Ausstellungsrezensionen

Geschrieben von am 31. Juli 2006 10:19

In der FAZ vom 29. Juli 2006 musste ich diesen Satz aus der Ausstellungsrezension mit dem Titel „Komponistenkummer“ von Michael Gassmann gleich mehrmals lesen:
Zitat aus der FAZ, S. 39:
„Die Einweisung in die Irrenanstalt am 4. März 1854 nach dem Selbstmordversuch mitten im lauten Düsseldorfer Karneval bedeutete, so könnte man sagen, einen letzten radikalen Rückzug ins Private.“
Die Rede ist von Robert Schumann, und man weiss jetzt nicht, was schlimmer war: der Selbtsmordversuch „mitten im lauten Düsseldorfer Karneval“ oder die Einweisung in die Irrenanstalt „mitten im lauten Düsseldorfer Karneval“. Den „Rückzug ins Private“ führt Gassmann immerhin noch weiter aus. Wie und warum der Komponist überhaupt nach Düsseldorf kam, ist nicht klar, ist im Satz davor doch von Endenich die Rede (heute ein Stadtteil von Bonn). War etwa die Irrenanstalt in Endenich? Der Satz ist typisch für die Ausstellungsrezenison über zwei Robert Schumann-Ausstellungen in Bonn – wie ich sie eigentlich nicht lesen möchte: sehr viel Details aus Schumanns Leben, die Kennern bestimmt sehr wohl bekannt sind, anderen (wie mir) aber nicht und die auch nicht sortiert werden. Ich habe nichts gegen Texte mit hohem Niveau – aber eine Ausstellungsrezension soll doch auch auf eine Ausstellung neugierig machen, oder? Was mich natürlich auch interessiert, ist die Gestaltung und die Dramaturgie der Ausstellung. Dazu kein Wort, bzw. ein Halbsatz zu den Örtlichkeiten einer der Ausstellungen. Dass der Inhalt auch verpackt ist und bei Ausstellungen die Gestaltung immer, eigentlich immer mehr eine Rolle spielt, scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben. Dazu ein kleiner Tip: Wie man Ausstellungen besprechen kann, hat der Museologe Friedrich Waidacher in kompakter Form schon vor Jahren ins Netz gestellt, unter:
ausstellungen_besprechen.pdf

Kommunismus im Museum

Geschrieben von am 27. Juli 2006 11:11


„COME SEE A FORTY YEAR EPISODE OF BIG BROTHER“ so heißt es auf dem Plakat, das Coolzor in Prag entdeckt hat und das wohl vom dort ansässigen Museum des Kommunismus stammt. Von diesem selbst hat Coolzor ein weiteres Plakat abgebildet: das Museum wirbt darauf mit einer grimmig dreinschauenden Matroschka und hat eine interessante Wegbeschreibung „above Mc Donald’s“. Geht man auf die dort genannte Internetseite dieses Museums, dann findet man allerlei Kurioses, wie etwa die E-cards mit Arbeiter in Aktion, mit lustig gemeinten Sprüchen wie: „OPENING LATE, CLOSING SOON, ANNOYINGLY LONG LUNCH BREAK“. Ich finde, das klingt alles etwas zynisch.

Das Küstenmuseum Wilhelmshaven ist wieder offen!

Geschrieben von am 26. Juli 2006 10:10

Am Sonntag war es soweit: das Küstenmuseum Wilhelmshaven wurde wieder aufgeschlossen und präsentiert sich mit einer sehenswerten Dauerausstellung. Es geht um die Siedlungs- und Stadtgeschichte, und, wie der Namen schon sagt um die Küste, wie sie entstanden ist, wie sie erhalten bleibt, wie sie besiedelt und wie von ihr aus zu fremden Küsten gestartet wird. In dieser Ausstellung ist für jeden etwas dabei, ohne banal oder oberflächlich zu sein. Hinzu kommt eine angenehme Ausstellungsarchitektur, die atmosphärisch durch die ehemalige Exerzierhalle der Marine begleitet, schöne Objekte wie die Steine, die ein Wilhemshavener Bürger von jedem abgerissenen Bauernhaus sammelte und etikettierte, nette gestalterische Ideen, wie zum Beispiel der Leuchtturm, in dem sich zugleich der Fahrstuhl versteckt. Nicht nur Kinder können im Forscherlabor aktiv werden, indem sie sich wie die WissenschaftlerInnen auf die Spurensuche begeben. Wer sich in der Sommerfrische an der Nordsee befindet, sollte auf jeden Fall einmal hineinschauen!

