Auswandern macht Spass

Nun ist die Auswandererwelt Ballinstadt in Hamburg eröffnet. Die Rezensionen in der Presse sind relativ eindeutig: auf die Besucher wartet ein kommerzielles Event, mit vielen interaktiven Elementen, das vor allem Kindern gefallen wird. „Chance vertan“, so heisst es in der Süddeutschen Zeitung vom 5. Juli (nicht online). Till Briegleb schreibt im Artikel „Wenn die Inhalte auswandern“ über die Private-Public-Partnership von Stadt und Museum (Hamburg hat sich immerhin mit 6 Millionen daran beteiligt, angesichts der zu erwartenden Museumsreform in Hamburg doch sehr erstaunlich) und über den Umstand, dass der Betreiber nicht möchte, dass der Komplex Museum genannt wird, da „die Bezeichnung Touristen abschrecke“. Weiter heisst es:

„Für eine umfassende Darstellung der Migrationsgeschichte ist diese Voraussetzung wenig hilfreich, denn das Event, das hier kreiiert werden muss, verträgt sich nicht mit den überwiegend schmutzigen Seiten des Themas.“

Spiegel online:

„Überall wollen Knöpfe gedrückt und Bewegtbilder bestaunt werden, im Computer sind Großteile der Passagierlisten mit allen Abfahrtdetails und Namen verfügbar – ein wahrer Schatz für Ahnenforscher. Neun Puppen erzählen mit unbewegter Holzmiene die Schicksale von Kindern und Erwachsenen aus verschiedenen Epochen – Schauspieler des Hamburger Schauspielhauses nahmen die Stimmen auf. An der Decke darüber hängen „Traumblasen“, beigefarbene Kugeln mit Begriffen wie „Genug zu essen“, „Geld“ oder „Glaubensfreiheit“, die für die Träume der Auswanderer stehen. Ein bisschen wie ein Transkript von Hans Rosenthals „Dalli Dalli“ (Was fällt Ihnen zu Auswanderung ein? Abschied, Hoffnung, Freiheit, das war Spitze!) wirkt auch der etwa vier Meter hohe künstliche Schiffsrumpf, zwischen dessen Planken weitere Assoziationsworte in orangefarbenem Licht erstrahlen.“

In der Welt online heisst es:

„Im Inneren dieses multimedial konzipierten Erlebnisparks, der museale Dokumentation, großes Gefühlskino und den zeitgeistigen Hunger nach Eventhäppchen auf Seeteufel komm raus verbinden will, findet sich fast folgerichtig Hamburger Allerlei (….) Was die Ballinstadt vorführt, ist ein ansehnliches Sammelsurium aus Trouvaillen, ein bunter (und sympathisch kindgerechter) Gemischtwarenladen, dem es allerdings an einem künstlerisch stimmigen und zudem inszenatorisch berührenden Gesamtkonzept ermangelt.“

Hier ist es anscheinend besser: Das ebenfalls private Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven, dass dieses Jahr den 2007 European Museum of the Year Award bekommen hat.

Kategorie: Hamburg, Migration

Verschlagwortet:

Schreiben Sie einen Kommentar

Archiv