Geschrieben von Nina Gorgus am 8. Februar 2008 15:42
Wie viele Menschen mehr ins Museum gehen, wenn es keinen Eintritt kostet und warum dies auch deutsche Museen einführen sollten, beschreibt Hanno Rauterberg im Artikel „Schafft die Eintrittsgelder ab!“ in der ZEIT. Interessant ist etwa sein Hinweis, dass Eintrittsgelder nur zwischen fünf bis zehn Prozent des gesamten Etats einbringen. In der Stuttgarter Staatsgalerie sind es sogar nur zwei Prozent und in Magdeburg spart man nun sogar noch mit der Abschaffung des Eintrittes Geld ein. Interessant ist auch der Hinweis, dass etwa in England der freie Eintritt nicht nur andere Bevölkerungsschichten anzieht, sondern auch den ständigen Sammlungen wieder interessierte BesucherInnen verschafft, da der Besuch von Sonderausstellungen weiterhin Geld kostet.
Geschrieben von Nina Gorgus am 6. Februar 2008 10:33
Die Gegenwart des Museums für Angewandte Kunst in Köln klingt nach einem langanhaltenden Aschermittwoch. Wie Museumsarbeit unmöglich gemacht wird, indem Wissenschaftlerinnen ausgebootet, Politiker Ausstellungen absagen und lieber gleich mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, beschreibt Andreas Rossmann in FAZ.net mit dem Titel „Unschöne Kröten, Seele verkauft“.
Geschrieben von Nina Gorgus am 16. Januar 2008 11:10

2003, als der militärische Vergeltungsschlag der USA im Irak begann, zeigte sich die Welt nicht nur besorgt um Menschenleben, sondern auch um die Kulturgüter des Landes, die dabei zerstört wurden. In einer Pressemeldung des Deutschen Museumsbundes von 2003 hieß es damals:
Das deutsche Nationalkomitee des Internationalen Museumsrates (ICOM), das europäische Regionalkomitee von ICOM und der Deutsche Museumsbund sind empört über die Plünderung und Zerstörung in Museen, archäologischen Stätten und an historischen Monumenten im Irak. „Die Vorfälle im Irakischen Nationalmuseum in Bagdad zum Beispiel kommen einem kulturellen Supergau gleich“, kritisiert Dr. Martin Roth, Präsident des Deutschen Museumsbundes. „In einem von so langer Hand geplanten Krieg hätten die alliierten Truppen eine Plünderung verhindern können und diese Kulturinstitution schützen müssen! Dieser Krieg hat zwar die Sicherung der Ölvorräte berücksichtigt, aber die kulturelle Wiege der Menschheit nicht einbezogen“.
Wie das Wall Street Journal im Oktober 2007 meldete, soll diesem Mißstand – nach über vier Jahren! – nun Abhilfe geschaffen werden, und zwar mit – Spielkarten (siehe Foto, das von hier kommt). Diese werden an die US-Truppen im Irak und in Afghanistan verteilt. Auf jeder Spielkarte ist ein Foto ein Denkmal oder ein Objekt abgebildet und kurz beschrieben, weshalb es erhaltenswert sei. Auf der Rückseite steht das Logo: „Respect Iraqi and Afghan Heritage“. Die Herzdame ist mit folgenden Spruch versehen: „Ancient sites matter to the local community. Showing respect wins hearts and minds.“ Ob das hilft?
Geschrieben von Nina Gorgus am 17. Dezember 2007 13:43
Gut gefallen hat mir ja der etwas polemische Artikel von Dieter Bartetzko in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 15.12.2008 über das „Museum als Scherbengemeinschaft“. Anlass war natürlich der chinesische Skandal im Hamburger Völkerkundemuseum. Bartetzko wertet die falschen Terrakotta-Figuren in einem Museum nicht als Einzelfall bzw. er wundert sich nicht sonderlich darüber, da Event heute zum Tagesgeschäft zähle, und echt oder unecht eigentlich nicht mehr die wichtigste Frage sei. Er erinnert an längst übliche Praktiken in der Ausstellungsszene, die die „Schau als Show“ vermarkten: so die Körperwelten eines Gunter von Hagens oder Ausstellungsplakate, die mit der „barbusigen Mamor-Venus als Pin-up-Girl“ werben. Schön ist auch der Satz der Firma, die diese Ausstellung der chinesischen Krieger auf den Weg schickte – als „authentische Scherbenfiguren aus Originalmaterial“. Da kann man nun lange rätseln, wie das zusammengeht.
Interessieren würde mich nun, wieviele BesucherInnen der Hamburger Ausstellung vom Angebot des Museums für Völkerkunde Gebrauch machen, den Eintrittspreis zurück zu erhalten.
