Ausverkauf der Museen?

Geschrieben von am 14. Dezember 2009 13:43

Heute im Fernsehen: Tabubruch oder Problemlösung? – Diskussion um Verkauf von Museumsbesitz, zu sehen in der Sendereihe des Kulturjournal im NDR. Auslöser ist die Situation in Hamburg – die Kunsthalle steht vor einem finanziellen Engpass, und der Stiftungsrat hat den Direktor Gaßner damit beauftragt, eine Liste von „entbehrlichen Kunstwerken“ aufzustellen, die verkauft werden könnten.
Darum geht es heute im Kulturjournal. Auf der Seite des NDR heisst es in der Ankündigung:

„Plötzlich scheint das Undenkbare möglich: der Verkauf von Kunstwerken aus Museumsbeständen. In Hamburg wird eben diese Option heftig diskutiert. Der Stiftungsrat der Kunsthalle befürwortet die Veräußerung einzelner Werke, um die Finanzlöcher des Museums zu stopfen. Demgegenüber schließt der Direktor der Kunsthalle, Hubertus Gaßner, im Kulturjournal den Verkauf von Werken kategorisch aus. Doch warum sollen Museen grundsätzlich Teile ihres Bestandes nicht verkaufen dürfen? Wäre das tatsächlich ein kultureller Sündenfall, wie vor allem Museumsleute meinen – oder vielleicht doch eine Lösung von immer dringlicher werdenden Finanzproblemen? Das Kulturjournal diskutiert diese Grundsatzfrage mit dem Leiter des Deutschen Museumsbundes, Michael Eissenhauer und zeigt, wie unterschiedlich die Institutionen in Norddeutschland damit umgehen.“

Die Sendung läuft heute um 22.30 Uhr im NDR.

Hier kann man über das Hamburger Problem nachlesen, sozusagen symptomatisch für Deutschlands Museen: ein Gastbeitrag der Kultursenatorin Karin von Welck im Hamburger Abendblatt, ein Artikel in der Welt und ein Interview mit dem ehemaligen Kunsthallendirektor Schneede im Deutschlandfunk.

Politisch ausstellen

Geschrieben von am 22. September 2009 09:53

„Politisch schwer korrekt“ nennt die NZ-Online die Ausstellung El Dorado. Über das Versprechen der Menschenrechte, die letzte Woche in der Kunsthalle Nürnberg eröffnet wurde. Die Ausstellung findet im Rahmen des Themenschwerpunkts Alles was recht ist! Menschenrechte des KunstKulturQuartier statt.

Zu sehen sind Werke von 16 KünstlerInnen aus verschiedenen Ländern. Diese nehmen sich mit ihren eigenen Stilmitteln dem Thema an, prangern nicht plakativ Menschenrechtsverletzungen an, sondern nähern sich eher subtil von verschiedenen Seiten an. Dazu heisst es auf der Ausstellungsseite:
„Gemeinsam ist allen Positionen der Ausstellung, dass sie nicht versuchen, Konflikte zu illustrieren oder Menschenrechtsverletzungen zu visualisieren. Vielmehr bieten sie durch ihren Reichtum an psychologischen und formalen Schattierungen einen neuen Zugang zum Thema.“

Videos, Installationen, Fotoarbeiten oder Skulpturen erklären sich zum Teil aber nicht von selbst. So empfängt die Besucherin die wuchtigen, blockartige Installation „The Trial of Henry Kissinger“ von Eva Grubinger, die die Architektur des Internationalen Gerichtshofs von Den Haag zitiert. Man darf auch ausprobieren: die Gruppe U.R.A./Filoart setzt sich mit der allgegenwärtigen Videoüberwachung auseinander. In ihrer Installation kann man sich eine Art verkabelte Kopfhörer aufsetzen, die bewirken, dass man von Überwachungskameras nicht mehr gesehen wird.

Subtiler wird es hier: Eigentlich schön anzusehen sind die Tintenstrahldrucke von ÖzlemGünyol/Mustafa Kunt, die man mit weißen Handschuhen ausgerüstet, in einem großen Buch anschauen kann. Sie zeigen verschiedene graphische Muster – die Vergrößerungen von Wasserzeichen auf Ausweisen.

Oliver Boberg überzeugt mit seinen fotografischen Annäherungen. Er hat Miniatur-Slums gebaut und diese dann sehr ästhetisch in Szene gesetzt.

