Geschrieben von Nina Gorgus am 18. Juli 2008 10:22
Es geht um ein heikles, aber wichtiges Thema: auch die sanitären Anlagen eines Museums sollten einem gewissen Niveau doch folgen. Neulich in Paris wollte ich vor dem Besuch der Ausstellungen zunächst einem dringenden Bedürfnis nachkommen. Also gehe ich ins Foyer und folge den Schildern. Hierzu muss die Treppen am Musik-Zylinder nehmen – die KennerInnen wissen nun natürlich, dass ich mich im Musée du quai Branly befinde. Ich gehe zwei Etagen die Treppe hinunter und komme auf einen schmalen, dunklen Gang. Hier erkenne ich die richtige Richtung an den Schlangen: vor beiden Toiletten steht jeweils eine halbe Schulklasse, hinzu kommen die anderen BesucherInnen. Ich schaue nach, wieviel Toiletten eigentlich da sind, um die Wartezeit einschätzen zu können. Vier Toiletten habe ich gezählt! Vier Damentoiletten in einem Museum, das Millionen gekostet hat! Vier! Müssen Stararchitekten nie aufs Klo? Da ich unten keine weiteren Hinweisschilder auf Toiletten gesehen hatte, begebe ich mich in die Ausstellung, in der Hoffnung, dort etwas zu finden. Der Weg ist auch ausgeschildert – doch mein Ziel wegen Sanierungsmaßnahmen geschlossen. Und die nächste Toilette befindet sich einen Stock höher, für die Treppe muss man wieder ein ganzes Stück zurückgehen… Es ist aber nochmals alles gut gegangen. Aber der Museumsbesuch erhält dadurch keinen optimalen Auftakt.
Geschrieben von Nina Gorgus am 17. Juli 2008 09:34
Dieser Tage groß in der Presse: Zwei Männer aus Niedersachsen können im Museum ihre Verwandten besuchen, die vor über 3000 Jahren gelebt haben. DNA-Analysen haben die Verwandtschaftsverhältnisse geklärt. Im Höhlenerlebniszentrum befindet sich das Museum, in dem nun gezeigt wird, wie Menschen in dieser Zeit – der Bronzezeit – gelebt haben. Doch es geht nicht nur um Vorfahren und Stammbäume: im zweiten Teil des Museums geht es um Geologie. Hierzu wurde ein Gang in den Fels gesprengt, in dem man die Steinformationen erklärt bekommt. Und schließlich kann man die Iberger Tropfsteinhöhle besichtigen. Klingt nach einem interessanten Ausflug!
Über das Museum hier in Welt online, hier die dpa-Meldung in der Süddeutschen, hier ein Interview in der Faz und hier gibt es was zu hören.
Geschrieben von Nina Gorgus am 16. Juli 2008 12:54

Museumswärter zu sein, ist anstrengend. Das weiss auch der Vater des Protagonisten von „Mein Herz so weiss“ von Javier Marias, Ranz, der im Prado arbeitet. Ranz hatte beobachtet, dass man die Aufpasser „fantastisch bezahlen und bei bester Laune halten müsse, denn von ihnen hänge nicht nur die Sicherheit und Bewachung, sondern schlicht die Existenz der Gemälde ab.“ Ranz hatte erkannt, dass ein Museumswärter, der zu lange Zeit mit dem selben Gemälde verbringt, Hassgefühle entwickeln kann. Deswegen veranlasste er, dass im Prado jeden Monat die Aufsicht den Standort wechselte. Ranz erzählte weiter, wie er eines Abends vor einem Gemälde von Rembrandt den Wärter Mateu antraf, der schon seit 25 Jahren auf die Bilder des Prado aufpasste. Nun stand dieser mit dem Feuerzeug in der Hand vor dem Gemälde und kokelte den Rahmen an – es handelte sich um das oben abgebildete Gemälde Artemisia – weil er die „dicke Kuh satt“ hatte und gerne einmal die Dienerin sehen wollte, die den Kelch reichte.
„Das ist ja das Schlimme“, sagte er, „dass es für immer so gemalt ist und wir nie wissen werden, was los ist, sehen Sie, Herr Ranz, es ist unmöglich, das Gesicht des Mädchen zu sehen oder zu wissen, was die Alte im Hintergrund soll, das einzige, was man sieht, ist die Dicke mit ihren verdammten Ketten, die nie den Kelch nimmt. Sie soll ihn verdammt noch mal austrinken, damit ich das Mädchen sehen kann, wenn es sich umdreht.“
Ja, und wie geht es weiter? Fackelt der Wärter das Bild noch ab oder nicht? Oder kann ihn Ranz daran hindern, ohne die Gefühle des Wärters zu verletzen? Und kann Mateu weiterhin Museumswärter im Prado sein?
Einfach selbst nachlesen in Javier Marias: Mein Herz so weiss. Ich habe die Ausgabe vom Heyne-Verlag in München von 1992 benutzt; die Begebenheit ist ab S. 133 zu lesen.
Geschrieben von Nina Gorgus am 7. Juli 2008 11:53

