Hollands Blick auf die Welt

– im Tropenmuseum in Amsterdam. Ein Museum in dem man Stunden verbringen kann, immer wieder Neues entdeckt und Lust hat wieder zu kommen. Kann man Schöneres von einem Museum sagen?

Seit mehr als 10 Jahren unterzieht sich das Tropenmuseum einer langsamen Wandlung. Vom einstigen Kolonialmuseum ist es inzwischen zu einem lebendigen Museum aussereuropäischer Kulturen geworden. Die Geschichte des holländischen Kolonialismus wird dabei keineswegs verschwiegen sondern bewusst und (selbst)kritisch eingearbeitet. Den Objekten aus der „klassischen“ Sammlung stehen heutige Produkte des täglichen Gebrauchs ebenso gegenüber wie Werke und Installationen zeitgenössischer Künstler. Dies ist ein ganz bewusster Wunsch der Amsterdamer Museumsdirektion, um einerseits ein neues Publikum anzusprechen und andererseits zu zeigen, dass auch ausserhalb Europas und der anderen grossen Industrienationen durchaus interessante Kunst entsteht.
Moderne Technik steht neben altbewährten – und oft als antiquiert angesehenen –  Gestaltungselementen. Beispiel: im Bereich Latein-/Südamerika kann man in einem nachempfundenen Café sitzen, an einer Wand eine Vitrine die dem populären Catch gewidmet ist und auf einem Fernseher in der Ecke verschiedene emblematische Ereignisse bzw. Personen abrufen (Eva Peron, Che Guevara, „Mann mit der Silbermaske“…). Will man mehr wissen, geht man durch die spärlich beleuchtete „Strasse“ ins Cybercafé um am Computer seine Recherchen weiterzuführen.
Im „islamischen“ Bereich duften die Gewürze in grossen Säcken unter einer Coca Cola Reklame, in der Jukebox kann man zwischen modernem Türkenpop, mittelalterlicher Lautenmusik oder einem Video einer ägyptischen Schönheit wählen, die singend und bauchtanzend die Strassen Prags (!) durchwandert oder sich Hochzeitstänze und -gesänge aus dem Hohen Atlas ansehen.
Ernsthafte wissenschaftliche Arbeit muss nicht unvereinbar mit Humor sein. Kein Objekt ist isoliert, aktuellen Fragestellungen wird ebensowenig ausgewichen wie einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Alle Texte sind zweisprachig (holländisch und englisch), nicht zu lang doch ausreichend informativ und Dank des Einsatzes moderner interaktiver Medien jederzeit erweiterbar.
Ein absolutes Lieblingsmuseum!

Kategorie: Ethnologie, Niederlande

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Bisher 3 Kommentare

  1. Lukas von Lothringen sagt:

    Ja genau!
    Vor zwei Jahren war ich an vier aufeinander folgenden Tagen in dem Museum – ganztägig.Und ich freue mich schon auf ein nächstes Mal.

  2. Eva C.-K. sagt:

    Schön zu hören, dass auch andere das Tropenmuseum lieben!

  3. Nina Gorgus sagt:

    .. und nun auch in der Liste der Lieblingsmuseen aufgenommen.

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