Cutting-edge

Marion Löhndorf beschreibt in der NZZ, wie das Victorian & Albert Museum in London aufgerüstet hat, um immer „cutting-edge“ zu sein. leo kennt dafür viele deutsche Wörter: innovativ, Vorreiter, auf den neuesten Stand, wegbereitend – um nur einige zu nennen.

Das alles trifft auf das V&A zu: die Institution hat das, was in Deutschland immer als „Bildungsauftrag“ durch die Medien geistert, einfach mal wörtlich genommen und das Museum geöffnet – für alle, für die chinesische Migrantin, für den deutschen Tourist oder die Londonerin.Zunächst einmal wurde Marktforschung betrieben, analysiert, was die BesucherInnen sich so wünschen, was sie im Museum sehen und erleben möchten, und dann überlegt, wie die riesige, laut Museum weltweit größte Sammlung an Kunst und Design, dafür eingesetzt werden kann. Es wurde umgebaut, neue Ausstellungen konzipiert, die einzelne Objekte der Sammlung neu in Szene setzen, Strategien ausgedacht, um neue Besuchergruppen anzuziehen, kurzum, es wurde einfach in die Sammlung investiert – immer in Hinblick auf das Publikum. Seit 2001 ist der Eintritt frei (auch hier höre ich schon deutsche Experten sagen: das kann ja nicht gut sein, wenn es nichts kostet) – und das funktioniert: Das V&A hatte wohl innerhalb kürzester Zeit die Besucherzahlen mehr als verdopppelt, (für 2008/09 nennt der Jahresbericht knapp 2,5 Mill.) vielleicht auch dadurch, dass viele verschiedene Angebote für die nicht gerade homogene Besuchergruppe einegrichtet wurden

Ein Blick auf die website verrät auch, warum Menschen dieses Museum gerne besuchen: viele Bereiche des Museums sind frei zugänglich, gezahlt wird nur für größere Ausstellungen. Tagsüber gibt es mehrmals Einführungen durchs Haus, die ebenfalls umsonst sind. Dazu gibt es zu allen möglichen Tageszeiten Talks zu einzelnen Objekten oder Aspekten der Sammlung – ebenfalls bei freiem Eintritt.
Und hier noch ein Beispiel dafür, warum das V&A Vorreiter ist; weil es sich an Themen wagt, die hierzulande noch nicht einmal ein Tabu sind, so weit weg scheinen sie zu sein: LGBTQ histories at the V&A Hinter LGBTQ verbirgt sich Lesbian, gay, bisexual, transgender and queer – daraufhin sollen die Sammlungen des Museums befragt werden. Dazu ein screenshot von der Internetseite:

Und wie kommt nun das Museum ans Geld, mag man sich fragen: Natürlich gibt es eine Reihe von Angeboten, für die die BesucherIn zahlt – von workshops über Vorträge und Ausstellungen. Ebenfalls verdient das Museum mit dem von ihm konzipierten Wanderausstellungen. Zudem kann man im Museumsshop viel Geld lassen und unterstützt damit das Museum, man kann spenden, Mitglied des Museumsvereines werden….
Wenn es genauer interessiert, kann hier auf der Seite den aktuellen Jahresbericht mit vielen interessanten Zahlen anschauen oder sich auch Strategiekonzepte und vieles mehr herunterladen.

Auf nach London, oder?

Hinzugefügt: den Artikel, anders gelesen von Gottfried Fliedl

Kategorie: England, Kunst

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