Mein neues Lieblingsmuseum

Geschrieben von am 2. Oktober 2006 09:17

Es ist klein, liegt verborgen in einem schönen Hinterhof mit Garten und sehr charmant: Das Heimatmuseum Neukölln, von dem ich zwar schon viel gehört und gelesen, das ich aber schändlicherweise nie besucht hatte. Nun habe ich dort die Ausstellung „Reisefieber“ gesehen: eine liebevoll inszenierte Schau mit witzigen Objekten und sehr schönen, prägnanten Texten, die sich um das Thema Reisen (in die Nähe und in die Ferne) dreht. Viele der Geschichten haben mit Neuköllner Bürgerinnen und Bürgern zu tun, spiegeln aber gleichsam die deutsche Geschichte – eine inhaltlich runde Sache. Die Ästhetik der Ausstellung ist schlicht, wirkt aber durchdacht und gut umgesetzt und fügt sich adäquat in die Struktur des ehemaligen Lesesaals der Neuköllner Stadtbibliothek ein. Im Vorraum, oder wenn schönes Wetter ist, im Garten, kann man bei einem Kaffee in den Publikationen schmökern. Und: der Eintritt ist frei – „wir sind doch ein staatliches Museum“, sagte der nette junge Herr an der Kasse. Ich kann nur sagen: hingehen, anschauen, Bücher kaufen und auf diese Weise ein vorbildliches staatliches Museum unterstützen. Es war das beste, was ich in meiner Berlinwoche gesehen habe.

Die Dresdner, die Brücke, das Weltkulturerbe und das Verwaltungsgericht

Geschrieben von am 28. August 2006 16:19

So, nun ist schon wieder alles anders! Wir erinnern uns: erst sollte die Brücke im Elbtal gebaut werden, da die Bürger dafür votierten, dann kam das Weltkulturerbe dazwischen, da die UNESCO das Prädikat der Stadt aberkennen wollte, wenn diese die Brücke baute, dann wollte die Stadt den Bau aussetzen und die Bürger eventuell nochmals entscheiden lassen, dann sagte das Regierungspräsidium, dass es so nicht gehe, da solch ein Bürgerentscheid rechtsgültig sei und kündigte die Vergabe der Bauaufträge an, dann rief die Stadtverwaltung das Verwaltungsgericht an und das sagte heute: Stop!
„Nach einer Entscheidung des Dresdner Verwaltungsgerichts darf die geplante vierspurige Schneise vorerst nicht gebaut werden. Die vom Regierungspräsidium Dresden angeordnete sofortige Vergabe von Bauaufträgen sei gestoppt worden, sagte ein Gerichtssprecher.“
So berichtet Spiegel online. Der Museumsblog freut sich auf die Fortsetzung!

Die Dresdner, die Brücke und das Weltkulturerbe

Geschrieben von am 25. August 2006 14:11

Nun wurden in Dresden also Tatsachen geschaffen:
So heißt es heute auf Spiegel-online:
„Heute ordnete das Regierungspräsidum in seiner Funktion als kommunale Aufsichtsbehörde dennoch den Baubeginn an – unbeeindruckt vom Veto des amtierenden Oberbürgermeisters Lutz Vogel (parteilos), der einer Aufforderung des Stadtrates gefolgt war. Erst vor kurzem hatte dieser mit rot-rot-grüner Mehrheit den Baustopp beschlossen: Man wollte nicht die Touristen vergraulen, die ihre Reisen an den Weltkulurerbe-Orten entlang planen.“

Dazu: Was ist ein Weltkulturerbe? auf dem Museumsblog vom 14.7.2006

Was ist ein Weltkulturerbe?

