Das Archiv der Erde

Geschrieben von am 22. Februar 2009 13:56


Ein fotografisches Museum der Menschheit: Die wunderbare Welt des Albert Kahn heißt die die BBC-Dokumentation, die ab morgen bis zum 5. März auf Arte ausgestrahlt wird.
Schon die einführende Sendung am Samstag hat Lust auf mehr gemacht.
Albert Kahn war ein Bankier aus dem Elsass, der sich nicht nur dem Geld verdienen, sondern auch der Weltverbesserung verschrieben hatte: Völkerverständigung war sein oberstes Ziel. Dafür unterstützte er viele Institutionen bzw. begründete selbst welche, schickte Stipendiaten um die Welt, damit sie andere Länder kennenlernten und zu Hause in Frankreich darüber berichten konnten. Er bereiste selbst die Welt, ließ filmen und fotografieren – wobei er es erstaunlicherweise hasste, auf Filmen oder auf Fotos zu sehen zu sein.
Auf diese Weise entstanden 72.000 autochrome Glasplatten und über 180 km Film, die das Archiv des Planetens begründen sollte: Die Sammlung sollte, laut Kahn, “to put into effect a sort of photographic inventory of the surface of the globe as inhabited and developed by Man at the beginning of the twentieth century”. Der Humangeograph Jean Brunhes verwaltete eine Zeitlang dieses Archiv. Heute wird alles zusammen mit Briefen, Tagebüchern und Notizen im Musée Albert Kahn aufbewahrt, in Boulogne-Bilancourt bei Paris, zu dem wie zu Kahns Zeiten auch ein japanischer Garten gehört. Dass BBC ermöglicht uns nun einen ganz besonderen Einblick.

Das Material, das Kahn zusammentragen ließ, ist außergewöhnlich: er ließ filmen, zu einem Zeitpunkt, als das Medium Film gerade mal erfunden war und außer Ozeanien ließ er zwischen 1912 und 1931 alle Kontinente der Erde filmisch und fotografisch kartographieren.
Selbst auf dem Fernsehbildschirm wirken die autochromen Fotografien in ihrer wunderbaren Farbigkeit. Unbedingt ansehen!

Hier ist die Seite von der BBC über das Buch zur Dokumentation.
Hier kann man ein französisches Video über das Museum ansehen.
Und hier ist ein Arikel über die Reihe in der Süddeutschen Zeitung.

Carte Blanche für Christian Lacroix

Geschrieben von am 25. August 2008 15:56

Schon als Jugendlicher war der aus Arles gebürtige Christian Lacroix ein Fan des Musée Réattu, hat dort erste künstlerische Entdeckungen gemacht, Inspiration für seine späteren Kreationen gesammelt und, last but not least, auch mit mancher Jugendliebe Händchen gehalten. Damals hätte er es sich wohl kaum träumen lassen, dass dieses ehrwürdige Museum, das in einem Renaissance Palais, einst Grosspriorat des Malteserordens, untergebracht ist, ihm einst carte blanche für eine Ausstellung geben würde. Das Museum hatte damit einen überaus glücklichen Einfall. Wunderbar gelungen ist diese Inszenierung die sich über alle Säle des Museums erstreckt. Lacroix wählte Bilder und Skulpturen aus den Beständen des Museums um sie in thematischen Räumen mit moderner Kunst, Installationen, Skulpturen, Gemälden, Zeichnungen und Fotos und seinen eigenen Haute Couture Modellen zu konfrontieren. In jedem Detail wird das Auge und das Gespür für Farben, Gegensätze, Harmonien des Modeschöpfers sichtbar. Eigens nach Entwürfen von Lacroix angefertigte Teppiche sind ebenso Bestandteil der szenischen Einrichtung wie die subtilen Farbschattierungen der Wände und lassen somit das Museum und seine Objekte zu einem Gesamtkunstwerk werden.

Leider läuft die Ausstellung nur mehr bis zum 31. Oktober, aber wer in der Gegend ist, sollte sie sich nicht entgehen lassen.
Eine andere äusserst interessante Initiative des Musée Réattu gilt es noch zu erwähnen: 2007 hat das Museum eine eigene Abteilung für „Hörkunst“ geschaffen. In einem (von Lacroix gestalteten) Raum, der „chambre d’écoute“ mit orientalisch anmutenden Diwan-Betten und Blick auf die breit dahinströmende Rhône kann man sich in die Kissen zurücklehnen und „Hörbildern“ lauschen. Jeden Monat wird ein anderes Werk vorgestellt, diesmal war es „Containers“ der Australier Sherre Delys und Russel Stapleton das versucht, die „Melodie“ des Hafens von Sydney einzufangen.

