Geschrieben von Nina Gorgus am 15. Januar 2008 10:59
GRANDIOS ist die Ausstellung des Fotokünstlers Andreas Gursky, die zur Zeit im Kunstmuseum Basel gezeigt wird. Die großformatigen Fotografien, die Gursky so perfekt inszeniert, sind einfach ein Erlebnis. Zu den Fotos selbst erfährt man nicht viel: Titel und Jahr. Auch wenn man weiß, dass Gursky die Fotografien bearbeitet, ist es erstaunlich, wie man das Medium Fotografie immer noch mit der Vorstellung einer realistischen Abbildung der Wirklichkeit verbindet. Denn es ist einfach alles so perfekt, dass man bei „Kathedrale I“ die großartigen gotischen Fenster bewundert und zunächst gar nicht merkt, dass da eigentlich noch die Säulen hätten stehen müssen… Auffällig wird es erst dann, wenn die Straße bei „Tour de France“ mitten im Berg endet, während weiter oben noch Radler unterwegs sind. Großartig ist die Fotografie „Dubai World II“, die auch das Plakat ziert: viele kleine Inseln im blauen Meer. Hier ist das Spiel mit dem Realismus perfekt, da es sich zudem um künstliche Inseln aus Beton handelt und der Sand mit Baggern geformt wurde. Um die Inseln herum wirkt das hellere Blau wie ein sanfter Pinselstrich. Leider, leider ist die Ausstellung viel zu früh zu Ende! Wenn man aber schon einmal im Kunstmuseum Basel ist, kann man die Gelegenheit nutzen und die alten Bekannten der klassischen Moderne in den Räumlichkeiten nebenan besuchen, auch ein Genuß.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der 55 Franken kostet. Noch bis zum 24.2. sind die Fotografien zu sehen. Hingehen! Eine Rezension zur Ausstellung hier in der NZZ.
Geschrieben von Nina Gorgus am 14. Januar 2008 12:41
Handelt es sich hier um ein Küchenhandtuch eines Fernsehkoches, das nun in eines unserer beiden nationalen historischen Museen aufbewahrt wird? Oder befinden wir uns in einer Ausstellung über die Farbe Blau? Oder über Karos? Weder noch. Das Bild stammt aus der Ausstellung Shrinking Cities im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main. Offenbar ist die Ausstellung schon um ein Modell geschrumpft.
Geschrieben von Nina Gorgus am 10. Januar 2008 23:11
Der Satz „J’aime les militaires“ stammt aus einer Operette von Jacques Offenbach. Die Herzogin von Gerolstein, so auch der Titel der Operette, darf sich begeistern: „Ah que j’aime les militaires, leur uniforme coquet, leur moustache et leurs manières…“ Nun wird der Liebe zu den Militärs bzw. zu Uniformen eine Ausstellung im Musée de l’Armée in Paris gewidmet. Uniformen, Bühnenbilder, Kisten, Tarnnetze, Puppen, Musik und Kronleuchter schaffen ein theatralisches Ambiente. Was klingt wie ein Sammelsurium, ist intelligent und phantasievoll arrangiert: Man wandelt etwa an Bühnenszenen von bekannten Stücken vorbei, in denen Uniformen eine große Rolle spielt, wie bei „Carmen“ von G. Bizet. Man sieht echte Uniformen – etwa aus der Sammlung des Musée de l’Armée – und die Adaptionen von Theater und Film. All das ist so gekonnt inszeniert, dass man sich von der Begeisterung für das Militärische bereitwillig anstecken lässt. Selbst das abgenutzte Parkett und die abgeblätterte Farbe an den Wänden in dem noch nicht renovierten Saal des Hôtel des Invalides wirken wie inszeniert. Die perfekte Präsentation verwundert nicht, wenn man weiß, wer die Ausstellung verwirklicht hat: das Centre national du costume de scène et de la scénographie in Moulins (Allier), der einzigen Institution in Frankreich, die Bühnenkostüme erforscht, bewahrt und ausstellt.
Hier vermittelt ein PDF auf der Seite von Moulins, wo die Ausstellung zuerst gezeigt wurde, mehr über Ausstellung und Inhalt. Jörn Borchert war auch schon dort gewesen und zeigt hier Fotos.