Geschrieben von Nina Gorgus am 26. November 2007 15:13
Man stelle sich vor: eine Gruppe von gutsituierten, in bürgerlichen Berufen tätigen Personen dringt nachts in die Alte Nationalgalerie ein und kümmert sich um die Bilder, die dringend restauriert werden müssen, für die aber kein Geld da ist. So geschehen in Paris: Dort drang die Gruppe mit dem hübschen Namen Untergunther, die zum Ziel hat, „das unsichtbare Kulturerbe zu restaurieren“, in den Panthéon ein – also dort, wo die ganz Großen der Nation ruhen dürfen. Im Pantheon ließen sie sich nach der Arbeit – als Krankenschwester oder Rechtsanwalt – nieder, brachten zusammenklappbare Möbel wie Sessel, Tische und Stühle mit, vergaßen auch die Kochplatten für das Diner mit Aussicht nicht. Danach widmete man sich der Restaurierung einer verrosteten Turmuhr von 1850, die aus unbekannten Gründen seit 1965 nicht mehr ging und in Vergessenheit geraten war. Nach einem Jahr war die Uhr unter der Anleitung eines Uhrmachers fachgemäß restauriert und die Gruppe fand es an der Zeit, den Leiter des Panthéon zu informieren. Der war natürlich, milde gesagt, etwas erstaunt, ebenso wie die vorgesetzte Behörde, das Centre des Monuments nationaux. Das Centre versuchte, mit Strafanzeigen die Gruppe vorzugehen, die Klagen wurden aber bis jetzt alle abgewiesen. Neben des widerrechtlichen Eindringens ließen sich die Richter anscheinend von der unentgeldlichen Restaurierung des vergessenen Kulturerbes Uhr beeindrucken. Die Uhr ist nun zwar in Stand gesetzt, geht aber immer noch nicht, auch wenn der Mechanismus wieder funktioniert und die gute Qualität der Restaurierung bescheinigt ist. Offensichtlich fühlt sich der Panthéon durch eine funktionierende Uhr noch mehr kompromittiert. Denn wie sollte der Wortlaut auf dem Schild lauten, das man normalerweise unter solch gesponserten Dienstleistungen hängt? Etwa so: „Urbane Piraten restaurierten zwischen 2005 und 2006 nachts diese Uhr, ohne dass irgendjemand etwas davon gemerkt hätte.“
Gelesen in Le Monde und hier gibt es einen Artikel auf Timesonline.
Geschrieben von Nina Gorgus am 1. August 2007 11:13
Das statistische Jahrbuch der Stadt Frankfurt am Main von 2006 gibt einfach Auskunft über alles. Für uns interessant sind natürlich die Besucherzahlen der Museen. Hier liegt die Schirn-Kunsthalle ganz vorne (313 036) gefolgt vom Senckenberg (295 274) BesucherInnen. Interessant sind die Zahlen des Struwwelpeter-Museums: das Museum gibt für 2002- 2005 jährlich 50 000 BesucherInnen an! Dieses – erfolgreiche – Museum, das nicht einmal eine eigene Internetseite hatte, fusionierte im Februar 2007 mit dem vormaligen Heinrich-Hoffmann-Museum. Erstaunlich sind die Besucherzahlen im Museum für Weltkulturen: Waren es 2003 und 2004 um die 52 ooo, so haben sie sich 2005 auf knapp 104 000 verdoppelt. Die F.A.Z. vom 30. Juli hat im Museum nachgehakt: Man zählt nun die Personen mit, so die Auskunft des Museums, die sich während der Veranstaltungen wie Museumsuferfest und Nacht der Museen auf dem Gelände des Museums aufhalten (hinter den Museums-Gebäuden sind Parkanlagen), halbiert diese Zahl und fügt sie der Besucherstatistik hinzu.
Geschrieben von Nina Gorgus am 21. Juni 2007 11:04
Schöne Meldung aus Kassel inmitten der Meldungen über die Schäden, die die Gewitter gestern und heute mit sich brachten:
„Bereits am Mittwochnachmittag hatte es in Nordhessen schwere Unwetter gegeben. Dabei war auch ein Kunstwerk der laufenden Documenta in Kassel zerstört worden. Das etwa acht Meter hohe, turmähnliche Gebilde „Template“ des chinesischen Künstlers Ai Weiwei in den Fuldaauen stürzte ein. Der Einsturz erfolgte dabei „auf erstaunlich ästhetische Weise“, wie Documenta-Sprecherin Catrin Seefranz sagte. Niemand sei verletzt worden. Der Künstler finde sein Kunstwerk jetzt schöner als zuvor und wolle es nicht wiederaufbauen lassen.“
„Auch der Preis hat sich soeben verdoppelt“, meinte Künstler Ai Weiwei noch. Wofür so ein Unwetter alles gut sein kann!
Gelesen hier und hier in der Frankfurter Rundschau online.