Auf diesem Stuhl hat man auf der Documenta letztes Jahr in Kassel sitzen können. Die Stühle waren Teil des Projekts Fairytale des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, der 1001 Stühle eigens aus seinem Land hatte kommen lassen. Hinterher wurden die Stühle verkauft.
Geschrieben von Nina Gorgus am 1. Juli 2008 13:27
Sehr bedenklich klingt das, was gerade in Moskau dieser Tage passiert: Da werden zwei Intellektuellen, Andrej Jerofejew, Kurator für zeitgenösssiche Kunst an der Tretjakow-Galerie in Moskau, und Juri Samodurow, Leiter des Sacharow-Zentrum für Menschenrechte in Moskau, der Prozess gemacht, weil sie eine Ausstellung organisiert und gezeigt haben. Laut Frankfurter Rundschau habe die Ausstellung, „“Hass und Feindschaft entfacht“ und Gläubige der orthodoxen Kirche absichtlich gedemütigt zu haben.“
Die Ausstellung hieß „Verbotene Kunst 2006„. Nur durch ein Guckloch konnte man Kunstwerke sehen, die zuvor aus verschiedenen Ausstellungen entfernt werden mussten. Die orthodoxe Kirche hat das Verfahren angestrengt; nun hat der Kurator für zeitgenössische Kunst, Andrej Jerofejew, auch in der Politik keine Lobby mehr, er muss die Galerie verlassen, so stand es heute in der FAZ, da er schon zuvor durch mehrere Kunst-Aktionen aufgefallen war. Die von ihm zusammengetragene Sammlung soll aufgelöst werden. Was für ein Armutszeugnis!
Hier steht dazu etwas in der Welt, hier in Spiegel Online.
Geschrieben von Nina Gorgus am 27. Juni 2008 13:58

