Eine Ausstellung braucht Leidenschaft!

Was war die spannendste Ausstellung 2012? Dazu hatten wir im Blog des historischen museums frankfurt aufgerufen.
Lange konnte ich mich nicht entscheiden – hatte ich doch 2012 viele Ausstellungen und für mich neue Museen gesehen. Im Rückblick hat mich aber doch eine Ausstellung am nachhaltigsten beeindruckt: Die Leidenschaften  waren im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden zu sehen.

Mein Ausstellungsbesuch war eher spontan: ich hatte nur wenig Zeit und wusste nicht, was auf mich zukommen würde. Da ich aber schon einige gute Ausstellungen des Hygiene-Museums gesehen hatte, waren die Erwartungen eher hoch.

Hygiene-Museum Dresden: Die Leidenschaften © DHMD, Foto: Oliver Killig

Was mir gut gefallen hat: die Eingangssituation, die mit rotem Vorhang geschmückt an ein Theaterportal erinnerte. Einmal drinnen, befand ich mich dann in der Tat in einem Bühnenbild. Die Ausstellung hatte also nicht umsonst den Untertitel: Drama in fünf Akten.
Die Grundidee der Ausstellung war es, mit den immer gleichen Möbeln eines bekannten schwedischen Einrichtungshauses fünf aufeinanderfolgende Wohnungen aufzubauen, die für ein bestimmtes Stadium der Gefühle standen. Am Anfang hat mich diese Möblierung etwas irritiert; das änderte sich aber mit der zunehmenden Verfremdung auf inszenatorischer Ebene, die der Zuspitzung auf inhaltlicher Ebene entsprach. Auf dem Höhepunkt der Leidenschaften war zum Beispiel alles schief und chaotisch.
Gut hat mir gefallen, dass ich als Besucherin direkt angesprochen wurde: der Raumtext bezieht einen mit in die Ausstellung ein. Gut fand ich auch, dass trotz des szenografischen Überbaus viele unterschiedliche Themen detailliert aufgeblättert und mit vielen  Objekten präsentiert wurden. Schön waren auch die vielen kleinen interaktiven Momente. Im Museum in einen Herd schauen oder Schubladen aufziehen zu dürfen, hat einfach eine andere Bedeutung als zu Hause.

Eigentlich bin ich eher skeptisch, was hochgradig inszenierte Ausstellungen im Museum anbelangt, da es sich oft nur um ein Gang durch Kulissen handelt. Diese Ausstellung hat mich aber 2012  am meisten überrascht. Ich fühlte mich direkt auf Augenhöhe angesprochen. Mehr noch: ich war in entzückt – von den Texten, den ungewöhnlichen Objekten und davon, wie Bekanntes verfremdet wurde. Wie gut es mir in einer Ausstellung gefällt, merke ich immer daran, dass ich mich lange aufhalte, jede Schublade aufziehen und jedes Objekt genau sehen möchte. Und hier war die Zeit definitiv zu kurz!

Hier kann man sich auf der Seite des DHMD noch Bilder der Ausstellung anschauen.

DIE LEIDENSCHAFTEN. EIN DRAMA IN FÜNF AKTEN
Eine Sonderausstellung des Deutschen Hygiene-Museums
25. Februar bis 30. Dezember 2012
Kuratiert von Catherine Nichols, inszeniert von der Opernregisseurin Mariame Clément und der Julia Hansen.

Kategorie: Dresden

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Bisher 3 Kommentare

  1. […] ein: Nina Gorgus hat sich nun für die Leidenschaften in Dresden entschieden. Nachzulesen im Museumsblog. Link zum […]

  2. Wera sagt:

    Liebe Nina,
    jetzt lese ich auch noch über diese Ausstellung, nachdem mir eine Kollegin sie bereits schmackhaft gemacht hatte – als es schon zu spät war. 🙁
    Umso schöner ist es, hier noch ein wenig mehr darüber zu erfahren. 🙂
    Herzlichen Dank!
    Liebe Grüße
    Wera

  3. […] “auf Augenhöhe angesprochen werden”, war mir zum Beispiel für mein Highlight 2012  wichtig. Wir möchten nicht nur “emotional, sondern auch physisch involviert” sein, stellte […]

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