Geschrieben von Nina Gorgus am 8. Februar 2008 15:42
Wie viele Menschen mehr ins Museum gehen, wenn es keinen Eintritt kostet und warum dies auch deutsche Museen einführen sollten, beschreibt Hanno Rauterberg im Artikel „Schafft die Eintrittsgelder ab!“ in der ZEIT. Interessant ist etwa sein Hinweis, dass Eintrittsgelder nur zwischen fünf bis zehn Prozent des gesamten Etats einbringen. In der Stuttgarter Staatsgalerie sind es sogar nur zwei Prozent und in Magdeburg spart man nun sogar noch mit der Abschaffung des Eintrittes Geld ein. Interessant ist auch der Hinweis, dass etwa in England der freie Eintritt nicht nur andere Bevölkerungsschichten anzieht, sondern auch den ständigen Sammlungen wieder interessierte BesucherInnen verschafft, da der Besuch von Sonderausstellungen weiterhin Geld kostet.
Geschrieben von Nina Gorgus am 6. Februar 2008 13:01
Schön frisch und grün präsentiert sich das Museumsportal Berlin. Hier kann man sich schnell über die laufenden Ausstellungen informieren, nach Öffnungszeiten schauen, Führungen buchen oder Produkte der Museumsshops online kaufen. In der Rubrik Besucherdienste erfährt man beispielsweise, welche Berliner Museen Montags geöffnet sind oder wo man gut mit Kindern und Jugendlichen hingehen kann. Was hier aber komplett fehlt, ist das Thema Barrierefreiheit bzw. Angebote für Menschen mit Behinderungen. Hierfür muss man sich mühsam durch die Infos zu den einzelnen Museen klicken, allerdings erfährt man dann nicht immer unbedingt etwas. Schade, denn das Museumspublikum wird ja nicht jünger, sondern älter.
Geschrieben von Nina Gorgus am 6. Februar 2008 10:33
Die Gegenwart des Museums für Angewandte Kunst in Köln klingt nach einem langanhaltenden Aschermittwoch. Wie Museumsarbeit unmöglich gemacht wird, indem Wissenschaftlerinnen ausgebootet, Politiker Ausstellungen absagen und lieber gleich mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, beschreibt Andreas Rossmann in FAZ.net mit dem Titel „Unschöne Kröten, Seele verkauft“.
Geschrieben von Nina Gorgus am 1. Februar 2008 11:03
Jede, die schon einmal zwischen Bingen und Koblenz am Rhein entlanggefahren ist, kennt dieses romantische Fleckchen Deutschlands nur zu gut: putzige Burgen auf Gipfeln, kleine Dörfchen am Rheinufer und als Krönung der Loreley-Felsen. 2003 wurde die Region mit dem Weltkulturerbe-Titel geadelt. Nun geht es wieder einmal um die Brücke: im Mittelrheintal möchte man beides – das UNESCO-Label und eine Brücke. Der Verkehr, der sonst auf einer Strecke von 100 km nur mit Hilfe von Fähren den Rhein queren kann, soll eine Furt gegeben werden. Und dass ausgerechnet an der schönsten, da engsten Stelle, zwischen St. Goar und St. Goarshausen. Ob Brücke oder Tunnel, die rheinland-pfälzische Landesregierung hält sich alles offen und eher bedeckt. Aber es ist offensichtlich, dass es hier in erster Linie um wirtschaftliche Interessen geht. Die Organisation Icomos, die die UNESCO in Weltkulturerbe-Fragen berät, hat nun Alarm geschlagen. Parallelen zur Elb-Brücke in Dresden zeichnen sich ab und es wird kräftig am Label gerüttelt. In der Frankfurter Rundschau vom 24.1. wird aber auch kritisch die Funktion von Icomos hintergefragt:
„Und tatsächlich muss man auch diesmal fragen, ob Icomos wirklich nicht weiß, was es seit Jahren schon bedeuten soll, dass im Welterbegebiet Mittelrheintal ein Fleckchen Erde nach dem anderen betrauert werden muss. Jede Wanderung rund um die Loreley zeigt: Hänge sind zugebaut, Weinterrassen aufgegeben worden. Sinnlos wurden Neubaugebiete in den Schiefer gedübelt. Und veraltete Flächennutzungspläne dienen dazu, Natur und Landschaft zu bedrohen. Aus einer romantisch gefärbten Fernsicht ist eine Brücke zwischen zwischen St. Goar und St. Goarshausen eine Zumutung. Aus der Nähe betrachtet erweist sich Icomos als in der Sache unbewandert.“
Deutschlandradio Kultur widmete sich heute dem Thema.