Geschrieben von am 14. Juli 2006 13:52

Die Zeitung „Die Welt“ denkt heute über das „Dilemma der Beliebigkeit“ nach – über die von der UNESCO geführten Liste der Weltkulturerbe. Denn in Vilnius ist eben die Konferenz des Welterbekomitees zu Ende gegangen. Das Komitee berät darüber, ob eine Stätte neu aufgenommen, auf die Rote Liste oder von der Roten Liste wieder gestrichen wird. Die UNESCO weist darauf, dass sie vor der Aufnahme die „Einzigartigkeit“ und „Authentizität“ einer Kulturstätte überprüft bzw. bei einem Naturdenkmal die „Integrität“. Seit Juli 2006 hat die Organisation dies weltweit 848 Stätten bescheinigt – merkwürdig dabei ist, dass über ein Drittel davon, nämlich 348, in Europa liegen. Der Okzident hat sich also einmal mehr durchgesetzt, und mehr noch, die Kriterien scheinen sich immer beliebiger zu werden. „Die Welt“ befand zur Arbeit des Welterbekomitees (das sich aus 600 Delegierten aus 182 Staaten zusammensetzt): „Was auf der Welterbeliste der Unesco geführt wird, ist also das Ergebnis von Zufällen und höchst subjektiven Erwägungen, ist also nur Welterbe, weil die Unesco es so nennt.“ Das Problem sei, dass nicht eine unabhängige Jury selbst darüber befindet, was aufgenommen wird, sondern das Komitee nur über die eingereichten Vorschläge abstimmt.
Auch mir scheint, das Auswahlsystem sollte überdacht werden, vielleicht mehr Strenge, weniger Kompromisse. Denn ändert sich etwas, ob eine Stätte auf der Liste steht oder nicht? Am Beispiel von Köln und Dresden kann man das gut beobachten, denn in diesen beiden Städten bangte man um den Erhalt der Welterbestätten. Die eine wurden von der Liste gestrichen, da die Kölner sich durchgerungen hatten, die Hochhäuser in Köln-Deutz nun doch niedriger als geplant zu bauen, damit sie die Sicht auf das Weltkuturerbe Dom nicht beeinträchtigen. Dresden wurde nun auf die Liste gesetzt, da die geplante „Waldschlösschenbrücke“ inmitten der geschützten Elbauen gebaut werden soll. Für die Brücke hatten sich die Bürger und Bürgerinnen selbst entschieden, auch wenn die Gegnerschaft groß war und ist. Der UNESCO hatte man bei Antragsstellung falsche Angaben gemacht. Und wie sieht man in Dresden die Sache? Über den ganz eigenen Blick der Dresdner und Dresdnerinnen auf ihre Stadt durften wir schon während des ganzen Rummels um den Neuaufbau der Frauenkirche erfahren. So war nun im Spiegel zu erfahren, dass die städtische Riege der CDU-Politiker, weiter auf den Bau beharren. Denn, so ihr Kalkül, die Touristen kommen sowieso – egal, ob da eine Brücke steht oder nicht. Der Titel der Sendung, die der MDR heute abend ausstrahlt, ist bewußt provokant, passt aber gut dazu: Elbbrücke – Wird Dresden von der UNESCO erpresst?

Der Ochse vom Hessischen Landesmuseum

Geschrieben von am 14. Juli 2006 13:09

Dieser Ochse im Gewicht  von 21 Zentnern wurde am 15. Mai 1893 von der Metzger-Innung Darmstadt als erstes Schlachtvieh im neuen Schlachthof geschlachtetEine Trouvaille im Hessischen Landesmuseum Darmstadt und eine herzzerreißende Geschichte, auch für eine Nicht-Vegetarierin.
Auf der Messingtafel steht:
„Dieser Ochse im Gewicht von 21 Zentnern wurde am 15. Mai 1893 von der Metzger-Innung Darmstadt als erstes Schlachtvieh im neuen Schlachthof geschlachtet.“

Wenn Museen online gehen

Geschrieben von am 5. Juli 2006 12:23

Mittlerweile haben es auch die Museen begriffen: eine gute Internetseite ist die Visitenkarte der Institution. Eine äußerst interessante Seite hat das Hessische Landesmuseum in Darmstadt zu bieten. Interessant deswegen, da nicht nur das Übliche präsentiert wird wie allgemeine Informationen, Sammlungsgeschichte und Ausstellungen. Gleich auf der Willkommensseite fällt oben ein horizontaler Streifen auf, der mit „Universum“ betitelt ist. Wenn man draufklickt, dann öffnet sich ein Fenster, das Universum, das noch weiter in die Rubriken Materie, Raum, Zeit und Energie unterteilt ist. Es geht dem Museum darum, „Bezüge zwischen Natur- und Kulturgeschichte anschaulich machen, getrennte Sammelauftritte als Einheit präsentieren“. Diese innovative Idee wird anschaulich in sehr schönen Flash-Animationen umgesetzt, mit schönen Bildern, kurzen Texten und lustigen Geräuschen. Ausprobieren!

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