Neubau für das Historische Museum in Frankfurt am Main?

Geschrieben von am 18. Dezember 2006 12:40

In den 1970er jahren galt es als „das“ kulturhistorische Museum schlechthin, da es geschafft hatte, sich aus altertümelnden Fesseln zu befreien und die Sammlungen in einem modernen Betonbau zu präsentieren. Der Betonbau entspricht heute nicht mehr musealen und ästhetischen Anforderungen. Eine Sanierung ist seit langem in der Diskussion, da zudem durch den geplanten Abriss des Technischen Rathauses das ganze Gelände am Römerberg stadtplnaerisch neu erdacht werden soll. Dieser Tage hat das Hochbauamt der Stadt feststellen lassen, dass die Sanierung nur etwas teurer als ein kompletter Neubau wäre. Frankfurts Kulturdezernent Semmelroth wird deshalb einen Neubau vorschlagen, für den 2007 ein Architekturwettbewerb geplant ist.
Nachzulesen in der Frankfurter Rundschau vom 14.12.2006

Altonaer Museum zeigt: Alles im Fluss

Geschrieben von am 14. Dezember 2006 12:26




Wer das Altonaer Museum in Hamburg kennt, wird Mühe haben, die Räumlichkeiten wiederzuerkennen. Da, wo einst der „Trachtensaal“ war – ein Tunnel, mit langen Vitrinenwänden auf jeder Seite – oder da, wo in Reih und Glied die Bauernhausmodelle standen, ist es plötzlich hell und luftig geworden. Nun beschäftigen sich kleine Boxen mit Themen wie Walfang oder Schmuggel; flankiert von einer Segelschiffparade. Die Schau „Alles im Fluss. Ein Panorama der Elbe“ kommt mit einer anschaulichen Architektur (Atelier Gillmann, Basel) leichtfüßig daher. Ich habe etwa nicht gewußt, dass mit einer Wellplastik, die ja vornehmlich Einsatz in Schrebergärten findet, solch einen ästhetischen Effekt erzielt werden kann. Die Ausstellung bietet eine Mischung aus Kultur- und Kunstgeschichte und macht einen Ausflug in die Biologie, indem sie etwa den Flußaal genauer analysiert. Sie ist leicht verdaulich, fast schon gefällig, ohne dem Fluss aber so richtig auf den Grund zu gehen. Aber wie heißt es im Ausstellungskatalog: „Die Elbe entzieht sich der Musealisierung; sie strömt fort und vorbei. Für einen schönen Ausflug, statt gleich direkt an die Elbe zu gehen, eignet sie sich allemal.
Das Buch zur Ausstellung: Alles im Fluss. Ein Panorama der Elbe, kostet 12.50 Euro.

Blog Material World ist online

Geschrieben von am 13. Dezember 2006 12:13

Ein englischsprachiger Blog zur materiellen und visuellen Kultur ist seit kurzem online. Die MacherInnen des Blogs von Material World dazu:
„Material World is an interactive, online hub for contemporary debates,
discussion, thinking and research centered on material and visual culture.
Material World is the brainchild of scholars working in the anthropology
department of University College London and in the anthropology and museum
studies departments of New York University, but it aims to create a new
international community of academics, students, curators, artists and anyone
else with particular interests in material and visual culture“.
Auch Ausstellungen und Museen haben eine eigene Rubrik; so wird etwa ausführlich das „Museum of Chinese in the Americas (New York City, NY)“ vorgestellt.

Die Chinesen sind da

Geschrieben von am 12. Dezember 2006 10:58

In die Hamburger Kunsthalle geht man dieser Tage hin wegen Caspar David Friedrich. Doch eine weitere Ausstellung verdient eine ebenso große Aufmerksamkeit: Mahjong – chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg. Die Ausstellung bietet einen Einblick in die Kunst der Avantgarde Chinas der letzten dreißig Jahre. Auf mich wirkte alles fremd und vertraut zugleich, und vor allem – neu. Unbedingt angucken!

Wo kann man einen Novembertag besser verbringen als im Museum?

