Frankreichs Glanz und Glorie?

Jean Pierre Roux, ehemaliger Generalinspektor des Unterrichtsministeriums und Spezialist der politischen und kulturellen Geschichte Frankreichs im 19. und 20. Jahrhundert wurde von Christine Albanel damit beauftragt, einen Standort für das von Nicolas Sarkozy gewünschte Museum der französischen Geschichte zu finden.

Mehrere Vorschläge liegen bereits vor, so etwa in Paris das Hôtel des Invalides oder das hôtel de Soubise, (derzeit das historische Museum des Nationalarchivs), oder die Schlösser von Fontainebleau und Versailles wo seit 1837 ein Museum „à toutes les gloires de la France“ beherbergt ist. Es stehe dem Historiker aber jederzeit zu, andere Vorschläge zu unterbreiten…
Der Standort einmal gefunden, darf man sich wohl fragen, welche Sammlungen hier ausgestellt werden sollen. Man darf sich auch fragen, ob heute ein neues historisches Museum in einem Schloss oder anderen Prestigebau in Paris oder seiner unmittelbaren Umgebung untergebracht werden soll. Und ob die Wahl eines solchen Ortes nicht auch den Inhalt vorgibt: Glanz und Glorie, Selbstbeweihräucherung eben.
Und man darf sich auch fragen, ob in einer Zeit wo praktisch alle bestehenden Museen mit Budgetkürzungen konfrontiert sind, wo bereits eingeleitete und relativ weit fortgeschrittene Projekte dem Sparfstift zum Opfer zu fallen drohen, wo die Museen in der Provinz ausgehungert werden, wirklich Platz und Geld für ein neues Museumsprojekt vorhanden sind? Aber Mitterrand hatte den „grand Louvre“ mit seiner Pyramide, Chirac den Quai Branly, so braucht nun wohl auch Sarkozy sein Denkmal…!

Kategorie: Frankreich, Geschichte

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Bisher 4 Kommentare

  1. JB sagt:

    Pardon, mich wundert es eher, dass Frankreich noch immer kein Nationalmuseum zu seiner Selbstweihräucherung hat. Ich fände das spannend. Auch und nicht zuletzt im Vergleich zu unseren Propagandamuseen hier in Deutschland: DHM und HDG.

    Nochmal ein Bitte um Pardon: Ich empfinde den Louvre in seiner heutigen Form, das Quai Branly, auch die Nationalbibliothek als Orte, die man gesehen habe sollte. Übrigens auch als Orte, an denen sich vergleichbare Orte in Deutschland orientieren sollten!

  2. Eva C.-K. sagt:

    Sie haben mich missverstanden: ich finde den Louvre mit seiner Pyramide wunderbar, quai Branly als Gebäude sehr gelungen als Museum allerdings weniger, aber ich finde es amüsant wie die frz. Präsidenten „ihr“ Denkmal wollen.
    Was den Entschluss fPur ein frz. historisches Museum angeht, gubt es natPurlich prinzipiell nichts einzuwenden; Ich finde nur, dass man vielleicht über prestigeträchtige Schlösser und Pariser Standort hinausdenken sollte. Und meine Bedenken zur Finanzierung bleiben bestehen: soll man bereits Bestehendes verkommen lassen um immer wieder Neues zu schaffen? Auch scheint mir, dass oft die (gewaltigen) Baukosten aufgebracht werden aber an den Bespielunsgkosten wird dann gespart.
    Wir werden ja sehen…

  3. Andreas sagt:

    Mein Standortvorschlag: die Teufelsinsel 😉

  4. […] Sarkozy ja schon im Januar angekündigt (hier im Museumsblog). Jean Pierre Rioux war dann beauftragt worden, Standorte vorzuschlagen. Es soll etwas Prestigeträchtiges sein, denn es geht nicht nur um […]

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