Warum man sich diese Ausstellung anschauen sollte

Geschrieben von am 9. Januar 2009 12:12

RECOLLECTING. Raub und Restitution – so heißt die Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst MAK in Wien, die man sich unbedingt anschauen sollte. Der Titel macht es schon deutlich: es geht um das Hab und Gut, das jüdischen BürgerInnen in Österreich zur Zeit des Nationalsozialismus auf unterschiedliche Art und Weise geraubt wurde und welches ihnen oder ihren ErbInnen auch noch lange Zeit nach 1945 vorenthalten wurde. In der Ausstellung sind nicht nur hochkarätige Kunstobjekte zu sehen, sondern auch Gegenstände des Alltags, etwa ein Auto, Bücher oder Möbelstücke. Die Geschichte jedes der rund 100 Exponate wird sorgsam beleuchtet; offizielle Briefe oder Listen offenbaren, wie die Enteignung durchgesetzt wurde, wie die BesitzerInnen darauf reagierten und was mit den Gegenständen geschah – und welches Schicksal die BesitzerInnen erfahren mussten. Wertvolle Provenienzforschung wird hier transparent gemacht und zeigt aber zugleich auf, wie viele Lücken noch vorhanden sind. Nicht für alle Objekte konnten Erben ausgemacht werden. Erschreckend ist auch zu sehen, wie die Bürokratie nach 1945 nahezu reibungslos weiter funktionierte und die Ansprüche der rechtmäßigen BesitzerInnen einfach abgeschmettert wurden.
Ergänzt werden die Geschichten der Gegenstände und ihrer BesitzerInnen durch zeitgenössische künstlerische Positionen, die nochmals einen völlig anderen Blick erlauben.
Eine höchst aufwühlende, notwendige und auch sehr gut gemachte Ausstellung. Bis zum 15.02.2009ist sie noch in der MAK-Ausstellungshalle zu sehen.

Eine Ausstellung mit demselben Titel, Raub und Restitution, läuft gerade im Jüdischen Museum in Berlin.

Die andere Art, außereuropäische Kulturen auszustellen

Geschrieben von am 9. Dezember 2008 10:58


Die Kisten im Völkerkundemuseum in Wien sind ausgepackt – seit 19. November bietet das Haus Einblicke, wie ein Völkerkundemuseum in der Gegenwart ausstellen kann. Einblicke in die Sammlung vermittelt der neue Teil der Schausammlung. In 21 Vitrinen wird religiöse Kunst aus Süd-, Südostasien und Himalayaländer gezeigt; jede Vitrine steht für sich und bindet neben den Objekten, Texte, Fotografien oder andere Medien mit ein. Ganz deutlich beziehen die Kuratoren damit gegen das ästethisierende Prinzip Musée du quai Branly Stellung:
So heißt es auf der Internetseite zur Ausstellung:

„Obwohl die gezeigten Objekte dem Bereich „religiöse außereuropäische Kunst“ zugeordnet werden können, steht in ihrer Darstellung im Museum für Völkerkunde nicht die Ästhetisierung fremdkultureller Objekte und deren Verwandlung in Werke „nicht- europäischer Kunst“ im Vordergrund, sondern ein Verständnis der durch sie repräsentierten Inhalte und kulturellen Zusammenhänge.“

Ich habe selten bei einer Ausstellunsgeröffnung so viele interessierte BesucherInnen gesehen. Warum es mehrfach lohnt, sich diese neue Präsentation der Schausammlung anzusehen, sind die anderen Ausstellungen, die noch weitere Einblicke in die außereuropäischen Kulturen in Vergangenheit und Gegenwart bieten: Das ist die Ausstellung „Zeitreise Tibet“ mit Fotografien von Barbara Krobath; die Ausstellung „Kunstvoller Widerstand“ mit zeitgenössischer Kunst aus Sri Lanka und die monographische Ausstellung sowie die objekt-monographische Ausstellung Straps & Bands – die Privatsammlung eines Arztes, die nun zum Museum gehört.

