Hamburg: Neues Industriedenkmal mit Museum und Naturlehrpfad

Geschrieben von am 22. September 2011 14:53

„Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe“ am 18. September 2011 festlich eröffnet

 

Seit Jahren dümpeln Hamburgs Museen vor sich hin. Der Kampf um Kulturetats und Wertschätzungsdebatten haben den Regierungswechsel in der Hansestadt befördert. Doch nun oblag es der amtierenden Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD), ein neun Millionen Euro schweres Projekt zu eröffnen, das ihre Vorgänger von CDU und GAL maßgeblich unterstützt hatten und das einen – für Hamburger Verhältnisse – einzigartigen Masterplan realisierte. Denn anstatt das ehemalige Wasserwerk Kaltehofe, 1893 als erste Anlage zur Aufbereitung von Trinkwasser errichtet und erst 1990 aufgegeben, zu bebauen wie unweit das Areal der Hafencity, wurde 2003 vom Bezirk Mitte ein Agenda 21-Prozess unter Leitung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V. (SDW) initiiert. Das klang zunächst nach „Öko-Kram“ (Bezirksamtsleiter Schreiber), stellte sich jedoch als hilfreiches Instrument heraus, um alle Interessensgruppen bei der Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes zu berücksichtigen. Vertreten in der Lenkungsgruppe waren neben HAMBURG WASSER als Eigentümer, Behörden und Politik auch Bürgervereine, Naturschutzverbände und Stadtteilinitiativen.

In nur 12 Monaten konnte der über Jahre erarbeitete Masterplan schließlich umgesetzt werden. Entstanden ist die „Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe“, ein ungewöhnliches Mischkonzept aus Industriedenkmal, Museum und Naturlehrpfad. Empfangen wird der Besucher von der kernsanierten Villa im Schweizer Stil, dem ehemaligen Laborgebäude, das nun Ausstellungsflächen, Museumsshop, Tagungsräume und ein Café beherbergt. Hier wird anhand authentischen Materials und historischer Fotografien die Geschichte der Hamburger Wasserversorgung resp. des Wasserwerks Kaltehofe erzählt.  „Design“ und Machart sind  relativ typisch im Stil des in Hamburg nicht unbekannten Ausstellungsbüros Studio Andreas Heller – kühl, aber seriös. Hinter der schönen Fassade der Villa steht ein nüchterner Betonkubus im Wasserbecken, der eine mögliche Café-Terrassen-Aussicht auf die  Billwerder Bucht blockiert und der nur durch einen unterirdischen Gang zugänglich ist. Dort wurde das eigentliche „Wasserkunstmuseum“ eingerichtet, das die Baugeschichte der wichtigsten Brunnenanlagen und Wasserspiele Hamburgs in seiner Vielfalt erzählen soll. In der als Bildhauerwerkstatt inszenierten und mit Tropfgeräuschen beschallten „Grotte“ sind hier jedoch ausschließlich klassizistisch inspirierte Werke vertreten, die mehr oder weniger pathetisch antike Stilmerkmale und Motive aufgreifen und die an die Tradition höfischer Gartenplastik anschließen. Dabei sind gerade in Hamburg in den letzten hundert Jahren auch zahllose Brunnen und Kaskaden eines moderneren Kunstverständnisses entstanden.

Befriedigender dann die Außenanlagen mit integriertem Naturlehrpfad. Nicht die ganze, Ende des 19. Jahrhunderts entlang der Norderelbe künstlich angelegte Elbinsel Kaltehofe mit seinen 22 Filterbecken und 36 Schiebehäuschen ist öffentlich zugänglich, sondern nur ca. ein Viertel der Fläche. Diese lässt jedoch genügend Einblick in die lange praktizierte Technik der Wasseraufbereitung von Elb-, später Grundwasser und informiert den Besucher gleichzeitig über die gegenwärtigen Nutzer: Seit die Anlage 1990 wegen Industrieverschmutzungen geschlossen wurde, haben sich zahlreiche Tier- und Pflanzenarten in den langsam verlandeten Wasserflächen angesiedelt, ist ein ökologisch wertvoller Naturpark entstanden. Dass dieser nun erhalten werden konnte und für den vernachlässigten Stadtteil Rothenburgsort ein imagefördernder Natur- und Kulturerlebnis-Ort entstanden ist, kann dem mutigen, bürgerlichem Engagement jenseits kaufmännischem Renditedenken nicht hoch genug angerechnet werden. Auf jeden Fall ein Ausflug wert! (Infos siehe hier bei der Seite von Wasserkunst.

Text und Fotos: Charlotte Brinkmann, Hamburg Wasser, Constantin Heller

Wohin können Sie gehen,

Geschrieben von am 19. September 2011 16:19

fragt u.a. das Museum der Kulturen in Basel auf der Internetseite. Zunächst einmal: ins Museum selbst, denn dieses ist nach dem Umbau seit dem 7. September wieder eröffnet.