Geschrieben von am 22. November 2006 23:20

Bei diesem Wetter bietet sich ein Museumsbesuch geradezu an. Ein Museum, in dem man gut und problemlos einen Tag verbringen kann, ist das altehrwürdige Germanische Nationalmuseum in Nürnberg – und hat nach diesem Tag wahrscheinlich nicht einmal einen Bruchteil der Sammlungen gesehen. Denn eigentlich ist das Museum ein Labyrinth mit unerschöpflich erscheinenden Sammlungen, was darauf zurückgeht, das es seit seiner Gründung im 19. Jahrhundert (durch den Herrn von Aufseß) sukzessive angebaut wurde, um die ständig wachsenden Sammlungen unterbringen zu können. Befand man sich eben noch in alten Klostermauern aus Backstein, wartet ums Eck schon der Saal aus den 1960er Jahren. Das macht einerseits den Charme des Museums aus. Trotz Wegeplan weiß man eigentlich nie, wo man sich nun genau befindet. Es kommt vor, dass man minutenlang durch Gänge und Säle läuft, ohne einem Menschen zu begegnen; auch die Aufsicht scheint sich irgendwo zu verstecken. Das ist eigentlich ein schönes Gefühl: Die Vorstellung, dass man hier bleiben kann und unendlich viel Zeit hat, sich die Skulpturen, Musikinstrumente, Bauernstuben Trachten, Gemälde…. anzuschauen – und nicht schnöde um 17 oder 18 Uhr hinausgeschmissen wird. Auf der anderen Seite bekommt man dann doch irgendwann den Museumskoller, da man die Abteilungen, die man gerne noch besichtigen möchte, partout nicht findet. Und irgendwann stellt sich die Frage: Komme ich hier überhaupt wieder raus? Es ist, als würde das Museum einen verschlingen. Den Ausgang gefunden, hat das Museum einen zwar wieder in die Freiheit entlassen, aber auch mal wieder nicht alles preisgegeben. Wieder einmal ist mir die Besichtigung der Frankfurter Küche oder der Apotheke aus Öhringen nicht gelungen. Ob es das nächste Mal wohl klappt?

Noch ein neues Museum in Paris

Geschrieben von am 5. November 2006 14:35

Am schulfreien Mittwoch sieht man am Rande des Bois de Boulogne die Au-pair-Mädchen mit den ihnen anvertrauten Kindern hinschlendern. Vor dem Eingangsportal warten bereits Busse, die Kinder aus den Vororten für einen Nachmittag im Freizeitpark Jardin d’Acclimatation herangekarrt haben: Hier im Jardin d’Acclimatation, vor den Toren von Paris, möchte die Fondation Louis Vuitton ein neues Forum für zeitgenössische Kunst schaffen. Für das Gebäude wurde der amerikanische Architekt Frank Gehry gewonnen, der mit einer Art Wolke den ersten Entwurf vorgelegt hat.

Ursprünglich war der Jardin d’Acclimatation ein Zoo: 1860 unter Napoleon III. eingeweiht, präsentierte hier eine zoologische Gesellschaft exotische Tiere wie Giraffe, Bären und Kamele. Bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges 1870 wurde der Zoo geschlossen. Viele Tiere wurden evakuiert, die anderen während der deutschen Belagerung im Winter 1870/71 von der hungrigen Pariser Bevölkerung aufgegessen. Um nach dem Krieg wieder die Massen anzulocken und um die verlorenen Tiere zu ersetzen, setzte Zoodirektor Albert Geoffroy Saint-Hilaire nun auf sogenannte ethnographische Ausstellungen. Konkret hieß das Menschen ausstellen; das Prinzip war schon während der Weltausstellungen salonfähig gemacht worden. Nun bewunderten Bürger neben exotischen Tieren Menschengruppen die „Wilden“ wie „Nubier“, „Lappen“, oder „Rothäute“. Es entstand ein regelrechter Menschenhandel, da findige europäische Organisatoren den Austausch zwischen den europäischen Metropolen mit ähnlichen Etablissements koordinierten.
Als das Interesse etwas erlosch, verwandelte sich der Jardin um die Jahrhundertwende in ein Gelände für die Familie, das nicht nur Amusement, sondern auch Belehrung bieten wollte, mit Vorträgen über Hygiene oder Medizin, Reiseberichte oder open-air-Kino, aber auch Karussels für Kinder. 1952 erfolgte eine weitere Umorienierung in einen Freizeitpark, mit kleinen Attraktionen wie einer kleinen Bimmelbahn. Auf Tiere wurde nun fast gänzlich verzichtet, stattdessen werden die Guignols etabliert, ein festes Kasperletheater.
1954 überließ die Stadt Paris dem Staat das Palmarium aus dem Jahre 1910, um hier das nationale volkskundliche Museum zu erbauen. Georges Henri Rivière, dessen Gründer, ließ ein damals ultramodernes Gebäude errichten, das in den 1960er Jahren eröffnet wurde und das weit über die Baumkronen des Bois de Boulogne ragt. Geplant war auch, analog zum Nordiska Museet in Stockholm, im Jardin d’Acclimatation ein Freilichtmuseum zu errichten. Das hat aber nie geklappt. Heute steht das Gebäude leer, da das gesamte Museum nach Marseille umzieht und zum Musée des civilisations de l’Europe et de la Méditerranée (MUCEM) wird. Aber das ist eine andere Geschichte.