Die Räume sind insgesamt großzügig inszeniert. Da sich manches nicht von selbst erklärt, ist man mit einem Flyer gut ausgerüstet. Die Gruppenausstellung lohnt sich: sie ist politisch, kommt aber nicht mit der moralischen Keule, sie bietet viele Annäherungen, die kurzweilig sind.

Schwer korrekt ist auch der Katalog: er erscheint auf englisch und auf deutsch für 24 Euro.
Die leider etwas dunklen Bilder sind von der Eröffnung.

Es darf gelacht werden

Geschrieben von am 26. August 2009 14:08

Linz in Oberösterreich, einst vor allem für seine Stahl- und Chemieindustrie bekannt (berüchtigt) ist heuer europäische Kulturhauptstadt. Gelegenheit also, mit dieser von Touristen bisher eher links liegen gelassenen Stadt Bekanntschaft zu schliessen. Die frühere übel riechenden Abgaswolken aus den Fabriksschloten sind ja bereits seit längerem von der „Klangwolke“ abgelöst worden und der niedergehenden Schwerindustrie hat die Stadt mit zukunftsträchtigen Techniken und Hinwendung zum zeitgenössischen Design gekontert. Die „ars electronica“ wurde zu einem internationalen Begriff. Lesen Sie den Rest des Beitrags »

Kunst in der Toskana

Geschrieben von am 18. Juni 2009 12:35

Man muss sich schon Zeit nehmen, möchte man alle Installationen sehen, die auf dem Gelände von 16 Hektar ausgestellt sind: Il Giardino di Daniel Spoerri beherbergt seit 1997 Skulpturen und Installationen von über 40 KünstlerInnen; darunter viele Arbeiten von Hausherr Daniel Spoerri selbst.

Wir besuchten den Park an einem heißen Sommertag. Als Besucherin wird man mit einem Plan ausgestattet, der einen Rundgang empfiehlt. Am spannendsten ist es aber, sich einfach überraschen zu lassen. Da biegt man zum Beispiel um’s Eck und sieht im Gebüsch das Pariser Hotelzimmer, das Spoerri in den 1960er Jahren bewohnte – nun für ewig in Bronze gegossen.

Manche Skulpturen passen sich der hügeligen Landschaft und den Farben an; andere machen einen schon von weitem neugierig – wie die überdimensionierte Gänseherde von Olivier Estoppey.
So verbringt man einen Tag voller Überraschungen und ungewöhnlichen Kunsterlebnissen – ein Ausflug, der sich auf alle Fälle lohnt.

Wer nicht so weit fahren möchte, kann Spoerri auch in Österreich erleben: In Hadersorf in Niederösterreich eröffnet Spoerri morgen in einem ehemaligen Kloster ein Ausstellungshaus und ein Esslokal – kein Museum, wie Spoerri betont.

Die Frankfurter Rundschau sprach mit Spoerri in einem Interview über sein Vorhaben. Auch das ORF berichtete vorab sowie der Tagesspiegel.

