Was ist das? Die Auflösung

Geschrieben von am 4. Oktober 2006 10:02


Eine Tondusche, von unten aufgenommen. Herzlichen Glückwunsch, Herr Borchert!
Aufgenommen im Deutschen Historischen Museum – in dem ich bestimmt 20 solcher Klangduschen gezählt habe. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie es eigentlich nicht sein sollte: Leider hängen die Klangduschen so hoch, dass in den Räumlichkeiten der Dauerausstellung (Abt. Weimarer Zeit bis Gegenwart) ein grauenvoller Klangwirrwarr herrscht. Und wenn dazu wie hier auf dem Bild noch viele Duschen nebeneinander hängen, hört man gar nichts mehr. Eine andere Frage ist die der Ästhetik: Vielleicht fällt es auf dem Foto nicht so auf, aber diese Duschen wirken, mit Verlaub gesagt, sehr hässlich und geschmacklos. So gesehen passen sie aber wiederum zur Ausstellungsarchitektur der Etage, die sich durch Langeweile und Behäbigkeit selber disqualifiziert.

Zum Nachlesen auf dem Museumsblog: Erfahrungen mit Klängen im Museum, von Thomas Rößler.

Was ist das?

Geschrieben von am 2. Oktober 2006 17:06


Gesehen in einem großen, deutschen Museum

Mein neues Lieblingsmuseum

Geschrieben von am 2. Oktober 2006 09:17

Es ist klein, liegt verborgen in einem schönen Hinterhof mit Garten und sehr charmant: Das Heimatmuseum Neukölln, von dem ich zwar schon viel gehört und gelesen, das ich aber schändlicherweise nie besucht hatte. Nun habe ich dort die Ausstellung „Reisefieber“ gesehen: eine liebevoll inszenierte Schau mit witzigen Objekten und sehr schönen, prägnanten Texten, die sich um das Thema Reisen (in die Nähe und in die Ferne) dreht. Viele der Geschichten haben mit Neuköllner Bürgerinnen und Bürgern zu tun, spiegeln aber gleichsam die deutsche Geschichte – eine inhaltlich runde Sache. Die Ästhetik der Ausstellung ist schlicht, wirkt aber durchdacht und gut umgesetzt und fügt sich adäquat in die Struktur des ehemaligen Lesesaals der Neuköllner Stadtbibliothek ein. Im Vorraum, oder wenn schönes Wetter ist, im Garten, kann man bei einem Kaffee in den Publikationen schmökern. Und: der Eintritt ist frei – „wir sind doch ein staatliches Museum“, sagte der nette junge Herr an der Kasse. Ich kann nur sagen: hingehen, anschauen, Bücher kaufen und auf diese Weise ein vorbildliches staatliches Museum unterstützen. Es war das beste, was ich in meiner Berlinwoche gesehen habe.

Nichts ausstellen

Geschrieben von am 22. September 2006 10:51

In der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt am Main läuft noch bis zum 1. Oktober eine Ausstellung mit dem Titel „Nichts„. Und es ist auch so: außer den sehr intellektuellen Erklärungen sieht man in der Ausstellung fast nichts. Das Nichts ist kalt: Den Auftakt bildet eine großer leerer, weißer Raum, mit einem Einbau in der Mitte, in dem sich einige wenige wirkliche Werke namhafter Künstler befinden. An den äußeren Wänden befinden sich Nummern, die man in sein Abspielgerät eingeben muß. Beim Anhören, soll, so die Intention der Kuratorin, die um die 40 Künstler gebeten hatte, ihr Werk zu beschreiben, ein Bild im Kopf entstehen: Zu hören sind etwa: Fußballfans, die „hey Jude“ von den Beatles gröhlen, zwei hustende Menschen, amerikanische Schlager etc. Mir ist unverständlich, weshalb in diesem Raum keine einzige Sitzmöglichkeit vorhanden ist. Ich hätte mir ja gerne gemütlich räkelnd auf einem Sitzpolster alle Beschreibungen angehört. So laufe ich ein paar Mal hin und her, da es in diesem Raum sehr kalt ist und beschränke mich auf einige wenige. Aber es geht noch weiter: Das Nichts ist mehrheitlich weiß – weiße, eingerahmte Blätter, die Titel tragen wie „The Limits of percepetion“ oder „1000 hours of staring 1992-1997“; eine Maschine, die Furze produziert. – Sorry, Schirn, aber ich kann mit solchen Ausstellungen rein gar nichts anfangen. Ich bekomme auf Kommando keine Bilder im Kopf, ich lese gerne etwas zu den einzelnen Werken, ich lese auch gerne Einleitungen in Ausstellungen, aber Sätze wie: „So enthüllt der Blick ins Nichts das Periphere. Das Ephemere und das Latente eröffnen sich. Was bleibt, ist ein vielfältiges, schillerndes Nichts“ verstehe ich nicht.
Die Besucherinnen und Besucher waren unterschiedlich angetan. Während einige jüngere im ersten Raum auf dem Boden saßen und sich wohl alles anhörten, hakten die meisten alles ziemlich schnell ab. Bin ich zu alt für solche Ausstellungen?

