Die Dresdner, die Brücke und das Weltkulturerbe

Geschrieben von am 25. August 2006 14:11

Nun wurden in Dresden also Tatsachen geschaffen:
So heißt es heute auf Spiegel-online:
„Heute ordnete das Regierungspräsidum in seiner Funktion als kommunale Aufsichtsbehörde dennoch den Baubeginn an – unbeeindruckt vom Veto des amtierenden Oberbürgermeisters Lutz Vogel (parteilos), der einer Aufforderung des Stadtrates gefolgt war. Erst vor kurzem hatte dieser mit rot-rot-grüner Mehrheit den Baustopp beschlossen: Man wollte nicht die Touristen vergraulen, die ihre Reisen an den Weltkulurerbe-Orten entlang planen.“

Dazu: Was ist ein Weltkulturerbe? auf dem Museumsblog vom 14.7.2006

Marbach I

Geschrieben von am 18. August 2006 10:28

Noch bis zum 27. August läuft die Ausstellung Arno Schmidt? – Allerdings!“ im Schiller- Nationalmuseum in Marbach am Neckar- die erste große Ausstellung zu und über Arno Schmidt. Konzipiert hat sie die Arno-Schmidt-Gesellschaft in Bargfeld, inszeniert hat sie der Typograph (!) Friedrich Forssmann, der schon seit Jahren an einem neuen (Druck-)Satz für das Monumentalwerk „Zettels Traum“ arbeitet. Auch wenn man, so wie ich, nur ein Buch von Arno Schmidt kennt, hat man an der Ausstellung viel Freude. Ein Grund liegt mit in der wirklich schönen, intellektuellen und nie langweiligen Inszenierung. Die Ausstellung ist in 10 Abschnitte unterteilt. Der Auftakt bildet eine Installation in einem abgedunkelten, halbrunden Raum, in dem Wortschnipsel von Schmidt sehr ansprechend projiziert werden. Lesen Sie den Rest des Beitrags »

Die neue Museumskunde ist da

Geschrieben von am 15. August 2006 12:24

Seit einiger Zeit bin ich nun Mitglied im Deutschen Museumsbund. Der direkte Anlass war die Mai-Tagung 2006 in Leipzig gewesen. Dafür hatte es sich aber leider gar nicht gelohnt, da die Vorträge und Diskussionen durchweg überhaupt nichts Kluges, Interessantes oder gar Neues brachten. Es mag sein, dass auf solchen Treffen allerlei wichtige Entscheidungen fallen, weil hier sehr wichtige Menschen zusammenkommen und in einen wichtigen informellen Austausch treten. Mir kam das Ganze eher vor wie ein großes Klassentreffen aller im Museum festangestellter Beschäftigten, die noch eine Dienstreise frei hatten. Mit einer Ausnahme: sehr verheißungsvoll fand ich den Vortrag von Volker Mosbrugger, seit 2005 Direktor des Naturmuseums Senckenberg in Frankfurt, weil er als einziger in einer soliden Power-Point-Präsentation ganz einfach aufgezeigt hat, woher das Museum kommt, was die Ziele sind und wie sie erreicht werden sollen – ohne die Floskeln, „man könnte“ oder „man sollte“ oder „wenn wir nur mehr Geld, Personal, Räumlichkeiten etc hätten…“ zu benutzen.
Nun ist das neue Museumskunde-Heft da, das ich als Mitglied auch bekomme. Darin geht es um „Neue Präsentationsformen in Naturkundemuseen“, also um eine Bestandsaufnahme. Zumeist handelt es sich um die Publikation von im November 2005 in Görlitz gehaltenen Vorträge; das Heft ist also relativ aktuell. Ich denke, man bekommt wirklich einen Eindruck davon, was in den Naturkundlichen Museen derzeit läuft. Besonders gut gefällt mir der Aufsatz von Ulrike Stottrop vom Ruhrlandmuseum in Essen, weil sie sehr schön zeigt, wie verschränkt Natur und Kultur gesehen werden muss und wie spannend das Ganze umgesetzt werden kann.

Wer kennt die schönste Eintrittskarte?