Nach London der Museen wegen…

Geschrieben von am 12. März 2009 17:46


36 Stunden in London und 9 Ausstellungen besucht – wenn das keine Leistung ist!

Ein kurzer Überblick über das Gesehene sei hier gegeben:
Erste Station, das Victoria & Albert Museum das zwei Ausstellungen zu bieten hat. „Hats. An Anthology by Stephen Jones“ klang vielversprechend. Der Modist Stephen Jones dessen extravagante Kopfbedeckungen die Kreationen von Vivienne Westwood, John Galliano oder Jean-Paul Gaultier ergänzen kuratiert hier eine kleine, amüsante Ausstellung. Man hätte sich von diesem exzentrischen Hutkünstler vielleicht mehr Kreativität erwartet. Der Raum ist dunkel, die Objekte, zumeist kühne Kreationen aber auch historische Stücke aus der Sammlung des Museums in den kioskartigen Vitrinen sind nach Themen gegliedert: Einflüsse (Exotismus, Stilepochen, Natur…), Materialien (Filz, Papier, Federn…), berühmte Kunden (natürlich die königliche Familie, aber auch Stars des Showbiz). Filmausschnitte zeigen Modeschauen, die Techniken des Hutmachers, ein Interview mit Stephen Jones…
Die zweite Ausstellung im V&A war dem Glanz der Zaren gewidmet „Magnificence of the Tsars“. Auch dies eine sehr konventionelle Kostümausstellung. Der Schwerpunkt liegt auf den Einflüssen der europäischen Mode seit dem 18. Jhdt. und dem allmählichen Aufkommen der schlichten Uniform als Alltagskleidung des Monarchen. Prächtige Stickereien, leuchtende Farben kennzeichneten die Männermode lange Zeit hindurch und bildeten einen krassen Gegensatz zu den extrem schlichten schwarzen, schmucklosen Trauergewändern wie zB. dem Trauermantel von Peter dem II. Im Alter von nur 15 Jahren am Morgen seiner Hochzeit verstorben, ist dies das Kleidungsstück das der junge Mann in seinem kurzen Leben am häufigsten getragen hat und das die stärksten Abnutzungsspuren zeigt.
Nächste Station die Tate Modern. Dieses ehemalige Elektrizitätswerk mit seinen überdimensionierten Räumen kam uns diesmal auch eher enttäuschend vor. Schon der Gesamteindruck ist irgendwie trübe, die Beleuchtung setzt keine Akzente, das Mobiliar mutet bereits leicht gestrig an. Eine Ausstellung ist den russischen Konstruktivisten und Designern Alexander Rodchenko und Liubov Popva gewidmet eine zweite der Fotografin Roni Horn. Auch hier nichts Neues unter der Sonne, brave, konventionelle Ausstellungen.
Die Royal Academy of Arts zeigt „Byzantium, 330-1453“. Auch hier ist das Ergebnis leider enttäuschend. Kostbare und eindrucksvolle Objekte in klobigen, schlecht ausgeleuchteten Vitrinen. Der Besucherandrang ist gross und die Disposition der Vitrinen erschwert die Zirkulation noch zusätzlich. Man fragt sich zB. warum bei grossen Vitrinen die Beschriftungen nicht auf beiden Seiten angebracht sind sodass mehr Leute gleichzeitig zum Lesen kämen. Eine weitere Ausstellung unter dem, ach so beliebten, Motto „Die Schätze von…“, beliebig abzuwandeln mit dem Zusatz „der Pharaonen“, „der Vikinger“, „der Inka“ etc. etc.
Ein amüsantes, wenig bekanntes Museum ist das „Museum of Brands, Packaging and Advertising“ in Notting Hill. Aus einer Privatsammlung hervorgegangen kann man hier eine historische Tour durch Werbung und Verpackung machen, seit den Zeiten der Queen Victoria bis heute. Die von oben bis unten vollgepackten Vitrinen sind szenografisch gesehen eher katastrophal aber man amüsiert sich, bekannte Produkte und die Wandlungen ihrer Verpackung oder die sozialen und historischen Einflüsse in Werbung und Packaging aufzuspüren.
Sehr interessant war schliesslich die Ausstellung „Unveiled: New Art from the Middle East“ in der Saatchi Gallery. 21 Künstler aus dem Mittleren Osten, Iran, Irak, Palästina… präsentieren hier ihre Bilder, Installationen, Photos, Skulpturen. Auch wenn der Grossteil von ihnen inzwischen im Westen lebt, ist ihr Werk stark von ihrem jeweiligen kulturellen Background aber auch der aktuellen sozialen und politischen Lage beeinflusst. Besonders beeindruckend die aus Alufolie gerformten knieenden Frauen von Kader Attia, die lebensgrossen puppenartigen „Teheran prostitutes“ von Shirin Fakhim und die „Men of Allah“ von Ramin Haerizadeh, die verschleierten Frauen von Shadi Ghadirian deren Gesichter durch ein Haushaltsgerät (Sieb, Plastikhandschuh, Besen…) ersetzt sind und vor allem die Installation des in Hebron geborenen und in Ramallah lebenden Wafa Hourani. Die Website der Saatchi Gallery erlaubt es, sich eine Idee zu machen.
Last but not least stand noch eine andere Galerie auf dem Programm, die Mall Galleries die eine Auswahl iranischer Künstlerinnen mit sehr unterschiedlichen Arbeiten ausstellte: „The Masques of Shahrazad: evolution and revolution through three generations of Iranian women artists“. Den stärksten Eindruck in dieser Galerie hinterliessen jedoch die schwarz/weiss Fotos von Munem Wasif „Salt Water Tears: Lives left behind in Satkhira, Bangladesh“. Der junge Fotograf erhielt 2008 den Auftrag, die fatalen Folgen der Wasserknappheit und der Schäden durch planlose Ausbeutung der Ressourcen einer Region zu dokumentieren um damit die Arbeit der NGO WaterAid zu unterstützen. Die Fotos der vom Salz zerfressenen Landschaft, der wassertragenden Frauen, der an schweren Krankheiten leidenden Bevölkerung sind unheimlich ausdrucksstark, berührend und trotz ihrer Ästhetik nicht beschönigend sondern eben dadurch noch ergreifender.
Abschliessend noch ein paar allgemeine Feststellungen. In allen Museen und Ausstellungen herrschte grosser Publikumsandrang, viele junge Leute, viele Schulklassen, aber auch zahlreiche Gruppen älterer Damen die zum Teil an Kursen (Aquarellmalerei etc.) vor Ort teilnahmen. Der Eintritt in die Museen und Galerien ist (fast durchwegs) gratis, die Sonderausstellungen hingegen sind eher teuer und es wird an allen Ecken und Enden um Spenden geworben. Jeder Orientierungsplan soll durch eine Spende „erworben“, jedes Garderobestück von freiwilligen Geldgaben begleitet werden. Ebenso mündet jede Ausstellung direkt in einen reich bestückten Shop. Cafés und Restaurants profitieren gleichermassen von den Ersparnissen beim Eintritt. A propos Café: das Museumsrestaurant im V&A Musem ist das erste Museumsrestaurant überhaupt und lohnt den Besuch: reiche Dekorationen, Keramikfliessen, Art déco Leuchter etc. – schade nur dass Tische und Stühle aus Plastik nicht dem edlen Rahmen entsprechen.

