Es geht weiter mit dem MHF

Geschrieben von am 19. Juni 2011 14:48

Am 16. Juni war es soweit: der Vorsitzende der Kommission zur Vorbereitung des MHF, Jean-Pierre Rioux, hat dem Kulturminister Frédéric Mitterrand sozusagen den Masterplan vorgelegt, wie das Maison de l’Histoire de France einmal aussehen soll. Le Monde und AFP stellten diesen Bericht vor.

Neben den bereits bekannten Überlegungen sind wohl zahlreiche Multimedia- und Internet-Angebote geplant wie ein eigener TV-Kanal, um das Projekt besser in der breiten Öffentlichkeit zu implantieren. Besonders Kindern soll die Geschichte mit attraktiven Angeboten näher gebracht werden – da sind wir natürlich sehr gespannt. Auf der bereits eingerichteten Internetseite ist man übrigens aufgerufen, Vorschläge für die Inhalte zu machen – Partizipation der Basis sozusagen.

Geplant ist außerdem, verstärkt ausländische WissenschaftlerInnen einzuladen, die dann bei Ausstellungsvorbereitungen oder bei Vortragsreihen unterstützend mit wirken sollen.

Der Masterplan geht auch auf die Dauerausstellung ein, die 2.500 qm umfassen soll. Anscheinend ist diese in drei grosse Abschnitte oder Zugänge unterteilt: erstens eine Art chronologisches Rückgrat, zweitens Spots auf Ereignisse oder Perönlichkeiten sowie eine Helden-Allee. (Gerade letzteres klingt für mich so richtig typisch französisch).
Natürlich wird auch wieder mal die Frage aufgeworfen, wann die Geschichte anfängt – da gibt es wohl weiterhin noch große Unstimmigkeiten zwischen Politik und Wissenschaft.
Aber noch ist etwas Zeit, im Januar 2012 soll der Abschlussbericht vorliegen. Strittiges wurde ausgespart: der Standort, die Rolle der neun historischen Nationalmuseen und das Geld.

Und noch ein Hinweis: am Mittwoch, 22. Juni findet in Frankfurt ein Disskusionsabend über die Nationenbindung im Museum im IG-Farbenhaus statt.

Neues zum MHF

Geschrieben von am 9. Juni 2011 20:02

Man hört im Moment nichts mehr so richtig etwas über das geplante Maison de l’Histoire de France in Paris, aber offiziell steht anscheinend der Eröffnungstermin schon fest: 2015.

Dies geht aus einem Bericht des französischen Senats hervor. Noch dieses Jahr soll es eine Internetseite geben und Anfang 2012 soll die Institution offiziell gegründet werden. Wie geplant, soll es Gebäudeteile der Archives Nationales im Marais beziehen. Das Archiv wiederum zieht in einen vorort, einige alte Archivalien bleiben aber Vorort genauso wie das Museum des Archivs, das sich eigentlich auch der Geschichte Frankreichs widmet.

Aus dem Bericht des Senats geht auch hervor, dass das Museum selbst keine eigene Sammlung aufbauen soll. In einer chronologischen Dauerausstellung sollen stattdessen Objekte aus französischen Geschichtsmuseen gezeigt werden. Die Institution soll als eine Art Brückenkopf von vorhandenen Geschichtsmuseen, Unis und WissenschaftlerInnen werden.
Ich kann mir jetzt schon lebhaft die Diskussionen in Museumskreisen über prestigeträchtige Objekte vorstellen, die dann aus der Provinz nach Paris reisen müssen!

Catherine Dumas, die den sehr langen Bericht verfasst hat, meint im übrigen, dass die heftigen Kontroversen (Inhalte, Standort, mehr dazu hier oder hier) nur auf einer schlechten Kommunikation beruhe…
Aber noch ist alles nicht geregelt, wie das Journal Actualité du jour en direct weiss. Die HistorikerInnen sind immer noch nicht einverstanden; im April kam das Buch Quel musée d’histoire pour la France? heraus. Der geplante Standort ist weiterhin umstritten, auch das mit dem Geld scheint noch nicht komplett gelöst sein.
France 2 hat auf seinen Seiten Gegner und BefürworterInnen zu Wort kommen lassen.

Zum Glück wurde schon ein für Frankreich wichtiger Aspekt gelöst: die richtige Abkürzung für die neue Institution. Wer hätte das gedacht, sie lautet: MHF. Da kommt aber bestimmt noch was griffigeres!

Das Nationalarchiv wird im übrigen weiterhin von der Gewerkschaft besetzt; wohl im Gegenzug hat das Kulturministerium beschlossen, die Gärten öffentlich zugänglich zu machen. Das freut die Touristen, aber nicht so sehr die Angestellten….

