Schwindlig interaktiv

Geschrieben von am 18. Mai 2007 10:01

Wer den Zustand des sich Schlechts- und Schummrig-Fühlens erreichen und dabei noch die gute Laune bewahren möchte, der sollte schleunigst in die Op-Art-Ausstellung in der Schirn in Frankfurt gehen. Auch wenn man die allermeisten Objekte nicht berühren darf, kann man doch mit den Werken, sei es durch Blicke oder Bewegung, in Kontakt treten. Das macht Spass, ist interaktiv und sehr kommunikativ. In der Sprache des Museums heißt das so: „Sie lassen den Besucher in Farbe versinken, im Spiegel ins Unendliche stürzen oder bieten ihm poetische Lichtspiele. Die Interaktion zwischen Werk und Betrachter gipfelt in Installationen, die letztlich nicht nur physikalische Wirkungen in Form von Nachbildern, Farbvibrationen oder dem Flimmern von Licht entfalten, sondern auf das gesamte Bewusstsein wirken.“
Noch bis einschließlich Sonntag ist die Schau mit den Werken, die zumeist aus den 1960er Jahren stammen, zu sehen.

Jean Baudrillard und die Medienkunst

Geschrieben von am 8. März 2007 10:38

Peter Weibel, Künstler und Leiter des ZKM in Karlsruhe, erinnert sich an seinen am 6. März verstorbenen Freund Jean Baudrillard:

„Ohne die Reflexionen der französischen Philosophie, besonders von Baudrillard, Jean-François Lyotard oder Gilles Deleuze, wären solche Positionen nie durchsetzbar gewesen. Sie haben überhaupt erst einen Begriffsapparat geschaffen, der bei der Etablierung von Medienkunst geholfen hat – bis hin zur Errichtung des ZKM in Karlsruhe.“

Gelesen in der taz.
Das ZKM bietet auf seiner Seite ein ausführliches Dossier zu Baudrillards Schaffen.

Kurioses auf dem Lande

Geschrieben von am 28. Februar 2007 12:32

Ein Sammelsurium der besonderen Art bietet der Bahnhof Waldenburg im Hohenlohischen (Baden-Württemberg), der zwar noch als Bahnhof dient, aber von einer Initiative auch als „Kunstbahnhof„genutzt wird. Im Vorraum zum Fahrkartenverkauf, also da, wo früher die Schulkinder tobten und im Winter die Raucher standen und auf den Zug warteten, befindet sich nun das Kunstprojekt „ZwischenLager ZeitRaum“ von Hans A. Graef. Mich hat weniger der künstlerische Anspruch – Marcel Duchamps und seine readymades und Joseph Beuys, dem die Gepäckaufgabe gewidmet ist – zum Staunen gebracht, sondern die Masse an Dingen, die sich in Regalen und Vitrinen, auf Tischen und sonstigen Ablagen befindet, und sich nach manchmal nicht erkennbaren Prinzipien, dicht an dicht drängen. Da gibt es die Vitrinen rot, blau und gelb, in denen Dinge aller Art stehen (das reicht von kleinen Figuren, über Verpackung zu Büchern), eine Poststelle, deren Fächer mit Papierstücken gefüllt sind, Labormaterial, das wohl aus den 1950er Jahren stammt, Zeitschriften, Platten, Bücher, Becher, Holzstücke… ich weiss nicht mehr, was noch alles, mir summt noch der Kopf. Ich frage mich: Wie kann man nur so viele Sachen sammeln? Wie behält man da den Überblick? War ich bei einem Messi zu Besuch oder in einer Kuriositätenkammer? Fragen über Fragen, beeindruckend ist es allemal.