In der Süddeutschen Zeitung ist hier ein schönes Bild von den Rheinschlingen zu sehen.
Geschrieben von Nina Gorgus am 31. Januar 2008 16:34
Nun ist es amtlich: das Stuttgarter Architektenbüro LRO (Lederer, Ragnarsdóttir und Oei) wird den Neubau des Historischen Museums in Frankfurt am Main gestalten. Die Frankfurter Rundschau ist begeistert:
„Der Brückenschlag, den der Siegerentwurf leistet, basiert auf einer Entwurfshaltung, die nicht aus einer harten Handschrift besteht, sondern aus einem geschmeidigen Selbstbewusstsein für das, was zur Verfügung steht: architektonisch, stadträumlich, historisch.“
Die Entscheidung fiel übrigens fast einstimmig, wie man aus der Pressemeldung des Museums erfahren kann: Neun von zehn Stimmen entschieden sich für diesen Vorschlag. Wir BesucherInnen müssen uns leider noch etwas gedulden: der Baubeginn ist erst für 2012 vorgesehen.
Geschrieben von Nina Gorgus am 29. Januar 2008 13:02
Wie vermitteln volkskundlichen Museen ihren Besuchern ihre Vergangenheit? Dieser Frage ging die belgische Fotokünstlerin Karin Borghouts nach. Sie fotografierte in flämischen, holländischen und polnischen Museen, wie dort Szenen der Alltagskultur rekonstruiert werden. Die Serie heißt Verbeeld verleden (Portrayed past) und auf ihrer Internetseite kann man einige Fotos anschauen. Die Fotografien, die sie im Volkskundemuseum in Antwerpen gemacht hat, sind im Buch Poppen aan het dansen veröffentlicht. Wäre schön, alle Fotografien mal in einer Ausstellung zu sehen!
Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Geschrieben von Nina Gorgus am 25. Januar 2008 11:07
Aus einer Rezension „Die Logistik des Holocaust“ der NZZ zur Ausstellung „Sonderzüge in den Tod“ in Berlin:
„In den Eröffnungsreden wurde der heftige Konflikt zur Frage, ob eine solche Ausstellung auf Bahnhöfe gehört, stillschweigend übergangen. Man gratulierte sich gegenseitig dazu, dass es überhaupt zu einer solchen Ausstellung kommen konnte. Und doch war zu spüren, dass die Deutsche Bahn diese Ausstellung nicht wollte. Mit Publikumsandrang war offensichtlich nicht gerechnet worden, und so reichten die Plätze nicht einmal für die aus Paris angereisten betagten Vertreter des Verbandes «Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs». Der Presse wurde kaum eine halbe Stunde Zeit eingeräumt, um sich die vierzig Stellwände anzuschauen, und diese wiederum sind so eng angeordnet, dass man sich gegenseitig auf die Füsse tritt. (…) Aus unerfindlichen Gründen wurde die Ausstellung in die hinterste Ecke einer riesigen unterirdischen Halle gedrängt. Überdies ist der Bahnhof Potsdamer Platz zwar zentral gelegen, hat aber als Regionalbahnhof in Berlin keine Bedeutung und ist entsprechend menschenleer.“
Deswegen: hingehen.
Berlin, Regionalbahnhof Potsdamer Platz, bis 11. Februar. Man muss ein bißchen suchen.