Kunst in der Vorstadt

Geschrieben von am 25. Februar 2009 13:24


MAC/VAL ist die Abkürzung für Musée d’art contemporain du Val-de-Marne. Im Ort Vitry-sur-Seine gelegen, ist es das erste Museum für zeitgenössische Kunst in der Banlieue von Paris. 2005 wurde das Museum eröffnet; Schwerpunkt der Sammlung ist die französische Kunstszene ab den 1950er Jahren. Nun wurde die Dauerausstellung wieder einmal neu inszeniert. Unter dem Motto „Je reviendrai“ sollen sich die BesucherInnen auf eine Reise in das Innere, Imaginäre begeben. Zum Ausstellungsbesuch gehört ein kostenloser Audioguide, in dem sich ein Paar über die ausgestellten Werke unterhält… Auf der Seite des Herstellers Audiovisit kann man sich das schon einmal anhören (wenn man französisch versteht, hat man natürlich noch mehr Freude daran).

Der Ausflug in die Vorstadt lohnt auf alle Fälle: das Gebäude von Jacques Ripault ist luftig gebaut und hat neben einem schönen Café-Restaurant auch noch einen großen Garten. Zudem ist das Museum ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Als ich da war, habe ich der Dame von Alain Séchas lange beim Rauchen zugeschaut.

Hier noch ein Artikel in der taz von 2005, als das Museum eröffnet wurde.

MAC/VAL
Place de la Libération
94400 Vitry-sur-Seine
Di-So 12 bis 19 Uhr

Langsam in München

Geschrieben von am 24. November 2008 22:25

Jetzt erst habe ich das Interview mit Chris Dercon neulich in der Süddeutschen Zeitung gelesen. Es ist sehr lesenswert, was der Leiter des Hauses der Kunst in München zu sagen hat. Er stellt nämlich klar, dass man vieles in Kunstmuseen nicht machen muss – wie Boutique-Kunst zeigen, oder überhaupt ans Telefon gehen, wenn einem ein Berater eine komplette Ausstellung inklusive Katalog und Preview bezahlen möchte. Dercon möchte das Museum „für unterschiedlichen Menschen zu gleicher Zeit weit öffnen“. Er sieht die Stärke im Museum durch seine Langsamkeit: „Wir sind sexy, weil wir langsam sind“ und er sagt voraus, dass diese Langsamkeit noch lange andauern wird.
Im Haus der Kunst zur Zeit zu sehen: die Ausstellung Spuren des Geistigen aus Paris. Interessant klingt auch das Angebot, im Museum mit der guided tour do you speak art? englisch zu lernen. Die Öffnungszeiten sind sehr arbeitnehmerfreundlich: täglich 10-20 Uhr und donnerstags bis 22 Uhr.