Wer hierzu aktuelles erfahren möchte, kann sich auf der Facebook-Seite Maison de l’Histoire, pas aux archives informieren.

Neue Direktorin im Nationalarchiv in Paris

Geschrieben von am 19. April 2011 12:54

Das Pariser Nationalarchiv, in dem Sarkozy das Maison  de l’histoire installieren möchte, hat schon seit Ende Februar 2011 eine neue Direktor, nachdem die alte mit dem schönen Namen Isabelle Neuschwander gehen musste. Hier in Le Monde ist ein Interveiw mit der neuen, Madame Agnès Magnien, die sagt: das Maison  de l’histoire ist nicht mein Thema!

Aus für das Maison de l’histoire im Marais?

Geschrieben von am 4. Februar 2011 00:55

Das in Paris von Nicolas Sarkozy geplante Maison de l’histoire de France, über das der Museumsblog schon verschiedentlich berichtet hat, geht in eine neue Runde.

Eigentlich wurde ja vor kurzem mit großem Tamtam die Zusammenstellung des wissenschaftlichen Komitees für die Einrichtung des Museums bekanntgegeben, darunter auch etwa die hierzulande nicht unbekannte Soziologin und Ethnologin Martine Segalen, die Historikerin Anne-Marie Thiesse und der Historiker Pascal Ory. Auch Le Monde hat natürlich darüber berichtet.

Nun hielten ja aber Gewerkschaftsmitglieder seit September 2010 das Nationalarchiv, in dem das neue Museum unterkommen soll, besetzt. Ende Januar wurde die Besetzung schließlich beendet – nachdem das Kulturministerium Zusagen gemacht hatte:

Le cœur des activités scientifiques, culturelles, éducatives et muséographiques (des Archives nationales sera) maintenu dans le quadrilatère, notamment dans l’Hôtel de Soubise.

Hinzu kommen weitere Zusagen, wie:  die Urkundensammlung der Pariser Notare bleiben im Gebäudekomplex und werden weitergeführt; auch das Archiv aus der Zeit vor 1790 soll nicht mit an den neuen Standort nach Pierrefitte-sur-Seine umziehen.

Manche schließen aus diesen und anderen Zugeständnissen, dass dann eiegntlich kein Platz mehr für das geplante Sarkozy-Museums mehr sei.

Davon gehen auch die HistorikerInnen aus, die in einem offenen Brief in  Le Monde zum wiederholten Mal ihren Unmut zum Ausdruck bringen: weder das Komitee sei angemessen besetzt noch die vielen vorgebrachten Einsprüche berücksichtigt worden. Die Autorinnen wie Gérard Noiriel und Nicolas Offenstadt stellen das neue Projekt in Kontext mit der langsamen Verabschiedung des Staates aus seinem öffentlichen kulturellen Engagement und verurteilen die Instrumentalisierung der Geschichte. Die UnterzeichnerInnen fordern eine kritische und vorurteilsfreie Geschichte für alle. Sie werfen Sarkozy u.a. vor, unbequeme Aspekte der französischen Geschichte wegzulassen – Sarkozy hatte angekündigt, mit dem Museum eine komplett neue Seite aufschlagen zu wollen.

Das kann er jetzt schon mal ausprobieren…

Nicht alle wollen Sarkozys Maison de l’histoire

Geschrieben von am 5. Januar 2011 07:56

Nicht alle sind mit dem Plan von Staatspräsident Sarkozy einverstanden, im Nationalarchiv ein Maison de l’histoire de la France einzurichten. Ganz besonders nicht Mitarbeiter des Nationalarchivs selbst, die seit der Ankündigung das Archiv besetzt halten.

Auf Deutschlandradio Kultur gab es kürzlich dazu etwas zu hören.

Spiel mit dem orangenen Monster

Geschrieben von am 4. November 2010 23:44

Sehr witzig: die Seite zur Moebius-Ausstellung in der Fondation Cartier in Paris. Unbedingt mit Ton anschauen und die Maus tanzen lassen…

Warum im Nationalarchiv in Paris gestreikt wurde

Geschrieben von am 7. Oktober 2010 23:34

Wir hatten schon einmal über die Pläne des französischen Präsidenten berichtet, ein nationales Geschichtsmuseum einzurichten. Damals wurden 5 Standorte näher ins Auge gefasst; nun ist es ein ganz anderer geworden: Sarkozys Begehrlichkeiten richten sich auf die wunderbaren Gebäude des Nationalarchivs im Herzen von Paris. Hier soll das Maison d’histoire de la France sich künftig ausbreiten. Für Ende 2011 ist bereits eine Ausstellung angekündigt; vielleicht wird dann auch geklärt, warum “maison” und nicht “musée”.

