Alle zum MuCEM nach Marseille!

Geschrieben von am 11. Juni 2013 22:38

Was für ein Wochenende! Das Eröffnungswochenende des MuCEM in Marseille war eine große Freude, die ich erst einmal verdauen muss – soviel habe ich gesehen, soviel muss erst einmal sortiert werden.

Gemeinsam mit 64.000 BesucherInnen war ich unterwegs und habe erst einmal viel Zeit damit verbracht, überhaupt erst einmal das Gebäude von Rudy Ricciotti zu erkunden. Es ist kein Wunder, dass bei den ganzen Beiträgen über die Neueröffnung immer der Bau und der Architekt im Vordergrund stehen: Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein bietet das Gebäude eine sehr fotogene Ansichten. Aber nicht nur: es ist ein Gebäude, dessen Entdeckung viel Spaß macht! Toll fand ich, dass man es auf J4 (so der Name der Hafenmole) umrunden kann – so funktioniert die Aneignung eines Ortes! Und auch innendrin lässt es sich gut erschließen. Es macht sehr viel Spass, den Stegen außerhalb des Innenkubus zu folgen und am Ende auf der Dachterrasse zu enden – auch hier wird man natürlich mit tollen Blickachsen belohnt.

Mindestens genausoviel Spass machte es mir auch,  das renovierte Fort St. Jean zu entdecken. Hier ging es treppauf  treppab und ganz oft mit einem fantastischem Blick auf die Stadt, den Hafen oder die La Major.  Mich hat das Neue und das Alte total begeistert und vor allem, wie die beiden Örtlichkeiten so elegant mit der filigranen Brücke miteinander verbunden sind.

Es ist war interessant zu merken, wie der Zugang die Wahrnehmung steuert: geht man ins neue Gebäude am eher leeren Platz mit dem Ausblick zum Meer, stellt sich schon von fasr selbst ein Museumsgefühl ein. Man betritt ein Foyer, orientiert sich erst einmal, steuert direkt die Ausstellung, den Buchshop oder die Cafe-Theke an. Beginnt man den Rundgang in einem der beiden Zugänge im Fort, so fühlt man sich eher wie bei einem Ausflug, etwa wenn man die Passage des canons folgt, das heißt die 29 Treppen hinaufsteigt, um auf den oberen Platz zu gelangen.  à suivre

 

Figurinen XXXV

Geschrieben von am 3. Juni 2013 21:40

Der wilde Krieger aus Gaya ist aus seiner Zeit direkt in die Umzäunung im Nationalmuseum von Korea gehüpft.

museumsblog: figurine im Nationalmuseum von Seoul

Mal ganz woanders ins Museum gehen

Geschrieben von am 31. Mai 2013 10:35

Sehen Museen in Ländern, die eine völlig andere Kultur als die europäische haben, eigentlich anders aus? Neulich hatte ich Gelegenheit, dieser Frage in Südkorea nachzugehen.
Das National Museum of Korea ist aber zweifellos nicht irgendein Museum – sondern DAS Museum, in dem die wichtigste Schätze der Kunst und Kultur des Landes gesammelt und gezeigt werden.

Der Eingang
Schon das Ankommen und Hineingehen war gigantisch: Von der U-Bahn wird die Besucherin gleich in Richtung Museum geschickt. Da doch eine große Strecke zu überwinden ist, werden Laufbänder eingesetzt.
Aber dann ist man immer noch nicht am Eingang – sondern man darf über eine kleine Anlage mit Teich zum eigentlichen Eingang schlendern. Das Museum kostet selbst keinen Eintritt, Sonderausstellungen kosten allerdings. Das Museum, das seit 2005 an diesem Standort liegt, zählte ab dieser Zeit schon mehr als 20 Millionen Besucherinnen! Vor allem für Schulklassen scheint es Pflicht zu sein, hier einmal herzukommen.