In anatomischen Sammlungen unterwegs

Geschrieben von am 9. Mai 2008 14:00

Eindrucksvoll sind die Fotos, die die New Yorker Fotografin Joanna Ebenstein in medizinischen und anatomischen Sammlungen in Europa und in den USA gemacht hat: etwa Modelle aus Wachs aus La Specola in Florenz oder Moulagen aus dem Wiener Narrenturm. Daraus entstanden ist die Wanderausstellung Anatomical Theatre. Letztes Jahr war die Ausstellung in Alabama, USA zu sehen. Hier sind Fotos davon.
Wer weiß, vielleicht wird die Ausstellung ja auch mal bei uns gezeigt? Anatomische Sammlungen gibt es hier ja genug!

Propagandaphotos. Polemik um eine Ausstellung

Geschrieben von am 14. April 2008 15:37


Die Bibliothèque historique de la ville de Paris widmet eine Ausstellung dem Fotografen André Zucca (1897-1973). Bis zum 1. Juli kann man in der rue Mahler 200 Bilder sehen, die Zucca während der Bessatzungszeit in Paris aufgenommen hat: im Luxembourg Park spielende Kinder, Musiker der Wehrmacht bei einem open-air Konzert, elegante Radfahrerinnen etc. Die Kritik richtet sich nicht gegen das Interesse dieser umfangreichen Fotoausstellung sondern gegen das Fehlen jeglichen Hinweises auf den Kontext: André Zucca arbeitete ausschliesslich für die Zeitschrift „Signal“, Publikation im Dienste der deutschen Wehrmacht, veröffentlicht in 20 Sprachen und mit einer Auflage von 2,5 Millionen, davon 800.000 in Frankreich. Zucca produzierte für „Signal“ Dutzende von Reportagen über die Verheerungen der alliierten Bombenangriffe in Frankreich, und auch die hier gezeigten idyllischen Bilder des „Alltagslebens“ im Paris der 40er Jahre. Einer der Vorwürfe ist, dass nur Datum und Ort der Bilder angegeben sind, kein weiterer Hinweis aber auf ihren spezifischen Kontext. Erst Proteste der Besucher haben dazu geführt, dass ein Blatt bei der Kasse aufliegt in dem man nachlesen kann, dass Zucca im Auftrag der Nazizeitschrift gearbeitet und die „Realität der Okkupation in ihren dramatischen Aspekten“ ausgeklammert hat. Jean Derens, Direktor der Bibliothek, hält dies für ausreichend. Wenn ein Besucher nicht wisse was die Okkupation bedeutet hat, sei dies bedauerlich, aber man könne nicht jedesmal alles wieder erklären….
Kulturelle Welten schreibt hier darüber.

"Leben!"

Geschrieben von am 3. April 2008 18:05

Unter diesem Titel zeigt das Jüdische Museum Wien bis zum 22. Juni mehr als 3.500 Fotos. Sie zeugen vom unerwartet schnellen Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde Wiens nach 1945. Die 1956 aus Ungarn geflüchtete Fotografin Margit Dobronyi, hielt mit ihrer Kamera Hochzeiten, Bar Mizvahs, Sommerfrische, Geburtstagsfeste und andere Szenen aus dem Alltagsleben fest. 150.000 Negative umfasst ihr Archiv das 2004 vom jüdischen Museum angekauft wurde und aus dem die Kuratorin Ruth Beckermann ihre Auswahl getroffen hat. Die Fotos spiegeln Lebensfreude wider, eine Lebensfreude wie sie in Ausstellungen über die jüdischen Gemeinden im 20. Jahrhundert selten ist. Die Zeit nach der Schoah darzustellen, sei „Neuland“ sagte Karl Albrecht-Weinberger, Direktor des Museums.

Schöne Fotos aus Museen

Geschrieben von am 29. Januar 2008 13:02

Wie vermitteln volkskundlichen Museen ihren Besuchern ihre Vergangenheit? Dieser Frage ging die belgische Fotokünstlerin Karin Borghouts nach. Sie fotografierte in flämischen, holländischen und polnischen Museen, wie dort Szenen der Alltagskultur rekonstruiert werden. Die Serie heißt Verbeeld verleden (Portrayed past) und auf ihrer Internetseite kann man einige Fotos anschauen. Die Fotografien, die sie im Volkskundemuseum in Antwerpen gemacht hat, sind im Buch Poppen aan het dansen veröffentlicht. Wäre schön, alle Fotografien mal in einer Ausstellung zu sehen!
Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Bitte noch mehr Fotos!