Mit einer Ausstellung, die EigenSinn – Inspirierende Aspekte der Ethnologie heisst.

Wer jetzt nicht gleich Zeit hat, nach Basel zu fahren, kann sich so lange ein Booklet zum Anschauen herunterladen.
Und hier kann man sich Bilder vom Gebäude ansehen. Als Reiselektüre für den Zug taugen auch die Polemiken, die sich schon seit der Eröffnung um die neuen Schauräume entwickelt haben, denn ist es wohl mehr Kunst und wenig von der ethnologischen Sammlung zu sehen – die Diskussion kommt uns bekannt vor! Nachzulesen ist das hier in der Basler Zeitung und hier.

Fotos über den Krieg

Geschrieben von am 18. September 2011 16:02

Es bleibt beim Thema Krieg: in Düsseldorf ist die Ausstellung: Frontline – Die Macht der Bilder zu sehen.
Im Ankündigungstext der Ausstellung heisst es:

Und wieder stellt sich die Frage: Können Bilder Kriege und Krisen beenden, können sie die Weltöffentlichkeit aufrütteln? Dieser Frage will die Ausstellung “Frontline” anhand der Arbeiten von neun Fotografen der berühmten Fotoagentur Magnum nachgehen.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die Arbeiten von neun Fotografen der internationalen Fotoagentur Magnum, darunter natürlich auch Robert Capa, der ja das Foto schlechthin „geschossen“ hat, das ja, eigentlich gestellt ist – oder doch nicht? Vielleicht wird das ja auch in der Ausstellung geklärt!

Ergänzt werden die klassischeren Kriegsfotos von Arbeiten aus jüngerer Zeit.
Ein guter Grund, mal ins NRW-Forum zu gehen.

Gehört der Krieg ins Museum?

Geschrieben von am 10. September 2011 23:24

In Graz wird demnächst getagt: Gehört der Krieg ins Museum heisst die Veranstaltung zwischen dem 21. und 23. September, die u.a von Gottfried Fliedl geplant wurde. Mit dem einzigartigen Landeszeughaus ist das sozusagen eine Steilvorlage.

In der Ankündigung heisst es:

Darstellungen von Krieg und Gewalt in Museen oszillieren meist zwischen der Faszination des Schreckens und seiner Instrumente einerseits, und dem pädagogischen Impuls, Gewalt zu erklären und durch Deutung verarbeitbar bzw. vermeidbar zu machen andererseits. Den Grundfragen nach dem gesellschaftlichen und institutionellen Umgang mit Krieg und Gewalt müssen sich auch einschlägige Museen stellen. Gehört der Krieg tatsächlich ins Museum? Und wenn ja, mit welchen Zielen und Mitteln? Kann das Museum Banalisierung und Ästhetisierung, die Verwandlung von Gewalt, Tod und Trauma in Sehenswürdigkeiten vermeiden? Welche Bilder von Betroffenheit oder Identifikation erzeugt man – und welche wären wünschbar? Lässt sich etwas über die Dialektik von Freund und Feind erfahrbar machen? Das 200–Jahr–Jubiläum des Universalmuseums Joanneum zum Anlass nehmend, diskutieren wir für das Landeszeughaus, historisches Monument und touristische Attraktion gleichermaßen, Möglichkeiten neuer, analytischer und diskursiver Umgangsformen mit dem Krieg im Museum.

 

Ich bin gespannt!

Krieg im Bild

Geschrieben von am 4. September 2011 08:37

Fotografie funktioniert ja oft ohne Titel, zumeist aber nicht. So sind auch die Fotos von Stephan Kaluza auf den ersten Blick „nur“ schöne Panoramafotos von zumeist leeren Landschaften. Erst die Verbindung mit den Namen lassen neue Bilder erstellen: Kaluza fotografiert ehemalige Schlachtfelder und die Bilder heissen Verdun, Somme oder Waterloo.

Die fotografische Arbeit heisst Felder und ist vom 2. bis 10. September im Raum für Kunst in Düsseldorf zu sehen.

 

 

 

 

 

Und hier ist ein Video auf arte über den Künstler.

Jean-Jacques Aillagon geht

Geschrieben von am 1. September 2011 09:38

Vorgestern gab der Präsident des Museums und des Parks von Versailles, Jean-Jacques Aillagon, bekannt, dass er am 30. September aufhört. Aufhören muss, denn er hat das Rentenalter erreicht; und eine Verlängerung war anscheinend nicht möglich bzw. nicht erwünscht. Wir hatten den Blog von Monsieur Aillagon hier vorgestellt. Eine Nachfolgerin für den prestigereichen, aber nicht einfachen Job wird schon gehandelt. Es ist eine Journalistin aus dem Umkreis des Präsidenten Sarkozy. Didier Rykner hält dies in La Tribune de l’Art für einen Skandal!

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