„Scénographies d’architectes” – 115 Ausstellungen ausgestellt

Geschrieben von am 25. Juli 2006 09:16

Das „Centre d’information, de documentation et d’exposition d’urbanisme et d’architecture de la Ville de Paris“ zeigt in einer Ausstellung im „Pavillon d’Arsenal“ 115 Beispiele von Ausstellungsarchitekturen, die von renommierten Architekten gestaltet wurden. Die Schau versammelt schwerpunktmäßig europäische Ausstellungen der letzten zehn Jahre; die beteiligten Architekten/innen stammen aus der ganzen Welt.

Etliche der präsentierten Ausstellungen sind dem Thema „Architektur“ gewidmet, oft handelt es sich um monographische Präsentationen nach dem Motto „Rem Kolhaas zeigt Rem Kolhaas“, doch gibt es auch viele Beispiele gelungener Ausstellungsgestaltungen zu den unterschiedlichsten kulturhistorischen Themen zu sehen.
Dominique Perrault, der als Gestalter für diese Meta-Präsentation verantwortlich zeigt, hat sein Material einem strengen, egalitären Zeigemodus unterworfen: Für jedes Fallbeispiel steht ein Leuchtkasten von ca. 160 x 100 cm zur Verfügung. So hängen im Ausstellungsraum im Obergeschoss des Arsenal etwa 60 solcher Kästen von der Decke, die jeweils auf der Vorder- bzw. Rückseite eine Ausstellung präsentieren: ein kurzer Text, der die Aufgabe umreißt, zwei, drei Fotos und ein Grundriss, mehr geht nicht. Nur in einigen, wenigen Fällen wird noch ein Modell der Ausstellung gezeigt.
Die Qualität dieser Ausstellung liegt sicher nicht darin, dass sie zu jedem der gezeigten Ausstellungsbeispiele auf die besonderen Herausforderungen der inhaltlichen oder didaktischen Konzeption eingeht, oder besonders raffinierte Lösungen für einzelne konservatorische Probleme darstellt. Nein, ihre Qualität liegt in der Masse und in der Vielfalt, die sie aufzeigt. Was ist der aktuelle künstlerische Stand in der Disziplin der Ausstellungsgestalter? Welche innovativen Materialien verwendet Zaha Hadid? Wie geht Coop Himmelblau mit Videopräsentationen im Raum um? Wie integrieren zeitgenössische Architekten die Typographie in ihre Entwürfe? Diese Ausstellung ist so etwas wie ein begehbares Musterbuch, ein breiter Fächer frischer szenographischer Ideen.
„Rezepte“ für meine nächsten Ausstellungsgestaltungen finde ich hier nicht, schon gar keine allgemein-verbindlichen Handlungsanweisungen für szenographische Aufgaben. Dafür Inspiration und „Appettitanreger“ in Hülle und Fülle“.
Apropos Musterbuch: Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Er stellt alle gezeigten Ausstellungsbeispiele mit den Bildern und den äußerst knappen Texten der Leuchtkästen vor, liefert also keine wesentliche inhaltliche Vertiefung der Ausstellung
Das Buch – es ist etwa 3,5 cm dick, farbig, gut gedruckt, aber Typo und Bindung sind leider etwas unergonomisch – kostet 38 Euro und kann über die Arsenal-Homepage bestellt werden.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. 10. 2006; Öffnungszeiten, etc auf der Internetseite.
Allen, die in diesem heißen Sommer noch nach Paris fahren, empfehle ich, nach dem Ausstellungsbesuch ein Eis bei Berthillon auf der nahegelegenen kleinen Seineinsel zu genießen;-)

