Marbach II

Nach der Arno-Schmidt-Ausstellung (siehe Marbach I) in Marbach besuchten wir natürlich noch das neue LiMO, wie es so schick heißt, das Literaturmuseum der Moderne. Um es gleich vorneweg zu sagen: mir gefiel es dort nicht bzw. hatte ich mich wohl zu lange in der Arno-Schmidt-Ausstellung aufgehalten. Und es ist wie bei einem Restaurantbesuch: Stimmt das Ambiente nicht und das Personal ist pampig, dann kann das Essen noch so gut sein – der Geschmack ist etwas getrübt. So begeisterte mich weder das Gebäude noch die Ausstellung. Schon der Empfang war im Vergleich zur Ausstellung im Schiller-Nationalmuseum gelinde gesagt frostig. Das Personal wirkte überfordert. Immerhin half uns jemand nach dem dritten Versuch, die Tasche wie aufgefordert im Schließfach einzuschließen. Es ginge nicht so einfach, gab die Dame zu, da man die Schließfachtüren mit Filz überziehen mußte, da das Schlagen der Türen bis unten in der Ausstellung noch zu hören gewesen sei. Werden eigentlich Architekten nicht darauf getrimmt, alltagstaugliche Gebäude zu produzieren? Wir werden dann in den Keller entlassen, wo die Ausstellungsräume sind. Die Treppen, die kahlen Fluren, gr0ße Türen, die einen fast erschlagen – das erinnert mich alles an die Bibliotheque Nationale, Site François Mitterrand (die aufgeklappten Bücher von Dominique Perrault), und die Diskussionen, als diese eröffnet wurden: die BenutzerInnen fühlten sich an eine Fabrik erinnert und suchten vergebens nach sinnlichen Leseerfahrungen. Daran mußte ich denken, als ich die Ausstellung suche. Es handelt sich in der Hauptsache um einen Raum, in dem in langen Glasregalen viele, viele Kleinode ausgestellt sind. Hier stellten wir fest, dass uns etwas fehlte, was (fast) alle anderen hatten: eine tragbares Laptop mit Ohrstöpseln, das sehr kompliziert aussah, da die Leute mehr damit beschäftigt waren als mit den originalen Objekten. Ohne Laptop erschloss sich einem das Ganze nicht, da die Informationen sonst recht dürftig waren. An für sich waren die Objekte ganz witzig präsentiert und es ließ sich auch die Idee oder das Ordnungsprinzip erkennen. Es waren auch ein paar hübsche Dinge dabei; die langen Regalreihen machten es aber einem schwer. Mir fehlte die Anschaulichkeit, es gab zuviel Glas, es war zu kalt, es gab zuwenig Licht (ja, ich weiss, die berühmten 50 Lux, wer die nur erfunden hat?) und zu wenig Informationen (und die Arno-Schmidt-Ausstellung). Oben an der Kasse fragte ich nach dem Laptop und erfuhr, dass jede/r Besucher/in einen bekäme – das stünde ja auch auf der Liste. Der Herr an der Kasse zeigte mir die Liste mit Eintrittspreisen, die auf dem Eingangstresen appliziert war (genau da, wo man seine Sachen kurz ablegt) und wo in ungefähr ein Zentimeter Größe stand: „M3 inklusive“ oder so ähnlich. Aha. Auf die Feststellung, dass man das nicht lesen könne und man nicht unbedingt wisse, was sich dahinter verberge sei (ich kenne nur MP3-Player) und er doch als Aufsicht die Besucher darauf hinweisen müsse, reagierte er mit Unverständnis. Das klingt jetzt vielleicht etwas kleinlich, aber ich hatte keine Lust mehr, nochmals mit M3 die Ausstellung zu besuchen. Recht gibt mir im Nachhinein eine Glosse in der FAZ vom 29.8.2006 in der Rubrik „Technik und Motor“ mit dem Titel „Illtum“. Hier beschreibt der oder die Autor/in sein Erlebnis mit dem Laptop, mit dem man sich „wie ein Ladenschwengel zur Inventur oder wie ein Geometer bei der Landaufnahme“ fühle. Und: „Wer so gerüstet ins Pantheon der Schriftstellernation gelangt, erfährt experimentell, wie störend sich die Technik vor und zwischen die Notate von Stefan George bis Rolf-Dieter Brinkmann schiebt.“
Hier war jemand sehr begeistert: Ausstellungsbesuch im LiMo

Kategorie: Literatur

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