Geschrieben von am 14. August 2006 15:51

Zugegebenermaßen bekomme ich selten welche, da ich stolze Besitzerin einer ICOM-Karte bin und oft einfach durchgewunken werde. Darüber beklage ich mich gar nicht, sondern darüber, das das Eintrittsbillet häufig nicht mehr als ein Kassenzettel ist. Statt Gemüse und Wein steht dann „1 Erwachsener, voller Tarif“. Oder es gibt Plastikkärtchen, die man wie beim Metro-Fahren in eine Maschine stecken muss. Ich erinnere mich dunkel, irgendwann einmal schöne Bildchen in der Hand gehabt zu haben, die man danach noch prima als Lesezeichen nutzen konnte. Ich finde, mit einer kreativ gestalteten Eintrittskarte macht der Museumsbesuch gleich viel mehr Spaß. Deswegen nehme ich gerne Hinweise entgegen: In welchen Museen gibt es noch schöne Eintrittskarten?

Erfahrungen mit Audioguides

Geschrieben von am 10. August 2006 13:35

Bei uns gibt’s was auf die Ohren!
Nachdem Nina Gorgus in ihrem Beitrag über die Zitadelle von Bitche das Thema angeschnitten hat, ergreife ich die Gelegenheit, eigene Erfahrungen mit Audioguides in Ausstellungen wiederzugeben und die verschiedenen Möglichkeiten miteinander zu vergleichen:

1. WALKMAN: konnte man sich in der Berliner Neuen Nationalgalerie gegen Pfand leihen.(oder gibt’s das System immer noch?) Die Kassette drin bot einen Überblicksrundgang zu ausgewählten Exponaten einer Ausstellung. Zu meinem Ausstellungsvergnügen hat stets die Tatsache beigetragen, dass Otto Sander als Sprecher verpflichtet worden war.Wenn er mit seiner speziellen Otto-Sander-Stimme aufforderte: „Schalten Sie das Gerät hier mal aus und lassen Sie das Gemälde auf sich wirken; wir sehen uns später im nächsten Raum!”, dann tat man doch meist brav, was er sagte. In Kleingruppen wurde die Diskussion über das gesehene durch den Guide nicht abgeblockt, sondern eher angeregt. Nett war, dass man die Kassettenführung zu einem akzeptablen Preis kaufen konnte. Auf der langen Heimreise noch mal die Ausstellung Revue passieren zu lassen, das hatte schon was. Lesen Sie den Rest des Beitrags »

Kinder und Museum I

Geschrieben von am 10. August 2006 10:06

In Hamburg ist derzeit eine Gruppe von 8 bis 10-jährigen Kindern unterwegs, um vier Tage lang insgesamt 10 ganz unterschiedliche Museen zu besuchen, eine Art Kinderqualitätscheck durchzuführen und die Häuser am Ende mit einer Schulnote für ihre kindgerechten Angebote zu bewerten, so die Meldung des Hamburger Abendblattes vom 08. August. Auf die Präsentation der Ergebnisse am 18. September darf man gespannt sein. Denn es ist immer noch eine bedauernswerte Tatsache, dass sehr viele Museen in Sachen Attraktivität für Kinder beträchtlichen Nachhilfebedarf haben (über die Suche nach für Kinder attraktive Museumsangeboten berichtet der Blog von Jörn Borchert). Oft beschränkt man sich auf ein Quiz, in dem mittels eines Fragebogens Wissen abgefragt wird, oder bietet Knöpfchen zum Daddeln, die anscheinend den Spieltrieb und Wissensdurst gleichermaßen befriedigen sollen. Die Chance des Museums, mittels der dort befindlichen historischen Realien und eben nicht über eine Spielkonsole Kinder neu- und wissbegierig zu machen und gleichermaßen zu unterhalten, scheint den Verantwortlichen nicht als Chance bewusst zu sein. Übrigens: Die Resultate des Museumschecks werden im Altonaer Museum vorgestellt, dem Haus, dessen große Erwartungen weckendes und ambitioniertes Projekt, der sogenannte Kinderolymp „Weltenbummel. Eine Reise in die Welt der Sinne“ leider auch auf durchaus geteiltes Echo stieß.