Das Museum in der Presse:
Im Kurier, im Orf-Magazin und bei APA Zukunftswissen

Junggeblieben

Geschrieben von am 10. November 2008 17:59

Nicht nur ideenreich, sondern auch junggeblieben: Themen und Museographie sind zeitgebunden; diese Erfahrung kann man immer wieder machen, wenn man Museen nach längerer Zeit wieder aufsucht. Doch manches Museum altert erstaunlicherweise nicht: das Österreichische Museum für Volkskunde gehört für mich dazu. Die Dauerausstellung ist nun um die 15 Jahre alt – jung kann man sagen.
Denn sie ist überhaupt nicht gealtert, weder was der Zugang noch die Inszenierung betrifft. Denn wie kann man die Objekte des „Volkes“ präsentieren, ohne zugleich den Blick von den anderen, von ForscherInnen, von Museen, von der Stadtbevölkerung zu erwähnen? Es geht hier auch um Klischees und Stereotypen, um Vorstellungen des anderen, um Kulturgeschichte und um eine geschickte Verflechtung mit der Museumssamlung. Die Ausstellungsarchitektur ist schlicht und zurückhaltend, und bringt manches auf den Punkt – zum Beispiel mit auf Podesten präsentierten Möbeln. Und von den klugen, pointierten Texten könnten manch andere Museen lernen.

Der Besuch lohnt sich, denn zur Zeit sind gleich noch zwei herausragende Fotoausstellungen zu sehen: Die Ausstellung „Places of Worship. Interreligiöse Gebetsräume auf Flughäfen“ mit den schönen Fotografien von Andreas Duscha beschäftigt sich mit einem klassischen volkskundlichen Thema – in der Gegenwart (nur noch bis zum 16.11.).
Die zweite Fotoausstellung, Prag 1968 – Fotografien von Heinz Hosch widmet sich einem Pressefotografen, der das Ende des Prager Frühlings 1968 fotografisch festgehalten hat. Schön deutlich wird hier die Verschränkung von weltpolitischem Ereignis und individuellen (Berufs-)Alltag. Kommentiert wird das Fotoarchiv von einer szenischen Installation mit Tönen aus dem aktuellen Prag von Paul Divjak. Unbedingt hingehen!

Ideenreich

Geschrieben von am 7. November 2008 13:07

Das österreichische Volkskundemuseum hat bekanntlich – wie zahlreiche andere Museen dieses Sektors – seit Jahrzehnten mit Finanzschwierigkeiten zu kämpfen. Was an Geld fehlt wird in diesem Museum aber durch Ideen reichlich wett gemacht. Jüngstes Beispiel: die Ausstellung kommt zu den Besuchern. Ausgehend von der Überlegung dass ein Grossteil des interessierten und treuen Museumspublikums SeniorInnen sind und dass viele ältere Menschen körperlich und gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, ein Museum zu besuchen eröffnet das ÖMV am 19. November eine Krippenausstellung im Pensionistenwohnheim Türkenschanze. Direktion und Bewohner zeigten sich begeistert von dieser Initiative.

Kisten auspacken

Geschrieben von am 22. Oktober 2008 11:35

Was wird da wohl ausgepackt? Oder eingepackt? Gesehen in Wien, in der Neuen Burg, in der sich zum Beispiel das Völkerkundemuseum befindet, dessen Dauerausstellung gerade umfassend saniert wird.

Museum Liaunig

Geschrieben von am 23. September 2008 18:24



Kärnten hat Gott sei Dank noch anderes zu bieten als Jörg Haider! Am 29. August eröffnete ein neues Privatmuseum das in erster Linie der österreichischen Kunst nach 1950 sowie einer einzigartigen Sammlung afrikanischer Goldobjekte gewidmet ist. Der Sammler Dkfm. Herbert Liaunig plant vorderhand nur Werke aus der eigenen Sammlung zu zeigen und auf Sonderausstellungen zu verzichten. Der von querkraft konzipierte Bau aus Sichtbeton, Stahl und Glas besteht aus einem Schaudepot (600 m2), einem 160 Meter langem, 13 Meter breitem und 7 m hohem tunnelförmigen „white cube“, einem Graphikraum (500m2) und einem unterirdischen Kubus in dem das „Gold der Akan“ gezeigt wird. Nur der lang gezogene Galerietrakt ist von aussen sichtbar und bietet von seinen Terrassen Ausblick auf die umliegende Landschaft. Unter den über 2000 Werken österreichischer Gegenwartskunst (Malerei, Plastik, Graphik aber auch Architekturentwürfe) finden sich Arbeiten von Erwin Wurm, Moldovan, Brus, Pichler, Wotruba, Prantl, Staudacher etc. aber auch Werke ausländischer Künstler wie Soulages oder Mullican.