Kleine Heftchen

Geschrieben von am 15. Januar 2007 19:22

Auch in der Welt der Museen und Ausstellungen gibt es manchmal etwas Neues. Seit einiger Zeit – ich könnte es nicht mehr genau datieren, wann es mir aufgefallen ist – bekommt man insbesondere zu Kunstausstellungen kleine Heftchen in der Größe DINA 5 gratis zum Ausstellungsbesuch hinzu. Diese Heftchen ersetzen keinen Katalog, haben aber die handliche Größe, um in der Ausstellung gleich gelesen zu werden; ein großer Vorteil gegenüber Ausstellungskatalogen, die doch zumeist ungelesen im Regal landen. Besonders gut hat mir das Heft von „Humanism in China“ gefallen, eine großartige Fotoausstellung, die in fünf deutschen Städten gastiert und die zur Zeit in der Staatsgalerie in Stuttgart zu sehen ist. Ich habe die Ausstellung im Museum für moderne Kunst in Frankfurt am Main gesehen. Das Heft, eigentlich eher ein kleines, bebildertes Buch, empfand ich als wahre Bereicherung.

Gärten statt Guggenheim!

Geschrieben von am 5. Januar 2007 10:56

An alle, die mal wieder Ausstellungstourismus betreiben und zu Scharen nach Bonn strömen, um die Ausstellung mit den „Meisterwerken“ der Guggenheim-Sammlung im Gedränge anzusehen: Tun Sie es nicht. Fahren Sie stattdessen nach Frankfurt am Main, um die außergewöhnliche Ausstellung „Gärten. Ordnung, Inspiration, Glück“ im Städel-Museum von zu bestaunen. Die Ausstellung besticht durch ihre Fülle an Material. Wirklich sehr interessante Ansichten von einer gebändigten Natur sind hier zu sehen, grandiose Arbeiten von Künstlern wie von Max Liebermann oder Pierre Bonnard, aber auch von Olga Boznanska, von der ich zugegebenermaßen noch nie etwas gesehen hatte. Das Herbarium von Alexander von Humboldt fehlt ebensowenig wie der Palmenwedel, aufbewahrt von Johann Wolfgang Goethe. Schön sind die Gegenüberstellungen von Gegenwart und Vergangenheit, wenn etwa Lucian Freud 2003 eine Ecke seines Garten malt und das Bild neben dem ZeitungsleserCarl Spitzweg hängt; oder die Blumen-Dias von Peter Fischli und David Weiss die filigranen Tulpenaquarellen von Georg Flegel begleiten. Ganz schön mutige Gestaltung für ein Kunstmuseum: Blaue und gelbe Wände lassen manche Gemälde erst so richtig strahlen. Hier und da wächst eine kleine Blume aus der Wand. Ein Manko gibt es für mich dennoch: Die Ausstellung hält nicht ganz, was sie verspricht. So lässt der Untertitel „Ordnung – Inspiration – Glück“ auf eine Ausstellungsgliederung schließen, die es aber dann gar nicht in der Form gibt. Zwar begleiten Zitate wie von Voltaire „Il faut cultiver son jardin“ in die Ausstellung, aber damit hat es sich auch, was Texte und vor allem das Herstellen von Zusammenhängen anbelangt. Daran konnte auch nicht das kleine, hervorragende Heftchen helfen, dass man jetzt in Kunstausstellungen mit auf den Weg bekommt. Mir fehlten Interpretationen, das explizite Herstellen von Zusammenhängen, Raum- und Thementexte. Einen Genuß bietet die Ausstellung aber auf alle Fälle.

Stimmen zur Ausstellung:
FAZ.NET vom 27. November 2006 ist restlos begeistert.
Echo-Online: Keine ausgerichteten Rabatten, sondern ein kunterbuntes Staudenbeet

Wo kann man einen Novembertag besser verbringen als im Museum?