Geschrieben von Nina Gorgus am 9. Januar 2008 13:57
„Es gibt keine Tabus“, sagt Scheich Sultan Bin Tahnoun Al-Nahyan, Minister für Tourismus und Kultur von Abu Dhabi in einem Interview in Le Monde. Er bezieht sich auf den geplanten Louvre in Abu Dhabi: 2013 soll eröffnet werden. Am 7. Januar wurde der Vertrag unterzeichnet; insgesamt sollen die Vereinbarungen (Museumskonzeption, Ausstellungen, Beratung u.a.) zwischen Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten den französischen Museen über eine Millarde Euro bringen. Die Auswahl der Werke soll keinen Einschränkungen unterliegen. Doch der Scheich sagt auch noch etwas anderes auf die Frage, was im Louvre Abu Dhabi alles ausgestellt wird: „Die Werke sollen den Anforderungen des Publikums entsprechen, ich würde sogar sagen, den Anforderungen des Marktes.“ Und weiter lässt er verlautbaren: „Meine Kriterien sind pragmatisch. Wir wollen die maximale Anzahl von Besuchern anziehen. Wir werden unsere kulturellen Verpflichtungen berücksichtigen. Aber, nach und nach wird der Markt triumphieren“.
Geschrieben von Nina Gorgus am 8. Januar 2008 18:02
Matthew, Isabelle und Theo wollen es wissen und ahmen in Bernardo Bertoluccis Film The Dreamers, der 1968 spielt, den Lauf durch die Gemäldegalerien des Louvre nach. Gekonnt werden Original und Imitat ineinander geschnitten und natürlich sind diese drei Museumshüpfer noch etwas schneller als ihr Vorbild. Wer weiß, vielleicht hat ja schon eine echte Besucherin den Rekord längst wieder gebrochen… the dreamers
Geschrieben von Nina Gorgus am 7. Januar 2008 12:16
Arthur, Odile und Franz rasen durch den Louvre, um den Rekord eines Amerikaners zu brechen, der für seinen Museumsbesuch 9: 45 min gebraucht hatte. Die drei aus Jean-Luc-Godards Film Bande à part (Außenseiterbande) von 1964 können auf 9: 43 min verkürzen. Besonders gut gefallen haben mir der bemützte Museumswärter und die klackenden Absätze auf dem Parkett.
Geschrieben von Nina Gorgus am 3. Januar 2008 12:40
Titel wie Plakat wirken schwerfällig und machen nicht wirklich neugierig auf die Ausstellung Reisen und Entdecken. Vom Sepik an den Main. Doch ein Besuch im Frankfurter Museum der Weltkulturen lohnt sich, da das Museum nicht nur Teile der Südsee-Sammlung vorstellt, sondern auch das Forschen, Sammeln und Dokumentieren im Museum selbst thematisiert. Der Sepik ist ein Fluss in Papaua Neuguinea. In den 1960er Jahren reisten Wissenschaftler des Frobenius-Institut in das Flussgebiet, um für das Frankfurter Museum Objekte wie Ahnenfiguren, Rednerpulte, Malereien auf Palmblattscheiden zu sammeln. Die Ausstellung vollzieht die Reise nach, verfolgt den Weg der Forscher und der Objekte ins Museum und stellt zugleich die dort vorgefundenen Lebensformen aus verschiedenen Perspektiven vor. Es geht in der Hauptsache um den Alltag der dort lebenden Frauen und Männer, aber auch um den Weg der Objekte: vom Sepik an den Main und innerhalb des ethnologischen Museums, vom Zeugnis/Dokument zum Kunstobjekt. Die Objekte sind frei aufgestellt; die Inszenierung soll an die 1960er Jahre erinnern. So begegnen uns am Anfang Dioramen und Großfotos, während am Ende eine Kunstgalerie steht. Ähnliche Objekte werden ganz im Trend der Zeit nun als Kunstobjekte präsentiert. Wer gerne wissen möchte, wie ein Objekt ins Museum kommt und was damit passiert, kommt voll auf seine Kosten. Ein kleines Heftchen gibt über die Gebrauchs- und Kultgegenstände der SepikbewohnerInnen Auskunft. Für Kinder gibt es ein schön gemachtes Entdeckerhandbuch, das man auch als Erwachsene mit Gewinn durchblättert. Die Ausstellung ist noch bis Mitte Oktober 2008 zu sehen.