Im Barcelona Chair, der im wiederaufgebauten deutschen Pavillon steht und der wie der Pavillon selbst von Ludwig Mies van der Rohe für die Weltausstellung in Barcelona 1929 konstruiert worden war, lässt es sich gut über die Gedanken des Meisters selbst reflektieren:
„Architektur beginnt, wenn zwei Backsteine sorgfältig zusammengesetzt werden. Architektur ist eine Sprache mit der Disziplin einer Grammatik. Man kann Sprache im Alltag als Prosa benutzen. Und wenn man sehr gut ist, kann man ein Dichter sein.“
(zit. nach David Spaeth: Mies van der Rohe. Der Architekt der technischen Perfektion. Stuttgart 1995 und Wikipedia)
Geschrieben von Nina Gorgus am 26. Juni 2008 12:15
Hamburg hat ein neues Museum – das Internationale Maritime Museum. Die Institution in der historischen Speicherstadt stützt sich auf die Sammlung des Springer-Verlegers Peter Tamm, der für Aufbau und Umsetzung von der Stadt Hamburg den Kaispeicher B erhielt sowie 30 Mill. Euro. Liest man nun die Berichte über die Eröffnung, so meint man, das von zwei unterschiedlichen Museen die Rede sei.
Beim Hamburger Abendblatt war alles eitel Sonnenschein. Da wird über die vielen tollen Objekte berichtet, da klopfen sich die Politiker – selbst Bundespräsident Köhler war anwesend – auf die Schulter. Alle freuen sich über die Erfüllung eines Kindheitstraumes. Die kleine Störung vor der Tür kann man hinnehmen: „Vor dem Museum demonstrieren eine Handvoll Menschen gegen die nach Ansicht der Kritiker unreflektierte Militärlastigkeit der Ausstellung.“ Denn: „Die oft kritisierte Sammlung von Kriegsschiffen aus allen Epochen sowie Handfeuerwaffen und Uniformen beschränkt sich wesentlich auf eine Etage“, so das Abendblatt. Ist also alles gar nicht so schlimm?
Till Briegleb von der Süddeutschen Zeitung scheint ein anderes Museum besucht zu haben:
„Was man dort nämlich faktisch lernen kann, ist, wer mit 196 Schiffen die meisten Versenkungserfolge in der Geschichte des U-Boot-Krieges vorzuweisen hat und wie toll die Kameradschaft auf einem deutschen Kriegsschiff der Nazizeit war.
Sachliche Information besteht aus unkritischer Kolonialgeschichte und ausführlichen Erinnerungen der kaiserlichen Admiralität, deren Ordensnachlass und Hutschachteln dazu noch prunkvoll inszeniert werden.
Statt die Gräueltaten der Herrenmenschen in Afrika und Europa zu dokumentieren, beschreibt die Ausstellung lieber in ermüdender Ausführlichkeit die technischen Details von Torpedos und Panzerschiffen. „
Sein Fazit ist:
„Die staatliche Unterstützung und die Würde, die der Bundespräsident dieser Eröffnung mit seiner Anwesenheit verleiht, sind angesichts des dubiosen Inhalts des Museums ein fatales Zeichen. Wenn Herrschaftsgeschichte wieder Opfergeschichte aus dem Museum verdrängt, ist Mahnung gefragt, nicht Salbung.“
Da hilft nur eines: selbst hingehen!
Hier ein Artikel in der Taz, hier kann man die Eröffnung im ZDF sehen, hier der Bericht auf Spiegel online und hier geht es um Aktionen von KünstlerInnen, die das Museum kritisieren.
Geschrieben von Nina Gorgus am 23. Juni 2008 14:20
Bewohnte Kunst Installation heißt das Projekt, das Sandip Shah seit 2002 in Darmstadt verfolgt. Der Ort ist eine schöne Ladenwohnung. Vorne, der große Raum mit Fenster zur Straße, ist das Wohnzimmer, in dem Sandip Shah regelmäßig befreundete KünstlerInnen präsentiert. Die Ausstellungen dehnen sich dann bis in die Küche und den Flur aus. Nun zeigt Sandip Shah seine Bilder, die sich mit dem Thema Überwachung auseinandersetzen. Hierzu nimmt Shah das Datenmaterial, das zahlreiche Kameras an verschiedenen Orten für ihn aufnehmen, vergrößert Videostills und transformiert sie auf große Leinwände. Die Bilder wirken auf den ersten Blick sehr bunt und erinnern zum Teil an Wärmebilder. Genauer betrachtet kann man dann menschliche Formen ausmachen. Wirklich beeindruckend!
In Antwerpen hat Shah in diesem Sommer vor, sein Projekt Sicherheitsbüro weiterzuführen. Und damit die DarmstädterInnen auch etwas von der Hafenstadt haben, werden Ausdrucke von Videostills, die Shah dort anfertigt, an die Scheibe der bewohnten Kunst Installation geklebt. Letzten Sonntag habe ich Menschen bei der Ausstellungseröffnung beobachtet. Im Hintergrund eines der leuchtenden Bilder von Shah.

Geöffnet ist die bewohnte Kunst Installation jeden ersten Sonntag im Monat zwischen 14 und 17 Uhr und nach telef. Vereinbarung.
Geschrieben von Nina Gorgus am 20. Juni 2008 12:16
Köng Lustik, so wurde der jüngste Bruder von Napoleon genannt, und zwar laut Wikipedia deswegen, da er nicht viel deutsch konnte außer „Morgen wieder lustig!“. Jerôme Bonaparte regierte von Kassel aus zwischen 1807 und 1813 das Königreich Westphalen. Er liebte die Selbstdarstellung, war ein Lebemann und Schürzenjäger, führte aber zugleich wichtige Reformen ein. So gilt er auch als einer der Wegbereiter der Demokratie. Die gleichnamige Landessausstellung im Fridericianum in Kassel würdigt nicht nur diese Aspekte. Die Ausstellung ist auch deswegen so interessant, weil sie ein Lehrstück über Kunstraub ist. Napoleon hatte alle größeren Sammlungen der Länder geplündert, die er bei seinen Feldzügen streifte. Die Bilder wurden erstmals im Louvre ausgestellt, dann an andere Museen weitergegeben und verkauft. In der Ausstellung werden die geklauten Bilder erstmals wieder in Kassel gezeigt – ergänzt von denjenigen, die als Ersatz in Auftrag gegeben worden waren. Die Ausstellung ist ein gute Gelegenheit, Kassel einmal außerhalb einer Documenta zu erleben…
Hr-online berichtet hier ausführlich darüber.
Geschrieben von Nina Gorgus am 18. Juni 2008 10:57

Leider, leider darf man sich hier nicht hinsetzen.
Gesehen im Jean-Paul-Museum in Bayreuth.