Gelitin im Pariser Musée d’Art Moderne

Geschrieben von am 22. Februar 2008 11:30

3000 Werke der österreichischen Künstlergruppe Gelitin sind unter dem Titel „La (sic!) Louvre – Paris“ vom 29. Februar bis 20. April im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris zu sehen. „Materialien von Karamell bis Wolle, von Käse bis zu Toilettenpapier“ benützen die vier Künstler der Gruppe für ihre oft Aufregung erregenden Arbeiten. Bei der Expo 2000 in Hannover mussten etwa die Besucher in ein 5 Meter tiefes Wasserloch tauchen um in die „Grotte des Glücks“ zu gelangen… In Österreich sorgten sie 2003 mit der Skulptur „Arc de Triomphe“ für Aufregung . Diese Darstellung eines nackten Mannes mit erigiertem Penis musste nach nur eine Woche und einer Klage der Stadt Salzburg wieder abgebaut werden und 2006 sorgte die Ausstellung „Chinese Synthese Leberkäse“ im Kunsthaus Bregenz für Diskussionen.
Neben provokanten Installationen in der Tradition des Wiener Aktionismus werden in der Ausstellung jedoch auch „klassischere“ Objekte zu sehen sein (Plastilin, Malereien, Bilder der Künstler in Frauenkleidern etc.).
Pariser Museumsbesucher werden wohl ihr Österreichbild revidieren müssen…

Quelle: Der Standard

Gestern im Städel

Geschrieben von am 13. Februar 2008 10:23

Viele Besucher wirbeln viel Staub auf, so konnte man gestern abend in der Cranach-Ausstellung im Städel Museum feststellen. Wenn man mal den Blick von den Bildern nahm, dann konnte man die Wollmäuse sich der Wand entlang tummeln sehen. Bei der ersten dachte ich noch: kann ja mal vorkommen, aber wie es dazu kommt, dass in jedem Raum Staub lag, würde ich schon gerne wissen. Zumal ich neulich erst gelernt habe, wie wichtig es für eine Ausstellungsbesucherin es ist, dass Ausstellungsräume gepflegt und sauber sind. In einem vielbesuchten Kunstmuseum ist vielleicht die Staubgrenze um 18 Uhr erreicht; die Ausstellung hatte aber bis 21 Uhr offen. Da kann man wohl nicht mal schnell, wie man es etwa aus französischen Cafes kennt, wo sich vor der Theke am Boden so alles mögliche ansammelt, mal kurz mit dem Besen rübergehen. Aber das sind ja Lappalien angesichts der Bilder, die noch bis zum 17.2. zu sehen sind.

Aschermittwoch in Köln

Geschrieben von am 6. Februar 2008 10:33

Die Gegenwart des Museums für Angewandte Kunst in Köln klingt nach einem langanhaltenden Aschermittwoch. Wie Museumsarbeit unmöglich gemacht wird, indem Wissenschaftlerinnen ausgebootet, Politiker Ausstellungen absagen und lieber gleich mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, beschreibt Andreas Rossmann in FAZ.net mit dem Titel „Unschöne Kröten, Seele verkauft“.

Den Objekten auf der Spur

Geschrieben von am 3. Januar 2008 12:40

Titel wie Plakat wirken schwerfällig und machen nicht wirklich neugierig auf die Ausstellung Reisen und Entdecken. Vom Sepik an den Main. Doch ein Besuch im Frankfurter Museum der Weltkulturen lohnt sich, da das Museum nicht nur Teile der Südsee-Sammlung vorstellt, sondern auch das Forschen, Sammeln und Dokumentieren im Museum selbst thematisiert. Der Sepik ist ein Fluss in Papaua Neuguinea. In den 1960er Jahren reisten Wissenschaftler des Frobenius-Institut in das Flussgebiet, um für das Frankfurter Museum Objekte wie Ahnenfiguren, Rednerpulte, Malereien auf Palmblattscheiden zu sammeln. Die Ausstellung vollzieht die Reise nach, verfolgt den Weg der Forscher und der Objekte ins Museum und stellt zugleich die dort vorgefundenen Lebensformen aus verschiedenen Perspektiven vor. Es geht in der Hauptsache um den Alltag der dort lebenden Frauen und Männer, aber auch um den Weg der Objekte: vom Sepik an den Main und innerhalb des ethnologischen Museums, vom Zeugnis/Dokument zum Kunstobjekt. Die Objekte sind frei aufgestellt; die Inszenierung soll an die 1960er Jahre erinnern. So begegnen uns am Anfang Dioramen und Großfotos, während am Ende eine Kunstgalerie steht. Ähnliche Objekte werden ganz im Trend der Zeit nun als Kunstobjekte präsentiert. Wer gerne wissen möchte, wie ein Objekt ins Museum kommt und was damit passiert, kommt voll auf seine Kosten. Ein kleines Heftchen gibt über die Gebrauchs- und Kultgegenstände der SepikbewohnerInnen Auskunft. Für Kinder gibt es ein schön gemachtes Entdeckerhandbuch, das man auch als Erwachsene mit Gewinn durchblättert.
Die Ausstellung ist noch bis Mitte Oktober 2008 zu sehen.