museumsblog: Nationalmuseum in Seoul

Der Eingangsbereich des Museums ist gigantisch: so großzügig auf der einen Seite und wer kann sich denn solch eine Pagode diesen Ausmaßes ins Museum stellen? Auf der anderen Seite wird einem aber auch schon etwas angst und bange, da man nun eine Vorstellung von der Ausstellungsfläche hat. Die vielen BesucherInnen verlaufen sich fast…
Gut, dass es auf jeder Etage Verpflegungsstationen gibt: ein Restaurant, eine Cafeteiria und ein Teehaus. Auch für andere Bedürfnisse ist gesorgt: beim Eingang kann man sein Handy laden und in den Gängen stehen Wassercontainer, die die durstige Besucherin versorgen.

museumsblog: nationalmuseum Seoul - Pagode

Die Ausstellungssäle
Der Besucherin wird ein chronologischer Gang vorschlagen, einfach zu finden mit den Markierungen auf dem Boden. Beginn ist in der Vor- und Frühgeschichte, und so geht es durch die Geschichte bis fast bis in die Gegenwart. Anscheinend sind bis zu 12. 000 Objekte zu sehen – von Faustkeilen, über Porzellan, kalligraphischen Zeichnungen zu Buddhastatuen und vieles mehr. Sehr eindrucksvolle Stücke, auch wenn man sich in der koreanischen Geschichte nicht so auskennt! Alles ist eher zurückhaltend inszeniert; der Focus liegt eindeutig auf den Originalen. . Die Texte sind fast alle auf englisch. Auch für Kinder oder zum Beispiel Sehbehinderte ist gesorgt: immer wieder gibt es vertiefende Stationen, an denen man etwas anfassen und hören kann. Für Kinder gibt es darüber hinaus noch ein eigenes Museum – dafür blieb aber keine Zeit.

museumsblog: im Nationalmuseum von Seoulmuseumsblog: im Nationalmuseum von Seoul

Medien
Mit Medien geht das National Museum eher zurückhaltend um, was doch eher etwas erstaunt, da eigentlich alle im öffentlichen Raum mit Riesen-Smartphones unterwegs sind. Doch hier im Museum gilt die Aufmerksamkeit eindeutig den Objekten! Mediale Inszenierungen werden sehr gezielt eingesetzt: Sehr schön war die mediale Inszenierung einer Landschaft durch die vier Jahreszeiten – ein großflächiges zartes Aquarell, das plötzlich zum Leben erwacht. Das war sehr eindrucksvoll, wurde auch von vielen BesucherInnen goutiert.

museumsblog: im Nationalmuseum von Seoul

Fazit
Das Ankommen und das Hineingehen unterschied sich schon sehr von anderen Museen, die ich kenne – solche Dimensionen hatte ich bis dahin noch nicht gesehen. Das Museum widmet sich einem langen Zeitraum und präsentiert wahnsinnig viele Objekte – und man braucht viel Zeit, um allein die Galerien abzulaufen. Aber es lohnt sich und unterscheidet sich gar nicht so viel von den Sehgewohnheiten in unseren Museen. Den Besucherservice fand ich aufmerksamer als etwa bei uns. Das Nationalmuseum bietet einen richtig klassischen Museumsbesuch, ohne ins Altmodische oder Langweilige abzudriften.

Der letzte Blick galt natürlich dem Museumsshop. Beeindruckend war hier, wie viel qualitätvolles Kunsthandwerk verkauft wird, natürlich angelehnt an die Museumsobjekte und wie viele schöne, brauchbare Dinge, vor allem  aus der Eigenproduktion – anders als bei uns, wo sich oft schon der kommerzielle Einheitsbrei durchgesetzt hat…

Sitzmöbel XXXVIII

Geschrieben von am 27. Mai 2013 21:41

In einem Land wie Südkorea, in dem Sitzen auf dem Boden durchaus üblich ist, ist eine gediegene Ledergarnitur wie im Kalligraphie-Museum in Jeonju sehr willkommen!

museumsblog: sitzen in Jeonju, Südkorea

Grande ouverture à Marseille: das MuCEM eröffnet!