In Paris wurde die Ankündigung von Bernard Arnault, dem Präsident der Firmengruppe von Louis Vuitton, mit Verwunderung aufgenommen, wie die Liberation schreibt. Denn angeblich soll das neue Museum die Sammlung von M. Arnault aufnehmen – aber keiner weiß Bescheid, um welche Werke es sich dabei überhaupt handelt. Er hat es aber auf jeden Fall geschafft, sich in Paris zu etablieren, anders als sein Konkurrent François Pinault, der auf der Seine Insel bei Paris in Boulogne-Bilancourt seine zeitgenössische Sammlung ausstellen wollte, aber sich nicht mit der Stadtverwaltung einigen konnte und deswegen entnervt mitsamt seiner Sammlung nach Venedig ging. (Aber dafür auf Platz 1 steht, siehe Beitrag vom 3.11.2006)

Nebenbei bemerkt, hat Lyon schon eher als die Hauptstadt auf die Wolke gesetzt: Dort entsteht das Musée des Confluences, das auf der naturwissenschaftlichen Sammlung der Stadt beruht und sich künftig mehr aktuellen kulturellen und sozialen Fragen der Gesellschaft widmen will. Das Gebäude, das aussieht wie eine asymmetrische Wolke auf Beinen, wurde von der österreichischen Architektengruppe Coop Himmelb(l)au erdacht und wird gerade erbaut. Dazu steht ein Artikel in der NZZ online.
Und hier kann man – auf französisch – über die Geschichte der Menschenausstellungen im Jardin d’Acclimatation lesen und weiterführende Literatur finden.

Wer den Ton angibt in der zeitgenössischen Kunst

Geschrieben von am 3. November 2006 12:17

Man kennt sie ja, die Listen, die vorzugsweise Boulevardblätter erstellen: die 100 erotischsten Frauen oder Männer, die schlechtangezogensten usw. usw.
Interessant ist, dass die Kunstzeitschrift „Art Review“ eine Liste herausgibt mit den 100 mächtigsten Personen im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Auf Platz 1 steht ein Franzose: François Pinault, Kaufhausbesitzer und Kunstliebhaber, der im April seine immense Sammlung von Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in Venedig im Palazzo Grassi präsentierte.
Interessant ist auch der letzte Platz auf der Liste: ihn nimmt keine Person ein , sondern die Bildersuchmaschine von Google. Sie dient den mächtigen und noch nicht so mächtigen Menschen im Museums- und Ausstellungsbereich als das Recherchemittel, um die Kunst überhaupt lokalisieren zu können.
Gelesen in der Welt.