Zum Aha- und Wiedererkennungseffekt

Geschrieben von am 21. Juli 2008 09:19

Dass die Kunsthistorikerin Sabine Haag Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums Wien* wird, hat der Museumsblog bereits begrüßt. Und hier ist ein Interview mit Frau Haag in der Frankfurter Rundschau. Haag hat vor, vor allem der „Qualität und Substanz der Sammlungen des Kunsthistorischen Museums“ zu vertrauen und nicht so sehr auf Blockbuster-Ausstellungen von außen zu setzen. Sie möchte die wissenschaftliche Qualität fördern und jüngere KuratorInnen zum Zuge kommen lassen. Ihr Rezept für eine erfolgreiche Ausstellung:

„Für einen erfolgreichen Museumsbesuch braucht es von allem ein bisschen: den Aha-Effekt und den Wiedererkennungswert, der Sicherheit gibt. Wenn es gelingt, diese Mischung zu generieren, dann hat man eine fantastische Ausstellung.“

Aufschlussreich war neben den inhaltlichen Vorstellungen auch die Antwort auf folgende Frage der FR:

„Zu Ihrer Bestellung hat die Hälfte der befragten Museumsdirektoren gesagt: „Tut mir leid, ich kann dazu nichts sagen. Ich kenne Sabine Haag nicht.“

Frau Haag meinte dazu:

„Ich nehme das zur Kenntnis. Da geht es offensichtlich um Hierarchien. Viele der Museumsdirektoren, die sagen, sie kennen mich nicht, waren sehr wohl bei meinen Ausstellungseröffnungen. Es zeigt mir einfach, in welchen Bahnen da gedacht wird.“

*Das KHM Wien umfasst u.a. die Gemäldegalerie, die Antikensammlung, die Wagenburg und das Monturdepot, das Museum für Völkerkunde, das Münzkabinett und die Kunstkammer.

Mut zur Frau

Geschrieben von am 11. Juni 2008 16:45

Nach langem Suchen im In- und Ausland, Gerüchten und Vermutungen, Ausschreibung und weiterem Gemunkel hat das Wiener Kunsthistorische Museum nun einen neuen Direktor – und es ist eine Direktorin. Die 46 jährige Sabine Haag, Leiterin der Kunstkammer wurde von Kulturministerin Claudia Schmied zur wissenschaftlichen Generaldirektorin bestellt. Ihr zur Seite steht ein kaufmännischer Direktor, Paul Frey. Diese Ernennung überraschte, Hausbesetzungen sind ja heutzutage selten geworden und die als Seipel Nachfolger gehandelten Kandidaten waren „Stars“ der internationalen Museumsszene – und ausschliesslich Männer!

Mehr dazu im „Standard

Körpersäfte

Geschrieben von am 29. Mai 2008 15:44


Bis 26. Oktober zeigt das Volkskundemuseum Joanneum in Graz eine Ausstellung mit dem Titel „Blut, Schweiss und Tränen. Botschaften des Körpers“. Diese „Säfte“ sind nicht nur eine physiologsche Notwendigkeit, sondern werden als ausdrucksstarke Metaphern und Symbole in Wort und Bild immer wieder heraufbeschworen. Im Gegensatz dazu, werden sie aber im realen Leben verborgen, widersprechen sie doch dem Ideal des heilen, sauberen und schmerzfreien Körpers. Die Ausstellung, kuratiert von Eva Kreissl, folgt den Spuren dieser Körperflüssigkeiten durch die Kulturgeschichte, in Kunst, Mythologie und Religion und eröffnet so ungewohnte Perspektiven.

"Leben!"

Geschrieben von am 3. April 2008 18:05

Unter diesem Titel zeigt das Jüdische Museum Wien bis zum 22. Juni mehr als 3.500 Fotos. Sie zeugen vom unerwartet schnellen Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde Wiens nach 1945. Die 1956 aus Ungarn geflüchtete Fotografin Margit Dobronyi, hielt mit ihrer Kamera Hochzeiten, Bar Mizvahs, Sommerfrische, Geburtstagsfeste und andere Szenen aus dem Alltagsleben fest. 150.000 Negative umfasst ihr Archiv das 2004 vom jüdischen Museum angekauft wurde und aus dem die Kuratorin Ruth Beckermann ihre Auswahl getroffen hat. Die Fotos spiegeln Lebensfreude wider, eine Lebensfreude wie sie in Ausstellungen über die jüdischen Gemeinden im 20. Jahrhundert selten ist. Die Zeit nach der Schoah darzustellen, sei „Neuland“ sagte Karl Albrecht-Weinberger, Direktor des Museums.

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