Im Louvre spazieren gehen


Irgendwo hatte ich gelesen, dass es die sogenannten arts premiers im Louvre – also die im April 2000 im Pavillon des Sessions eingeweihten Räumlichkeiten nicht mehr gibt. Die 140 Werke aus Afrika, Asien, Süd- und Nordamerika und Ozeanien, die den Prolog zu dem damals in Planung befindlichen Musée du quai Branly bildeten, wären nun dorthin umgezogen. Auch Pariser Freunde waren sich unsicher, ob die Stücke überhaupt noch zu sehen sind.

Auf der Internetseite des Louvre ist nichts zu finden – denn wo sollte man hier zum Beispiel (siehe links) anfangen zu suchen? Auch mit dem Stichwort „Pavillon de Sessions“ war nichts Aktuelles auf der Seite zu finden – außer einem Link zur Startseite des Musée du quai Branly. Im zuverlässigen „l’officiel des spectacles“, dem günstigen Heft mit allen wichtigen aktuellen kulturellen Daten von Paris (das, seit ich es kenne, noch nie das Layout geändert hat), steht die Abteilung immerhin drin.Einfach einmal selbst nachsehen: An einem Montag morgen im Juli, kurz nach Öffnung des Louvre, nehme ich den Haupteingang. Das war keine so gute Idee, denn die gesuchte Abteilung liegt eher an der Seite der Seine, wie ich mich dann erinnere. Zu spät – aber der Umweg erlaubt einen angenehmen Spaziergang durch das Gebäude.

Die nette Aufsicht meint: „Da müssen Sie erst einmal hoch, dann durch die Abteilung mit den spanischen Gemälden und dann wieder hinunter.“ Es wird nicht die erste Aufsicht sein, die ich frage – denn auch mit einem Plan ausgestattet, ist das einfacher gesagt als getan. Der Weg führt durch die große Galerie und hat etwas vom Rekord aus La Bande à part. Schilder pflasterten nicht gerade den Weg, waren aber ab und an durchaus nützlich.

Nach einigen Treppen, Schildern und geschätzte 10 Minuten später (obwohl ich mir nur verstohlene Seitenblicke auf die Gemälde erlaubte, die den Weg säumten) erreichte ich das Ziel.


Es gibt die Abteilung also noch! Bei der Eröffnung hat sie viele Proteste ausgelöst, da Staatspräsident Chirac sie gegen den Willen des Museums durchgesetzt hatte – von den anderen Turbulenzen, was die Herkunft der Stücke betrifft, ganz zu schweigen. Aber auch außerhalb des Museums bezweifelten damals viele WissenschaftlerInnen, damit könne die Hierarchie der Kulturen – so das Argument – aufgehoben werden. Dazu bald noch mehr, wenn es hier um Les Arts d’Afrifque, d’Asie, d’Océanie et les Amériques – revisited geht.

Und fast 10 Jahre nach der Eröffnung macht der mächtige Louvre immer noch klar, dass diese Art von Werken hier eigentlich unerwünscht sind – im Internet, durch die Lage, die Wegführung, und auch damit: so ist auf dem Raumplan, der allen Abteilungen eine Farbe zuweist, dieser Abteilung für die außereuropäischen Stücke keine eigene Farbe zugeordnet. Das kleine, weiße Kästchen mit dem schwarzen Rahmen macht auch dem unbedarften Betrachter deutlich: das gehört eigentlich nicht hierher.

Dafür hat man auf alle Fälle genug Platz und Ruhe, sich die Objekte gemächlich anzuschauen – denn von der Menschenmasse, die sich sonst im Louvre rumdrückt, verirrt sich kaum jemand hierher.

Kategorie: Frankreich, Kunst, Louvre, Paris, Quai Branly

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