Das Archiv soll auch noch bleiben dürfen; doch sehen die Archivare freilich die Entwicklung mit Sorge, ist doch die seit Jahren verfolgte Umstrukturierung betroffen: Ein großer Teil des Archivs soll 2013 umziehen nach Pierrefitte-sur-Seine. Teile des Archivs sollten ja deshalb ausgelagert werden, damit die Gebäude im  Marais entlastet werden.  In Paris verbleiben sollten etwa das Archiv vor 1789, die Siegelsammlung oder die historische Bibliothek. Auch hätte das  Museum, das in den letzten Jahren immer kleine, feine Ausstellungen präsentiert hat Raum für eine Dauerausstellung bekommen.

Die Archivangestellten waren von Sarkozys Ankündigung (dazu hier in Le Monde) nicht begeistert – deshalb wurde erst einmal gestreikt.  man sorgte sich etwa,  dass das Archiv als materielles Gedächtnis der Nation komplett seiner Funktion beraubt wird. Auch sorgt man sich um die Zukunft des Grand Dépot, unter Louis Philippe entstanden, das viele Kilometer Akten beherbergt.

Andere wiederum, wie der Kunsthistoriker Didier Rykner begrüßen es, das sich auf diese Weise die zuweilen hermetisch abegschlossenen Räume für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.

Ich bin gespannt, wann Jean Nouvel ins Spiel kommt – denn so ein bißchen umbauen muss ja auch sein. Und ich bin gespannt, ob Sarkozy es überhaupt noch als Präsident erlebt, wie “sein” Museum eröffnet wird!

Noch nachgereicht: ein Beitrag dazu auf Arte, hier anzuschauen.

Architektur in Paris

Geschrieben von am 27. Februar 2010 12:27

Geradezu euphorisch berichtet Frédéric Edelmann in Le Monde über eine Ausstellung im Pavillon d’Arsenal in Paris: Hier sind 58 Architekturmodelle aus dem Besitz des Centre Pompidou ausgestellt, die realisierte Bauprojekte in der Metropolenregion Paris zeigen. Œuvres construites, 1948-2009 – Architectures de collection, Paris Ile-de-France heißt die Ausstellung, die laut Edelmann eine “ville imaginaire” entstehen lässt – auch gerade deswegen, weil sie die über 60 Jahre Pariser Architekturgeschichte nicht lückenlos erzählt. Vieles kennt man aus den Parisbesuchen, das CNIT in La Défense über die Tour Montparnasse aus den 1950er Jahren oder die Bauten von Jean Nouvel wie die Fondation Cartier.

Fantastisch und pfiffig ist nach Edelmann die Inszenierung, die die Modelle, Zeichnungen mit Videoinstallationen und Spiegeln kombiniert. Er verspricht uns ein großes Vergnügen in der Ausstellung – auch wenn ihm nicht alle Modelle bzw. die Realisierung gefallen.
Etwas kritischer über die Ausstellung berichtete Marc Zitzmann in der NZZ – für ihn ist “die Schau eine Spur zu oberflächlich”.

Da hilft wieder einmal nichts: selbst hinfahren! Bis Ende März haben wir dazu noch Zeit.
Das Pavillon d’Arsenal ist sowieso immer eine gute Adresse für alle, die sich für Architektur und Pariser Stadtplanung interessieren. Und: der Eintritt ist frei.

Was wird aus dem Palais de la Découverte?

Geschrieben von am 10. Dezember 2009 16:40

Der Palais de la Découverte in Paris ist eine feste, gewissermaßen magische Institution unter den Pariser Museen – obwohl er nur etwas über 70 Jahre alt ist (was in Paris ja nicht viel ist…). Eingerichtet in einem Teil des Grand Palais sollte hier anlässlich der Weltausstellung 1937 den breiten Massen die sogenannten harten Wissenschaften näher gebracht werden.

Nach der Weltausstellung wurde er erst einmal wieder geschlossen, dann auf Dauer wieder eröffnet – unter der der Leitung von diversen Ministerien. Seit 1990 ist der Palais ein “Etablissement Public à caractère Scientifique, Culturel et Professionnel” – d.h. eine universitäre, wissenschaftliche Institution, die vom Bildungs-und Forschungsministerium abhängt. Lesen Sie den Rest des Beitrags »

Fundstück

Geschrieben von am 19. Oktober 2009 11:13

Vor Jahren einmal im Musée national d’art moderne im Centre Pompidou in Paris gesehen, fotografiert und in der Fotokiste wiedergefunden.

Archiv

Noch was