimmer viele Karos; kleine Kaffeebohnen sind in Intarsien eingelassen.

Auf diese Feinheiten weist einen der Hausherr Patrick Siben selbst hin, denn die Villa ist in Privatbesitz und nur für Konzerte und Themenveranstaltungen geöffnet. Führungen in der Villa können vereinbart werden oder man kommt einfach, am ersten Samstag im Monat zu einer kostenlosen öffentlichen Führung, die der Hausherr selbst macht. Selten habe ich so eine informative, kluge und zugleich lustige, aber nie launig gehalte Führung erlebt, bei der man viele Einblicke in die Baugeschichte und Nutzung des Gebäudes und des Gartens bekam.

Auf der Internetseite der Villa Franck erhält man viele Hinweise, wie man das Jugenstilensemble noch erleben kann – etwa im Rahmen von musikalischen Abenden oder privaten Feiern.

Mehr über die Landkaffee Manufaktur Franck erfährt man auf der Seite von Kaffeetradition e.V. Das Archiv des Franck’schen Firmenimperiums liegt im Staatsarchiv in Ludwigsburg.

Die Bilder stammen alle von der Internetseite der Villa Franck.

Kategorie: unterwegs

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