Ein Museumsbesuch in Oldenburg

Geschrieben von am 8. August 2006 19:11

Vom Landesmuseum für Mensch und Natur hatte ich schon viel gehört, so dass meine Erwartungen sehr hoch waren. Nun habe ich alle drei Dauerausstellungen besichtigt und stelle fest, dass meine Erwartungen sogar noch übertroffen wurden: ein grandioses Museum!
Die Ameisen im Moor, Steine, die fliegen, ein Großsteingrab, und Schweinsköpfe aus Pappmasché an der Wand – alles so perfekt inszeniert, wie ich es mag: erst staunen, dann nachschauen, was das wohl ist und dann die Erkenntnis (frei nach Walter Benjamin). In der im Mai diesen Jahres fertiggestellten Abteilung „Küste und Marsch“ entzückten mich die filigran wirkenden Hausmodelle aus Plexiglas und der Schnitt durch den Deich. Die Inszenierungen wirken sehr ästhetisch und durchdacht. Für jedes Exponat und für jede Botschaft, die vermittelt werden sollte, wurden künstlerische Lösungen gefunden. Ich glaube, es gab nur ein Modell, dass mich etwas befremdete, weil seine Ästhetik nicht zum Rest passte. Das Ganze wird in Räumlichkeiten präsentiert, die sehr hell und freundlich sind und dadurch unglaublich einladend wirken. Man wird nicht müde darin, ehrlich! Ich kann das Museum nur empfehlen: Hingehen, anschauen, begeistert sein!

Die Zitadelle von Bitche

Geschrieben von am 7. August 2006 12:12

Mächtig drohend steht die Zitadelle über Bitche, einem kleinen Städtchen an der deutsch-französischen Grenze in der Nähe von Zweibrücken im Département Moselle. Heute ist die Festung ein Museum: die Besucher erwartet ein Rundgang zu Architektur und Geschichte in 12 Stationen (Schilder), ein kleines Museum zur Kriegssituation 1870 und ein unterirdischer Filmparcours. Das Wichtigste bei der Besichtigung ist der Kopfhörer, der mit Infrarot funktioniert und für die zahlreichen deutschen Besucher natürlich auch auf deutsch läuft. Im Film, der den Besucher in kleinen Häppchen dosiert ins Innere der Anlage führt, geht es um die 230-tägige Belagerung der Bayrischen Truppen während des Krieges 1870/71 zwischen Frankreich und den deutschen Landen. Der Filmparcours wurde im Mai 2006 neu gestaltet und ist sehr aufwändig zum Teil in den Räumlichkeiten, in denen der Zuschauer steht, produziert. Als Erzähler und Chronist fungiert ein junger Mann, der als französischer Soldat vom Alltagsleben in der Festung und vor allem vom Kriegsgeschehen berichtet. Die Szenen in der Festung wurden selbst in Farbe gedreht, dazu kommen Einblendungen in schwarzweiss aus deutschen und französischen „Wochenschauen“, mit Flimmern und Knistern. Das ist so gut inszeniert, dass einige Besucher es gar nicht merken werden, dass es sich um nachgestellte Szenen (wie Bismarck am Schreibtisch, Königin Eugénie beim Spazierengehen) und nicht um Originalaufnahmen handelt.
Leider kam es den Machern des wirklich ausgezeichneten Filmes machmal mehr auf die Effekte an als auf historische Genauigkeit. So war alles etwas reißerisch: im Film wurde vergewaltigt, drastisch ein Bein amputiert, ein Baby geboren (auf wundersame Weise ohne Nabelschnur), vom blutigen Kriegsgetümmel ganz zu schweigen. Ich hatte manchmal gar keine Lust, hinzuschauen; es wäre interessant zu erfahren, was Eltern mit kleinen Kindern darüber denken (vielleicht ist das ein Tipp für Herrn Borchert vom Kulturelle Welten-Blog , einmal mit seinem persönlichen Museumsberater hinzugehen). Es wurde vieles nur angedeutet und nicht zu Ende geführt: Zum Beispiel wurde erzäht, dass das Wasser knapp wurde und man dringend für Nachschub sorgen mußte. Woher das Wasser dann kam, hat man nicht erfahren. Oder dass alle Tiere geschlachtet werden sollten – nachher zog der Kommandant mit seiner Truppe, der nach über 230 Tagen und den im Film geschilderten Leiden seltsamerweise wie geschniegelt wirkte, mit Pferden ab. Und man hat den genius loci zu wenig genutzt. Nur ab und an gab es ein paar kurze Erklärungen zu den Räumlichkeiten, in denen man sich gerade befand – und die waren schon sehr beeindruckend. Wieder nach oben geklettert, ging es im Museum, einen Raum von ca. 100 qm, mit dem Krieg weiter. Hier wurde ein Gedicht von Rimbaud vom „schlafenden Soldaten“, der anscheinend friedlich schlafend im Gras liegt, aber zwei Löcher im Kopf hat, inszeniert. Auf der einen Seite liegt der französische Soldat in einem Glassarg mitsamt Ausrüstung, auf der anderen Seite sein bayrisches Pendant – erstmals sind also museale Objekte zu sehen. Dazwischen sind ein paar Gewehre und ein paar aufgeblasene Fotos mit Kriegsszenen präsentiert, die wohl für die Front stehen. Auch hier werden Kriegsszenarien audiovisuell übermittelt. Zum Lesen der Texte, etwa der zur Geschichte der Zitadelle in einer Nische, muss man den Kopfhörer abnehmen – und verpasst hinterher wieder den Einstieg. Diese Dauerberieselung – auch beim Herumlaufen in der Festung – fand ich extrem störend. Ich hätte es besser gefunden, wenn ich selbst das Audio-Angebot etwa durch die Eingabe von Zahlen hätte bestimmen können. Als meine beiden Begleiterinnen und ich später rekapitulierten, was wir nun eigentlich erfahren hatten, war das erschreckend wenig. Der Tag fand dennoch einen unerwartet schönen und friedlichen Höhepunkt durch die Besichtigung des Jardin de la Paix, der im stolzen Eintrittspreis von 9 Euro enthalten war. In der 2002 eingeweihten Gartenanlage zwischen Festung und Stadt durften sich städtische Gartenkünstler austoben. Das Ergebis sind kleine, künstlerische Installationen zu Themen, die Pflanzen in einer mir bislang unbekannten Art und Weise präsentierten. Besser als die Bundesgartenschau in München, so lautete sogar das Urteil einer meiner Begleiterinnen.

