In Wien geht man in:

Geschrieben von am 30. Oktober 2011 18:31

Angelo Soliman. Ein Afrikaner in Wien im Wien Museum.

Soliman war der Name eines Schwarzafrikaners, ein Sklave, der im 18. Jahhrundert in Österreich Karriere machen konnte, und doch immer ein sogenannter „Wilder“ blieb. Nach seinem Tod wurde er nicht begraben, sondern in einer menschenverachteten Inszenierung mit Federn im kaiserlichen Naturalienkabinett ausgestellt. Die Bitten seiner Tochter, die eine Bestattung wünschte, blieben ungehört. Die Sammlung fiel später einem Brand zum Opfer, wie ich auf der Seite von afrikanet nachlesen konnte.

 

Dies ist eines der vielen Bilder, mit denen Soliman verbunden wird. In der Ausstellung im Wienmuseum geht es nun darum, auch einem Mythos auf die Spur zu kommen: „Soliman bleibt Projektionsfläche, je nach Perspektive der Betrachtung: Er ist Kuriosum und erfolgreicher Migrant, ewiger Sklave und bürgerlicher Aufsteiger, Vorbild und Märtyrer. In seiner Biografie sind Emanzipation und Zwangsassimilierung eng miteinander verwoben“, so heisst es auf der Internetseite.

Die presse.com berichtet hier darüber, auf Dradio gab es einen Beitrag und einen interessanten Beitrag auf der Seite von no-racism.net, der sich auf einen ORF-Beitrag im Vorfeld der Ausstellung bezieht.

Bilder, die heute keiner mehr kennt

Geschrieben von am 24. Oktober 2011 18:57

Das erfreut natürlich die Museologin: Grundrisse von Ausstellungen und Blicke in den Saal. Die Rede ist von der Seite  GDK Research – Bildbasierte Forschungsplattform zu den Großen Deutschen Kunstausstellungen 1937-1944 in München, die nun online gestellt wurde und einiges an Diskussionen ausgelöst hat. (Hier etwa in der FAZ ein schöner Artikel von Julia Voss).

Umstritten ist die datenbank deshalb, weil hier die staatlich geförderte Kunst der NS-Zeit vorgestellt wird. Thema sind die Großen Deutschen Kunstausstellungen, die zwischen 1937 und 1944 in München stattfanden.

Die Datenbank gibt nicht nur Auskunft über Bilder und Hängung, sondern auch, wer welche Bilder gekauft hatte: es handelte sich um Verkaufsausstellungen; über 12.000 Werke (darunter etwa auch Skulpturen) wurden insgesamt angeboten. Ein sehr interessantes zeitgeschichtliches Dokument, natürlich nicht ohne Brisanz. Frau Voss schreibt: „Wer die Datenbank benutzt, steigt in den Giftschrank der Kunstgeschichte, der toxische Substanzen enthält.“ – Brisanz übrigens in beide Richtungen, da sie ein heterogeneres Kunstverständnis der Nazis als bisher angenommen“ wie Projektleiter  Christian Fuhrmeister in Dradio sagte.

Die Datenbank lässt einen das leicht überprüfen, ist sie doch einfach zu verstehen; dabei sieht sie noch ganz ansprechend aus.

Fotografien aus dem Krieg

Geschrieben von am 21. Oktober 2011 19:48

Walter Benjamin wies 1931 in der Kleinen Geschichte der Photographie auf die Wichtigkeit von Legende und Foto hin: „Wird die Beschriftung nicht zum wesentlichen Bestandteil der Aufnahme werden ?“
Ohne Bildunterschrift versteht man ein Foto schlichtweg nicht (richtig). Bloß, woher die Legende nehmen, wenn nur noch Fotos oder Negative auffindbar sind? Dem Rätsel der Bilder gehen die Archives Normandes in Caen nach.

Es handelt sich um ganz besondere Bilder: das Fotoarchiv widmet sich dem Zwieten Weltkrieg, der deutschen Besatzung, der Befreiung und der Zeit danach. Es sammelt Bilder und stellt sie der interessierten Öffentlichkeit zur freien Benutzung zur Verfügung. – wenn man, wie oben, auf Herkunft und Urheber verweist.

Aber das Archiv möchte noch mehr: mit Hilfe von interessierten (Foto-)historikern im www sollen Fotos ohne Legenden aus der Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder kontextualisiert werden. Dies geschieht auf Flickr: Ziel von PhotosNormandies ist es, Bilder, die zwischen dem 6. Juni und Ende August 1944  (also ab der Landung der Alliierten, dem sogenannten D-Day) mit möglichst vielen Informationen zu versehen. Dieses Projekt ist seit 2007 online und wird stetig erweitert.