FAZ-net schreibt sehr positiv über die Ausstellung.

Über "echte" Gerüche im Museum

Geschrieben von am 21. September 2006 11:44

Nachtrag zu den Grüchen: Über „echte“ Gerüche im Museum – also über Ausstellungen, die sich mit dem Geruch und/oder Duft beschäftigen, hat mein ehemaliger Kollege Jörn Borchert ausführlich auf seinem Blog geschrieben und das ist alles hier nachzulesen.

Gerüche im Museum

Geschrieben von am 12. September 2006 09:40

Nein, ich meine nicht, eine Ausstellung oder ein Museum über Gerüche oder Duft. Ich meine vielmehr, den typischen Geruch, der einen empfängt, wenn man ein Museum betritt. Im Altonaer Museum in Hamburg war es der Geruch der dicken Sisalteppiche, die schon etwas in die Jahre gekommen waren und etwas feucht-gammelig rochen. Beim letzten Besuch fiel es mir sofort auf, dass sie nicht mehr da waren, es fehlte direkt etwas. Im Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln roch es im ganzen Museum ‚lecker‘ nach Erbseneintopf, da sich das Museumscafé an wirklich zentraler Stelle befand. Und noch sehr gut in Erinnerung habe ich den Geruch im Pitt-Rivers- Museum in Oxford, das ich vor Jahren besuchte: es roch nach altem Holz, Tieren und vielleicht auch nach General Rivers himself.

Don Alphonso macht einen Vorschlag

Geschrieben von am 5. September 2006 09:41

Don Alphonso macht auf seinem Blog Rebellen ohne Markt einen bedenkenswerten Vorschlag für das Zentrum gegen Vertreibungen von Frau Steinbach in Berlin, als er in einem ungenannten Ort in Bayern ein Vertriebenen-Museum entdeckt, das von Steuergeldern betrieben wird, einen „halben Tag“ im Monat geöffnet hat und in das offensichtlich niemand hineingeht:

„Man sollte Steinbach uns Konsorten ihr bescheuertes Zentrum zur Bewichsung einer nicht mehr existierenden, ihnen im Grunde völlig gleichgültigen Heimat geben. Irgendwo in Berlin, in einem möglichst hässlichen DDR-Verwaltungsbau. Sollen sie doch die Geschichte aus ihrer Sicht erzählen, mit ein par öden Photos von Leuten, die 1938 zu 90% für Hitler waren, ein paar öde Trachten dazu und ein paar Karten mit Städtenamen, die heute nicht mehr relevant sind. Sollen sie es selber zahlen, und dann schaun wir uns in einem Jahr mal die Besucherzahlen an. Und dann unterhalten wir uns über die Notwendigkeit dieser Organisationen als Standartenträger für eine Geschichte, die sicher mies und eklig war, aber nach all den Entschädigungen, Transferleistungen und Nibelungentreueschwüren nur noch ein ekliger politischer Skandal zugunsten rechter Parteien ist.“

Auf Zeitgeschichte-online sind viele Materialien über das Zentrum gegen Vertreibungen zu finden.

Musée du quai Branly, die dritte

Geschrieben von am 4. September 2006 09:54

Marc Zitzmann besuchte für die NZZ Online mehrmals das Musée du quai Branly in Paris und stellt in Hinblick auf die Architektur fest, „dass der erwartete grosse architektonische Wurf wohl leider nicht gelungen ist“. Auch was die Sammlung anbelangt, so zeigt er sich enttäuscht, da die Vorgeschichte und Vorgängerinstitutionen mit keinem Wort genannt werden: „So erscheint das Musée du quai Branly als eine Institution ohne Geschichte, eine Schöpfung ex nihilo.“ Er vermisst, dass den Nachfahren der „peuples d’origines“ nicht berücksichtigt wurden und dass man die Objekte allein aufgrund ihrer Schönheit und wegen ihres Alters ausstellt. Für sehr gelungen hält Zitzmann die Präsentation. Schade findet er es, dass viele Informationen erst im Nachhinein angebracht wurden und so den Eindruck stören: „Das 235 Millionen Euro teure Museum gleicht einem Haute-Couture-Kleid, das durch Sicherheitsnadeln zusammengehalten wird.“