Geschrieben von am 2. April 2013 18:22

So, nun ist es raus: am zweiten Juni-Wochenende wird das MuCEM eröffnet: Juhu! Ein bunter Reigen an diversen Ausstellungen erwartet die Besucherin. Wer ab dem 7. Juni und später nach Marseille reist, hat einiges vor sich: Im Neubau, im J4, wird die „Galerie de la Méditerranée“ eröffnet, die einen außergewöhnlichen Blick auf das Mittelmeer liefern möchte. Hier im neuen Gebäude findet eine weitere Ausstellung mit dem Titel „Le Noir et le Bleu. Un rêve méditerranéen“ statt. Auch hier geht es um die Darstellung des Mittelmeeres und beides Mal wird eine bunte Mischung an Exponaten versprochen. In der dritten Ausstellung geht es um Genderfragen – „Au Bazar du genre, Féminin – Masculin en Méditerranée“ beschäftigt sich mit Frau/Mann sein in den Mittelmeergesellschaften. Nun sind theoretisch schon mal 3.600 qm durchschritten. Eine kleine Pause ist vielleicht einzuplanen, denn es geht dann in den Gebäuden des Fort St. Jean weiter: hier soll „Le Temps des Loisirs“ an die Festkultur seit der französischen Revolution erinnern (und wohl v.a. einen Blick auf die Sammlung erlauben, die bereits die Vorgängerinstitution Atp zusammengestellt und gezeigt hatte…). Dann geht es eher künstlerisch weiter: In: „Les choses de ce côté du monde“ kommen gegenwärtige KünstlerInnen in Sachen Foto/Video zu Wort. Auch im Centre de Conservation ist etwas zu sehen: Hier soll sich künftig immer jemand Externes mit der Sammlung auseinandersetzen. Den Anfang wird Jean Blaise machen mit « Présentée vivante ».
Uff. Das wird spannend! Ich freue mich schon. Wer kommt mit?

Hier kann man sich schon mal vorbereiten…

mucem-01

Figurinen XXXIV

Geschrieben von am 25. März 2013 11:37

Gleich zu dritt stehen sie im Bierhimmel in der Vitrine im Museum für Kommunikation Frankfurt. Freilich nur temporär, denn diese drei Typisierungen begleiten die sehr sehenswerte Ausstellung Glücksfälle – Störfälle. Facette interkultureller Kommunikation.
figurinen

Tiere im Museum

Geschrieben von am 18. Februar 2013 20:17

Ein Affe wacht im Museum of Liverpool über die Keramik.

museumsblog: affe im museum of liverpool

Auf den Spuren der Weltausstellung wandeln

Geschrieben von am 10. Februar 2013 11:21

Der Petit Palais wurde für die Weltausstellung 1900 gebaut und steht genau gegenüber von seinem großen Bruder, dem Grand Palais. Während dieser wegen seiner vielfältigen Nutzung als Ausstellungs- und Veranstaltunsgort vielleicht eher bekannt ist, könnte der Petit Palais es durchaus noch werden: er beherbigt – seit 1902 – die städtische Kunstsammlung. Und was für eine!
Der Eingang ist schon gigantisch – hinter der riesigen Pforte erwartet die Besucherin ein beeindruckendes Foyer – mit einer wundervollen Kuppel.

IF IF

Weiter geht’s in großen und kleinen Galerien – die städtische Sammlung umfasst von Ikonen über archäologische Stückne, Skulpturen, Gemälden, Möbeln…. eigentlich alles, was man sich an einem sonntäglichen Museumsbesuch wünscht. Und: hier kann noch so richtig museal geschlendert werden!

museumsblog: le Petit Palais, galerie

Ab und zu kommt man dann an einem Kleinod vorbei – sei es Objekt oder Teil des Gebäudes.