Geschrieben von am 15. Januar 2008 10:59

GRANDIOS ist die Ausstellung des Fotokünstlers Andreas Gursky, die zur Zeit im Kunstmuseum Basel gezeigt wird. Die großformatigen Fotografien, die Gursky so perfekt inszeniert, sind einfach ein Erlebnis. Zu den Fotos selbst erfährt man nicht viel: Titel und Jahr. Auch wenn man weiß, dass Gursky die Fotografien bearbeitet, ist es erstaunlich, wie man das Medium Fotografie immer noch mit der Vorstellung einer realistischen Abbildung der Wirklichkeit verbindet. Denn es ist einfach alles so perfekt, dass man bei „Kathedrale I“ die großartigen gotischen Fenster bewundert und zunächst gar nicht merkt, dass da eigentlich noch die Säulen hätten stehen müssen… Auffällig wird es erst dann, wenn die Straße bei „Tour de France“ mitten im Berg endet, während weiter oben noch Radler unterwegs sind. Großartig ist die Fotografie „Dubai World II“, die auch das Plakat ziert: viele kleine Inseln im blauen Meer. Hier ist das Spiel mit dem Realismus perfekt, da es sich zudem um künstliche Inseln aus Beton handelt und der Sand mit Baggern geformt wurde. Um die Inseln herum wirkt das hellere Blau wie ein sanfter Pinselstrich. Leider, leider ist die Ausstellung viel zu früh zu Ende! Wenn man aber schon einmal im Kunstmuseum Basel ist, kann man die Gelegenheit nutzen und die alten Bekannten der klassischen Moderne in den Räumlichkeiten nebenan besuchen, auch ein Genuß.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der 55 Franken kostet. Noch bis zum 24.2. sind die Fotografien zu sehen. Hingehen!
Eine Rezension zur Ausstellung hier in der NZZ.

In Schränke schauen

Geschrieben von am 4. Dezember 2007 11:35



MUT, so lautet die Abkürzung für das Museum der Universität Tübingen, das sich seit Oktober 2006 im Aufbau befindet. In der Ausstellung Auf/Zu. Der Schrank in den Wissenschaften kann man nun allerlei schrankartige Möbel der universitären Institute kennenlernen und mehr über die Inhalte erfahren. Der Begriff des Schrankes wird hier sehr weit gefasst, kann es sich doch auch um Ablage, Kühlschrank, Server-Schrank oder Aktenregal handeln. Um dem Ganzen noch eine ästhetische Komponente entgegenzusetzen, haben Simone Demandt und Candida Höfer universitäre Möbel fotografiert. Einige davon werden in der Ausstellung gezeigt. In der Ankündigung heißt es dazu:

„In der Ausstellung entsteht ein visueller Dialog zwischen Möbeln und Fotografien, historischen Fragen und zeitgenössischen Positionen der Kunst. Dabei ist der Ausstellungsort, das sogenannte „Hausmeisterhaus“, selbst ein zentrales Objekt der Wissensgehäuse-Schau: vom Keller bis zur Küche, vom Bad bis zum Dachboden dient es den präsentierten Objekten als Futteral.“

Die Idee ist ansprechend umgesetzt: das ehemalige Hausmeisterhaus wurde von oben bis unten mit einer tapetenartigen Hülle versehen; Texte, Fotos und Exponate kommen so gut zur Geltung. Die Ausstellung ist kurzweilig und schön anzuschauen. Die an der Wand angebrachten Texte erschienen mir nur manchmal etwas manieriert.
Die Ausstellung ist noch bis zum 15.2.2008 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind löblich: Di- So 16 bis 20 Uhr – da wurde an die Berufstätigen gedacht! Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger Begleitband (29,90).
(das obere Bild zeigt einen Anatomieschrank, aufgenommen von Candida Höfer)

Kleine Welten im Visier

Geschrieben von am 9. Mai 2007 18:51

Der Fotograf Frank Kunert lichtet „Kleine Welten“ ab, die er zuvor selbst geschaffen hat. Die Fotografien spielen mit der Wahrnehmung: man glaubt das Dargestellte sofort zu erkennen, sieht doch alles recht harmlos aus. Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass das Gehirn einem einen Streich gespielt hat und dass etwas nicht stimmen kann, wenn etwa eine typische Frankfurter Trinkhalle unter Wasser steht oder ein Sprungbrett statt aufs Wasser in Zuschauertribünen hineinragt. In den USA hat Frank Kunert für seine Arbeiten schon einige Preise eingeheimst. In gleich zwei Ausstellungen sind im Moment seine Fotografien zu sehen: In Dresden in einer Einzelausstellung der Galerie art+form (bis zum 7. Juni) und in Frankfurt am Main in der Ausstellung „FOTOGRAFIE – ansichtsache“ des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Frankfurt e. V. (bis zum 14. Mai). Seine Postkarten sind in Frankfurter Läden öfters zu finden – so etwa im Shop des Labels Made in Happy Germany.

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