Geschrieben von Nina Gorgus am 10. Juli 2006 16:31
Durch Champlitte kommt man eher zufällig, denn dieses malerische Örtchen in der französischen Region Franche-Comté liegt eher abseits touristischer Pfade. Der Ort ist aber einen Besuch wert: nicht nur wegen seines Weines, der dort (wieder) angebaut wird, sondern wegen eines Museum, dem Musée d’Art et Traditions populaires, 1957 gegründet von Albert und Félicie Demard. Das Museum gehört zu einem Verbund von drei Departementsmuseen und ist seit den 1960er Jahren im Schloss von Champlitte untergebracht. Die Gemeinde mit etwa 1500 Einwohnern und liegt ca. 50 Kilometer nördlich von Dijon. also in einer eher ländlichen, ursprünglich sehr reichen Gegend. Seit dem 13. Jahrhundert stand hier bereits ein Schloss der Familie de Vergy. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es öfters abgerissen, niedergebrannt und wieder aufgebaut. So, wie sich das Gebäude heute präsentiert, stammt es zum großen Teil aus dem 18. Jahrhundert. 1825 verließen es die letzten adligen Besitzer und verkauften das Gebäude an die Gemeinde; seitdem waren dort Rathaus und Schule untergebracht. Dann zog das Museum ein, dessen Sammlung sozusagen en famille entstanden war: Albert Demard aus Champlitte, seine Frau Félicie, (die beide inzwischen verstorben sind), und nun deren Sohn Jean-Christophe widmeten sich ihrer Heimat, indem sie die materielle Kultur zusammentrugen. Interessant dabei ist, dass die Demards keinen (bildungs)bürgerlichen Hintergrund hatten, sondern, wie man so schön sagt, aus einfachen Verhältnissen stammten und das Sammeln ihre große Leidenschaft war. Lesen Sie den Rest des Beitrags »
Geschrieben von Nina Gorgus am 4. Juli 2006 15:02
Das neue Museum in Paris, auf das alle so lange gewartet haben, ist eröffnet: Staatspräsident Chirac hat nun endlich auch sein eigenes. Wahrscheinlich wollte er nicht mehr nur in die Häuser von seinen Vorgängern Giscard d’Estaing, Pompidou oder Mitterrand gehen.
Warum heisst das Museum eigentlich nicht nach Chirac? Lange Zeit sollte die Institution, die Sammlungen des Musée de l’Homme und des Musée National des Arts Afrique et d’Océanie neu präsentiert, als Museum der ‚arts premiers‘ deklariert werden. Da aber während des über 10jährigen Entstehungsprozess bis heute nicht genau geklärt werden konnte, was mit dem Begriff arts premiers nun eigentlich gemeint ist, mußte am Ende mal wieder der Standort herhalten. Für ein Musée Chirac ist es wohl doch noch zu früh. Es gibt inzwischen sogar Gerüchte, dass die Institution nach dem großen französischen Ethnologen Claude Lévi-Strauss benannt werden soll. Das wäre nur logisch: zwar ist das Ganze eine Herzensangelegenheit von Jacques Chirac gewesen, aber Lévi-Strauss hat es erst möglich gemacht. Als Ehrenvorsitzender der für das Museumsprojekt eingesetzte Kommission hatte er das bis zuletzt umstrittene Konzept von Anfang an unterstützt. Und wenn erst ein Lévi-Strauss dafür ist, dann ist das Geld vom Präsidenten eine Lappalie. Viel gäbe es noch zu sagen, ohne dass ich schon einen Fuß hineingesetzt hätte. Doch mehr dazu nach dem nächsten Paris-Besuch!
Alle haben darüber berichtet, deswegen nur einige special links:
Spiegel online
Deutsche Welle mit Kommentaren von der Museumsbloggerin
Blog „Kulturelle Welten“ mit weiteren Hinweisen