Musée du quai Branly, die zweite

Geschrieben von am 2. August 2006 16:37

Auch wenn ich leider immer noch nicht in Paris war, kommen dennoch noch einige Anmerkungen zum Musée du quai Branly. Bei „Libération“ bzw. in ihrer Online-Version Liberation.fr habe ich am 20. Juli drei sehr interessante Stellungnahmen gefunden, die ich hier vorstellen möchte.

Die ehemalige Kultur- und Tourismusministerin Aninata Traore von Mali beschreibt das Museum als einen Ort, in dem die Objekte zelebriert werden, die den Völkern gehören, die heute durch Migrations-Gesetz von Sarkozy (der französische Innenminister) zurückgewiesen werden. Madame Traore schildert weiter, wie sie vor einiger Zeit von der damaligen Kulturministerin Frankreichs, Catherine Trautman, gebeten wurde, den Verkauf einer Figur der Tial, die einen belgischen Sammler gehörte, zu autorisieren; die Figur war, wie so viele andere, nach Europa „gebracht“ worden. Da Traore sich nicht daran beteiligen wollte, ein Stück reinzuwaschen, das höchstwahrscheinlich illegal aus Mali geschmuggelt worden war, schlug sie vor, Frankreich solle die Figur kaufen und dann an Mali zurückgeben. Mali wiederum würde dann die Figur an das Museum ausleihen. Traore flog ganz schnell aus dem Entscheidungsgremium heraus, mit der Begründung, „dass das Geld des französischen Steuerzahlers nicht für den Erwerb eines Stückes verwendet werden könnte, das dann nach Mali zurückgegeben würde“. Mit ihrer Ansicht erwarb sie sich bei ihrer Regierung auch keine Freunde: Mali kaufte schließlich selbst das Stück, um es dann an das Musée du Quai Branly auszuleihen.
Meine Meinung: allein die Vorstellung, dass ich etwas kaufen müsse, das mir gehört, damit wiederum ein Dritter davon profitiert, finde ich absurd. Eine unschöne Geschichte am Rande oder symptomatisch für das Musée du quai Branly?

Die Ausstellungskuratoren Sylvie Grossmann und Jean-Pierre Barou verweisen darauf, dass die im Museum gezeigten Kunstwerke noch viele andere Bedeutungsebenen besäßen, diese aber nur auf das Schöne und Dekorative beschränkten. Es geht ihnen nicht nur um die „beaux-arts“, also die schönen Künste, sondern um die „beaux savoirs“ – also um das schöne Wissen. Insbesondere verweisen sie auf die enge Verknüpfung von Wissen und Kunst, die im Musée du quai Branly gar nicht auftauche. Die enge Verwandtschaft zwischen Schönheit und Gesundheit bzw. zwischen Malerei und Gesundheit wurde bei den (wie sagt man das nun korrekt?) Urvölkern? schon längst erkannt. Seit über einem Jahrzehnt bestehe ein reger Austausch zwischen medizinischen Experten von den Navajos oder aus Tibet mit Wissenschaftlern der westlichen Welt, die deren Kenntnisse für aktuelle Problematiken sehr schätzten. Die Autoren fordern deswegen eine Museographie, die wirklich die beaux savoirs anerkennt und nicht ständig von „anderen Kulturen“ spricht.