Museum Liaunig

Geschrieben von am 23. September 2008 18:24



Kärnten hat Gott sei Dank noch anderes zu bieten als Jörg Haider! Am 29. August eröffnete ein neues Privatmuseum das in erster Linie der österreichischen Kunst nach 1950 sowie einer einzigartigen Sammlung afrikanischer Goldobjekte gewidmet ist. Der Sammler Dkfm. Herbert Liaunig plant vorderhand nur Werke aus der eigenen Sammlung zu zeigen und auf Sonderausstellungen zu verzichten. Der von querkraft konzipierte Bau aus Sichtbeton, Stahl und Glas besteht aus einem Schaudepot (600 m2), einem 160 Meter langem, 13 Meter breitem und 7 m hohem tunnelförmigen „white cube“, einem Graphikraum (500m2) und einem unterirdischen Kubus in dem das „Gold der Akan“ gezeigt wird. Nur der lang gezogene Galerietrakt ist von aussen sichtbar und bietet von seinen Terrassen Ausblick auf die umliegende Landschaft. Unter den über 2000 Werken österreichischer Gegenwartskunst (Malerei, Plastik, Graphik aber auch Architekturentwürfe) finden sich Arbeiten von Erwin Wurm, Moldovan, Brus, Pichler, Wotruba, Prantl, Staudacher etc. aber auch Werke ausländischer Künstler wie Soulages oder Mullican.

Sitzmöbel IX

Geschrieben von am 11. September 2008 12:17



Nochmals „Sitzen im MuCEM“, diesmal als künstlerische Installation im Rahmen der Kandidatur von Marseille als europäische Kulturhauptstadt 2013 und der Ausstellung „Horizons 2013 – le projet Euroméditerranée„: verschiedene Stühle um Michelangelo Pistolettos Tisch der das Mittelmeer repräsentiert.

Carte Blanche für Christian Lacroix

Geschrieben von am 25. August 2008 15:56

Schon als Jugendlicher war der aus Arles gebürtige Christian Lacroix ein Fan des Musée Réattu, hat dort erste künstlerische Entdeckungen gemacht, Inspiration für seine späteren Kreationen gesammelt und, last but not least, auch mit mancher Jugendliebe Händchen gehalten. Damals hätte er es sich wohl kaum träumen lassen, dass dieses ehrwürdige Museum, das in einem Renaissance Palais, einst Grosspriorat des Malteserordens, untergebracht ist, ihm einst carte blanche für eine Ausstellung geben würde. Das Museum hatte damit einen überaus glücklichen Einfall. Wunderbar gelungen ist diese Inszenierung die sich über alle Säle des Museums erstreckt. Lacroix wählte Bilder und Skulpturen aus den Beständen des Museums um sie in thematischen Räumen mit moderner Kunst, Installationen, Skulpturen, Gemälden, Zeichnungen und Fotos und seinen eigenen Haute Couture Modellen zu konfrontieren. In jedem Detail wird das Auge und das Gespür für Farben, Gegensätze, Harmonien des Modeschöpfers sichtbar. Eigens nach Entwürfen von Lacroix angefertigte Teppiche sind ebenso Bestandteil der szenischen Einrichtung wie die subtilen Farbschattierungen der Wände und lassen somit das Museum und seine Objekte zu einem Gesamtkunstwerk werden.

Leider läuft die Ausstellung nur mehr bis zum 31. Oktober, aber wer in der Gegend ist, sollte sie sich nicht entgehen lassen.
Eine andere äusserst interessante Initiative des Musée Réattu gilt es noch zu erwähnen: 2007 hat das Museum eine eigene Abteilung für „Hörkunst“ geschaffen. In einem (von Lacroix gestalteten) Raum, der „chambre d’écoute“ mit orientalisch anmutenden Diwan-Betten und Blick auf die breit dahinströmende Rhône kann man sich in die Kissen zurücklehnen und „Hörbildern“ lauschen. Jeden Monat wird ein anderes Werk vorgestellt, diesmal war es „Containers“ der Australier Sherre Delys und Russel Stapleton das versucht, die „Melodie“ des Hafens von Sydney einzufangen.

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