Montags keine Ausstellung

Geschrieben von am 14. Dezember 2007 14:45

An einem verregneten Montag vormittag sollte man in Paris in keine Ausstellung gehen. Es ist einfach zu voll. Eine Möglichkeit ist es, vorher Karten zu reservieren, damit man nicht im Regen auf den Einlass warten muss (mit einer ICOM-Karte kann man diese elegant umgehen). Wenn man in der Ausstellung steht, dann heißt es aber noch lange nicht, dass man die Bilder auch wirklich sieht. An einem verregneten Montag vormittag scheint aber auch wirklich jeder und jede ausgerechnet wie ich die Arcimboldo-Ausstellung im Musée du Luxembourg besuchen zu wollen. Es sind mindestens vier Führungen da, d.h. vier Menschentrauben, die sich abwechselnd vor den Bildern drängeln; daneben noch eine Schulklasse, ganz zu schweigen von den vielen IndividualbesucherInnen. Man muss richtig kämpfen, um in der nicht gerade weitläufigen Ausstellung überhaupt etwas zu sehen. Und wenn man mal einen Platz vor einem Bild ergattert hat: Nicht gleich wieder aufgeben! Erst mal stehenbleiben. Und schauen. Seine Bilder sind ja wirklich sehr eindrucksvoll und ich habe mich darüber gefreut, nicht nur die Gemüse- und Meeresfrüchte-Portraits einmal im Original zu sehen. Begeistert haben mich vor allem seine ungewöhnlichen Stilleben.
Obwohl die Ausstellung schön inszeniert ist, fiel die viel zu kleine Schriftgröße der Texte negativ auf. Die Raumtexte waren zudem viel zu lang und in Durchgängen angebracht, wo man eigentlich nicht stehen bleiben kann. Es ist immer ein Erlebnis, Kunst im Original zu sehen. Aber vielleicht nicht Montag vormittag, sondern Freitag abend oder ich weiß nicht, wann. Denn in einem Pulk von Menschen macht Kunst anschauen einfach keinen Spaß! Bis 13. Januar gibt es noch die Möglichkeit; hier stehen alle Informationen.

Das Centre Pompidou wird mobil

Geschrieben von am 24. Oktober 2007 20:02

Das Centre Pompidou in Paris streckt die Fühler aus: 30 Jahre sind Konzept und Gebäude alt; viele halten es schon selbst für museumsreif. Dagegen wird nun eine Offensive gestartet: 2009 wird die Antenne in Metz eröffnet. 2010 soll mit dem Centre Pompidou-Alma eine Dependance in Paris selbst entstehen, und zwar im Untergeschoss des Palais de Tokyo, dem Museum für zeitgenössische Kunst. Hier sollen vor allem jüngere, französische KünstlerInnen ausstellen. Das ist noch nicht alles: Das Centre Pompidou wird mobil und will Kunst in die Regionen und zu Menschen bringen, die eigentlich für Kunst nicht so empfänglich sind. Das alles erzählte Alain Seban, der Präsident des Centre, heute in Le Monde. Und ich empfehle, bis 11. Februar 2008 die Alberto-Giacometti-Ausstellung im Centre anzuschauen. Ein Hochgenuß, da nicht nur viele Skulpturen, sondern Teile seines Ateliers, Gemälde, Fotos und Zeichnungen klug präsentiert werden.

Dürer, klassisch. Im Städel. Hingehen.

