Carte Blanche für Christian Lacroix

Schon als Jugendlicher war der aus Arles gebürtige Christian Lacroix ein Fan des Musée Réattu, hat dort erste künstlerische Entdeckungen gemacht, Inspiration für seine späteren Kreationen gesammelt und, last but not least, auch mit mancher Jugendliebe Händchen gehalten. Damals hätte er es sich wohl kaum träumen lassen, dass dieses ehrwürdige Museum, das in einem Renaissance Palais, einst Grosspriorat des Malteserordens, untergebracht ist, ihm einst carte blanche für eine Ausstellung geben würde. Das Museum hatte damit einen überaus glücklichen Einfall. Wunderbar gelungen ist diese Inszenierung die sich über alle Säle des Museums erstreckt. Lacroix wählte Bilder und Skulpturen aus den Beständen des Museums um sie in thematischen Räumen mit moderner Kunst, Installationen, Skulpturen, Gemälden, Zeichnungen und Fotos und seinen eigenen Haute Couture Modellen zu konfrontieren. In jedem Detail wird das Auge und das Gespür für Farben, Gegensätze, Harmonien des Modeschöpfers sichtbar. Eigens nach Entwürfen von Lacroix angefertigte Teppiche sind ebenso Bestandteil der szenischen Einrichtung wie die subtilen Farbschattierungen der Wände und lassen somit das Museum und seine Objekte zu einem Gesamtkunstwerk werden.

Leider läuft die Ausstellung nur mehr bis zum 31. Oktober, aber wer in der Gegend ist, sollte sie sich nicht entgehen lassen.
Eine andere äusserst interessante Initiative des Musée Réattu gilt es noch zu erwähnen: 2007 hat das Museum eine eigene Abteilung für „Hörkunst“ geschaffen. In einem (von Lacroix gestalteten) Raum, der „chambre d’écoute“ mit orientalisch anmutenden Diwan-Betten und Blick auf die breit dahinströmende Rhône kann man sich in die Kissen zurücklehnen und „Hörbildern“ lauschen. Jeden Monat wird ein anderes Werk vorgestellt, diesmal war es „Containers“ der Australier Sherre Delys und Russel Stapleton das versucht, die „Melodie“ des Hafens von Sydney einzufangen.

Kategorie: Fotografie, Frankreich, zeitgenössische Kunst

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