Thomas Rößler Dipl. Des.
Historisches Museum Saar
Schlossplatz 15
66119 Saarbrücken

Neuer Kulturdezernent, neues Museum

Geschrieben von am 20. Juli 2006 12:30

In Frankfurt am Main wird es künftig ein eigenes Haus für die bislang im Historischen Museum untergebrachten Karikaturen geben. Ganz bescheiden strebt man den Titel „Deutschen Karikaturenmuseum“. In der Tat gibt es in Deutschland so viele Werke – nämlich um die 5000 – der Neuen Frankfurter Schule nur hier. So hat Robert Gernhardt noch kurz vor seinem Tode dem Museum seine Bilder überlassen. Es sollen wohl auch Werke aus dem 19. Jahrhundert, die sich zur Zeit noch in der Sammlung des Historischen Museum befinden, dem neuen Museum zugeschlagen werden. Geplant war dies schon eine Weile, der neue Kulturdezernent Semmelroth macht nun seine erste Amtshandlung draus. Untergebracht wird die Institution im Leinwandhaus – ein gotisches Steinhaus aus dem 14. Jahrhundert, das nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg aber wohl einigermaßen originalgetreu wieder aufgebaut wurde, wie Wikipedia weiss und das seinen Namen aus der Zeit hat, also dort Leinwand, Garn und ähnliches aufbewahrt wurde. Weichen müssen dafür: die Kommunale Galerie – diese wird aufgelöst; (ob das ein Verlust ist, kann ich nicht beurteilen, ich hatte noch nie von ihr gehört) und das „Fotografie Forum International“, das kleine, feine Ausstellungen macht. Dieses soll in ehemalige Behördenräumlichkeiten ziehen, wohin genau, ist noch unklar.
Die Frankfurter Rundschau hat darüber berichtet.

Weshalb gehen Sie eigentlich ins Museum?

Geschrieben von am 18. Juli 2006 16:41

Das „Ländle“ hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um für seine Landesmuseen zu werben. So heißt es auf der Museumsseite des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg:
„Hinterherpfeifen ist in unseren elf Landesmuseen nicht gestattet.“
Zu sehen sind elf Abbildungen von anscheinend weiblichen Wesen. Und als wäre dem noch nicht genug, heisst es da noch: „Natürlich sind spontane Gefühlsausbrüche bei solch prächtigen Exponaten verständlich. Doch bitte bedenken Sie: die Mitbesucher wie auch die Damenwelt schätzen viel mehr die leisen Töne.“ Aha. Logischerweise gibt es auch eine Seite für Museumsbesucherinnen, bzw. für die Damen. Hier heisst es: „Männer für gewisse Stunden“ – der „junge Schönling in Öl“ und der „bärtige Naturbursche aus dem Pliozän“ erwarten die Museumsbesucherin mit „offenen Armen“ – selbstverständlich nur tagsüber. Welcher Marketing-Teufel hat da nur das Ministerium geritten?

Was ist ein Weltkulturerbe?