Marbach II

Geschrieben von am 31. August 2006 11:54

Nach der Arno-Schmidt-Ausstellung (siehe Marbach I) in Marbach besuchten wir natürlich noch das neue LiMO, wie es so schick heißt, das Literaturmuseum der Moderne. Um es gleich vorneweg zu sagen: mir gefiel es dort nicht bzw. hatte ich mich wohl zu lange in der Arno-Schmidt-Ausstellung aufgehalten. Und es ist wie bei einem Restaurantbesuch: Stimmt das Ambiente nicht und das Personal ist pampig, dann kann das Essen noch so gut sein – der Geschmack ist etwas getrübt. So begeisterte mich weder das Gebäude noch die Ausstellung. Schon der Empfang war im Vergleich zur Ausstellung im Schiller-Nationalmuseum gelinde gesagt frostig. Das Personal wirkte überfordert. Immerhin half uns jemand nach dem dritten Versuch, die Tasche wie aufgefordert im Schließfach einzuschließen. Es ginge nicht so einfach, gab die Dame zu, da man die Schließfachtüren mit Filz überziehen mußte, da das Schlagen der Türen bis unten in der Ausstellung noch zu hören gewesen sei. Werden eigentlich Architekten nicht darauf getrimmt, alltagstaugliche Gebäude zu produzieren? Wir werden dann in den Keller entlassen, wo die Ausstellungsräume sind. Die Treppen, die kahlen Fluren, gr0ße Türen, die einen fast erschlagen – das erinnert mich alles an die Bibliotheque Nationale, Site François Mitterrand (die aufgeklappten Bücher von Dominique Perrault), und die Diskussionen, als diese eröffnet wurden: die BenutzerInnen fühlten sich an eine Fabrik erinnert und suchten vergebens nach sinnlichen Leseerfahrungen. Daran mußte ich denken, als ich die Ausstellung suche. Es handelt sich in der Hauptsache um einen Raum, in dem in langen Glasregalen viele, viele Kleinode ausgestellt sind. Hier stellten wir fest, dass uns etwas fehlte, was (fast) alle anderen hatten: eine tragbares Laptop mit Ohrstöpseln, das sehr kompliziert aussah, da die Leute mehr damit beschäftigt waren als mit den originalen Objekten. Ohne Laptop erschloss sich einem das Ganze nicht, da die Informationen sonst recht dürftig waren. An für sich waren die Objekte ganz witzig präsentiert und es ließ sich auch die Idee oder das Ordnungsprinzip erkennen. Es waren auch ein paar hübsche Dinge dabei; die langen Regalreihen machten es aber einem schwer. Mir fehlte die Anschaulichkeit, es gab zuviel Glas, es war zu kalt, es gab zuwenig Licht (ja, ich weiss, die berühmten 50 Lux, wer die nur erfunden hat?) und zu wenig Informationen (und die Arno-Schmidt-Ausstellung). Oben an der Kasse fragte ich nach dem Laptop und erfuhr, dass jede/r Besucher/in einen bekäme – das stünde ja auch auf der Liste. Der Herr an der Kasse zeigte mir die Liste mit Eintrittspreisen, die auf dem Eingangstresen appliziert war (genau da, wo man seine Sachen kurz ablegt) und wo in ungefähr ein Zentimeter Größe stand: „M3 inklusive“ oder so ähnlich. Aha. Auf die Feststellung, dass man das nicht lesen könne und man nicht unbedingt wisse, was sich dahinter verberge sei (ich kenne nur MP3-Player) und er doch als Aufsicht die Besucher darauf hinweisen müsse, reagierte er mit Unverständnis. Das klingt jetzt vielleicht etwas kleinlich, aber ich hatte keine Lust mehr, nochmals mit M3 die Ausstellung zu besuchen. Recht gibt mir im Nachhinein eine Glosse in der FAZ vom 29.8.2006 in der Rubrik „Technik und Motor“ mit dem Titel „Illtum“. Hier beschreibt der oder die Autor/in sein Erlebnis mit dem Laptop, mit dem man sich „wie ein Ladenschwengel zur Inventur oder wie ein Geometer bei der Landaufnahme“ fühle. Und: „Wer so gerüstet ins Pantheon der Schriftstellernation gelangt, erfährt experimentell, wie störend sich die Technik vor und zwischen die Notate von Stefan George bis Rolf-Dieter Brinkmann schiebt.“
Hier war jemand sehr begeistert: Ausstellungsbesuch im LiMo

Die Dresdner, die Brücke, das Weltkulturerbe und das Verwaltungsgericht

Geschrieben von am 28. August 2006 16:19

So, nun ist schon wieder alles anders! Wir erinnern uns: erst sollte die Brücke im Elbtal gebaut werden, da die Bürger dafür votierten, dann kam das Weltkulturerbe dazwischen, da die UNESCO das Prädikat der Stadt aberkennen wollte, wenn diese die Brücke baute, dann wollte die Stadt den Bau aussetzen und die Bürger eventuell nochmals entscheiden lassen, dann sagte das Regierungspräsidium, dass es so nicht gehe, da solch ein Bürgerentscheid rechtsgültig sei und kündigte die Vergabe der Bauaufträge an, dann rief die Stadtverwaltung das Verwaltungsgericht an und das sagte heute: Stop!
„Nach einer Entscheidung des Dresdner Verwaltungsgerichts darf die geplante vierspurige Schneise vorerst nicht gebaut werden. Die vom Regierungspräsidium Dresden angeordnete sofortige Vergabe von Bauaufträgen sei gestoppt worden, sagte ein Gerichtssprecher.“
So berichtet Spiegel online. Der Museumsblog freut sich auf die Fortsetzung!

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