Museumsblog: Le Petit Palais: Treppe

2005 hat das Gebäude eine architektonische Aufwertung erfahren – vorher war es wohl etwas verstaubt.  Sehr hübsch ist auch das Museumscafé – der Café musste dieses Mal aber leider noch innen eingenommen werden!
Was das Museum auch noch attraktiv macht: wie alle Pariser Museen in städtischer Hand kostet es keinen Eintritt – allein für Ausstellungen muss gezahlt werden. Also: bevor man sich das nächste Mal in das Getümmel etwa des Musée d’Orsay stürzt und vor lauter Besucherinnen nichts sieht – hier ist eine museale Oase!
museumsblog: Le Petit Palais, le Café

Sitzmöbel XXXVII

Geschrieben von am 18. Januar 2013 15:56

Gestaffelt sitzen im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden.

Museumsblog: sitzen im DHMD Leipzig

Eine Ausstellung braucht Leidenschaft!

Geschrieben von am 16. Januar 2013 11:23

Was war die spannendste Ausstellung 2012? Dazu hatten wir im Blog des historischen museums frankfurt aufgerufen.
Lange konnte ich mich nicht entscheiden – hatte ich doch 2012 viele Ausstellungen und für mich neue Museen gesehen. Im Rückblick hat mich aber doch eine Ausstellung am nachhaltigsten beeindruckt: Die Leidenschaften  waren im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden zu sehen.

Mein Ausstellungsbesuch war eher spontan: ich hatte nur wenig Zeit und wusste nicht, was auf mich zukommen würde. Da ich aber schon einige gute Ausstellungen des Hygiene-Museums gesehen hatte, waren die Erwartungen eher hoch.

Hygiene-Museum Dresden: Die Leidenschaften © DHMD, Foto: Oliver Killig

Was mir gut gefallen hat: die Eingangssituation, die mit rotem Vorhang geschmückt an ein Theaterportal erinnerte. Einmal drinnen, befand ich mich dann in der Tat in einem Bühnenbild. Die Ausstellung hatte also nicht umsonst den Untertitel: Drama in fünf Akten.
Die Grundidee der Ausstellung war es, mit den immer gleichen Möbeln eines bekannten schwedischen Einrichtungshauses fünf aufeinanderfolgende Wohnungen aufzubauen, die für ein bestimmtes Stadium der Gefühle standen. Am Anfang hat mich diese Möblierung etwas irritiert; das änderte sich aber mit der zunehmenden Verfremdung auf inszenatorischer Ebene, die der Zuspitzung auf inhaltlicher Ebene entsprach. Auf dem Höhepunkt der Leidenschaften war zum Beispiel alles schief und chaotisch.
Gut hat mir gefallen, dass ich als Besucherin direkt angesprochen wurde: der Raumtext bezieht einen mit in die Ausstellung ein. Gut fand ich auch, dass trotz des szenografischen Überbaus viele unterschiedliche Themen detailliert aufgeblättert und mit vielen  Objekten präsentiert wurden. Schön waren auch die vielen kleinen interaktiven Momente. Im Museum in einen Herd schauen oder Schubladen aufziehen zu dürfen, hat einfach eine andere Bedeutung als zu Hause.

Eigentlich bin ich eher skeptisch, was hochgradig inszenierte Ausstellungen im Museum anbelangt, da es sich oft nur um ein Gang durch Kulissen handelt. Diese Ausstellung hat mich aber 2012  am meisten überrascht. Ich fühlte mich direkt auf Augenhöhe angesprochen. Mehr noch: ich war in entzückt – von den Texten, den ungewöhnlichen Objekten und davon, wie Bekanntes verfremdet wurde. Wie gut es mir in einer Ausstellung gefällt, merke ich immer daran, dass ich mich lange aufhalte, jede Schublade aufziehen und jedes Objekt genau sehen möchte. Und hier war die Zeit definitiv zu kurz!

Hier kann man sich auf der Seite des DHMD noch Bilder der Ausstellung anschauen.

DIE LEIDENSCHAFTEN. EIN DRAMA IN FÜNF AKTEN
Eine Sonderausstellung des Deutschen Hygiene-Museums
25. Februar bis 30. Dezember 2012
Kuratiert von Catherine Nichols, inszeniert von der Opernregisseurin Mariame Clément und der Julia Hansen.

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