Geschrieben von Nina Gorgus am 3. April 2007 10:22
Frankfurt am Main und der Detektiv Matula – das gehört schon seit gefühlten Jahrzehnten zusammen. In einer Folge von „Ein Fall für zwei“, die am 1. Juni im ZDF ausgestrahlt wird, wird nun mit dem Senckenbergmuseum auch ein Mammut der Museumswelt in Szene gesetzt. Zwischen Saurier-Skeletten und Säbelzahntiger geschieht ein Mord; wie Matula den Täter ermittelt und direkt vor der Vitrine mit der riesigen Anakonda überführt, kann man sich schon jetzt gut vorstellen.
Was Events im Museum anbelangt, ist das Senckenberg gut positioniert: Zuletzt fand hier die Deutschlandpremiere des US-Films „Nachts im Museum“ statt; – die nächtlichen Museums-Touren, die es dann im Zusammenhang mit diesem Event gab, waren sofort ausgebucht. Ab dem 1. Juni werden dann im Senckenberg wahrscheinlich Detektiv-Spiele angeboten.
Gelesen in der Frankfurter Rundschau.
Geschrieben von Nina Gorgus am 5. März 2007 11:05
Eine Forschergruppe aus Leipzig hat einen Preis für eine Software bekommen, die das Mobiltelefon in einen Audioguide verwandelt: Im Museum lädt der Besucher mittels Bluetooth ein Programm, das dann nach Belieben wie bei einem herkömmlichen Audioguide abgerufen werden kann. Angesichts der technischen Weiterentwicklung der Handys sind neben Hörstücken auch Bilder und Videos denkbar. Man kann die Informationen mit nach Hause nehmen, nochmals anschauen oder lesen oder einfach wieder löschen.
Informationen zum GuideIT von der Forschergruppe aus Magdeburg finden sich hier.
Geschrieben von Nina Gorgus am 3. November 2006 12:17
Man kennt sie ja, die Listen, die vorzugsweise Boulevardblätter erstellen: die 100 erotischsten Frauen oder Männer, die schlechtangezogensten usw. usw.
Interessant ist, dass die Kunstzeitschrift „Art Review“ eine Liste herausgibt mit den 100 mächtigsten Personen im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Auf Platz 1 steht ein Franzose: François Pinault, Kaufhausbesitzer und Kunstliebhaber, der im April seine immense Sammlung von Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in Venedig im Palazzo Grassi präsentierte.
Interessant ist auch der letzte Platz auf der Liste: ihn nimmt keine Person ein , sondern die Bildersuchmaschine von Google. Sie dient den mächtigen und noch nicht so mächtigen Menschen im Museums- und Ausstellungsbereich als das Recherchemittel, um die Kunst überhaupt lokalisieren zu können.
Gelesen in der Welt.
Geschrieben von Nina Gorgus am 5. September 2006 09:41
Don Alphonso macht auf seinem Blog Rebellen ohne Markt einen bedenkenswerten Vorschlag für das Zentrum gegen Vertreibungen von Frau Steinbach in Berlin, als er in einem ungenannten Ort in Bayern ein Vertriebenen-Museum entdeckt, das von Steuergeldern betrieben wird, einen „halben Tag“ im Monat geöffnet hat und in das offensichtlich niemand hineingeht:
„Man sollte Steinbach uns Konsorten ihr bescheuertes Zentrum zur Bewichsung einer nicht mehr existierenden, ihnen im Grunde völlig gleichgültigen Heimat geben. Irgendwo in Berlin, in einem möglichst hässlichen DDR-Verwaltungsbau. Sollen sie doch die Geschichte aus ihrer Sicht erzählen, mit ein par öden Photos von Leuten, die 1938 zu 90% für Hitler waren, ein paar öde Trachten dazu und ein paar Karten mit Städtenamen, die heute nicht mehr relevant sind. Sollen sie es selber zahlen, und dann schaun wir uns in einem Jahr mal die Besucherzahlen an. Und dann unterhalten wir uns über die Notwendigkeit dieser Organisationen als Standartenträger für eine Geschichte, die sicher mies und eklig war, aber nach all den Entschädigungen, Transferleistungen und Nibelungentreueschwüren nur noch ein ekliger politischer Skandal zugunsten rechter Parteien ist.“
Auf Zeitgeschichte-online sind viele Materialien über das Zentrum gegen Vertreibungen zu finden.
Geschrieben von Nina Gorgus am 15. August 2006 12:24
Seit einiger Zeit bin ich nun Mitglied im Deutschen Museumsbund. Der direkte Anlass war die Mai-Tagung 2006 in Leipzig gewesen. Dafür hatte es sich aber leider gar nicht gelohnt, da die Vorträge und Diskussionen durchweg überhaupt nichts Kluges, Interessantes oder gar Neues brachten. Es mag sein, dass auf solchen Treffen allerlei wichtige Entscheidungen fallen, weil hier sehr wichtige Menschen zusammenkommen und in einen wichtigen informellen Austausch treten. Mir kam das Ganze eher vor wie ein großes Klassentreffen aller im Museum festangestellter Beschäftigten, die noch eine Dienstreise frei hatten. Mit einer Ausnahme: sehr verheißungsvoll fand ich den Vortrag von Volker Mosbrugger, seit 2005 Direktor des Naturmuseums Senckenberg in Frankfurt, weil er als einziger in einer soliden Power-Point-Präsentation ganz einfach aufgezeigt hat, woher das Museum kommt, was die Ziele sind und wie sie erreicht werden sollen – ohne die Floskeln, „man könnte“ oder „man sollte“ oder „wenn wir nur mehr Geld, Personal, Räumlichkeiten etc hätten…“ zu benutzen.