Geschrieben von Nina Gorgus am 22. Mai 2007 10:38
„Auf zur Parade der Augenschmeichler und Lieblingsbilder“, so heißt der Titel des Artikels von Heinrich Wefing (FAZ vom 19.5.2007) über die geplante Impressionisten-Ausstellung des Metropolitan Museum aus New York in Berlin. Es ist die zweite Auflage in der Neuen Nationalgalerie, und man wäre enttäuscht, so Wefing, wenn nicht mindestens ebenso lange Schlangen wie bei der MoMa-Ausstellung 2004 zustande kämen. Die Rechnung könnte aufgehen, geht es doch dieses Mal darum, Bilder französischer Impressionisten, die hinreichend bekannt sind, an die Wände zu hängen und als „originären amerikanischen Blick auf den französischen Impressionismus“ zu verkaufen. Was daran interessant sein soll, weiß Wefing auch nicht; für ihn klingt alles nach einem „kunsthistorischen Alibi“: „Nicht zufällig haben die Amerikaner die eigentlich naheliegende Idee, die exquisite New Yorker Auswahl einmal für vier Monate mit den wunderbaren Berliner Impressionisten zu einer einzigen, geradezu enzyklopädischen Gesamtkomposition ineinanderzuschieben, als gute Kaufleute energisch abglehnt: „Met“ muss „Met“ bleiben, das Profil der eigenen Marke darf nicht durch Zugaben verwischt werden.“
Die Berliner machen nun ihre eigene Impressionisten-Schau in der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel.
Halb Berlin ist anscheinend schon mit Plakatwerbung vollgekleistert, die mit schön-altmodischen Luftpostumschlägen mit einem Rand in bleu-blanc-rouge daherkommt. Einen Eindruck davon kann man sich auf der website machen. Mein Geschmack ist es nicht, obwohl die Seiten übersichtlich und mit einigen netten Tricks versehen sind.
Geschrieben von Nina Gorgus am 16. Mai 2007 11:38
Wirklich wunderschön anzuschauen ist der Katalog zur Biedermeier-Ausstellung „Die Erfindung der Einfachheit“, die ab dem 8. Juni im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen ist. Der Hauptgrund dafür sind die Fotografien, die die Objekte genial inszenieren und ungewöhnliche Detailblicke bieten, aber auch lange Fotostrecken. Lois Lammerhuber aus Wien hat die Fotografien gemacht; das einfallsreiche und ästhetisch-schlichte Layout stammt von Kathy Frederickson und Garett Niksch (Studio Blue) aus Chicago. Ob die Objekte in der Ausstellung auch so schön anzuschauen sind?
Wenn man den (gebundenen) Katalog zu Hause haben möchte, braucht man indessen viel Muskelkraft, denn er wiegt schätzungsweise 4 Kilo. Für 49,80 Euro ist der Band nicht gerade günstig, angesichts der vielen farbigen Abbildungen ist der Preis aber gerechtfertigt. Die broschierte Museumsausgabe ist wohl günstiger und auf alle Fälle leichter.
Gerade ist der Katalog mit dem weltweit höchstdotierten Preis (25.000 Euro) für Kunstbücher, dem viennaartbookaward, ausgezeichnet worden.
Katalog:
Biedermeier. Die Erfindung der Einfachheit. Hrsg. von Hans Ottomeyer, Klaus Albrecht Schröder, Laurie Winters, Ostfildern 2006.
440 Seiten, 415 farbige Abb., erschienen bei Hatje und Cantz, , 49,80 Euro (Leinen)
Ausstellung:
Milwaukee Art Museum 16.9.2006–1.1. 2007 · Albertina, Wien 2.2.–13.5.2007 · Deutsches Historisches Museum, Berlin 8.6.–2.9.2007 · Musée du Louvre, Paris 15.10.2007–15.1.2008
Geschrieben von Nina Gorgus am 14. Mai 2007 13:41
Sehr schönes Zitat gefunden in einem Interview mit Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, im Lufthansa Magazin 4/07:
„Wie soll verantwortungsvolle Museumsarbeit funktionieren, wenn ich die Hälfte meiner Spezialisten entlassen soll? Wir dürfen Restauratoren – und Wissenschaftlerstellen nicht mehr besetzen! Gleichzeitig werden uns die Einkünfte, selbst die Drittmittel, abgezogen. Statt uns wirtschaftlich mit dem Geld arbeiten zu lassen, nimmt man es uns weg. Das ist, als ob Sie von einem Konditor eine perfekte Auslage im Schaufenster verlangen, gleichzeitig streichen Sie ihm in der Backstube das Mehl und die Rosinen, entlassen die Bäcker und lassen die Torten von Hilfskräften backen. Es geht nicht mehr um den Zuckerguss! Sondern um das tägliche Brot.“