Geschrieben von am 22. Oktober 2007 11:20

Ja, das kann man schon fast klassisch nennen (obwohl es doch die Renaissance betrifft), was man im Frankfurter Städel erleben (und das heißt in diesem Fall: sehen und hören) darf. Die Ausstellung „Dürer. Das druckgraphische Werk“ kommt nämlich genau so sachlich und ruhig daher wie der Ausstellungstitel: kein reisserischer Aufmacher (etwa: „Dürer — Zeichner des Todes“ oder „Dürer — Meister seiner Epoche“ o.ä.), keine Ausstellungsarchitektur, die sich wichtiger nimmt als die Werke, keine extravagante Präsentation, die das Studium der Werke und die Kontemplation vor ihnen stören könnte.
Stattdessen: eine in ein vornehmes, dunkles Grün getauchte Ausstellungsarchitektur ohne Extravaganzen, sparsam gesetzte Lichter (natürlich auch angesichts der empfindlichen Arbeiten auf Papier), zurückhaltende Titel für die Sektionen („Anfänge“), kurze, Hintergründe beleuchtende Texte zu den einzelnen Blättern, knappe Angaben zum Herstellungs- und Druckdatum, gut beleuchtete Vitrinen oder Rahmen.
Vielleicht ist es schon diese vornehme Zurückhaltung, die dafür sorgt, dass sich keine event-versessenen Kulturdeppen in die Ausstellung verirren? Jedenfalls waren am Samstagnachmittag ab 16 Uhr nur wenige Besucher und Besucherinnen zu sehen. Man hatte genügend Zeit und Platz und Ruhe, um sich mit den einzelnen Blättern der Drucke zu beschäftigen. Und kam doch einmal ein anderer Besucher des Weges (in der Stille des Raumes wirkte die Besucherschaft fast wie ein verschworener und verschwiegener Geheimbund, der sich auf ein geheimes Signal hin an diesem Ort zu einem mysteriösen Gottesdienst getroffen hatte…), so ging man sich aus dem Weg, machte Platz und kehrte dann wieder zu dem Blatt zurück.
Und das zur Auflösung der Einleitung: man ‚hört‘ diese Ausstellung eben auch, denn man hört — nichts. Kirchenatmosphäre, ab und zu ein Rascheln, ein Besucher, der wie Darth Vader atmet und die abgebildeten Thematiken von Vorhölle und Hölle noch einmal auf ganz andere Art erfahrbar macht, ab und zu Hinweise des Aufsichtspersonals an vorwitzige Besucher, die dachten, in eine Ausstellung mit Dürer-Originalen wie ein Café gehen zu können.
Die ausgestellten Werke an sich sind natürlich großartig, Herr Dürer brachte die Technik des Kupferstichs und anverwandter (für dieses Wort werden mich die Kenner pfählen wollen…)Techniken wie die Ätzradierung zu höchsten und völlig neuen Höhen. So ist es oft schier unglaublich, wie fein die Striche (oder sagt man hier: Stiche?) gesetzt sind, um mit dem letztlich nicht abtönbaren Stich doch feinste Nuancen und Schattierungen zu erzielen.
Ständig habe ich mich gefragt, warum er oft so kleine Formate genutzt hat, man meint ihn förmlich mit dem Vergrößerungsglas (ob es so etwas damals schon in nutzbarer Form gab?) über der Kupferplatte sitzen zu sehen, wenn man sich die Details der Arbeiten betrachtet.
Die als Folgen veröffentlichten Arbeiten hängen auch als Folgen in der Ausstellung (heutzutage muss man auf solche Selbstverständlichkeiten hinweisen), auf Auslassungen und die Abbildung der fehlenden Blätter im Katalog wird hingewiesen.
Muß man halt gesehen, die Qualität der Apokalypse-Drucke ist exorbitant und wirkt (sorry, Dürer) wie gerade aus einem exzellenten Kopierer geworfen: tiefschwarz, frisch, keine Flecken.
Doll, der „Reiter (Ritter, Tod und Teufel)“. Der christliche Ritter auf seinem Weg (ins Morgenland?), unbeirrt von Teufeln, die auch auf anderen Bilder immer wieder um die Ecke lugen und sagen: alles vergänglich, alles in Gefahr, der Tot wartet, führe ein anständiges Leben.
Was gibt es noch zu sagen?
– „Die Heilige Familie mit Libelle“ heißt ein Druck. Aber beim besten Willen, wenn das da rechts unten eine Libelle ist, dann fresse ich, Stop, bis hierhin und nicht weiter. Aber für mich sieht es wie eine größere Florfliege aus.
– Eine Besucherin, jung, blond, von der Bauchnabelfrei-Fraktion, ging mit dem Audio-Guide am Ohr gelangweilt von Audio-Nr. zu Audio-Nr., fand das Ganze aber offenbar nicht so ganz schlecht, denn in ihrer ganzen Haltung wirkte sie ständig so, als ob sie mit ihrem Handy telefonieren würde. Business as usual gewissermaßen.
– Die berühmte „Melancholie“ ist nicht Dürers beste Arbeit, liebe Kunstgeschichte.
– Störend fielen wie üblich die Nutzerinnen der Audio-Guides auf (tatsächlich waren es nur Frauen, es braucht eben schon einiges, bis Männer nach dem Weg fragen…), nicht nur durch die (weil akustisch getrübte) laute Kommunikation mit ihren Partnern, sondern auch durch das Gequäke, das aus den ähnlich wie Telefonhörern geformten Guides kam. Aber wie oben erwähnt, es herrscht eben auch eine sehr ruhige Atmosphäre, fast wie in einer Kirche.
-Liebes Städel, bei allem noch so ironisch verbrämten Kommerzmist, muss das wirklich sein, „das Taschentuch zur Ausstellung“? Das Taschenbuch zur Ausstellung würde ich ja noch tolerieren, aber das Taschentuch? Und dann noch mit dem wirklich hornochsen-dumm-blöden Hinweis darauf, dass sich das Taschentuch auf Dürers Melancholie-Grafik bezieht. Muss so etwas wirklich sein?