Patrick Prado schließlich, Antropologe, beleuchtet die soziale Rolle des Museums und seinen Blick auf die anderen. Die Sichtweise auf die Objekte habe sich nur unwesentlich verändert, von wild über ethnisch zu „Stamm“(-eskunst) handle es sich immer um unsere Definition. Interessant auch der Hinweis, dass aus den Objekten der anderen zunächst „exotische“ Künste im Plural, dann einfach zu Kunst im Singular wurde – was ja auch der phänomenalen Aufwertung auf dem internationalen Kunstmarkt entspricht. Patrick Prado fragt sich, ob die zeitgenössische Anthropologie, die sich mit dem „Studium der Menschen hier, und jetzt und weiter weg beschäftige“ im Musée du Quai Branly repräsentiert sei. Nein, so sein klares Urteil und das sei kein Zufall: „Es sind die direkten Nachkommen derjenigen, die diese Wunderwerke hergestellt haben, die an den Stacheldrähten unserer europäischen Abwehr sterben, die zu Hunderten zwischen Lampedusa, Gibraltar und den kanarischen Inseln ertrinken, die wie Pakete mit täglichen Charterflügen ausgewiesen werden, deren Kinder aus den Schulen unserer Republik gerissen werden, wenn sie nicht unter den Fahrgestellen unserer Düsenflugzeuge erfrieren.“ Er vermisst Spuren der Nachfahren im Musée du quai Branly. Und er sagt: wenn wir sie schon alle rausschmeissen, dann sollten wir ihnen auch ihr Eigentum zurückgeben.

Ausstellungsrezensionen

Geschrieben von am 31. Juli 2006 10:19

In der FAZ vom 29. Juli 2006 musste ich diesen Satz aus der Ausstellungsrezension mit dem Titel „Komponistenkummer“ von Michael Gassmann gleich mehrmals lesen:
Zitat aus der FAZ, S. 39:
„Die Einweisung in die Irrenanstalt am 4. März 1854 nach dem Selbstmordversuch mitten im lauten Düsseldorfer Karneval bedeutete, so könnte man sagen, einen letzten radikalen Rückzug ins Private.“
Die Rede ist von Robert Schumann, und man weiss jetzt nicht, was schlimmer war: der Selbtsmordversuch „mitten im lauten Düsseldorfer Karneval“ oder die Einweisung in die Irrenanstalt „mitten im lauten Düsseldorfer Karneval“. Den „Rückzug ins Private“ führt Gassmann immerhin noch weiter aus. Wie und warum der Komponist überhaupt nach Düsseldorf kam, ist nicht klar, ist im Satz davor doch von Endenich die Rede (heute ein Stadtteil von Bonn). War etwa die Irrenanstalt in Endenich? Der Satz ist typisch für die Ausstellungsrezenison über zwei Robert Schumann-Ausstellungen in Bonn – wie ich sie eigentlich nicht lesen möchte: sehr viel Details aus Schumanns Leben, die Kennern bestimmt sehr wohl bekannt sind, anderen (wie mir) aber nicht und die auch nicht sortiert werden. Ich habe nichts gegen Texte mit hohem Niveau – aber eine Ausstellungsrezension soll doch auch auf eine Ausstellung neugierig machen, oder? Was mich natürlich auch interessiert, ist die Gestaltung und die Dramaturgie der Ausstellung. Dazu kein Wort, bzw. ein Halbsatz zu den Örtlichkeiten einer der Ausstellungen. Dass der Inhalt auch verpackt ist und bei Ausstellungen die Gestaltung immer, eigentlich immer mehr eine Rolle spielt, scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben. Dazu ein kleiner Tip: Wie man Ausstellungen besprechen kann, hat der Museologe Friedrich Waidacher in kompakter Form schon vor Jahren ins Netz gestellt, unter:
ausstellungen_besprechen.pdf

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