Auf nach Dresden!

Geschrieben von am 17. Oktober 2011 23:51

Nun ist es geschafft: das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden hat das äußerst erfolgreiches Eröffnungswochenende hinter sich. Wer noch nicht da war bzw. erst seine Reise plant,  kann zumindest mal die neue Internetseite des Museums anschauen und über das Eröffnungsprogramm staunen: heute war der Direktoren-Walk dran, morgen gibts ein kommentiertes Militärkonzert. Gerne würde ich morgen abend zur Diskussion über künstlerische Interventionen im Museum

Auch an den vielen Beiträgen kann man sich bereits erfreuen, die die Eröffnung feiern. Hier erzählt Projektleiter Gorch Pieken etwas über das Projekt in Deutschlandradio und die Hinwendung zur Kultur- und Sozialgeschichte.

Andreas Kilb zeigt sich in der FAZ recht angetan und Burkhard Müller schaut sich für die  Süddeutschen Zeitung das neue Haus an.

Tagen in Graz

Geschrieben von am 7. Oktober 2011 22:01

Das Landeszeughaus, die Museumsakademie, und ICOMAM hatten zur Tagung „Does war belong in Museums? The Representation of Violence in Exhibitions“ geladen, und sehr viele Teilnehmer/innen kamen Ende September nach Graz, um darüber im internationalen Kreis zu diskutieren. Auch der Grazer Flughafen ist ganz auf das Thema eingestimmt.

 

Das Tagungsprogramm war dicht und gut verwoben – Drahtzieher hierfür war Gottfried Fliedl.

Den Auftakt bildete die Theorie und hier legte der keynote speaker Jay Winter, der Experte für die Musealisierung des Ersten und Zweiten Weltkriegs eine gute Basis. Er präsentierte eine Übersicht über Museumspraktiken in den letzten Jahrzehnten und bereicherte die  Diskussionen der folgenden Tage erheblich.

Auf ein paar Aspekte möchte ich hier kurz eingehen. Interessant fand ich vor allem die Präsentation von Museen, die gerade entstehen bzw. sich verändern. So können wir demnächst im Zeughaus in Solothurn eine neue Sicht auf alte Rüstungen erwarten. Dass man auch in einem Panzermuseum Anschluss an die Kultur- und Sozialgeschichte suchen kann, ja sollte, machte der wissenschaftliche Leiter Ralf Raths eindrücklich klar. Das Museum in Munster, das sich, wie der Name schon sagt, Panzern widmet, befindet sich in einer Umorientierungsphase. Das hat Dresden schon hinter sich: Gorch Pieken stellte das Militärhistorische Museum der Bundeswehr vor, das so ganz mit den übrlichen Praktiken bricht. Die BesucherInnen erwartet keine der übliche Waffengalerien, wie sie etwa im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien oder im Armeemuseum in Paris zu sehen sind. Ob das Konzept tatsächlich aufgeht, die Kulturgeschichte der Gewalt auszustellen, können wir schon nächste Woche selbst überprüfen: am 14. Oktober ist Eröffnung.

Spannend war auch der Vortrag von Susanne Hagemann aus Berlin, die sich in deutschen Stadtmuseen umgeschaut hat und eine museologische Kanonisierung des Zweiten Weltkriegs festgestellt hat:  Zum üblichen Repertoire gehören zum Beispiel Hitlerbüste, ein Modell der jewiligen zerstörten Stadt, und vor allem: eine Bombe, gerne liegend.

Aus der Schweiz, genauer aus dem Museum zu Allerheiligen, stammt diese Bomben-Präsentation.

Auf der Tagung wurde vor allem eines deutlich: nationale Strategien spielen in den militärgeschichtlichen Museen eine besondere Rolle. Gerne beschäftigt man sich auch mit den abgeschlossenen, bereits historisierten Kriegen. Waffen und Rüstungen aus den früheren Jahrhunderten werden gerne ästhetisierend gezeigt;

Die Frage der Tagung konnte natürlich nicht eindeutig beantwortet werden; es waren sich aber doch fast alle einig, dass Krieg natürlich ins Museum gehört. Doch wie soll er dargestellt werden? Das Historial in Peronne, das den Ersten Weltkrieg aus drei Perspektiven (der ehemaligen Gegner) zeigt, galt auch hier als Ideal  – das aber doch bislang keine nachhaltigen Wirkung auf andere Museen hatte. Vielleicht ändert sich das jetzt etwas mit Dresden?

 

 

 

 

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