Immigrations-Museum in Frankreich auf den Weg gebracht

Geschrieben von am 25. Oktober 2006 10:57

Seit einiger Zeit entsteht in Paris die Cité nationale de l’Histoire de l’Immigration – pikanterweise im Palais de la Porte Dorée, einem Gebäude, das einst zur Kolonialausstellung 1931 gebaut wurde. Es war erst Kolonialmuseum, dann Kunst- und Zivilisationsmuseum für Afrika, Asien, Ozeanien, Nord- und Südamerika; die Sammlung wurde dann vom Musée du Quai Branly übernommen. Nun wird der Palais behutsam umgebaut. Anfang Oktober wurde die Baustelle mit einer Rede des Kulturministers eingeweiht; ebenso wurde die Internetseite neu gestaltet. In 172 Tagen, so zeigt heute der Countdown auf der Internetseite an (April 2007), soll die Dauerausstellung eröffnet werden.
Die Cité ist bereits sehr aktiv und macht mit diversen Veranstaltungen – Tagungen, Theater, Ausstellungen an anderen Orten – auf sich aufmekrsam. Um nicht nur die Geschichte aufzuarbeiten, sondern auch die Gegenwart mitzugestalten, hat sie ein Netzwerk gegründet, um Organisationen, Projekten etc., die sich mit Immigration und Integration beschäftigen, ein Forum zu geben.
In Deutschland hat das Projekt übrigens im gemeinnützigen Verein DOMIT (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland) zwar ein Pendant, nicht aber die politische und finanzielle Unterstützung wie in Frankreich. Langfristig ist ein Migrationsmuseum geplant, ein Zentrum der Geschichte, Kunst und Kultur der Migration.
Vielleicht können ja einige Kulturpolitiker mal einen Betriebsausflug nach Paris machen, um sich vor Ort von der Notwendigkeit des Anliegens auch für Deutschland zu informieren.

Das Altonaer Museum in Hamburg wird reformiert

Geschrieben von am 23. Oktober 2006 08:31

„Konventionelle Vitrinenausstellungen wird es in Altona nicht mehr geben“, so sagte Museumsdirektorin Bärbel Hedinger in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt. Zeitgemäße Formen der Vermittlung sollen gesucht und gefunden werden. Herzstück des Umbaus ist das Forum im Erdgeschoß des Altonaer Museums, in dem schnell und unkonventionell auf regionale und lokale Themen reagiert werden soll. „Themenbezogen und interdisziplinär“ sollen die Abteilungen, die sich mit der norddeutschen Landesgeschichte beschäftigen, künftig präsentiert werden. Für den Umbau stellt die Hamburger Kulturbehörde 3 Millionen Euro zur Verfügung. Mitte nächsten Jahres ist die Eröffnung des Forums geplant, die weiteren Abteilungen folgen.

"Erzwungene Wege" besichtigt

Geschrieben von am 19. Oktober 2006 10:16


Noch bis zum 29. Oktober ist die vieldiskutierte Ausstellung Erzwungene Wege in Berlin im Kronprinzenpalast zu sehen. Sie hat mir doch etwas Unwohlsein bereitet: aus inhaltlicher Sicht, da die Kontextualisierung der dort aufgeführten Vertreibungen vollkommen fehlt bzw. stark verkürzt ist. Die Thematisierung der Vertreibungen jüdischer Menschen etwa wirkte auf mich wie ein Alibi. Und was wollen uns die Ausstellungsmacher sagen, wenn wahllos Fotos nebeneinandergelegt werden, auf dem man Flüchtende aus unterschiedlichen Zeiten und Orten (mit und ohne Handkarren, mit Schlitten, in einem Zug…) sieht?
Auch gestalterisch hat die Ausstellung mich nicht überzeugt. Der erste Raum, in dem es um die verschiedenen Vertreibungen im 20. Jahrhundert in Europa geht, wirkt wie ein an die Wand geklatschtes Buch. Überrascht hat mich, dass aber doch so viele, wirklich wunderbare Objekte präsentiert wurden – man müßte allerdings eher sagen: versteckt wurden. Sie sind im ersten Raum mit in die Schautafeln integriert, aber nicht an prominenter Stelle. In den anderen Raumen sind die Objekte in gestapelten Kisten versteckt. An für sich eine gute Idee. Leider passt sie nicht in diese Räumlichkeiten, und wenn es viel zu dunkel ist, um sie richtig zu betrachten und die Beschriftungen erst einmal gesucht werden müssen, halte ich diese Idee für verschenkt.

Mehr Informationen: was Zeit online, taz, Spiegelonline und der Hauptstadtblog darüber schreiben.

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