Geschrieben von am 22. November 2006 23:20

Bei diesem Wetter bietet sich ein Museumsbesuch geradezu an. Ein Museum, in dem man gut und problemlos einen Tag verbringen kann, ist das altehrwürdige Germanische Nationalmuseum in Nürnberg – und hat nach diesem Tag wahrscheinlich nicht einmal einen Bruchteil der Sammlungen gesehen. Denn eigentlich ist das Museum ein Labyrinth mit unerschöpflich erscheinenden Sammlungen, was darauf zurückgeht, das es seit seiner Gründung im 19. Jahrhundert (durch den Herrn von Aufseß) sukzessive angebaut wurde, um die ständig wachsenden Sammlungen unterbringen zu können. Befand man sich eben noch in alten Klostermauern aus Backstein, wartet ums Eck schon der Saal aus den 1960er Jahren. Das macht einerseits den Charme des Museums aus. Trotz Wegeplan weiß man eigentlich nie, wo man sich nun genau befindet. Es kommt vor, dass man minutenlang durch Gänge und Säle läuft, ohne einem Menschen zu begegnen; auch die Aufsicht scheint sich irgendwo zu verstecken. Das ist eigentlich ein schönes Gefühl: Die Vorstellung, dass man hier bleiben kann und unendlich viel Zeit hat, sich die Skulpturen, Musikinstrumente, Bauernstuben Trachten, Gemälde…. anzuschauen – und nicht schnöde um 17 oder 18 Uhr hinausgeschmissen wird. Auf der anderen Seite bekommt man dann doch irgendwann den Museumskoller, da man die Abteilungen, die man gerne noch besichtigen möchte, partout nicht findet. Und irgendwann stellt sich die Frage: Komme ich hier überhaupt wieder raus? Es ist, als würde das Museum einen verschlingen. Den Ausgang gefunden, hat das Museum einen zwar wieder in die Freiheit entlassen, aber auch mal wieder nicht alles preisgegeben. Wieder einmal ist mir die Besichtigung der Frankfurter Küche oder der Apotheke aus Öhringen nicht gelungen. Ob es das nächste Mal wohl klappt?

Nichts ausstellen

Geschrieben von am 22. September 2006 10:51

In der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt am Main läuft noch bis zum 1. Oktober eine Ausstellung mit dem Titel „Nichts„. Und es ist auch so: außer den sehr intellektuellen Erklärungen sieht man in der Ausstellung fast nichts. Das Nichts ist kalt: Den Auftakt bildet eine großer leerer, weißer Raum, mit einem Einbau in der Mitte, in dem sich einige wenige wirkliche Werke namhafter Künstler befinden. An den äußeren Wänden befinden sich Nummern, die man in sein Abspielgerät eingeben muß. Beim Anhören, soll, so die Intention der Kuratorin, die um die 40 Künstler gebeten hatte, ihr Werk zu beschreiben, ein Bild im Kopf entstehen: Zu hören sind etwa: Fußballfans, die „hey Jude“ von den Beatles gröhlen, zwei hustende Menschen, amerikanische Schlager etc. Mir ist unverständlich, weshalb in diesem Raum keine einzige Sitzmöglichkeit vorhanden ist. Ich hätte mir ja gerne gemütlich räkelnd auf einem Sitzpolster alle Beschreibungen angehört. So laufe ich ein paar Mal hin und her, da es in diesem Raum sehr kalt ist und beschränke mich auf einige wenige. Aber es geht noch weiter: Das Nichts ist mehrheitlich weiß – weiße, eingerahmte Blätter, die Titel tragen wie „The Limits of percepetion“ oder „1000 hours of staring 1992-1997“; eine Maschine, die Furze produziert. – Sorry, Schirn, aber ich kann mit solchen Ausstellungen rein gar nichts anfangen. Ich bekomme auf Kommando keine Bilder im Kopf, ich lese gerne etwas zu den einzelnen Werken, ich lese auch gerne Einleitungen in Ausstellungen, aber Sätze wie: „So enthüllt der Blick ins Nichts das Periphere. Das Ephemere und das Latente eröffnen sich. Was bleibt, ist ein vielfältiges, schillerndes Nichts“ verstehe ich nicht.
Die Besucherinnen und Besucher waren unterschiedlich angetan. Während einige jüngere im ersten Raum auf dem Boden saßen und sich wohl alles anhörten, hakten die meisten alles ziemlich schnell ab. Bin ich zu alt für solche Ausstellungen?

FAZ-net schreibt sehr positiv über die Ausstellung.

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