Geschrieben von Nina Gorgus am 23. Januar 2008 12:02
Lange weigerte sich die Deutsche Bahn bzw. Herr Mehdorn, die in Frankreich auf Bahnhöfen gezeigte Ausstellung „Elftausend Kinder“ über die Transporte der französischen Bahn in die deutschen Vernichtungslager auch auf deutschen Bahnhöfen zu zeigen. Nun hat Herr Mehdorn auf Weisung von Minister Tiefensee eingelenkt: die veränderte Ausstellung mit dem Titel „Sonderzüge in den Tod – Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn“ ist ab heute in Berlin am Potsdamer Platz zu sehen und thematisiert die Rolle der Reichsbahn bei den Todestransporten. Das Protestieren hat also genutzt; allen voran hatte sich die Initiatorin Beate Klarsfeld immer wieder dafür eingesetzt. Bis zum 11. Februar ist die Fotoausstellung in Berlin zu sehen; danach sollen andere Städte wie Frankfurt am Main und Stuttgart angefahren werden.
Eine andere Ausstellung mit ähnlicher Thematik, „Zug der Erinnerung“ hat hingegen immer noch Probleme mit der Deutschen Bahn. Laut taz-Bericht tun die Entscheidungsträger der DB alles, um den Gedenkzug durch Deutschland zu verhindern.
Bilderserie hier auf n-tv.
Meldung hier auf Spiegel-online; der ausführlichere Artikel steht hier.
Geschrieben von Nina Gorgus am 22. Januar 2008 18:27
Zwei Euro für das Patrimoine, so lautete gestern der Vorschlag der französischen Kulturministerin Christine Albanel in den Fernsehnachrichten. Um den Kulturetat des Staates aufzustocken, möchte sie auf die Zimmer in Luxushotels (ab dem vierten Stern) eine Art Kulturtaxe erheben. So ein Zimmer oder gar eine Suite kostet doch schon so viel, mag sie sich gedacht haben, da fallen doch zwei Euro nicht auf! Doch der Tourismusminister hat auch die Nachrichten gesehen und das Patrimoine wird, wie es aussieht, das Nachsehen haben. Wir sind gespannt auf den nächsten Vorschlag der Ministerin.
Geschrieben von Nina Gorgus am 16. Januar 2008 11:10

2003, als der militärische Vergeltungsschlag der USA im Irak begann, zeigte sich die Welt nicht nur besorgt um Menschenleben, sondern auch um die Kulturgüter des Landes, die dabei zerstört wurden. In einer Pressemeldung des Deutschen Museumsbundes von 2003 hieß es damals:
Das deutsche Nationalkomitee des Internationalen Museumsrates (ICOM), das europäische Regionalkomitee von ICOM und der Deutsche Museumsbund sind empört über die Plünderung und Zerstörung in Museen, archäologischen Stätten und an historischen Monumenten im Irak. „Die Vorfälle im Irakischen Nationalmuseum in Bagdad zum Beispiel kommen einem kulturellen Supergau gleich“, kritisiert Dr. Martin Roth, Präsident des Deutschen Museumsbundes. „In einem von so langer Hand geplanten Krieg hätten die alliierten Truppen eine Plünderung verhindern können und diese Kulturinstitution schützen müssen! Dieser Krieg hat zwar die Sicherung der Ölvorräte berücksichtigt, aber die kulturelle Wiege der Menschheit nicht einbezogen“.
Wie das Wall Street Journal im Oktober 2007 meldete, soll diesem Mißstand – nach über vier Jahren! – nun Abhilfe geschaffen werden, und zwar mit – Spielkarten (siehe Foto, das von hier kommt). Diese werden an die US-Truppen im Irak und in Afghanistan verteilt. Auf jeder Spielkarte ist ein Foto ein Denkmal oder ein Objekt abgebildet und kurz beschrieben, weshalb es erhaltenswert sei. Auf der Rückseite steht das Logo: „Respect Iraqi and Afghan Heritage“. Die Herzdame ist mit folgenden Spruch versehen: „Ancient sites matter to the local community. Showing respect wins hearts and minds.“ Ob das hilft?