Vorher war die Ausstellung im Guggenheim Museum in Bilbao, ob sie dort jemand gesehen hat in dem spektakulären Bau?

Hingehen, angucken.

So hell wie auf den Pressefotos des Städels ist es natürlich in der Ausstellung niemals…

27. September 2007 bis 6. Januar 2008
Graphische Sammlung im Städel

Städel Museum

Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie
Dürerstr. 2
60596 Frankfurt am Main

Was man als Museumsaufsicht alles so können muss oder ein Besuch in den Uffizien

Geschrieben von am 13. September 2007 10:45

Wer in den Uffizien in Florenz als Aufsicht arbeiten möchte, der sollte
– kommunikativ sein (für die Unterhaltungen mit den KollegInnen)
– italienisch sprechen können (soll das über 90%ige ausländische Publikum doch italienisch lernen)
– gerne telefonieren (wenn hunderte BesucherInnen darauf warten, eingelassen zu werden oder wenn in den Ausstellungsräumen private Dinge geklärt werden müssen)
– gelangweilt schauen und gelassen reagieren (wenn BesucherInnen es mal wagen, die Unterhaltung der Aufsicht zu stören)
– rauchen (um sich die Zeit an der Eingangstür zu vertreiben, während man die BesucherInnen mit Barrieren in Schach hält)
– fingerfertig sein (für das Tippen von sms)
– kreativ denken (für das Lösen von Kreuzworträtseln). Lesen Sie den Rest des Beitrags »

Kunst und Terror

Geschrieben von am 11. September 2007 23:52




Im September auf der Biennale di Venezia

Nicht oft geht man durch eine Ausstellung und hat Angst, dass sich die Welt jeden Moment auf dramatische Weise verändern könnte. Mir ging es so, als ich am 5. September in Venedig die Räume der Arsenale auf der 52. Biennale di Venezia 2007 betrat. Das lag nicht unbedingt daran, dass es gleich am Eingang eine „Airplanecrashclock“ (1997) von Charles Gaines (USA) zu sehen gab, und andere Kunstwerke, die explizit das Thema „Terror“ aufgriffen – es lag schlichtweg daran, dass seit meinem letzten Besuch in Venedig, am 11. September 2001, die Welt tatsächlich nicht mehr dieselbe ist. Nie werde ich vergessen, wie an einem Café-Stand am Seitenausgang der Arsenale-Hallen Unruhe aufkam. Es war früher Nachmittag, und ich wollte einen stärkenden Espresso zu mir nehmen, doch niemand interessierte sich dafür. Alle hefteten ihre Ohren an ein Radio und rätselten in allen Sprachen, was da wohl passiert sein könnte. So ganz ließ sich nicht klären, was in New York los war, also wendete ich mich wieder den Ausstellungsräumen zu. Erst am Abend, als ich im Hotel die Bilder im italienischen Fernsehen sah, wurde mir bewusst, dass sich diese Aufnahmen tiefer in mein Bewusstsein brennen würden als alle Kunstwerke, die ich zuvor gesehen hatte. Bereits am nächsten Tag war ich froh, Venedig verlassen und nach Hause fahren zu können, Zwischenstopps auf dem Weg nach Hamburg hatte ich abgesagt. Lesen Sie den Rest des Beitrags »

Auf nach Darmstadt

Geschrieben von am 9. August 2007 12:00


Schon jetzt sollte man langsam einen Besuch im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt planen, da es Ende September für voraussichtlich vier Jahre schließt. Das Museum soll umfassend saniert werden. Wer also nochmals die Werkgruppe von Joseph Beuys sehen möchte, den römischen Mosaikboden aus Bad Vilbel oder die naturkundliche Abteilung, aus der das Diorama stammt, sollte schnell hingehen. Meine Lieblingsabteilung, der „Wald der Skulpturen„, ist leider schon geschlossen. Einige Werke aus der Darmstädter Kunstsammlung werden ab Oktober 2007 im Frankfurter Städel Museum zu sehen sein.
Die Internetseite des Museums hat der Museumsblog einmal hier gelobt.

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