Geschrieben von am 14. Juli 2006 13:52

Die Zeitung „Die Welt“ denkt heute über das „Dilemma der Beliebigkeit“ nach – über die von der UNESCO geführten Liste der Weltkulturerbe. Denn in Vilnius ist eben die Konferenz des Welterbekomitees zu Ende gegangen. Das Komitee berät darüber, ob eine Stätte neu aufgenommen, auf die Rote Liste oder von der Roten Liste wieder gestrichen wird. Die UNESCO weist darauf, dass sie vor der Aufnahme die „Einzigartigkeit“ und „Authentizität“ einer Kulturstätte überprüft bzw. bei einem Naturdenkmal die „Integrität“. Seit Juli 2006 hat die Organisation dies weltweit 848 Stätten bescheinigt – merkwürdig dabei ist, dass über ein Drittel davon, nämlich 348, in Europa liegen. Der Okzident hat sich also einmal mehr durchgesetzt, und mehr noch, die Kriterien scheinen sich immer beliebiger zu werden. „Die Welt“ befand zur Arbeit des Welterbekomitees (das sich aus 600 Delegierten aus 182 Staaten zusammensetzt): „Was auf der Welterbeliste der Unesco geführt wird, ist also das Ergebnis von Zufällen und höchst subjektiven Erwägungen, ist also nur Welterbe, weil die Unesco es so nennt.“ Das Problem sei, dass nicht eine unabhängige Jury selbst darüber befindet, was aufgenommen wird, sondern das Komitee nur über die eingereichten Vorschläge abstimmt.
Auch mir scheint, das Auswahlsystem sollte überdacht werden, vielleicht mehr Strenge, weniger Kompromisse. Denn ändert sich etwas, ob eine Stätte auf der Liste steht oder nicht? Am Beispiel von Köln und Dresden kann man das gut beobachten, denn in diesen beiden Städten bangte man um den Erhalt der Welterbestätten. Die eine wurden von der Liste gestrichen, da die Kölner sich durchgerungen hatten, die Hochhäuser in Köln-Deutz nun doch niedriger als geplant zu bauen, damit sie die Sicht auf das Weltkuturerbe Dom nicht beeinträchtigen. Dresden wurde nun auf die Liste gesetzt, da die geplante „Waldschlösschenbrücke“ inmitten der geschützten Elbauen gebaut werden soll. Für die Brücke hatten sich die Bürger und Bürgerinnen selbst entschieden, auch wenn die Gegnerschaft groß war und ist. Der UNESCO hatte man bei Antragsstellung falsche Angaben gemacht. Und wie sieht man in Dresden die Sache? Über den ganz eigenen Blick der Dresdner und Dresdnerinnen auf ihre Stadt durften wir schon während des ganzen Rummels um den Neuaufbau der Frauenkirche erfahren. So war nun im Spiegel zu erfahren, dass die städtische Riege der CDU-Politiker, weiter auf den Bau beharren. Denn, so ihr Kalkül, die Touristen kommen sowieso – egal, ob da eine Brücke steht oder nicht. Der Titel der Sendung, die der MDR heute abend ausstrahlt, ist bewußt provokant, passt aber gut dazu: Elbbrücke – Wird Dresden von der UNESCO erpresst?

Der Ochse vom Hessischen Landesmuseum

Geschrieben von am 14. Juli 2006 13:09

Dieser Ochse im Gewicht  von 21 Zentnern wurde am 15. Mai 1893 von der Metzger-Innung Darmstadt als erstes Schlachtvieh im neuen Schlachthof geschlachtetEine Trouvaille im Hessischen Landesmuseum Darmstadt und eine herzzerreißende Geschichte, auch für eine Nicht-Vegetarierin.
Auf der Messingtafel steht:
„Dieser Ochse im Gewicht von 21 Zentnern wurde am 15. Mai 1893 von der Metzger-Innung Darmstadt als erstes Schlachtvieh im neuen Schlachthof geschlachtet.“

Die Blechtür von Zinedine Zidane

Geschrieben von am 12. Juli 2006 11:52

Wie sich Fußball als Ausstellungsthema macht, durften wir ja in diesem Jahr reichlich erfahren. In Frankfurt gab es es etwa im Museum für Kommunikation in Frankfurt die Ausstellung „TOOOR! Zur Geschichte der Fußballreportage“ (nachzulesen auf HR-Online) und im Historischen Museum die köstliche Schau „Wie TITANIC einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte„. Auch sei an dieser Stelle einmal auf die jahrelangen Bemühungen des Kollegen Martin Wörner hingewiesen, der für ein Deutsches Fußballmuseum kämpft.