Nun ist das neue Museumskunde-Heft da, das ich als Mitglied auch bekomme. Darin geht es um „Neue Präsentationsformen in Naturkundemuseen“, also um eine Bestandsaufnahme. Zumeist handelt es sich um die Publikation von im November 2005 in Görlitz gehaltenen Vorträge; das Heft ist also relativ aktuell. Ich denke, man bekommt wirklich einen Eindruck davon, was in den Naturkundlichen Museen derzeit läuft. Besonders gut gefällt mir der Aufsatz von Ulrike Stottrop vom Ruhrlandmuseum in Essen, weil sie sehr schön zeigt, wie verschränkt Natur und Kultur gesehen werden muss und wie spannend das Ganze umgesetzt werden kann.
Geschrieben von Nina Gorgus am 31. Juli 2006 10:19
In der FAZ vom 29. Juli 2006 musste ich diesen Satz aus der Ausstellungsrezension mit dem Titel „Komponistenkummer“ von Michael Gassmann gleich mehrmals lesen:
Zitat aus der FAZ, S. 39:
„Die Einweisung in die Irrenanstalt am 4. März 1854 nach dem Selbstmordversuch mitten im lauten Düsseldorfer Karneval bedeutete, so könnte man sagen, einen letzten radikalen Rückzug ins Private.“
Die Rede ist von Robert Schumann, und man weiss jetzt nicht, was schlimmer war: der Selbtsmordversuch „mitten im lauten Düsseldorfer Karneval“ oder die Einweisung in die Irrenanstalt „mitten im lauten Düsseldorfer Karneval“. Den „Rückzug ins Private“ führt Gassmann immerhin noch weiter aus. Wie und warum der Komponist überhaupt nach Düsseldorf kam, ist nicht klar, ist im Satz davor doch von Endenich die Rede (heute ein Stadtteil von Bonn). War etwa die Irrenanstalt in Endenich? Der Satz ist typisch für die Ausstellungsrezenison über zwei Robert Schumann-Ausstellungen in Bonn – wie ich sie eigentlich nicht lesen möchte: sehr viel Details aus Schumanns Leben, die Kennern bestimmt sehr wohl bekannt sind, anderen (wie mir) aber nicht und die auch nicht sortiert werden. Ich habe nichts gegen Texte mit hohem Niveau – aber eine Ausstellungsrezension soll doch auch auf eine Ausstellung neugierig machen, oder? Was mich natürlich auch interessiert, ist die Gestaltung und die Dramaturgie der Ausstellung. Dazu kein Wort, bzw. ein Halbsatz zu den Örtlichkeiten einer der Ausstellungen. Dass der Inhalt auch verpackt ist und bei Ausstellungen die Gestaltung immer, eigentlich immer mehr eine Rolle spielt, scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben. Dazu ein kleiner Tip: Wie man Ausstellungen besprechen kann, hat der Museologe Friedrich Waidacher in kompakter Form schon vor Jahren ins Netz gestellt, unter:
ausstellungen_besprechen.pdf
Geschrieben von Nina Gorgus am 20. Juli 2006 12:30
In Frankfurt am Main wird es künftig ein eigenes Haus für die bislang im Historischen Museum untergebrachten Karikaturen geben. Ganz bescheiden strebt man den Titel „Deutschen Karikaturenmuseum“. In der Tat gibt es in Deutschland so viele Werke – nämlich um die 5000 – der Neuen Frankfurter Schule nur hier. So hat Robert Gernhardt noch kurz vor seinem Tode dem Museum seine Bilder überlassen. Es sollen wohl auch Werke aus dem 19. Jahrhundert, die sich zur Zeit noch in der Sammlung des Historischen Museum befinden, dem neuen Museum zugeschlagen werden. Geplant war dies schon eine Weile, der neue Kulturdezernent Semmelroth macht nun seine erste Amtshandlung draus. Untergebracht wird die Institution im Leinwandhaus – ein gotisches Steinhaus aus dem 14. Jahrhundert, das nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg aber wohl einigermaßen originalgetreu wieder aufgebaut wurde, wie Wikipedia weiss und das seinen Namen aus der Zeit hat, also dort Leinwand, Garn und ähnliches aufbewahrt wurde. Weichen müssen dafür: die Kommunale Galerie – diese wird aufgelöst; (ob das ein Verlust ist, kann ich nicht beurteilen, ich hatte noch nie von ihr gehört) und das „Fotografie Forum International“, das kleine, feine Ausstellungen macht. Dieses soll in ehemalige Behördenräumlichkeiten ziehen, wohin genau, ist noch unklar.
Die Frankfurter Rundschau hat darüber berichtet.