Nun gibt es ein weiteres Objekt, das sich aufgrund seiner Geschichte hervorragend zur Musealisierung eignet: die Blechtür von Zinedine Zidane. Die Musée sentimental-taugliche Geschichte geht so: In der WM-Vorrunde 2006 trafen in Leipzig Südkorea und Frankreich aufeinander. Der Kapitän der französischen Mannschaft, Superstar Zinedine Zidane, genannt „Zizou“, hatte für diese Weltmeisterschaft seinen Rücktritt nochmals verschoben. Für einen sicheren Platz im Achtelfinale müßte Frankreich gewinnen. Doch es klappte nicht alles wie gewünscht. Zudem holte sich Zidane eine gelbe Karte; seine zweite. Damit war er für das letzte Vorrundenspiel gesperrt. In der 90. Spielminute, beim Stand von 1:1, ließ ihn der Trainer Domenech auswechseln. Sein Abgang hätte zugleich sein letztes Spiel bei dieser Weltmeisterschaft bedeuten können – wenn Frankreich die Vorrunde nicht überstehen sollte. Sichtlich erschüttert verließ Zidane den Platz in Richtung Umkleideräume und würdigte seinen Trainer keines Blickes. Die Wut war so groß, dass er der nächsten Blechtür einige Tritte verpasste. Die mit Trittspuren verunstaltete Tür verärgerte aber in Leipzig niemand, im Gegenteil: Verkaufsanfragen wurden abgelehnt.

Während dieses Stück Fußballkultur also verortbar ist und in situ berwahrt wird, werden in ein paar Jahren bestimmt einige Ausstellungsmacher nach der roten Karte suchen, die der Schiedsrichter im WM-Finale Zidane nach dem berüchtigten Kopfstoß vorzeigte.

Wann wird die Ausstellung "11 000 Kinder" auf deutschen Bahnhöfen gezeigt?

Geschrieben von am 11. Juli 2006 10:05

Seit einiger Zeit verweigert die Deutsche Bahn AG, eine Wanderausstellung auf ihren Bahnhöfe zu zeigen: „11 000 Kinder“ heisst die in Frankreich von der Organisation „Fils et Filles des Déportés Juifs de France“ konzipierte Ausstellung. Sie gibt den Opfern des Nationalsozialismus Gesichter, da die Bilder Jungen und Mädchen porträtieren, die auf der Schiene in die Todeslager gebracht wurden. Während auf den 18 französischen Bahnhöfen die Schau von den Reisenden gut angenommen wurde, befürchtet man auf deutscher Seite, dass die hektischen Bahnhofatmosphäre dem Thema nicht angemessen sei. Beate Klarsfeld (ja, die mit der Ohrfeige), die federführend in der Organisation tätig ist, sagte neulich in der Frankfurter Rundschau (29.6.06) dazu: „Es hieß, es gäbe kein Geld, etwa um die Ausstellung zu bewachen. Zudem könne man das deutschen Reisenden nicht zumuten.“ Wenn ich daran denke, was einem sonst auf den Bahnhöfen zugemutet wird (billige Ramschstände, Werbeaktionen von Autofirmen etc), dann wäre diese Ausstellung ein großer Gewinn – gerade auch für die Bahn, um mit der Aufarbeitung der eigenen Geschichte zu beginnen. Denn es wurden über die Gleise der Deutschen Reichsbahn, die heute die Deutsche Bahn AG nutzt, die Todes-Transporte durchgeführt. In einigen Orten wie in Weimar bildeten sich sogar Bürgerinitiativen für die Ausstellung, die diese Aufarbeitung fordern und den Opfern gedenken wollen – doch bislang vergebens. In Frankreich hat sich die SNCF hat sich zu dieser Verantwortung bekannt und stellte immerhin Stellwände, Aufsicht und Transport kostenlos zur Verfügung. Die Deutsche Bahn AG zieht sich hinter fadenscheinigen Argumenten zurück und möchte die Ausstellung ins hinterste Eck des Nürnberger Eisenbahnmuseums verbannen. Die resolute Frau Klarsfeld hat nun ein Ultimatum gestellt: Da das für gestern vorgesehene Gespräch mit der Deutschen Bahn AG und anderen kurzfristig abgesagt wurde, möchte sie bis heute um 14 Uhr einen anderen Gesprächstermin – oder sie mobilisiert die Weltöffentlichkeit. Dann bin ich ganz sicher, dass wir die Ausstellung bald im Frankfurter Bahnhof oder in einem Berliner Bahnhof sehen werden – und nicht in Hintertupfingen.

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